Alle Artikel mit dem Schlagwort: Sex

Konzept des Datings

Manchmal zweifle ich am Konzept des Datings. Ich frage mich, was es eigentlich genau bringen soll, sich mit wildfremden Leuten auf Grundlage des ersten optischen Eindrucks zu treffen. Immer wieder neu von vorne anzufangen. Erzählen zu müssen, wer man ist, was man mag, was einen stört, was man von politisch kontroversen Themen oder Bestseller-Autor:innen hält. Dinge von sich preiszugeben auf Nachfrage, als würde man eine intrinsische Liste abarbeiten, um den anderen möglichst davon zu überzeugen, dass man ein netter Mensch ist.  Manchmal frage ich mich, ob ich die Einzige bin, die das so sieht. Die es unangenehm findet, Dinge von sich preiszugeben und sich in Situationen einzufinden, die sich verhalten als wären sie Bewerbungsgespräche, obwohl sie es nicht sind. Gleiche Aufregung, gleiches gespieltes Interesse, gleiches Unvermögen den richtigen Moment abzupassen, es zu beenden.  Und doch tut man es immer wieder. Weil es die einzige Möglichkeit zu sein scheint, Leute kennenzulernen. Und nicht, dass man es falsch versteht, ich kann das. Ich bin mein lockeres Selbst, ich mache Späße, Leute finden mich lässig und lustig, aber …

Die Sache mit dem Nein: Sexuelle Übergriffigkeit

Ich bin Opfer von sexueller Übergriffigkeit.  Lassen wir diesen Satz einmal einfach dastehen, damit er auf uns wirken kann. Dieser Satz trifft auf viel mehr Leute als mich zu. Er trifft auf viele zu, denen es vielleicht nicht bewusst ist und er trifft nicht nur auf Frauen zu. Es ist ein wichtiger Satz, denn dass ich ihn sagen darf, schließt Fragen wie „War es wirklich Übergriffigkeit?“, „Übertreibe ich da nicht?“, „Habe ich Schuld?“ aus. Und diese Fragen sollten ausgeschlossen werden, denn sie alle legen nah, dass die Situation nicht mit dem Ernst wahrgenommen wird, den sie in sich trägt. Die Worte, über die wir hier reden, sind heikel und ich will nicht so tun, als gäbe es völlig objektive Definitionen für sie, aber ich werde im Folgenden einige Definitionen vorstellen und dann meine Geschichte erzählen. Ich denke, das ist fair. Ich denke, das ist subjektiv auf die richtige Art und Weise.  „Übergriff: Handlung, mit der man die Rechte, den Kompetenzbereich eines anderen verletzt, bestimmte Grenzen überschreitet“ (Wikipedia) Ein Wort, dass in Zusammenhängen wie diesem auch …

Grand Budapest Hotel

Wer als junger Mensch schon mal in Budapest war, kennt die Stadt vermutlich als Party-Hochburg, wo sich Erasmus-Studis und Backpacker auf den Hochbetten der Hostel-Mehrbett-Zimmer stapeln. Ich habe Budapest anders erlebt. Als Ehrenamtliche im Bereich der sozialen Arbeit in einem Vorort, brauchte ich eine knappe Stunde in die Stadt und meine Community dort musste arbeiten, was das Feiern doch ein wenig einschränkte. Ich lernte die Stadt ein bisschen anders und ein bisschen genauer kennen und verbrachte tolle Abende in gemütlichen, nicht ganz so touristischen Kerts (Biergarten im Budapest-Style) und hatte meine Geheimspots, die ich bis heute liebe.  An einem Wochenende kam mich eine Freundin aus der Heimat besuchen, die zuvor schon mal als Backpackerin in Budapest war – natürlich auf einem Hochbett eines Hostel-Mehrbett-Zimmers mit 15 weiteren miefigen Low-Budget-Touristen. Ich brauche nicht weiter zu erläutern, wie empört sie darüber war, was ich für einen langweiligen Lifestyle in dieser schillernd-versufften Stadt lebte. Da sie auch nun wieder in einem Hostel in der City unterkam, ließ ich mich darauf ein, einen Abend, eine Nacht mit ihr zu …

