Alle Artikel mit dem Schlagwort: inspiration

Orange-roter Horizont

Es ist wie ein Wettlauf gegen die Zeit. Doch du kommst dagegen nicht an.Probierst, aber scheiterst.Stehst auf, fällst.Der Feind ist unsichtbar,die Gefühle hell und klar. Du schaust hinaus auf das unendliche Meer. Bist extra ganz früh aufgestanden, um den Sonnenaufgang genießen zu können. Keiner ist hier bei dir. Du bist alleine mit Mutter Natur. Atmest die frische Meeresbrise ein und blickst hoch in den orange-roten Himmel. Langsam kriecht dann doch noch die befürchtete Gänsehaut nach oben zu deinen Oberarmen, bis hin zu deinem Hals. Du lachst, als du dich daran erinnerst, dass du eigentlich noch eine Jacke mitnehmen wolltest. Eigentlich. Noch eine Stufe nach oben und noch eine.Eine weite Wendeltreppe vor dir,der Abgrund hinter dir.Eine kalte, deutliche Angst,die kein Ende nehmen möchte. Mutig packst du deine Socken und streifst sie ganz langsam ab. Nach einer kurzen Zeit traust du dich, mit deinen Zehen den Sand zu berühren. Erst ganz zaghaft, dann wirst du von dem Mut getrieben und begibst dich weiter Richtung Meeresbrandung. Es fühlt sich herrlich an, diese Weite vor sich her und die Ruhe …

Zwischen den Zeilen

Im Drogeriemarkt meiner Wahl stehe ich vor einem dieser vierseitigen Kartenständer aus Metall, an denen ich schon als Kind immer fasziniert stehen bleiben musste, um alle Seiten ausführlich zu betrachten und um zu beobachten, wie die Farben der Karten beim Drehen des Metallständers verschwimmen. Dieses Exemplar bietet ein breites Spektrum an Karten zu jeglichen Lebensereignissen. Manche davon glitzern, manche sind zum Aufklappen und manche können sogar Musik beim Aufklappen abspielen. Es ist eine bunte Mischung aus Pastellgelb, -grün, -rosa und -blau, verschnörkelten Schriftarten und diversen Motiven. Und da ist wirklich für jeden Anlass was dabei: Die Seite des Drehständers, die ich mir gerade anschaue, bietet eine große Auswahl an Karten mit Glückwünschen zur Geburt. Überall sehe ich Störche, Regenbögen und Babysocken. Klar gibt ́s auch hier die All-Time-Klassiker mit der Aufschrift „Es ist ein Mädchen!“ mit Herzen und Blumen auf einem rosa Hintergrund – und „Es ist ein Junge!“ mit Teddybären und Elefanten auf einem blauen. Geschlechterklischees, lieben wir. Ich drehe weiter und auf der zweiten Seite des Drehständers erwarten mich Karten zur Einschulung, zur …

Wollknäuel

Wenn ich meinen Blick durch die Gegend schweifen lasse, wird mir bewusst, wie weit ich entfernt bin. Die Nähe zu anderen Personen, Gegenständen oder Ereignissen ist greifbar – so als würde ich mich direkt mit meinem Gesicht gegen das Fenster bei einer Autofahrt drücken. Ich kann alles sehen: die Regentropfen zum Beispiel. Sie fallen immer schneller auf die Autoscheibe und ich kann jeden einzelnen davon erkennen. Der rechte Tropfen fällt sacht auf die Scheibe und bahnt sich seinen Weg nach unten. Da – der andere Tropfen – ist viel langsamer und findet seinen Weg nicht ohne Ausschweifungen nach unten zum Türgriff. Dieser ist anders. Er kommt erst nach rechts, nach links, dann weiter nach links und weiß nicht genau, wie er seine Route fortführt.  Dieser Regentropfen steht als Symbol meines momentan Gefühlschaos. Ich blicke umher, finde keinen Halt und keinen Anker, sondern schwebe von einem Moment in den anderen. Ich renne von Standort zu Standort, überquere Brücken, Hügel und Bahnhöfe. Finde mein Zuhause, erkenne meine Vorlieben – aber doch finde ich mich nicht. „Du machst …

