Alle Artikel mit dem Schlagwort: Schule

Zu viel oder genau richtig?

„Bei uns gab es diese Möglichkeit ja noch gar nicht!“, „Sei froh, dass du deine Träume  ohne Einschränkungen ausleben kannst!“-das sind Sätze, die wir alle, so oder so ähnlich, bestimmt schon mal von älteren Generationen gehören haben und die auch erst mal so stimmen. Wir haben heutzutage die Möglichkeit, so gut wie alles zu tun, was wir wollen.  Willst du studieren? Mach doch! Willst du eine Ausbildung machen? Nichts wie ran! Willst du reisen? Let’s go! Egal welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche Sexualität: diese Möglichkeiten stehen jedem offen.  Natürlich ist das jetzt sehr lapidar ausgedrückt – es kommen noch viele Faktoren dazu, über die man sich Gedanken machen muss und die unserem Tatendrang entgegengesetzt werden, wie zum Beispiel die Finanzen. Aber auch hier hat unsere Generation die besten Karten: Studienkredite, Bafög, Stipendien – in Bildung wird immer gern investiert.  Trotzdem hatten diese Sätze für mich schon immer einen bitteren Beigeschmack. Wenn man alles machen kann, was will man dann überhaupt? Wenn man alles erreichen kann, wann ist es dann genug? Ist man demotiviert, nicht ambitioniert …

Konzentrationslos

Kann mich nicht konzentrieren. Nicht darauf, diesen Beitrag zu schreiben, nicht auf’s Lernen, allgemein nicht. Es fällt mir schwer, bei einer – und wirklich nur einer – Sache zu bleiben. Woher kommt das,  frage ich mich. Ich habe mir Tipps durchgelesen, wie man sich besser konzentrieren kann. Fünf waren es. Sie lagen zwischen viel Wasser trinken und Konzentrations-Übungen machen. Aber das kann es doch nicht gewesen sein. Das ist es auch nicht. Meine Schwäche geht tiefer als acht Stunden Schlaf jede Nacht und eine ausgewogene Ernährung – beides Dinge, auf die ich eh Wert lege. Also inspiziere ich mich und das, was ich tu’. Das ist eine ganze Menge. Neben dem Studium ist da noch Fernbeziehung, Familie, Freunde, andere Projekte, ich selbst. Alles Sachen, die mich beschäftigen. Tagtäglich, Stunde um Stunde und Minute für Minute. Und genau da liegt das Problem. Es gibt keine Sekunde ohne einen Gedanken, der in eine dieser Richtungen geht. Gibt keinen klaren, leeren Gedanken. Mein Leben ist voll, das ist schön, aber so ist es auch mein Kopf, mein Herz, …

Introversion in der Schule

Das deutsche Schulsystem. Ein Thema für sich, was immer gerne in das Zentrum der Kritik rückt. Und das zu Recht. Ich als angehende Abiturientin habe 12 Jahre Schule hinter mich gebracht und fühle mich jetzt in der Lage, ausreichend über diese Lernanstalt urteilen zu können. Bildung ist wichtig, keine Frage. Und ich weiß es zu schätzen, das Recht auf kostenlose Bildung zu haben. Denn ich bin jemand, der gerne Neues lernt. Der sich Herausforderungen stellt und sich freut, daran zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Dieser Prozess ist großartig. Doch trotz allem nerven mich einige Dinge an der Schule: Einer meiner beliebtesten Kritikpunkte sind die mündlichen Noten: Wie viele Stunden ich in meinem Leben damit verbracht habe, dieses Bewertungssystem zu kritisieren! Erst einmal ist die Idee doch absurd, dass Zahlen die Leistung von Kindern bewerten sollen. Eine einzige Zahl sagt doch nichts über eine Leistung aus! Das wäre so, als würde man eine Person mit einem einzigen Adjektiv beschreibt: humorvoll. Das reicht doch überhaupt nicht aus, um sich ein Bild von einer Person zu machen. Ich als introvertierter Mensch habe in …

Was machst du eigentlich nach dem Abi?

Im April letztes Jahr war es soweit: Meine Abiturprüfungen standen an. Und nicht erst da, sondern schon Monate vorher begannen die Fragen der Leute. „Was machst du eigentlich nach dem Abi?“ „Was willst du denn studieren?“ „Als was möchtest du später mal arbeiten?“ Familie, Freunde, Verwandte, Bekannte, Lehrer, Menschen, mit denen ich sonst nie rede – gefühlt jeder stellt diese Fragen und das kann verdammt anstrengend sein. Seit ich ein Kind war, weiß ich, dass ich Journalistin werden möchte. Im kommenden Wintersemester werde ich hoffentlich Journalismus, Kommunikationswissenschaften oder “irgendetwas anderes mit Medien” studieren, wie man so schön sagt. Klingt nach einem Plan und einer einfachen Antwort, die die Leute gut annehmen könnten. Doch direkt nach dem Abi wollte ich noch nicht studieren. „Ich glaube ich suche mir im nächsten Jahr erst einmal verschiedene Praktika.“ Das ist leider eine nicht so zufriedenstellende Antwort auf die vielen Fragen. Ich bekam Zweifel und Bedenken zurück: „Willst du nicht lieber schon studieren?“ „Das klingt jetzt noch nicht nach einem richtigen Plan.“ Ich persönlich hatte, als ich noch zur Schule …

Schulabbrecher.

Irgendwann im Sommer 2011 hätte ich mein Abiturzeugnis überreicht bekommen sollen, doch das ist nie passiert. Ich habe die Schule abgebrochen. Schulabbrecher. Bei den meisten Leuten schlägt dieses Wort ein wie eine Bombe und lässt (nicht nur bei Eltern) alle Alarmglocken läuten. Viele sind vielleicht sogar enttäuscht oder schockiert, wenn sie hören, dass ich etwas so gewöhnliches, unspektakuläres und notwendiges wie die Schule nie abgeschlossen habe. Aber es geht mir gut. Als ich noch jünger war dachte ich oft über meine Zukunft nach. Die Schule, das Abitur, das Studium – dass all das auf mich wartete, stellte ich nie in Frage. Ich war auf dem “rechten Weg” und davon war ich genauso überzeugt wie meine Eltern, meine Lehrer und alle anderen Menschen in meinem Leben. Ich war ein absoluter Durchschnittsschüler, irgendwie grau in einer schwarzweißen Welt; ich war kein Außenseiter, aber passte auch nirgends so richtig rein. Vielleicht war der Schock daher – für alle anderen aber auch für mich selbst – umso größer, als mein unscheinbares Leben auf einmal völlig zu entgleisen schien. Vor …