Alle Artikel mit dem Schlagwort: Liebe

More than friends, less than lovers

Ich glaube, mit manchen Menschen ist es einfach so, dass sie auf unerklärliche Weise mit dir verbunden sind. Eine Verbindung, die von allen im Raum gespürt wird, auch wenn sie niemals angesprochen wird.  Und da ist diese Verbindung zwischen uns.Erst gestern habe ich sie wieder gespürt, nach einem Bier im Park, die Wangen gerötet von Sonne und Alkohol und all den Menschen, die wir getroffenen haben nach so langer Zeit, von all den Unterhaltungen, die so lange nicht geführt werden konnten, weil wir uns nicht gesehen haben. Gerötete Wangen von all den aufregenden Wegen, die wir jetzt gehen werden nach dem Sommer, all den Geschichten die geschrieben werden. Und auch wir haben uns wieder gefunden, geredet, haben Pizza für alle geholt und von null auf hundert, habe ich die Verbindung gespürt. Da warst nur noch du auf meinem Radar und ich merkte auch, dass dein Blick wieder häufiger zu mir abschweifte.Und auch wenn du jetzt sagst, dass da nichts ist, ich spüre es. „Ich würde lügen, würde ich sagen, dass da gar nichts ist, vielleicht nicht …

Immer wieder zurück zu dir

Ich wollte die Jacke unbedingt haben. Diese Jacke von der einen Marke, die in der Schule alle trugen. Ich wollte cool sein, die Trends mitmachen, zeigen, dass ich dazugehöre. Zu meinem Geburtstag bekam ich sie dann. Sie war warm, aus einer Art Teddymaterial und dick genug, um kein Quäntchen meiner Unsicherheit nach außen zu lassen. Ich trug sie immer so, dass das Logo der Marke auf dem Schulhof aus einigen Metern Entfernung zu erkennen war. Doch der weiche Stoff und die glänzenden Lettern auf den Schildchen konnten mich selbst nicht täuschen. Du wusstest es auch, du hast es immer schon gesehen. Musstest zusehen, wie ich in meinem neuen, viel zu teuren Kleidungsstück innerlich so unglücklich war wie vorher. Und trotzdem hast du es mir geschenkt. Denn du wolltest nie, dass ich mich noch einsamer fühlte, als ich es eh schon tat. Du kanntest meinen Schmerz, hast dich beim Anblick deiner Tochter an das kleine Mädchen in dir erinnert, das von der Welt irgendwann dazu gezwungen wurde leise zu werden. Und es wurde so lange kleiner …

Homoduett

Schutztape ums Herzaus Stolz, Solidarität, Selbstwertin rot-orange-gelb-grün-indigo-blau-violettLiebe+Liebe ein Homoduett mich zu verortenauf einem Spektrumvon Liebe bis Liebebin ich offen für morgenGefühle, solide oder dochnicht? Reste von Angst so zu sein, wie Mensch ist aber eigentlich freiinterpretiert, privilegiert, ichdenn die Gewalt trifft zwar nicht michaber ein anderes Gesicht Wortverwendung: Kampfweil es trotz theoretischer Möglichkeitin der Praxis struggle bleibtund Cis und Hetero Normenam Ende doch Unterdrückung formen der Minorität,die anders liebt, lebtunfreiwilliger Privilegien-Verzicht der Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit widersprichtund dazu führt, dass ein Mensch voller HassFLINTA auf offener Straße ersticht wie kann Menschhassen wer sich liebtMensch-Ethnie-Religion-Mosaikbedroht von Feindseligkeit, Antipathieund Gewalt in Kultur und Politik ich hoffe, dass du weißt, dass Liebe, wo sie hinfällt auch ganz gern mal bleibt egal was du davon hältstwas für Urteile du fällst. ist gar nicht viel was wir verlangenbloß Freiheit-sichergestelltin einer liebe-vollen und hass-freien Welt und mehr zusammen Hass<Liebe – Elena, 22, veröffentlichte mit 18 ihr erstes Buch, worauf eine 4 Jahre-lange Schreibpause folgte. In dieser Zeit treibt es sie spätestens alle 7 Monate an einen anderen Ort, ständig auf der Suche …

Was ist, wenn das Schöne an der Geschichte nicht er ist, sondern du?

