Alle Artikel mit dem Schlagwort: Selbst & Inszenierung

“zu groß” träumen

Für unser Interview mit Edition F wurde mir die Frage gestellt, ob man überhaupt zu groß träumen könne. In meiner Beschreibung auf der Über Uns Seite steht nämlich, dass ich meist zu groß träume. Diese große Frage ganz knapp zu beantworten ist mir unglaublich schwer gefallen. Denn zuerst finde ich ganz schnell die Antwort: Nein! Niemals! Doch beim weiteren Nachdenken wird mir klar, dass auch diese Frage genauso gut bejaht werden kann. Einmal einen Fallschirmsprung machen, mit der zukünftigen Familie in einem Haus am Meer leben, endlos glücklich sein oder Schauspieler*in werden –  das können alles Dinge sein, die ganz oben auf unserer (heimlichen) Wunschliste stehen. Träume, die wir anstreben, Träume, die unseren sehnlichsten Wunsch verkörpern, Träume, die aufzeigen, was uns wirklich im Leben wichtig ist. Sie können eine riesige Motivation sein, sich in der Schule anzustrengen und den Berufsweg einzuschlagen, der dich deinem Traum näher bringt. Oder das Geld anzusparen, dass es für die Erfüllung des Traums braucht. Oder die Geduld zu haben, die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Ein Traum fühlt sich …

Nicht anders als gestern

Ich fange eigentlich meist Wochen vor meinem Geburtstag an, mich auf diesen Tag zu freuen. Mir auszumalen, was ich alles Schönes machen werde und wer alles an mich denken könnte. Welchen Kuchen ich backen oder was ich anziehen könnte. Denke mir jedes Jahr, was für ein monumentaler Schritt es ist, wieder ein Jahr älter zu sein. Am 28. Mai bin ich um 9 Uhr aufgewacht: Aber habe ich mich anders, oder vielleicht sogar erwachsener, gefühlt? Nein. Denn außer einem Frühstück, bei dem ich schon morgens Schokokuchen essen und Kerzen auspusten konnte und im Wohnzimmer von Blumen und einem „Happy Birthday“–Schild begrüßt wurde, war ja auch nichts anders als gestern. Wochenlang denke ich über diesen Tag nach, freue mich immer noch wie ein Kind darauf, will es mir so schön machen, wie nur möglich. Nehme mir also heute die Zeit, und tue all die Dinge, die mich glücklich machen: Ich mache Sport, frühstücke ausgiebig, esse Kuchen, gehe schwimmen, sitze in der Sonne und koche abends ein riesiges Festmahl mit all den Sachen, die ich gern esse. …

Der perfekte Ort

Ich bin bis zu meinem Abitur ein einziges Mal umgezogen. Mit drei Jahren, von unserer Wohnung in der Kleinstadt in das Haus, das meine Eltern gebaut haben, im Dorf daneben. Ansonsten habe ich meine komplette Jugend bis zu meinem 19. Lebensjahr in einem einzigen, kleinen Ort verbracht. Ihn verhasst, weil man so wenige Möglichkeiten hatte. Weil sich die Leute nie änderten, man nie den Freundeskreis wechseln konnte, weil jeder jeden irgendwie kannte und nie ein neues Gesicht einfach irgendwo dazu stößt. Das Dorf hat ca. 500 Einwohner, von denen schätzungsweise 70 Prozent über 75 Jahre alt sind. Eine einzige Mitschülerin von mir kam auch aus dem Dorf. Alle anderen waren auf die umliegenden verteilt. Zum Einkaufen oder Freunde besuchen musste man entweder zwei Kilometer laufen oder die Eltern bitten, gefahren zu werden. Ich fühlte mich eingekesselt, unverstanden und irgendwie nicht frei genug an diesem Ort. Ich wollte Abwechslung und vor allem ganz viel Neues sehen. Ich suchte nach dem perfekten Ort für mich.                 Nach dem Abitur bewarb ich mich …

Lass uns Farbe bringen, wo es trist war.

Als wäre es nicht kompliziert Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Lass uns die Leichtigkeit spielen, die uns fehlt. Lass uns die Liebe lernen, die wir brauchen. Lass uns die Worte erfinden, wo sie nicht genug sind. Lass uns die Regeln brechen, die uns schaden. Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Als wäre kein Verlust, wo immer Leichtigkeit ist. Als wäre Liebe nicht genauso grausam, wie sie schön ist. Als wären Worte immer angebracht. Als ließen schlechte Regeln sich nicht genauso schwer brechen wie die guten. Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Lass uns die Welt neu erfinden, wo sie alt geworden ist. Lass uns singen, wo Lieder vergessen wurden. Lass uns in die Hand nehmen, was in den Händen anderer war. Lass uns Mut haben, den andere nicht hatten. Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Als wäre Neues noch nie schädlicher gewesen als Altes. Als wären Lieder noch nie Hetze gewesen. Als wären unsere …

Warum eigentlich normal sein?

