Alle Artikel mit dem Schlagwort: Nora

Was ich zu sagen lerne /9

Manchmal frage ich mich, ob ich einfach schweigen sollte. Einfach wieder schweigen sollte. Ich äußere mich noch gar nicht lang. Nicht in diesen Situationen. Es ist ein neues Selbstvertrauen. Ich ergreife nun öfter das Wort. Aber ich bekomme Gegenwind, wenn ich sage, was ich denke. Vielleicht behalte ich meine Worte dann einfach bei mir. Bis da jemand ist, der sie an sich nehmen will. Bilder und Worte von Nora (und 1x von Cro, Song “Baum”). Mehr von “Was ich zu sagen lerne”.

Quarantäne Favoriten

Besonders jetzt zu dieser Zeit finde ich es schön, Blumen und generell viel Grün in meiner Wohnung zu haben. Es macht das Isoliertsein gleich ein wenig leichter. Auch vertrocknete Blumen können sehr ästhetisch sein! Also ruhig ein bisschen länger stehen lassen, das macht gar nichts. Neben Blumen sind Zimmerpflanzen und Kräuter schöne Erdlinge, um die man sich zur Zeit gut kümmern kann. Ich habe mir einen kleinen grünen Daumen angeeignet und freue mich riesig, jeden Tag zu sehen, wie mein Salbei wächst. Meine Hände sind schon ganz ausgetrocknet vom vielen Waschen und Desinfizieren. In dieser Zeit ist deshalb eine Handcreme unfassbar wichtig für mich geworden! Damit ich meine Hände weiterhin gern eincreme und es vor allem nicht vergesse, habe ich mir eine Creme ausgesucht, die unheimlich gut riecht und sie direkt neben der Seife auf dem Waschbecken deponiert. Außerdem habe ich auch immer eine für unterwegs dabei! Obwohl ich viel raus gehe und Spaziergänge mache, belastet mich das viele Drinnen-Hocken und die wenige frische Luft doch sehr. Zu oft fällt mir die Decke auf den …

Kauf Dir den verdammten Helm!

“Ich erinnere mich an Blut, warm, viel zu schnell, zu heiß, das an meinen Kinn runtertropft. Wie ich mich vor dem rot getropften Kies erschrecke und zu schreien, zu heulen beginne. Weh tut es gar nicht so sehr, aber da ist so viel rot und bitter blutiger Geschmack im Mund. Mein Schreien verliert sich im strahlend blau, im sonnenklar, auf dem flachen Feld.” Es gehört nur etwas Unglück dazu Ich hatte vor zwei Wochen einen Fahrradunfall. Einfach in die Schienen gekommen und schwupps, lag ich da. Klassisch. Es ist auch nicht groß was passiert, mein Arm wurde bandagiert, mein Knie war blutig, meine Hose hatte ein Loch. Aber ich bin unversehrt davon gekommen. Vor allem mein Kopf. Seit ungefähr zwei Jahren denke ich jedes Mal, wenn ich auf’s Fahrrad steige: “Ich brauche einen Helm”. Und ich bin niemand, der auf dem Rennrad unterwegs ist, schnell düst, viel fährt. Ich habe ein Stadtrad mit dicken Reifen, fahre mit der Geschwindigkeit eines Joggers und überhaupt immer nur bei gutem Wetter. Aber auf das alles kommt es nicht …

Eine Ode an Tumblr

Neulich dachte Nora darüber nach, was sie eigentlich zu dem Menschen gemacht hat, der sie jetzt ist. Und sie kam auf eine gewisse Website … DER Ort Die prägendste Zeit für meine Entwicklung waren neben meiner frühen Kindheit sicher meine Teenager-Jahre, zwischen 12 und 17, als sich alles, aber auch wirklich alles, noch geformt hat. Umgeformt, neu geformt, anders geformt. Mit allem, was ich konsumiert habe. Gesehen, gelesen, gehört. Irgendwann – es muss gewesen sein, als ich um die 12 Jahre alt war, damals noch im Ballettinternat – habe ich mir einen Tumblr-Account erstellt. Es war DER Ort, wenn man großer Fan von Künstler*innen war (Demi Lovato, Miley Cyrus, Selena Gomez, Taylor Swift,…) und abertausende Bilder und Edits, also bearbeitete Bilder, von ihnen sehen und bewundern wollte. Stundenlang war ich auf Tumblr. Das heißt, solang ich im Internat Internet hatte (zwei Stunden am Tag). Ich definierte mich über diese Künstlerinnen, die meine Vorbilder waren. Ich dachte den ganzen Tag über sie nach und schrieb abends über sie mit fremden Menschen vom anderen Ende der Welt. …

