Alle Artikel mit dem Schlagwort: Politik

Wieso weshalb warum? – Europawahl

Wer in der letzten Zeit nur halbwegs mit geöffneten Augen durch seine Umwelt läuft, der wird wohl kaum um das Thema Europawahl herumkommen. An jeder Ecke und an jedem Laternenpfahl lachen uns wieder teils fremde, aber auch altbekannte Gesichter der verschiedenen Parteien an, die jedoch alle eins gemeinsam haben: Was auf unseren Plakaten steht, ist jetzt gerade wichtig für dich und deine Zukunft. Nicht nur das; in jedem Atemzug steckt momentan immer irgendwie Europa. Wer soll da noch durchblicken, ohne den Überblick zu verlieren? Was ist für mich richtig, was ist falsch? Was soll ich überhaupt mit leeren Begriffen wie EU und Europaparlament anfangen? Vor allem für Erstwähler, die sich ihr bisheriges Leben vielleicht eher vage mit (Europa)politik auseinandergesetzt haben, ist das nichts als erschlagend und überfordernd. Doch auch, wenn ihr noch nicht wählen könnt, ist es alles andere als unwichtig, im Bilde darüber zu sein, was auch für Minderjährige die Zukunft bedeutet. Dieser Text soll keine Wertungen abgeben, keine Parteien vorschlagen – nichts davon. Die Welt fordert uns immer wieder auf: geht wählen! Nur …

Macht unsere Welt nicht kaputt – Europawahl

Stell dir vor, wie du wegzoomst. Immer weiter weg von dir selber, als würdest du dich selbst in den Aufnahmen einer Drohne sehen. Zuerst siehst du deine Straße. Zwei Männer laufen Hand in Hand um die Ecke vorne an der Kreuzung. Du zoomst weiter. Ein paar Blocks weiter freut sich ein Mann über seinen Kontostand, endlich bekommt er Geld vom Staat, weil er im Moment aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. In einem anderen Stadtteil wird demonstriert. Jeder darf sagen, was er zu sagen hat. Auf einem Plakat steht, macht unsere Welt nicht kaputt. Du zoomst weiter weg. Du zoomst über die Grenzen deines Landes hinweg. Da werden zwei schwule Männer in Italien diskriminiert, weil sie ihre Lebenspartnerschaft nicht eintragen lassen dürfen. In Griechenland kämpft eine alleinerziehende Mutter ständig gegen die Armut. Sie wünscht sich, dass ihre Kinder ein Teil der Gesellschaft werden können, dass sie dazugehören können. Dein Blick schweift über Ungarn, wo unter den wachenden Augen Viktor Orbans alle Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Du zoomst hin und her, du siehst weinende …

Mir geht es nicht darum, den Unterricht zu verpassen

Freitags gehe ich die Schule bestreiken, um Druck auf die Politik auszuüben und, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Jedoch habe ich leider nicht das Gefühl, als Teil der Bewegung Fridaysforfuture ernstgenommen zu werden! Wir als Schüler*innen werden ständig von Lehrern*innen, Politikern*innen oder anderen Erwachsenen darauf beschränkt, dass wir nur zu den Freitagsdemonstrationen gehen, weil wir die Schule schwänzen wollen, oder weil es ein Trend ist, der sich unter dem Hashtag #fridaysforfuture wie eine Massenhysterie verbreitet hat. Ich finde es eigentlich enttäuschend, dass uns von all diesen Menschen nicht zugetraut wird, dass wir uns wirklich mit dem Klimawandel und dessen Folgen auseinander setzten. Die Aufforderung, wenn ich wirklich etwas gegen den Klimawandel machen wolle, solle ich aufhören, mit dem Flugzeug zu fliegen, bekam ich immer wieder zu hören, als ich Menschen davon erzählte, dass ich Freitags die Schule für eine bessere Klimapolitik bestreike. Jedes Mal hat es mich frustriert, dass diese Aussage so oberflächlich und vor allem voreilig über mich getroffen wurde. Die Menschen wussten doch gar nicht, wie ökologisch ich lebe oder wie …

Warum wir reden müssen – Zeit/Geschehen

Als ich im Dezember mit einer Freundin einkaufen gehen wollte, wurden wir vor einem Supermarkt von einer Parteiangehörigen der MLPD angesprochen, die mit der Mitgliedschaft für eine anti-imperialistische Liste warb. Unteranderem zählte die Frau ein paar Parteiziele der MLPD auf und erwähnte unteranderem, dass es ein Ziel sei, der AfD und dem Rechtsruck in Deutschland entgegenzuwirken. Eingetragen haben wir uns nirgends doch uns später an diesem Tag über die Worte der Frau unterhalten. Als meine Freundin sagte, dass sie die AfD wähle, muss ich kurz schlucken, bin erschrocken, aber sage erstmal nichts weiter darauf. Ich füge nur hinzu, dass die AfD nicht die richtie Partei für mich sei. Am nächsten Tag denke ich erst richtig über alles nach. Als erstes fällt mir auf, dass wir uns noch nie über Politik unterhalten haben, ich also eigentlich nie wirklich hätte rausfinden können, wen sie eigentlich wählt. Lediglich dieser Zufall vor dem Supermarkt hat mich jetzt vor einen Konflikt gestellt. Ich bin mit einer AfD-Wählerin befreundet – hätte mir das jemand gesagt, ich hätte es für eine Lüge …

