Alle Artikel mit dem Schlagwort: Lisa

Von Feminismus und Straßenkreuzungen #Alltagsaktivismus

Ob es einen richtigen Feminismus gibt? Schwer zu sagen. Wer einmal anfängt, sich mit feministischen Themen zu beschäftigen, merkt ziemlich schnell, wie unterschiedlich die vertretenen Positionen und Meinungen dort sein können. Einen falschen Feminismus hingegen gibt es auf jeden Fall. Ein Feminismus zum Beispiel der (kopftuchtragende) Muslim*innen, Sexarbeiter*innen, BIPoc, Behinderte, Mehrgewichtige, Trans- und Intermenschen, Nichtbinäre, Geflüchtete, Asexuelle, Alte, Arme, Homosexuelle und ihre spezifischen Diskriminierungserfahrungen ausschließt. Ein Feminismus also, der nur für hippe, reiche, gesunde, gebildete, weiße cis-Frauen gedacht ist. Diesen Ausschluss-Feminismus zu verhindern, versucht das Konzept der Intersektionalität. Intersektionali…häää?? Den Ursprung des zugegeben sperrigen Begriffs, der erst später von der Juristin Kimberlé Crenshaw in die theoretische Debatte eingeführt wurde, findet sich in den USA der 1960er Jahren. In der damaligen feministischen Bewegung warfen schwarze Feminist*innen der Bewegung vor, dass sie sich nur mit den Interessen der weißen Mittelschichtsfrauen* befassen würden. Sobald die weißen Frauen* sich Gehör verschafft hatten, setzten sich diese nur für ihre eigenen Themen ein und ignorierten die Belange ihrer schwarzen Schwestern. Doch die Verschränkung von Rassismus und Sexismus hat noch viel tiefere …

Diffuse Gefühle

Was bleibt– von Anonym Dieses diffuse Gefühl, die Schatten zwischen den Sonnenflecken. Alle vier Jahre erneuern sich die Zellen meines Körpers mit den Bildern an meiner Wand und die Strukturen der Systeme verschieben sich. Die Tapeten sind dann abgeraut und einmal zu oft überstrichen, die Finger ausgerenkt und verirrtes Licht malt Halbmonde zwischen meine Schulterblätter. Die Musik bleibt, der Himmel bleibt, stagnierende Blues wie ein nie endender Sommerregen, der Haut und Haare durchdringt und schließlich auf dem Schlüsselbein nachklingt.  Komm schon, komm schon, du zerrst ungeduldig an meiner Hand und an meinen Haaren, ein Neuanfang.  Also schäle ich mich aus meinem Kokon aus Transparentpapier, Schicht für Schicht, aber meine Haut ist immer noch blass und übersät von fremden Geschichten. Das grelle Licht brennt Muster auf meine Netzhaut und schneidet meine Gedanken in Bruchteile. Scharfe Kanten, Scherben ohne Reflektion. Gestern habe ich meine Lieblingsfarbe vergessen und morgen wird es vielleicht mein Name sein. Die Musik bleibt, der Himmel bleibt, die Schatten zwischen den Sonnenflecken sind meine ewige Konstante. Alle vier Jahre erneuern sich die Zellen meines …

Was will die Liebe von mir?

Ich war der Überzeugung, dass Beziehungen nur funktionieren, wenn ich von meinem Partner geliebt werde.Ich hatte bis jetzt zwei Beziehungen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, jedoch im Kern total gleich waren.Dass die Liebe eine Bindung an eine bestimmte Person ist. Ich glaube, viele Menschen haben ein Problem mit der Liebe, weil sie denken, dass es darum geht, geliebt zu werden.Aber ich glaube nicht, dass Sie glücklich werden, wenn Sie geliebt werden. Es gab Augenblicke, in denen ich mich fragte, ob ich meine Exfreunde geliebt habe. Ich meine, wirklich geliebt. Warum lieben wir jemanden? Sind es die tollen Haare, die Art wie dich jemand anschaut oder etwa der Musikgeschmack? Ich war süchtig nach den Worten des anderen. Die Wörter, die ich mir selbst nicht sagen konnte. Diejenigen, die meine Seele berührten, konnten meinen Körper nicht erreichen. Und die, die meinen Körper erreichten, konnten meine Seele nicht berühren. Ich konnte nie gut mit Komplimenten umgehen, bis heute nicht. Jedoch bin ich mutiger geworden.Jetzt weiß ich, dass ich kein Körper mit einer Seele bin sondern eine Seele die …

Gehorche keinem?! #Alltagsaktivsmus

Es ist November 2019 im Lausitzer Braunkohlerevier. Normalerweise laufen hier jetzt die Kohlegrabungen in vollem Gange. Nicht so heute, hunderte Menschen in weißen Maleranzügen stürmen in Scharen die riesige Kohlegrube hinunter. Sie blockieren die riesigen Bagger mit ihren Körpern, halten sich an den Händen und stellen sich der Polizei entgegen, die etwas überfordert dabei wirkt, die Masse auseinander zu treiben. Die protestierenden Menschen gehören zu dem Aktionsbündnis „Ende Gelände“. Das antikapitalistische Bündnis setzt sich für sozial-ökologische Ziele ein und fordert den sofortigen Kohleausstieg, um die Klimakatastrophe noch so weit wie möglich zu verhindern. Um auf dieses dringliche Ziel aufmerksam zu machen, besetzen sie in Massenaktionen immer wieder Tagebaue wie in der Lausitz oder blockieren Gleise im Hambacher Forst.  Die Streikenden in der Kohlegrube benutzen für ihren politischen Protest die Methode des zivilen Ungehorsams. Angesichts der drohenden Klimakrise reicht ihnen das freitägliche Demonstrieren, das Unterschriftensammeln oder die Aufklärung in den sozialen Medien nicht mehr aus. Sie entscheiden sich dafür, ganz bewusst Regeln zu überschreiten, die ihnen der Staat auferlegt hat. Ganz allgemein versteht man unter zivilem …