Alle Artikel mit dem Schlagwort: selbst

Unkontrollierbare Kontrolle: und wieder aufstehen

Ich weiß nicht genau, wann oder warum es begonnen hat – keiner weiß es – aber plötzlich waren sie da, Gedanken wie: „Du musst abnehmen!“ oder „Du darfst nicht so viel essen!“ Und bald darauf die Verbote: „Gefrühstückt wird ab jetzt nicht mehr!“ oder „Eis? Auf keinen Fall!“ Nach jeder Mahlzeit fühlte ich mich schlecht und schuldig, weil ich gegessen hatte. Irgendwann habe ich mich gefragt: Bin das wirklich ich? Jeder kann es sehen, wie er will: Ich betrachtete meinen Körper aus der Sicht zweier verschiedener Personen – die eine Person war ich selbst und die andere die Magersucht. Als ich zu Beginn der Sommerferien 2017 bei einer Größe von 1,65 m nur noch 40 kg wog, ging es mir körperlich zwar noch gut, aber psychisch so schlecht, dass ich wusste, ich muss mit jemandem darüber reden. Irgendwann schaffte ich es schließlich, meine Gedanken zwei Musikkolleginnen und Freundinnen anzuvertrauen. Auch ein Gespräch mit meiner Mutter ließ nicht lang auf sich warten, da natürlich auch meine Eltern bemerkt hatten, dass mein Essverhalten so nicht richtig war. …

Das Gegenteil von gleichgültig

Ich denke sehr viel nach. Ich mache mir über alles Gedanken. Ich bin nah am Wasser gebaut. Ich überdenke, reflektiere und lasse revue passieren. All das gehört zu mir. Und zeigt, das ich involviert bin. Dass mir etwas wichtig ist. Und nicht egal. Dass es weh tut oder schön ist. Dass es mich beschäftigt. Es ist ein Zeichen dessen, dass ich lebe. Ich fühle. Ich fühle viel. Und sehr oft treibt es mich zur Weißglut. Gerade, wenn es schmerzvolle Momente und Empfindungen sind, die ich ausblenden und vergessen möchte. Aber – und das habe ich gemerkt – ich möchte auch nicht ohne. Denn was noch viel schlimmer ist, als ständig jede Emotion zu spüren, sich Sorgen zu machen, zu lachen, zu weinen, Achterbahn zu fahren … ist Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist passiv. Sie ist einfach da und übertüncht alles. Wie eine Wolke, wie ein Nebel, durch den man Konturen nicht mehr erkennt oder ein Schleier, der sich über alles legt. Es ist ein ernüchterndes Gefühl. Nicht so sehr, wenn man von Anfang an gleichgültig ist. Aber wenn man …

Warum eigentlich normal sein?

Als ich meinen entwickelten Film mit Bildern von einer Party am Dienstag abholte, musste ich beim Anschauen der Bilder viel schmunzeln: So viele, gute Erinnerungen, die ich zum Glück alle festgehalten habe. Als später meine Tante zum Kaffee zu Besuch war, sich die Bilder anschauen wollte und völlig entsetzt fragte „Ist das etwa ein Mann? Warum trägt der hohe Schuhe? Und warum ist er geschminkt?!“, brachte mich das zum Nachdenken: Was ist eigentlich normal? Und warum wollen das immer alle sein? Als langjähriger Fan von Lady Gaga ist man es gewohnt, dass jede Person so herumläuft, sich so kleidet und schminkt, wie sie es möchte – ganz nach dem Motto Born this Way, eben. Und für mich ist es einfach selbstverständlich, dass ich auf eine Party komme und von einem Freund begrüßt werde, der falsche Wimpern, künstliche Fingernägel und rosa-gefärbte Haare hat. Dass ich ihm sage, wie geil er aussieht. Es ist ganz normal, dass die Jungs in Overknee-Heels kommen, auf denen ich niemals laufen könnte, und grobe Strumpfhosen an den muskulösen Beinen tragen. Dass …

Truth

                Sophie liebt es, ihre Gedanken, Gefühle und Erlebnisse kreativ in schwarz auf weiß zu verewigen, in Form von Gedichten oder Texten, die sie auf Ihrem Blog oder Instagram veröffentlicht. Sie liebt das Leben, Lachen und Planet Earth. instagram / poetry account blog twitter