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Blicke, die Gewalt ausüben

Tief durchatmen, bevor ich an der Männergruppe vorbeigehe, möglichst schnell huschen, auf den Boden oder zur Seite gucken, aber nicht so, dass es unsicher wirkt, sondern gelangweilt. Wenn sie dann was sagen, rufen, pfeifen, reagiere ich meistens nicht rechtzeitig. Ein kläglich ausgestreckter Mittelfinger ist meistens alles, was ich spontan entgegen zu bringen schaffe. Ich weiß es doch besser, denke ich und schäme mich, dass ich nicht im Namen aller weiblich gelesenen Menschen diesen jämmerlichen Männertrupp zusammenstauche und es ihnen ein für allemal austreibe, nachts Leute zu belästigen. Frauen bewegen sich anders durch die Straßen als Männer. Weiße cis Männer können unbehelligt durch die Straße flanieren, über ihr Leben nachdenken und sich treiben lassen, weil die Stadt für sie gemacht ist. Es gibt eine Reihe von Literatur über den männlichen Flaneur, während man die Beschreibungen von Straßenerfahrungen von Frauen, BIPOC oder queeren Menschen erst suchen muss. Das weibliche Flanieren ist immer von Beschränkungen geprägt, von einem Gefühl des Beobachtet-Werdens und der Objektifizierung durch den männlichen Blick. Der Begriff des männlichen Blicks, bzw. des Male Gaze, geht …