Chemnitz – ein Versuch, Worte zu finden

Als man mich fragte, ob ich einen Text über Chemnitz schreiben könne, wusste ich einfach nicht wie. Man kann nur über Dinge schreiben, die man versteht, jedoch fehlte mir jegliches Verständnis in dieser Situation völlig. Doch neben irgendwelchem Verständnis, das bei den Dingen, die passiert sind eigentlich vielen fehlen müsste, fehlt mir überhaupt die Fähigkeit, irgendwie Worte zu finden, die sich mit dem Geschehenen in irgendeiner brauchbaren Art und Weise auseinandersetzen könnten. Bei Christa Wolf habe ich einmal den Satz gelesen: „…dass ich nur schreibend über die Dinge komme.“ – und so hoffe auch ich, jetzt, hier mit dem Niederschreiben dieser Gedanken nur ein bisschen über irgendetwas zu kommen. Als ich von den genauen Dingen erfuhr, die in Chemnitz geschehen waren, war es bereits Dienstagmorgen. Ein Mensch war gestorben. Gestorben durch die Hände welcher, die nicht-deutsch waren. Am 26. August war es spätabends zu Streitereien zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten gekommen. Bei der Eskalation dieses Streits wurde ein Deutscher mutmaßlich durch einen Syrer und einen Iraker erstochen. Beim Bekanntwerden des Verbrechens löste sich natürlich schlagartig eine …

Wer schützt wen? – Zeit/Geschehen

Am 27.05. habe ich gefeiert. Gefeiert für Irland und die irischen Frauen, die seit diesem Tag der Tatsache, ganz sich und ihrem Körper zu gehören, einen gewaltigen Schritt näher gekommen sind. Mit eindeutiger Mehrheit wurde, nach jahrelangen Diskussionen, endlich für das Recht auf Abtreibung für irische Frauen gestimmt. Ein Erfolg, der mich weiter hoffen lässt, denn noch immer gibt es genügend Länder auf der Welt, in denen Abtreibung als Strafbestand gilt und unter keinen Umständen überhaupt in Erwägung gezogen werden darf. Dass Abtreibung eines der kontroversesten Themen überhaupt ist, ist wohl unumstritten. Ich kenne kein anderes Thema, bei dem sich die Geister so stark scheiden, wie es bei Abtreibung der Fall ist. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre dieses Thema so heikel, da man nie sicher sein kann, bei wem man wie mit seiner Meinung ankommt, dass es für manche Menschen gar indiskutabel wird. Entweder man ist für oder eben gegen Abtreibung. Es gibt diese beiden Extremformen und nicht viel dazwischen. Jede dieser Seiten hat ihre Argumente und beharrt darauf, so bleibt nicht …

Let’s hetz! – Zeit/Geschehen

2018 – Deutschland rückt zusammen, jedoch in eine ganz falsche Richtung. Im thüringischen Themar tanzt brauner Mob auf grüner Wiese. „Heil Hitler“-Rufe ertönen hier im Chor, aus den Lautsprechern wummert Rechtsrock. „Rock gegen Überfremdung“ nennt sich diese Zusammenkunft rechten Abschaums, der sich hier bei einem Nazifestival die Ehre gibt. Rechtspopulistische Parteien erleben Erfolge, wie sie seit Jahren nicht da waren und versuchen nun, ihr reaktionäres, chauvinistisches Gedankengut so salonfähig wie möglich zu machen, im besten Falle so, dass wir es nicht immer direkt merken. Auch andere rechtsextreme Gruppierungen sprießen wie Unkraut aus dem Boden und vergrößern ihre Anhängerschaft stetig. Neben PEGIDA, an die man sich doch (erschreckenderweise) schon irgendwie fast gewöhnt hat, werden Stimmen immer lauter, die sich zu Verbänden wie “Der Rechten” oder “dem Dritten Weg” zählen. Nicht zu vergessen “die Identitäre Bewegung”, die als nationsverbundene Jugendgruppe rechtes Hipstertum zelebriert, und sich lieber jugendfreundlich als rechtsextrem präsentiert. Es sind hierbei ganz bestimmte Teile Deutschlands, die immer weiter rechts rücken. Vor allem hier feiern dann Parteien wie die AfD große Erfolge, und genannte rechte Gruppen …