Seit Stunden höre ich dir zu. Wir laufen nebeneinander her und du erzählst mir von ihm. Davon wie du nicht verstehst. Wie kann so schnell vorbei sein, was nicht mal richtig anfangen durfte? Es war doch so gut, denkst du. Und mit allem was du erzählst, malst du das schönste Bild. Du findest nur Worte, die sich übertreffen. Alles stimmte, an ihm. Deine Augen funkeln traurig.  Seit Stunden laufen wir nebeneinander her und ich höre dir zu. Wie du von ihm erzählst. Du redest und redest und dann guckst du auf mich, deine traurigen Blicke suchen in meinen Augen nur eines: Bestätigung. Sie suchen nach etwas, was dir sagt: Alles stimmte, an ihm.  ,,Aber vielleicht”, sage ich vorsichtig. ,,Vielleicht ist er gar nicht so schön.” Es ist der erste Satz von mir. Die ganze Zeit hast du auf meine Antwort gewartet, aber an deiner Reaktion merke ich, dass das sicher nicht war, was du hören wolltest. Du bleibst stehen. ,,Ich meine nur”, sage ich. ,,Was ist, wenn das Schöne an der Geschichte nicht er ist, …

Radikal zärtlich handeln – Interview mit Şeyda Kurt

Die Liebe wird seit jeher als ein geheimnisvoller, undurchdringlicher Mythos beschrieben, den wir niemals ganz verstehen können. Şeyda Kurt hat in ihrem Buch „Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist“ die Normen und Rituale rund um die romantische Liebe erforscht und untersucht, wie sie mit Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus zusammenhängen. Über ihr Buch, Beziehungen und ein gerechteres Miteinander durch radikale Zärtlichkeit hat Emma mit ihr gesprochen. Warum ist die Liebe politisch? In meinem Buch betrachte ich da unterschiedliche Herangehensweisen. Zunächst geht es darum, wie gewisse Konzepte von romantischer Liebe und Familie über die letzten Jahrhunderte mithilfe der Gesetzgebung, der Institutionen und des Steuerrechts normiert wurden, was als normal und was als Abweichung dargestellt wurde. Dazu kommt die Frage, wer sich überhaupt in unserer Gesellschaft ungefährdet bewegen kann und wer sich fürchten muss, in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten mit Partner*innen auszutauschen. Das betrifft vor allem queere Menschen, aber Menschen in interracial Beziehungen, zum Beispiel zwischen einem Schwarzen Mann und einer weißen Frau. Da spielen koloniale Vorurteile und Bilder eine Rolle, bei denen der Schwarze Mann als die …

Die Liebe der Worte

Worte sind gemacht, um zu lieben und zu hassen Zu widersprechen und zuzustimmen Wörter sind so schön So schön aufzuschreiben So schön auszusprechen Und oft so schwer zu sagen Ich liebe deine Gedanken Ich liebe alle Wörter, die du benutzt, um dich mir mitzuteilen Ich liebe das Durcheinander, das in deinem Kopf tobt Ich liebe jede einzelne Unverständlichkeit Denn ich fühle deine Gedanken Du brauchst sie nur zu denken Deine Stimme, die deine Sätze formt  Ist schöner als jede Musik Sogar schöner als der Regen am Nachmittag Und wenn ich dir nur sagen könnte  wie schön du aussiehst, wenn deine Lippen sich bewegen um mir zu sagen was du denkst Kommst du?  Werfen wir uns Wörter zu bis die Unendlichkeit kommt. – Elena ist 19 Jahre und schreibt kleine Gedichte in ihr blaues Notizbuch, um die Welt ein kleines bisschen besser zu verstehen. Lisa ist eine junge Illustratorin und Gestalterin aus Berlin. In Ihrer Kunst befasst sie sich mit Beobachtungen des alltäglichen Lebens und zieht Inspiration aus erlebten Situationen und Personen, die sie umgeben. Nebenher beschäftigt …

Die ersten zwei Monate zu zweit – #Mut(ich)

Vor etwa zwei Monaten haben mein Freund und ich den Entschluss gefasst, zusammenzuziehen. Haben alle Zweifel über Bord geworfen und gemeinsam entschieden, es einfach mal zu probieren – obwohl wir zu dem Zeitpunkt „erst“ ein halbes Jahr zusammen gewesen sind.  In dieser Kolumne soll es darum gehen, wie die beiden Monate so waren, wie wir jetzt über die Entscheidung denken, ob wir es bereuen oder ob wir wieder diesen Entschluss fassen würden.. Und um es vorweg zu nehmen: Ja! Jeden Tag wieder.  Vielleicht können wir jemanden mit unseren Learnings inspirieren oder dazu anstiften, sich von den Meinungen anderer abzulösen bzw. auf sich selbst zu hören – was immer das auch für euch bedeuten mag. So weit – so gut.  Der Umzug Der Umzug selbst, und auch die beiden Wochen davor und danach, waren natürlich anstrengend. Wir sind aus zwei Haushalten zusammengezogen und haben beide auch bei unseren Eltern noch Gegenstände aufbewahrt, die auch mit ins neue Heim einziehen sollten. Man kann sich also vorstellen, dass es eine Menge Zeug zu packen und Zeit zum sich organisieren …

Freunde?