Pablo

Auch genannt der Italiener, um ehrlich zu sein, immer genannt der Italiener. Ich frage mich, wie lange es noch braucht, bis ich seinen Namen vergessen habe. Pablo hat mich, classy as fuck, beim Arbeiten angesprochen, frei nach dem Motto: „Wer braucht schon Tinder?“. In der Bar, in der ich arbeite, ist es sehr eng und ich kleiner Tollpatsch bin praktisch auf ihn drauf gestolpert, woraufhin er einfach nur gesagt hat „Gehen wir mal was trinken?“. Ich dann bisschen perplex am undefinierten Antworten geben, weil mir anscheinend schon das zu viel Entscheidungsdruck ist. Ich glaube, ich sage, ich muss es mir überlegen. Auf jeden Fall kommt Pablo, bevor er geht, zu mir und fragt, ob ich es mir überlegt habe. Habe ich natürlich nicht und gebe weiterhin weirde Antworten, aber auch mein Handynummer. Pablo meldet sich circa einen Tag später und fragt mich, ob ich mich an den Jungen aus der Bar erinnere. Erstens, Pablo ist 28 und denke dadurch, per Definition, kein Junge mehr, zweitens bin ich dumm? Vielleicht ist so ein Vorfall bei mir …

Tabuthema? Pille danach. #Zeitgeist*in

Missgeschicke bei der Verhütung kommen vor. Doch was tun, wenn das Kondom reißt oder die Pille zu spät eingenommen wurde? Ein Erfahrungsbericht, die Frage nach der immer noch bestehenden Tabuisierung des Themas und Antworten auf die wichtigsten Fragen zur PiDaNa. Tja, und dann ist es passiert. Ich schäle mich aus der Bettdecke, taste in der Dunkelheit nach meinem Handy, öffne den Browser und tippe ein: Pille danach. Ein Lagebericht Nur ein Schulterzucken und drüber lachen genügt jetzt natürlich nicht. Soll eine ungewollte Schwangerschaft verhindert werden, müssen wir handeln. Ja, das wir steht hier nicht umsonst. Zwar tragen weder mein Sexualpartner* noch ich die Schuld am Versagen des Kondoms, aber wir sollten trotzdem gemeinsam darüber sprechen. Ein bisschen wie bei einem Anruf bei der Feuerwehr, bei welchem man die Lage schildert, gehen wir alle Fragen durch: Was genau ist passiert?Wie und warum ist es passiert?Was bedeutet das?Was machen wir jetzt? Als ich dann frühmorgens die Apotheke betrete, kneife ich, vom grellen Deckenlicht geblendet, die Augen zusammen. Mein Partner* hatte mir zwar angeboten, die Pille danach für …

Alles nur vorgetäuscht

Es ist schon unzählige Male passiert. Ich habe das Gefühl, sobald man einmal damit anfängt, wird es schwer, wieder damit aufzuhören. Ich kenne außerdem keine Person, der*die es nicht schon mal getan hat – sei es, um dem ganzen vorzeitig ein Ende zu setzen oder um dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben. Auch ich habe das gut drauf: Mein Stöhnen verändert sich, ich kralle mich ins Laken und mache das berühmte Hohlkreuz – das ganze Programm. Ich bin eine richtig gute Schauspielerin im Bett. Im heutigen ersten Beitrag unserer Sex-Kolumne „mit wem oder allein“ haben wir einige von Euch nach eigenen Erfahrungen mit vorgetäuschten Orgasmen gefragt. Wer macht wen glücklich? Theresa*: Ich kann mich gar nicht so richtig erinnern an die Male, bei denen ich vorgetäuscht habe. Wahrscheinlich habe ich es verdrängt. Es müssen ungefähr zwei Orgasmen bei dieser einen Beziehung gewesen sein. Es tat einfach zu weh und ich wusste, dass da unten alles zu taub war, als dass sich jemals etwas regen würde. Ich tat mein Bestes und spielte Genuss vor. Danach …

Tabuthema? Chlamydien

Über Geschlechtskrankheiten wird geschwiegen. Auch in meinem Freundeskreis wird meistens beschämt zur Seite geschaut, wenn über das Thema gesprochen wird. Dabei gehört die Chlamydien-Infektion zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten in Deutschland aber auch weltweit. Aber genau wie eine Erkältung auch sind Geschlechtskrankheiten ganz normal, gehören dazu und können gut behandelt werden. Sie sind nur eben einfach ein bisschen unangenehm, aber das müssen sie eigentlich gar nicht sein. Und genau deshalb möchte ich heute drüber sprechen. Symptome Das Problem bei der Chlamydien-Infektion ist nämlich, dass sie meistens unbemerkt bleibt bzw. sich in ganz unterschiedlichen, nur sehr leichten Symptomen äußern kann. Oft wird zunächst nur eine Blasenentzündung oder eine Pilzinfektion vermutet. Symptome für eine Infektion können nämlich ein ungewöhnlicher Ausfluss, Brennen und Schmerzen beim Pinkeln, Schmerzen beim Vaginal- und Analsex und Juckreiz sein. Meistens treten diese Symptome ein bis drei Wochen nach der Ansteckung auf. Lass dich aber auch dann untersuchen, wenn deine Beschwerden von selbst besser werden oder sogar ganz verschwinden. Denn die Chlamydien-Infektion kann immer noch in deinem Körper sein und sich weiter ausbreiten. …

