Alle Artikel mit dem Schlagwort: Solidarität

380 Tage Hanau #wir

TW: Rassismus, Rechtsextremismus, Rassistische Gewalt, Tod Heute vor 380 Tagen wurden neun Menschen bei dem rassistischen und rechtsextremen Anschlag von Hanau ermordet. Auch heute erinnern wir daran.Auch heute gedenken wir: Hamza Kurtović Gökhan Gültekin Vili-Viorel PăunFerhat UnvarMercedes KierpaczFatih SaraçoğluSedat GürbüzSaid Nesar HashemiKaloyan Velkov 19-02-2020 Es ist der 19. Februar 2020.Ich bin in meiner Wohnung und gerade aufgewacht als ich davon erfahre. Ich weiß noch immer, was ich an diesem Tag getan habe. Was hast du an diesem Tag getan?Ich weiß noch genau, wie ich auf meinem Sofa saß und versucht habe, mit Tränen in den Augen zu essen.Ich weiß noch immer, wie ich versucht habe zu funktionieren.Ich weiß noch immer, was ich gefühlt habe. Ich kann es heute noch immer fühlen.Was hast du an diesem Tag gefühlt?Ich weiß noch immer, wie Menschen um mich herum lachten und sich amüsierten als wäre nichts gewesen.Ich weiß noch immer, wie mein Herz Stück für Stück zu brechen begann.Wie ging es deinem Herzen?Dieser Tag, der 380 Tage zurückliegt, fühlt sich gar nicht so weit weg an. Als wäre es …

Verbündetenschaft #Alltagsaktivismus

Seit dem schrecklichen Mord an dem schwarzen US-Amerikaner George Floyd wird wieder über rassistische Gewalt diskutiert. Auch in Deutschland sehen sich BIPoC täglich mit strukturellem und Alltagsrassismus in der Öffentlichkeit sowie im Privaten konfrontiert. Sie werden nach ihrer wahren Herkunft gefragt, für ihr gutes Deutsch gelobt, angestarrt, angefasst, bedroht, beschimpft, ausgeschlossen, unterdrückt, stigmatisiert, ihre Hautfarbe Schokoladensorten zugeordnet, sie werden sexistisch exotisiert und dann werden sie gefragt, ob es Rassismus in Deutschland überhaupt gäbe. Viele meiner weißen Freund*innen finden diese Realität, zu Recht, schrecklich. Gleichzeitig sind sie sich unsicher, wie sie sich für die Rechte ihrer BIPoC-Freund*innen, Kommiliton*innen, Mitbürger*innen etc. einsetzen können, ohne die Betroffenen zu bevormunden. Bei dem Thema Rassismus haben Menschen schnell, und wieder zu Recht, Angst etwas Falsches zu sagen oder zu machen. So bleibt es oftmals dann doch nur bei den Mitleidsbekundungen oder den Posts auf Social Media. Wie kann ein antirassistisches Engagement von weißen Menschen aussehen, das nicht mit einem schwarzen Foto auf Instagram auch schon wieder vorbei ist? Verbündetenschaft Ein Ansatz ist die Verbündetenschaft. Hinter dem zugegebenermaßen etwas sperrigen Begriff …

We’re caught in a trap

Eine Woche in Gedanken Dienstag. Wir sitzen in der Uni zusammen, in unserem Gemeinschaftsatelier, am runden Tisch und jemand erzählt von den Nachrichten gestern im Fernsehn. Ja, andere Unis sind schon zu, in Innsbruck zum Beispiel.  Ich reagiere ungläubig und frage gleich bei einer Freundin nach, die dort studiert. Irgendwie ist alles lächerlich, wieso? Das Thema ist jetzt schon mehr in meinem Kopf als gestern und vorgestern. Da haben wir in der WG Scherze ausgetauscht, den Corona-Song gehört, unbesorgt. Im Nachhinein gesehen, waren wir so frei. Denn schon gegen zwölf geht es los mit den Sorgen. In unserer allwöchentlichen Versammlung wird uns mitgeteilt, dass Exkursionen ins Ausland entfallen und dass keine Kurse mehr stattfinden. Ab Montag. Alle scherzen wieder, sind aber auch traurig, langsam setzt der Schock ein. Auch bei mir, mein Kopf ist im Nebel, hab ich Kopfweh? Corona? Nein, beschließe ich, das ist Psychostress, ich war nicht vorbereitet, keine Erwartung plötzlich in einen Zukunftsfilm zu fallen. Wir haben noch einen Tag Uni, wie immer, nur dass es dieses eine Thema gibt. Immer noch …

In Zeiten wie diesen #wir

In Zeiten wie diesen wird das für unmöglich Gehaltene möglich. In Zeiten wie diesen wird das Unsagbare sagbar. In Zeiten wie diesen liegen Gut und Böse nahe beieinander. Was vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre, ist heute kaum noch wegzudenken oder wegzubekommen. Das kann sowohl positive, als auch negative Konsequenzen haben. Sind diese Zeiten etwa wilde Zeiten? Um das Abstrakte etwas greifbarer zu gestalten, soll im Folgenden eine kleine Analyse dessen vorgenommen werden, was in den letzten Monaten zu beobachten war. Dabei nehmen die sozialen Netzwerke eine essentielle Rolle ein. Abzweigungen Stellen wir uns das Internet wie einen prächtigen Baum vor: Der Baum ist im Besitz mehrerer Äste, die andersartig gewachsen sind. Äste, die dick und lang sind. Äste, die schmal und kurz sind. Äste, die kahl sind, Äste die mit prächtigen grünen oder andersfarbigen Blättern versehen sind. Äste, die an Blättern verlieren und Äste kurz vorm Absterben. Der Baumstamm stellt die sozialen Netzwerke dar, die in Gebrauch vieler Menschen sind. Menschen verschiedener Couleur befinden sich unter ihnen. Sie bewegen sich in dem Stamm hin und …

Eine Welt voller Welten #wir

Die Welt, in der wir leben, wird nicht nur von Milliarden von Menschen bewohnt, sie ist auch eine Welt, in der sich viele weitere Welten finden lassen. Gibt es also nicht nur diese eine uns allen bekannte Welt? Meine Antwort darauf: Nein. Unsere Welt besteht aus mehreren, individuell gestalteten Welten.  Welten inmitten unserer Welt Habe auch ich meine eigene Welt? Ja, ich habe meine eigene Welt.  Ich lebe in meiner eigenen Welt. Diese Welt ist mein Zufluchtsort, mein Ruhepol, mein Eigenes. Sie ist all das, was ich brauche, um mich in dieser großen, teils unübersichtlichen, an manchen Tagen überfordernden Welt zurechtzufinden. Gehe ich in ihr verloren, so kann ich jederzeit meine eigene, meine innere Welt betreten und mich in ihr gehen lassen.  Meine Welt gibt mir die Möglichkeit, zurück zu mir selbst zu finden und mich auf mich selbst zu besinnen.   Meine Welt ist wie eine Tankstelle, die ich aufsuchen kann, um verloren gegangene oder aufgebrauchte Energie zu tanken. Meine Welt gestalte ich mir nach meinem persönlichen Geschmack, schmücke sie mit Meinungen und Haltungen, die …