Als ich meinen entwickelten Film mit Bildern von einer Party am Dienstag abholte, musste ich beim Anschauen der Bilder viel schmunzeln: So viele, gute Erinnerungen, die ich zum Glück alle festgehalten habe. Als später meine Tante zum Kaffee zu Besuch war, sich die Bilder anschauen wollte und völlig entsetzt fragte „Ist das etwa ein Mann? Warum trägt der hohe Schuhe? Und warum ist er geschminkt?!“, brachte mich das zum Nachdenken: Was ist eigentlich normal? Und warum wollen das immer alle sein? Als langjähriger Fan von Lady Gaga ist man es gewohnt, dass jede Person so herumläuft, sich so kleidet und schminkt, wie sie es möchte – ganz nach dem Motto Born this Way, eben. Und für mich ist es einfach selbstverständlich, dass ich auf eine Party komme und von einem Freund begrüßt werde, der falsche Wimpern, künstliche Fingernägel und rosa-gefärbte Haare hat. Dass ich ihm sage, wie geil er aussieht. Es ist ganz normal, dass die Jungs in Overknee-Heels kommen, auf denen ich niemals laufen könnte, und grobe Strumpfhosen an den muskulösen Beinen tragen. Dass …

Inspiration oder Nachahmung?

Nachmachen ist etwas, was mich schon seit jeher beschäftigt, mir seit jeher nahe geht und womit ich seit jeher zu kämpfen habe. Denn so banal dieses Thema scheinen mag, so wichtig ist es auch, dass wir darüber sprechen. Denn besonders jetzt, wenn wir noch dabei sind, uns selbst zu finden und uns selbst zu definieren, schauen wir oft auf andere. Was machen die? Wie kann ich das auch machen? Wie kann ich es besser machen? Meine Geschichte beginnt so: Ich bin einfach ein 13-jähriges Mädchen, welches noch im Internat lebt, dort Freunde hat und – wie das halt so ist – auch einen Schwarm. Leider lief das mit der Liebe damals aber alles noch nicht so, wie ich mir das gern gewünscht hätte und der Typ empfand nicht dasselbe für mich. Überraschung. Wir waren jedoch zumindest mal echt gute Freunde gewesen. Doch dann kam sie. Sie war das non-plus-ultra. Sie war perfekt. In meinen Augen. In seinen Augen. In den Augen aller eigentlich. Sie war hübsch, schlau, lustig, talentiert, eloquent und es dauerte nicht lang, …

Warum ich Fan bin.

Wenn ich daran denke, Gaga bald endlich wiederzusehen, kann ich mir ein Lächeln kaum verkneifen, denn ich glaube, es gibt nur wenige Dinge, die mich momentan glücklicher machen könnten. Denn diese Frau macht einen ziemlich großen Teil meines Lebens aus und ihr Dasein trägt viel zu der Person bei, die ich heute bin. Es ist jetzt schon vier Jahre her, dass ich, heiser, mit vom Bier verklebten Schuhen, Konfetti im Haar und Glitzer-Steinen auf der Stirn, aus der Mercedes Benz Arena in Berlin gestolpert bin. Zwei Konzerte einer Tour lagen hinter mir, zwei Erfahrungen, an die ich mich immer noch bis ins kleinsten Detail erinnere. Mit einem Gefühl in mir, dass sich einfach nicht beschreiben lässt. Seit 2008 bin ich nun schon dabei: Checke jeden Tag sämtliche Plattformen, um immer auf dem neusten Stand zu bleiben. Warte sehnsüchtig auf Release-Tage neuer Songs oder Alben. Stehe mitten in der Nacht auf, um mir die Grammys live im Fernsehen anzuschauen, nur weil sie auftritt. Gebe unfassbar viel Geld für T-Shirts aus, auf denen ihr Name steht. Schwänze …

Nach Hause kommen

Aus einer Sprachmemo vom 3. März 2017. Es sind Semesterferien und ich bin wieder zuhause. Ich hab eine Menge zutun, viele Gedanken und Deadlines zu beachten. Seit fast zwei Jahren bin ich jetzt unterwegs in der Welt, ziehe an neue Orte, lerne neue Menschen kennen, eigne mir neue Gewohnheiten an, sammle positive und negative Erfahrungen. Eigentlich habe ich das Gefühl, die meiste Zeit in irgendwelchen Zügen verbracht zu haben, die mich von A nach B und immer wieder nach Hause bringen. Zeit zum Reflektieren, in diesem Übergang zwischen Ausgangs- und Zielort, zwischen neuem Umfeld und gewohnter Umgebung, in die man mit neuen Erfahrungen zurückkehrt. Denn Zuhause ändert sich nichts. Alles bleibt beim Alten. Es ist gut, zu wissen, dass man an einen Ort zurückkehren kann, auch wenn man ein komplett anderer Mensch wird. An einen Ort, der bleibt, wie man ihn verlassen hat, auch wenn man sich verändert. Der Bahnhof, an dem ich ankomme, wird immer schäbig sein und nach Pisse stinken, Zurück in das Auto, mit dem ich an so viele Orte gefahren bin, …