Tabuthema? Der weibliche Orgasmus

Der weibliche Orgasmus, auch Höhepunkt oder Klimax, ist und bleibt ein Mysterium für sich, denn Frauen fällt es oft deutlich schwerer, beim Sex zu kommen. Wieso wird darüber so wenig gesprochen? Wieso sind männlicher und weiblicher Orgasmus immer noch nicht gleichberechtigt? Wie war es früher und wie ist es jetzt? Im Mittelalter wurde davon ausgegangen, dass Frauen nur dann schwanger werden können, wenn sie einen Orgasmus erleben. Die Männer waren deshalb immer darauf aus, die Frauen zum Höhepunkt zu bringen. Tragisch war, dass Vergewaltigungen gesetzlich nicht mehr als solches gesehen wurden, wenn die Frau schwanger wurde – also vermeintlich gekommen ist. Im viktorianischen Zeitalter (19. Jahrhundert) wurden sexuelles Verlangen und vaginale Ausscheidungen als Symptome für Hysterie. Hysterie ist laut Duden ein veralteter Begriff aus der Medizin und beschreibt eine „abnorme Verhaltensweise mit vielfachen physischen und psychischen Symptomen ohne klar umschriebenes Krankheitsbildgehalten“. Weibliche Sexualität wurde folglich mit einer „Beckenmassage“ behandelt, bei der der Frau ein „Manipulator“ eingeführt wurde, der sie zum Orgasmus brachte – ähnlich wie ein Vibrator. Erst im 20. Jahrhundert, in den 1940er Jahren, …

Müssen wir uns wirklich nicht mehr outen?

Ich sitze in meinem Bett, es ist zwei Uhr nachts und ich versuche eine Pro- und Contra-Liste zu schreiben, nachdem ich 3 Stunden lang Selbsttests im Internet gemacht habe. Bin ich lesbisch? Oder doch heterosexuell? Ich habe keine Ahnung. Seit dem mir das erste Mal mit 11 der Gedanke gekommen ist, dass ich vielleicht Frauen gut finden könnte, habe ich mich viel entwickelt und vor allem pures Gefühlschaos durchlebt. Mädchen, Jungs, Junge und Mädchen, Mädchen und Junge, Mädchen mit Mädchen und Junge mit Junge. Ich habe mich dafür geschämt, war mir unsicher, war mir sicher, hab geweint, wollte mich verstecken, mit Leuten darüber reden. „Hey, vielleicht finde ich auch Mädchen gut.“„Ach, wenn dann, dann stehe ich ja auf Mädchen. Ärsche sind toll.“„Aber ich meine, vielleicht bin ich lesbisch.“„Das ist normal, geht aber auch wieder weg.“ Also gut, vielleicht bin ich lesbisch oder doch bi oder am Besten verdränge ich das Ganze einfach. Kann das nämlich gerade echt nicht gebrauchen. Ich will doch so gerne normal sein und dazu gehören. Bis ich 10 Jahre alt war …

Tabuthema? Stay safe!

Im heutigen Beitrag soll es um eine ganz bestimmte Sache gehen, mit der sich viel zu wenig beschäftigt wird und über die selbst lesbische/bisexuelle Frauen nicht unbedingt (genug) Bescheid wissen: Verhütung! Denn ja, auch wenn das HIV-Risiko niedrig ist, könnt ihr euch mit Hepatitis, Herpes (beides schon übrigens allein durch Küsse!), Tripper, Pilze und bakterielle Vaginose infizieren. Aber kein Grund zur Sorge, denn wenn ihr euch vorher genügend informiert und schützt, sind eurem Liebesleben keine Grenze gesetzt. Kleiner Disclaimer: Wir sprechen hier nur über den Sex zwischen zwei Frauen*. Natürlich gilt all das auch für die, die sich nicht als Frau definieren, aber über weibliche Geschlechtsteile verfügen. Genauso wie heterosexuellen Paare, die Oralverkehr betreiben! Das Wichtigste: Sprecht miteinander & klärt die Fronten. Seid vor allem ehrlich zueinander. Wenn sich nicht ausschließen lässt, dass eine von euch beiden eine sexuell übertragbare Krankheit hat, gilt als erstes: Lasst euch testen! Das ist nicht peinlich, sondern ganz wichtig. Beim Oralverkehr können Scheidensekrete oder Menstruationsblut den HIV-Virus enthalten & über den Speichel übertragen werden. Während der Menstruation schützt ihr euch vor …