Alle Artikel mit dem Schlagwort: Poesie

Die Liebe der Worte

Worte sind gemacht, um zu lieben und zu hassen Zu widersprechen und zuzustimmen Wörter sind so schön So schön aufzuschreiben So schön auszusprechen Und oft so schwer zu sagen Ich liebe deine Gedanken Ich liebe alle Wörter, die du benutzt, um dich mir mitzuteilen Ich liebe das Durcheinander, das in deinem Kopf tobt Ich liebe jede einzelne Unverständlichkeit Denn ich fühle deine Gedanken Du brauchst sie nur zu denken Deine Stimme, die deine Sätze formt  Ist schöner als jede Musik Sogar schöner als der Regen am Nachmittag Und wenn ich dir nur sagen könnte  wie schön du aussiehst, wenn deine Lippen sich bewegen um mir zu sagen was du denkst Kommst du?  Werfen wir uns Wörter zu bis die Unendlichkeit kommt. – Elena ist 19 Jahre und schreibt kleine Gedichte in ihr blaues Notizbuch, um die Welt ein kleines bisschen besser zu verstehen. Lisa ist eine junge Illustratorin und Gestalterin aus Berlin. In Ihrer Kunst befasst sie sich mit Beobachtungen des alltäglichen Lebens und zieht Inspiration aus erlebten Situationen und Personen, die sie umgeben. Nebenher beschäftigt …

Selbstfindung im 21. Jahrhundert

Meine Gedanken wie dreckige Fussel auf einer frischen Linse,Ich höre wie ich leise winsle, damit es niemand hört,Damit es niemanden stört. Es zählt nichts weniger als seine Hülle,Und trotzdem bringt es mich in so einer Fülle,Ab und an runter,Und benetzt mich ganz munter,Mit einem Schleier auf Zweifel,So fies wie ein Teufel. Es passt dies nicht, es passt das nicht,Dieses Bild widerspricht mal wieder meinem Gesicht,Und ich frage mich wann wird es enden,Dieses Verschwenden von negativen Einwänden. Ständiges Vergleichen, Abwertende Aussagen gespeichert als Lesezeichen,Und zum Ausgleichen umschleichen mich Komplimente von Liebsten,Die sich für meines Gleichen anhören wie Sonderzeichen. Sie sehen mich anders und nicht so wie ich,Ich bin einzigartig, so ganz unterm Strich,Habe Fehler und Macken, bin nicht perfekt,Und bemerke verschreckt, Ich bin der Architekt,Meines eigenen Lebens,Und versuche vergebens,Zu lieben wer ich bin,In diesem neuzeitlichen Wahnsinn. – Der Text wurde anonym eingereicht. Das Beitragsbild ist von Linda.Sie ist Grafikdesignerin und brennt für gute Gestaltung. Sie arbeitet gerne konzeptionell und legt den Fokus auf aussagekräftige Illustrationen. Neben Kunst und Design, liebt sie die Berge, Kaffee und ihr rotes Fahrrad …

Gedicht an jemanden, mit dem ich mal was hatte

Ich traf dich. Ich traf dich Ende Oktober. Na gut, ich swipte nach rechts und du scheinbar auch und bald schon trafen wir uns ganz unverbindlich auf ein Bier. Du sprachst von Politik und deinen Reisen, ich sprach über das Wetter. In Konversation bin ich nicht wirklich gut. Doch scheinbar gut genug, denn du wolltest mich wiedersehen. Und so trafen wir uns immer öfters und irgendwann küsste ich dich und irgendwann schliefen wir miteinander. Ich weiß nicht mehr recht wie es genau dazu gekommen ist. Manchmal schlafe ich ausversehen mit jemanden. Dabei läuft das leider nie so ab, wie man das aus Filmen kennt. Erste Szene: Zwei überdurchschnittlich attraktive Menschen sitzen in einer Bar und ziehen sich schon fast mit den Augen aus. Schnitt. Zweite Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen taumeln wild knutschend in eine Wohnung und einer der beiden tritt die Tür mit dem Fuß zu. Schnitt. Dritte Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen liegen schwer atmend zusammen im Bett. Der Drops ist schon gelutscht. Bei mir läuft sowas häufig eher nach dem …