Der Blickwinkel auf die Situation

Man arbeitet immer auf etwas hin. Auf etwas, nachdem man das Ziel erreicht hat, was das Leben erleichtert und hofft, dass eseinen bereichert.Doch wann hört dieser Kreislauf auf, wann ist die Luft raus.Man arbeitet auf Maximum doch ist am Minimum und es scheint, als ob die Zeit nichtrumgeht, obwohl das Ziel schon so gut wie im Raum steht.Und könnt‘ ich doch das schaffen, würd ich doch das lassen, dann wäre, dann wäre es anders.Doch den Anlass vergisst man und es ist zu spät dann, um aus dem Kreislauf raus zukommen, denn das Ganze hat begonnen und dich, sowie deine Zeit, eingenommen.Nichtsdestotrotz macht man es für ein Ziel, richtig?Und es erscheint doch auch echt wichtig, doch die Gedanken sind verschwommen.Vom idealisierten Bild verkommen.Also versuchst du einem Strang zu folgen.Suchst nach dem richtigen Weg, willst du vielleicht einfach nur weg?Weg von dem immer fortlaufenden Gedankenkreislauf.Doch was wird danach folgen?Planlos.Planlos übers leben.Was musst du geben, um das zu erreichen, wofür dein Herz schlägt.Es erscheint sinnlos.Sinnlos, weil es im Endeffekt eh anders sein wirdEs dich aber doch zersägt.Deine Gedanken …

Ein Ort namens Zufriedenheit

Es gibt Tage, an denen ich abends im Bett liege und nicht einschlafen kann. kommt vor, ist nichts weiter schlimmes und kennt ja schließlich jeder. doch ab und an, da wollen mir meine Gedanken einfach keine Ruhe lassen und wenn ich mich dann um halb zwei noch immer in den Laken wälze, halte ich es manchmal einfach nicht mehr aus. Wie mechanisch greift meine Hand dann zum Handy und mit zwei, drei schnellen Fingerbewegungen öffnet sich auch schon Instagram. Zack – sofort springt mir das grinsen irgendeiner Bekannten, die ich vor Jahren mal im Urlaub kennengelernt habe, ins Gesicht. ein kurzer Klick und ich weiß, sie ist gerade auf Bali, verbringt ihre Zeit dort mit Surfen und dem lesen von feministischer Literatur. und ab und an häkelt sie sich ein neues kurzes Top im Schatten der Palmen. Könnte das Leben leichter sein? Na super, denke ich, und merke, wie meine Laune schlagartig fällt. Bis vor zwei Minuten war mir noch nicht einmal bewusst, dass ich gerade lieber auf Bali unter irgendeiner Palme irgendein viel zu …

Das kleine Glück ist groß

Am Morgen, wenn der Tag noch neu und unberührt, oder am Abend, wenn der Tag bereits vergangen und verbraucht ist, machen wir uns Gedanken. Gedanken darüber, was noch wird oder was bereits war. Wir schmieden Pläne für den Tag, erstellen To-Do-Listen und schreiben Notizen. Wir wollen nichts vergessen, alles erledigen, jedem gerecht werden und zuletzt einfach einen Haken hinter den Tag setzen. Mit einem fetten Punkt oder einem großen Ausrufezeichen dahinter. Um am Ende des Tages sagen zu können: „Ich habe alles geschafft, was ich mir für den Tag vorgenommen habe“.  Blicken wir auf den Tag zurück, erinnern wir uns an die erledigte Buchhaltung, den kleiner werdenden Papierstapel auf dem Schreibtisch, an die erfolgreich absolvierte Präsentation. Oder an den wieder vollen Kühlschrank, die gemachten Uniaufgaben, den gemähten Rasen. Das sind Pflichten und Prinzipien, Verbindlichkeiten und Selbstverständlichkeiten. Sie gehören zu unserem Leben, unserer Selbst und zum Alltag dazu. Sie füllen den Tag. Aber ist der Tag dadurch erfüllt? Sind wir dadurch erfüllt? Denn blicken wir noch länger auf den Tag zurück, haben wir zwar nichts vergessen, …

