Alle Artikel mit dem Schlagwort: Interview

Braucht Sexualität ein Label?

Warum gibt es uns eigentlich so eine Sicherheit, wenn wir uns selbst ein Label verpassen können? Warum fühle ich mich besser, wenn ich zu Leuten sagen kann, dass ich beispielsweise “lesbisch” bin? Weil dann weitere Fragen wegfallen? Weil es menschlich ist, diese gewisse Sicherheit zu haben, bei einer Person punkten zu können oder nicht? Warum habe ich das Gefühl, das eine für mich ausschließen zu müssen, nur damit ich mich mich dem Anderen zuordnen kann? Einen Großteil meines Lebens verbrachte ich mit einem Spagat zwischen hetero, lesbisch oder bisexuell. Ich wollte immer eines sein und die anderen ausschließen. Wollte mich in eine Sparte einordnen können. Habe nächtelang krampfhaft überlegt, welche Bezeichnung denn nun für mich passt. Ich habe eine Freundin gefragt, die sich bestens mit diesen Fragen auskennt und sich ausgiebig damit beschäftigt hat. Lange Zeit hat sie lesbisch gelebt & geliebt, bis sie sich in einen Mann verliebt hat: Und sich dadurch mit allerhand neuen Herausforderungen konfrontiert sah. – Hast du schon früh gemerkt, dass du auch auf Frauen stehst? Tamina: Ja. Bereits in …

HIV: und wieder aufstehen

Ich lebe eigentlich schon immer offen schwul und hatte damit nie ein Problem. Warum auch. Es spart ja auch einfach Zeit und Nerven, wenn man nicht bei jeder Person ein Versteckspiel betreiben muss (Wird mich jemand, den ich kennenlerne, trotzdem mögen? Wie würde sich unser Verhältnis ändern, wenn die Person davon erfährt?). Abgesehen davon, finde ich es eines der normalsten Dinge der Welt. Umso mehr irritiert es mich, dass ich seit zwei bis drei Jahren ein Versteckspiel betreibe, das ich nun eigentlich auch beenden möchte. Vor ebendiesen zwei bis drei Jahren wurde bei mir HIV diagnostiziert. Das klingt jetzt dramatisch und schlimm – ist es für mich ganz persönlich jedoch erst während und ca. einem Jahr nach der Diagnose gewesen. Ich ging zu einer Beratungsstelle und machte einen Schnelltest. Der Vorteil für mich war, hier schnell eine Antwort zu bekommen. Da der vermutete Risikokontakt etwas länger her war, war diese Testmethode für mich eigentlich das, was ich wollte: Rasche Gewissheit nach monatelangem Grübeln und Verdrängen. Der Schnelltest ist mittlerweile fast so zuverlässig wie ein Labortest, …

Ich habe einen Traum

Jule ist 21. Ich habe ein Interview mit ihr geführt, in dem sie von ihren Erwartungen und Träumen von einer besseren Welt redet. Vielleicht dient dieses Gespräch einigen als Anregung, unser System zu hinterfragen oder mal von einer anderen Seite zu betrachten.  Wer bist du und was macht dich aus? Ich bin eine 21-jährige, junge Frau, die sich oft so fühlt, als würde sie im falschen System leben. Über mich selber zu sagen, was mich ausmacht, fällt mir sehr schwer. Eine Frau, die ich sehr schätze, dankte für mein ehrliches Hinterfragen. Und daher denke ich, dass es mein kritisches Denken, meine Unverblümtheit und Ehrlichkeit sind, die mich ausmachen. Das alles wird vermutlich erst durch mein eigenes Wertesystem möglich, weswegen ich auch das zu den Dingen zählen würde, die mich ausmachen. Wie würdest du den jetzigen Zustand der Welt beschreiben? Ich würde ihn als Armutszeugnis für die doch angeblich so weit entwickelte und fortschrittliche Menschheit bezeichnen. Hierfür kann jedoch nur ein gewisser Teil der Menschheit etwas, der auch in anderen Fällen den Übrigen gegenüber oft genug zum Täter …