Verloren gegangene Worte

Dann richtet sich das dumpfe Gefühl wieder gut ein. Rutsch meinen Mund runter, macht sich breit in meinem Bauch. Legt sich auf meine Lieblingscouch und übernimmt die Fernbedienung. Ich bin an so vielen Stellen offen Die Wachstumsschmerzen lassen nach dem ersten Wachsen nicht nach.Kommen immer wieder in Schüben und fühlen sich so endlos an. Und niemand scheint darüber zu reden.Ich möchte die Stellen nicht länger neu zusammen kleben.Meine Vase ist zerbrochen und ich kann sie nicht wieder, wie früher, einfach zusammen kleben. Es braucht ein neues Normal.Und wir müssen das alle lernen. Nicht nur bei anderen sagen, es ist okay. Jeder darf schwach sein. Auch wir selbst. Wir sind alle irgendwo gebrochen.Und vielleicht muss man auch einmal komplett brechen.Damit es gesund verheilt.Und endlich richtig zusammen wächst. Meine Hände greifen von alleine nach Geländern, Blättern, Händen. Wollen mir immer wieder zeigen, so fühlt sich das Leben an. Was würde ich dir erzählen, wenn ich könnte? Vom Rhababerkuchen? Von meinem neuen Schreibtisch? Meinen Blumen? Von der Leere, die nie still ist? Von den Küssen? Der Krankheit? Der …

Ein Reh in der Lichtung

Aber das ist okay. Bald wird es besser. Da bin ich mir sicher. Ich treibe im See, meine Tränen sind das Gewässer. Doch jetzt Ist es besser. – Laura ist 20 Jahre alt, lebt seit einigen Monaten in Wien und ist Philosophiestudentin, als auch Yogalehrerin in Ausbildung. Sie liebt die Sonne und Frühlingsgefühle. Sie ist ein absoluter Gefühls- und Lebemensch und findet nichts attraktiver als einen feministischen Mann, denn ein anderer kommt ihr erst gar nicht ins Haus.  Laura schreibt dieses Gedicht, nachdem sie das Männerwelten Video von Joko und Klaas gesehen hat. Vor einigen Jahren wurde sie Opfer sexueller Belästigung. Die Folgen waren ein gestörtes Verhältnis zu Männern, zu ihrer eigenen Sexualität und viele Therapiestunden. Heute kommt sie immer mehr bei sich selbst an und hat das Erlebnis endlich verarbeitet. Die Bebilderung ist von Lisa.

Untergänge in Gold

Teil I Gehen immer unweigerlich zwei Menschen an etwas zugrunde? Kann ich auch allein an uns zugrunde gehen?Wo kann ich dich lassen, wenn du doch immer wieder zu mir zurückkehrst?Liebe ich es nicht insgeheim, von dir heimgesucht zu werden? Teil II Teil III Du lässt mir keine Ruhe. Du steckst in jedem Glas Weißwein. Und immer, wenn ich dich sehe, beschleicht mich der Gedanke, dass ich niemals so richtig glücklich sein kann wenn ich nicht weiß, wie es sich anfühlt, wenn du nachts neben mir liegst. Manchmal wäre ich gern wie sie alleWeil sie es leicht habenWeil sie nicht suchen und trotzdem findenund dann hinnehmenund dabei bleiben. Teil IV Die Sonnencreme brennt in meinem Auge. Du zählst die Himbeeren in deinem Obsttörtchen und ich zähle die Kalorien in deinem Obsttörtchenweil ich nicht über das Wesentliche nachdenken will. _ Eigentlich ein Teil meiner “Das, was ich nicht sagen kann”-Reihe. Nur habe ich mehr Worte als Bilder gefunden.Teil 1, Teil 2, Teil 3,Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11 Beitrag von Imina.