An unserem ersten Abend zusammen musste fast ich weinen, weil du so unglaublich nett zu mir warst. Weil ich so erleichtert war, jemanden wie dich kennenzulernen. In der neuen Stadt. Du hast mich zu deinen Freund*innen gebracht und es war immer okay, dass ich dabei bin. Ich hab immer zu dir gehört. Und zu den anderen, da gab es keine Diskussion. Nach dem Feiern, mussten wir zusammen auf die erste U-Bahn warten. An irgendeinem von diesen Abenden, hab ich dir gesagt, dass ich dich lieb hab. Wenn ich gezweifelt habe, hast du immer das Richtige gesagt. Der Yogi-Tee hat mal gesagt „Mach deine Worte zu einem Geschenk für andere“ und ich musste nur an dich denken. Wir sind gleichzeitig umgezogen und es waren nur noch 10 Fahrradminuten. Wir konnten die ganze Nacht auf deinem Sofa sitzen, reden und trinken. Meine Füße auf deinem Schoß. Bis ich irgendwann den Nachtbus nach Hause genommen hab. Ich wusste immer, ich kann bei dir schlafen. Ich wusste immer, dass das alles noch komplizierter machen würde. Ich glaub du auch. …

Haben oder Sein?

Pausenlos konsumieren Ohne Befriedigung liebenDu gehörst mirIch gehör dirIst es das, was du willstDu hast SehnsuchtIch sehne michDu verstehst den Unterschied nichtEs geht um haben oder seinFühlen tust du nichtsDeine Glieder taub gewordenFür meine StimmeDie dir nicht gehörtDeine Hände greifen Nicht mehr nach mirNach MittagSie greifen mehrIns Leere des Seins Doch bist duDurstig nach WortenDie deinen erkauften Stolz bewundernDich einbalsamieren in geheucheltes InteresseDu hörst mein LachenDenkst nur an deine FehlerDie nur du selbst siehstIch bin hierIch möchte doch nur teilen Was mich erfülltDein Gesicht versteinertZugebaut, verhülltVor den Kopf gestoßenlache ich weiterDenke,Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dichIch will dir nicht gehörenIch will dich nicht habenIch will mein Sein mit dir teilenOb du mich noch hörst?Denn obwohl ich am Sein arbeiteHabe ich AngstUnd obwohl wir es doch SindHabe ich ZweifelHaben oder Sein? Vereinzelte, verlorene Teile des SeinsZuvor gefunden und nicht behaltenDer von hinten auf dich zeigende SpiegelWürde mich erblassen lassenHätte ich gesehen, dass er zeigt,Was ich warIch war okayBin okay für mich selbst Wann kamen AnsprücheDie mich runter stufen Auf die Stufe derSelbstliebe …

Wir beide (nicht) am Meer

Meine Sachen sind alle gepackt. Ich will gerade aus der Tür hinaus, als du anrufst: Es sei etwas dazwischen gekommen, sagst du mir mit kühler Stimme, und auch sonst müssten wir mal reden, gerade ist es irgendwie schwierig zwischen uns.  Ich lasse meinen Rucksack vor mich auf den Boden plumpsen. Meine frisch aufgenähten Patches leuchten noch so neu, doch wirkten trostlos. Nutzlos. Ich spüre, wie der Boden unter mir immer weicher wurde. Ich laufe wie auf Watte. Versuche, zurück in mein Zimmer zu kommen. Mit jedem meiner Schritte fühlte es sich an, als würde ich weiter in den Sand sinken: Jeder Schritt fällt mir schwerer. Der Sand steht mir jetzt bis zur Brust, engt mich ein, ich habe in unserem großen Flur plötzlich keinen Platz mehr. Ich möchte um mich treten, alles von mir wegdrücken. Doch der Sand ist zu stark. Zu fest. Zu schwer. In meinem Zimmer lege ich mich hin. Die Flut kommt jetzt auf in mir. Der Sand wird weggespült. Ich atme einmal tief ein, um mir Platz zu schaffen. Der Sand …