Du und ich in Wir

Wieso vermisse ich dieses wir wenn du und ich nie wir waren Ich und du waren wir Ich und du waren du und ich Wir selbst Auf einmal wir selbst Aber es gab nie ein wir Du und ich Zusammen wir Aber nie das wir was ich mir gewünscht habe Ich wollte für alle wir sein Nicht nur für uns zwei wir Sondern für alle Wir für uns war nicht genug Auch wenn es nicht ausgesprochen warFür uns waren wir wir Nur für alle anderen waren du und ich du und ich Alle sagten du und ich sollen wir werden Doch da war diese AngstDiese Angst heißt wir Du und ich hatten Angst du und ich in wir zu verlieren Dass du und ich uns ein anderes wir klauen Weil du und ich uns nicht sicher waren Weil du und ich als wir nicht genug waren Jetzt träume ich von dir Und von dem wir was du und ich hätten sein können Was wir hätten sein können Wenn da nicht dieses wir über uns gewesen …

Wie andere Kulturen Weihnachten feiern – oder nicht

Ich hatte früher ein Buch, welches „Weihnachtsbriefe von Felix“ hieß. Felix, dieser Hase, der mit seinem Koffer um die Welt reist und Briefe schreibt. In diesem Buch ist er zur Weihnachtszeit unterwegs und besucht verschiedene Kinder unterschiedlichster Länder und Kulturen und beschreibt in seinen Briefen dann, wie diese Kinder und ihre Familien Weihnachten feiern. Für mich als Kind war das total spannend – immerhin kannte man Weihnachten nur so, wie man es Zuhause erlebt hat, bei mir eben: in Deutschland. Ich bin ehrlich, viel weiß ich aus diesem Buch nicht mehr. Ein Grund mehr, nochmal nachzuforschen, wie Weihnachten auch anders geht und wie es ist, wenn man das Fest gar nicht zelebriert. Weihnachten in den Niederlanden In den Niederlanden kommt man erst richtig in Weihnachtsstimmung, wenn der Sinterklaas (ja, der Nikolaus) nach dem 5. Dezember zurück nach Spanien gereist ist. Kerstmis – also Weihnachten – hat in den Niederlanden nicht den gleichen Stellenwert wie in Deutschland, auch wenn man dort auch die Adventszeit, mit allem was dazugehört, kennt. Am 24. selbst haben viele Geschäfte normal …

Was ich zu sagen lerne /7

… und ich weiß es immer noch nicht. Nach außen habe ich scheinbar alles, was man sich wünschen kann – und doch beschwere ich mich. Aber genau der Zustand, nicht zu wissen, was Dich so fühlen lässt, wie Du Dich fühlst, macht es noch viel schlimmer. Ich arbeite jeden Tag hart daran, aus diesem Loch rauszukommen. Mich zu motivieren. Etwas zu machen. Zu lachen. Aber was vor allem hilft, ist, zu erzählen. Ehrlich zu anderen zu sein und zu sagen, dass es mir nicht gut geht. Denn nie habe ich mehr gelernt, als in den Gesprächen mit Leuten, die Dich ganz ehrlich fragen: “Wie geht es Dir?”. Bilder und Texte von Nora. Entstanden im Mai 2019.

Was ich zu sagen lerne /6

Die Bilder habe ich im Februar und März aufgenommen. Die Worte waren teilweise schon vor Monaten in meine Heften oder Notizen geschrieben worden. Ich habe zuletzt eine Zeit durchgemacht, in der ich das Negative – was es immer gibt – noch negativer wahrgenommen habe. Ich habe viel hinterfragt. Viel nachgedacht. Viel neu zusammengesetzt. Festgestellt, auf wen Verlass ist – und auf wen nicht. Ich habe gemerkt: Reden ist Gold, Schweigen ist Silber. Und dass ich trotzdem immer ein stilles Wasser sein werde. Es geht immer um die Art und Weise. Um das Wie. Was für ein Mensch möchte ich sein? Und wie gehe ich als ein besserer Mensch aus der Situation heraus, als ich es vorher war? Worte und Fotos von Nora.

Eine Ode an Klokabinen

… und damit meine ich nicht die Toilette, dieses stuhlähnliche Etwas an sich. Nein, ich meine diese kleine oder auch mal größere Kabine, diesen einen Raum, in dem man mal kurz für sich sein kann. Oder auch länger. Ich hatte in meinem Leben beides: das kurze Luftholen während zwei Türen weiter gerade 2x-4y gerechnet wurde. Und das Pausenbrotkrümel auf dem Boden verteilen, während man draußen das gemeinschaftliche Lachen der anderen, der, denen man entfliehen möchte, hört. Immer war mir das Klo ein Ort zum Luft holen. Das stille Örtchen war genau dieses für mich: Ein Platz für meine Gedanken, ohne den ganzen Trubel und die Lautstärke der anderen Menschen. In der Klokabine konnte ich irgendwie … ich sein. Mal durchatmen. Mich wieder richten. Innerlich und äußerlich. Und loslassen. Weinen, schluchzen, schlafen auch. Die Fassade konnte bröckeln. Kann. An meiner Liebe für diesen Ort hat sich nichts geändert. Über die Jahre ist sie sogar gewachsen und hat noch eine ganz andere Wichtigkeit angenommen: Klokabinen sind auch ein Ort für Austausch – je nachdem, wo du bist. …