Diffuse Gefühle

Was bleibt– von Anonym Dieses diffuse Gefühl, die Schatten zwischen den Sonnenflecken. Alle vier Jahre erneuern sich die Zellen meines Körpers mit den Bildern an meiner Wand und die Strukturen der Systeme verschieben sich. Die Tapeten sind dann abgeraut und einmal zu oft überstrichen, die Finger ausgerenkt und verirrtes Licht malt Halbmonde zwischen meine Schulterblätter. Die Musik bleibt, der Himmel bleibt, stagnierende Blues wie ein nie endender Sommerregen, der Haut und Haare durchdringt und schließlich auf dem Schlüsselbein nachklingt.  Komm schon, komm schon, du zerrst ungeduldig an meiner Hand und an meinen Haaren, ein Neuanfang.  Also schäle ich mich aus meinem Kokon aus Transparentpapier, Schicht für Schicht, aber meine Haut ist immer noch blass und übersät von fremden Geschichten. Das grelle Licht brennt Muster auf meine Netzhaut und schneidet meine Gedanken in Bruchteile. Scharfe Kanten, Scherben ohne Reflektion. Gestern habe ich meine Lieblingsfarbe vergessen und morgen wird es vielleicht mein Name sein. Die Musik bleibt, der Himmel bleibt, die Schatten zwischen den Sonnenflecken sind meine ewige Konstante. Alle vier Jahre erneuern sich die Zellen meines …

Erstmal nur zuhören #Facettenreich

Wichtiger Hinweis: In diesem Artikel werden sensible Themen über mentale Gesundheit und Gewalt behandelt. Falls Du Hilfe brauchst, hier die Nummer der Telefonseelsorge: 0800 1110111. – Das Innere mit der Welt teilen. Ob auf Social Media, in Buchform oder ganz direkt vor Publikum. Wie erreicht man Leute mit seiner Kunst? Und wie gibt man Leuten eine Bühne, die sonst häufig ignoriert werden? Soraya schafft es, die Themen, die sie bewegen in Gedichten, Texten und Bildern auszudrücken. Durch ihre Kunst regt sie nicht nur online zum Nachdenken an: Vor Kurzem hat sie in Berlin ihr erstes Lese-Event für People of Color veranstaltet. Wir sprechen über Poesie, Politik und Projekte. Hallo Soraya. Wir beide haben uns durch das Lese-Event Honest Hour kennengelernt, das du ins Leben gerufen hast. Was ist der Gedanke hinter der Honest Hour? Das hat so angefangen, dass mein Freund und ich überlegt haben, dass wir unsere Texte gerne mal vor Publikum lesen würden, so Spoken-Word-mäßig. Wir wollten ein bisschen mehr in die Welt und in Kontakt mit Leuten treten. In Berlin gibt es …

Manchmal

Manchmal vermisse ich nichts und niemanden so sehr wie dich. Manchmal vermisse ich uns – oder die Idee von uns. Ich bin mir da nicht so recht sicher. Waren wir je mehr als meine Idee von uns? Oder war die Idee nur in meinem Kopf; und so weit weg von dir und der Realität, wie der Horizont, wenn man am Meer steht? Manchmal vermisse ich uns und manchmal glaube ich, dass ich ohne dich und die Idee von uns, eine Leere in mir spüren würde, die ich nicht zu füllen wüsste. Manchmal glaube ich, dass du mir die Poesie gibts, die ich brauche, um glücklich zu sein. Die Poesie, aus der ich all meine Kreativität schöpfe, aus der ich nehme, was ich kreiere. Doch vielleicht ist die Idee von uns, oder einfach nur wir, auch das Produkt eben dieser Poesie. Manchmal weiß ich nicht, was erst da war – du oder meine Poesie. Doch es ist auch egal. Denn jetzt seid ihr beide da, die Poesie und du, euch kann ich wohl nicht mehr trennen. …

Und wir lachen zusammen

selten, viel seltener als früher sitzt du still vor mir und lächelst. häufiger, viel häufiger als früher bewegte sich dein Lächeln zu einem  lauten  glücklichen  Lachen. und wir lachen zusammen. — und immer bist du da heute noch viel mehr  als noch im letztes Jahr. — unsicher darf man sein  denkst du  aber das sollte niemals abschrecken. und vielleicht ist es genau das, um was es eigentlich geht. — ich war verletzt und dann war ich enttäuscht, aber du enttäuschst mich nie. — ich denke immer alles muss gut sein aber ich muss lernen, gut muss nicht perfekt sein. — du machst mich glücklich.  wollt ich dir nur mal eben sagen. ganz kurz. – Das Schreiben von Gedichten und kleinen Texten bedeutet für Mira, Momente und Gefühle zu verarbeiten und festzuhalten. Sonst hört sie viel Musik, tanzt und trinkt Tee. In Zukunft möchte sie mehr von der Welt sehen und mutiger werden.  Das Beitragsbild ist von Luka.