Alle Artikel mit dem Schlagwort: Rassismus

Verbündetenschaft #Alltagsaktivismus

Seit dem schrecklichen Mord an dem schwarzen US-Amerikaner George Floyd wird wieder über rassistische Gewalt diskutiert. Auch in Deutschland sehen sich BIPoC täglich mit strukturellem und Alltagsrassismus in der Öffentlichkeit sowie im Privaten konfrontiert. Sie werden nach ihrer wahren Herkunft gefragt, für ihr gutes Deutsch gelobt, angestarrt, angefasst, bedroht, beschimpft, ausgeschlossen, unterdrückt, stigmatisiert, ihre Hautfarbe Schokoladensorten zugeordnet, sie werden sexistisch exotisiert und dann werden sie gefragt, ob es Rassismus in Deutschland überhaupt gäbe. Viele meiner weißen Freund*innen finden diese Realität, zu Recht, schrecklich. Gleichzeitig sind sie sich unsicher, wie sie sich für die Rechte ihrer BIPoC-Freund*innen, Kommiliton*innen, Mitbürger*innen etc. einsetzen können, ohne die Betroffenen zu bevormunden. Bei dem Thema Rassismus haben Menschen schnell, und wieder zu Recht, Angst etwas Falsches zu sagen oder zu machen. So bleibt es oftmals dann doch nur bei den Mitleidsbekundungen oder den Posts auf Social Media. Wie kann ein antirassistisches Engagement von weißen Menschen aussehen, das nicht mit einem schwarzen Foto auf Instagram auch schon wieder vorbei ist? Verbündetenschaft Ein Ansatz ist die Verbündetenschaft. Hinter dem zugegebenermaßen etwas sperrigen Begriff …

No Justice, No Peace! #wir

TW: Rassismus, Rassistische Polizeigewalt 114 Tage. Vor 114 Tagen wurden neun Menschen aus rassistischen Motiven in Hanau von einem Rechtsextremisten getötet. Mercedes, Hamza, Said Nesar, Ferhat, Vili Viorel, Gökhan, Sedat, Kaloyan und Fatih. 63 Tage. Vor 63 Tagen habe ich meine Gedanken und Gefühle zu Papier gebracht und einen Text über das Erinnern und gegen das Vergessen geschrieben. Die Namen der getöteten Menschen dürfen nicht in Vergessenheit geraten. 18 Tage. Vor 18 Tagen, am 25. Mai 2020, hat George Floyd seinen letzten Atemzug gemacht, bevor er von vier Polizisten in den USA getötet wurde. Weitere X Tage. Wie viele Tage werden vergehen bis die nächsten Menschen aus rassistischen Motiven getötet werden? Nach der Ermordung von George Floyd kam es unter anderem während der Proteste gegen Polizeigewalt zu weiteren Tötungen Schwarzer Menschen durch die Polizei. Bereits vor dem 25. Mai wurden in den USA, in Deutschland und in anderen Ländern Schwarze Menschen durch rassistische Polizeigewalt getötet. Kennt ihr ihre Namen? Kennt ihr ihre Geschichten? Oury Jalloh, 37 Jahre. Eric Garner, 43 Jahre. Michael Brown, 18 Jahre. …

Wir vergessen nicht #wir

Ich möchte dieses Mal mit einem kurzen Vorwort beginnen. Der Text, den ihr gleich lesen werdet, unterscheidet sich um Einiges von meinen zuvor veröffentlichten Texten. Er ist persönlich und es ist mir eine Herzensangelegenheit, über dieses Thema zu schreiben, denn es beschäftigt mich seit Jahren. Ich kann sagen, dass ich, solange ich denken kann, nie das Privileg hatte, mich mit diesem Thema nicht auseinandersetzen zu müssen. Es ist ein Teil meines Lebens. Ich kenne nichts anderes. Die anderen von mir verfassten Texte bedeuten mir natürlich auch sehr viel, jedoch verspüre ich beim Schreiben dieses Textes den Druck alles richtig machen zu müssen, denn ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe. Vor der Aufgabe meine Gedanken mit euch zu teilen, mich angreifbar zu machen und dabei allen, die sich mit dem Inhalt identifizieren können, eine Stimme zu geben und ihnen das Gefühl zu vermitteln, nicht alleine zu sein. Außerdem möchte ich ebenso Menschen erreichen, die bisher kaum oder gar keine Berührungspunkte mit dem Thema hatten. Dies ist aber auch eine Gelegenheit, euch zum Nachdenken und zur …

Chemnitz – ein Versuch, Worte zu finden

Als man mich fragte, ob ich einen Text über Chemnitz schreiben könne, wusste ich einfach nicht wie. Man kann nur über Dinge schreiben, die man versteht, jedoch fehlte mir jegliches Verständnis in dieser Situation völlig. Doch neben irgendwelchem Verständnis, das bei den Dingen, die passiert sind eigentlich vielen fehlen müsste, fehlt mir überhaupt die Fähigkeit, irgendwie Worte zu finden, die sich mit dem Geschehenen in irgendeiner brauchbaren Art und Weise auseinandersetzen könnten. Bei Christa Wolf habe ich einmal den Satz gelesen: „…dass ich nur schreibend über die Dinge komme.“ – und so hoffe auch ich, jetzt, hier mit dem Niederschreiben dieser Gedanken nur ein bisschen über irgendetwas zu kommen. Als ich von den genauen Dingen erfuhr, die in Chemnitz geschehen waren, war es bereits Dienstagmorgen. Ein Mensch war gestorben. Gestorben durch die Hände welcher, die nicht-deutsch waren. Am 26. August war es spätabends zu Streitereien zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten gekommen. Bei der Eskalation dieses Streits wurde ein Deutscher mutmaßlich durch einen Syrer und einen Iraker erstochen. Beim Bekanntwerden des Verbrechens löste sich natürlich schlagartig eine …