Auf einen Tee mit Bela #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Alle zwei Monate fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Heute wollen wir von Bela wissen, wer Bela ist und wofür Bela brennt. Wer bist du? Mein Name ist Bela Belissima. Ich bin 23, in Berlin aufgewachsen und lebe nun nach 4 Jahren Reisen und Auslandsstudium wieder hier. In der Lockdown 2 Einöde habe ich im Januar 2021 meinen eigenen Podcast „Queering the Perspective“ gestartet der sich aus meiner Perspektive als nicht-binäre Person mit diversen Themen im Bereich intersektionaler Queerness beschäftigt. Mit der Arbeit an diesem Podcast identifiziere ich mich zur Zeit sehr stark.  Wofür brennst du? Queerness, Subversion, und das damit verbundene Potential für gesellschaftliche Veränderung ist etwas wofür ich brenne. Ich denke wir haben eine Zeit errreicht in der wir in der Lage sind, jahrhundertelang bestehende Machtverhältnisse zu hinterfragen und zu dekonstruieren. Die Zeit des Wartens auf Gleichheit und Gerechtigkeit ist vorbei. Wir nehmen unser Schicksal selber in …

Auf einen Tee mit Frida #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Alle zwei Monate fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Heute wollen wir von Frida wissen, wer sie ist und wofür sie brennt. Wer bist du? Ich bin Frida Stittrich. Ich bin die 18-jährige Frida, die manchmal auf die 5-jährige Frida hört. Ich bin jemand, die in drei verschiedenen Städten gelebt und insgesamt fünf Schulen besucht hat. Das wird sicher für manche viel, für andere wenig sein. Ich bin ein Stadtkind, das sich immer gewünscht hat, auf dem Land zu leben und dem sein kleiner Bruder jetzt aber manchmal leidtut, da er ländlicher aufwachsen wird als sie. Ich bin eine leicht ambivalente Persönlichkeit, die hohe Erwartungen an sich selbst und an den Rest der Welt stellt. Ich bin die, die gerne Zähne putzt und seit Neuestem sich auch gerne mal vor der Kamera ausprobiert (ich mein damit nicht das Zähneputzen, sondern den Fakt, dass ich schaupiele). Wofür brennst du? Das …

Auf einen Tee mit Tim #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Alle zwei Monate fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Heute wollen wir von Tim wissen, wer er ist und wofür er brennt. Wer bist du? Ich heiße Tim, bin 23 Jahre alt und segle seit zweieinhalb Jahren mit meinem besten Kumpel um die Welt. Mein Alltag besteht daraus, neue Orte und Sachen kennenzulernen und mit neuen Situationen und Herausforderungen zurechtzukommen. Wofür brennst du? „Brennen“ ist denke ich für meine Leidenschaft der falsche Ausdruck. Aber meinen Serotonin-Höhepunkt habe ich in 20 Meter Tiefe unter der Wasseroberfläche. Dann, wenn alles still ist, man das Gefühl hat, zu schweben und der Herzschlag leise und heruntergefahren ist. Es ist ein Ort, an dem ich mich wohl fühle und ich ein Teil dieser wilden und lebendigen Natur sein kann. Hast du einen Traum? Mein Traum ist es, in 40 Jahren auf meiner Veranda zu sitzen, auf mein Gemüsebeet zu schauen und zu wissen, dass …

Auf einen Tee mit Carla #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Alle zwei Monate fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Heute wollen wir von Carla wissen, wer sie ist und wofür sie brennt. Wer bist du? Ich bin Carla, 22 Jahre alt und wohne in Jena. Ich habe ein paar Semester studiert, hauptsächlich Kommunikationswissenschaft, Psychologie und etwas Soziologie. Gerade widme ich mich mehr dem Nähen und WAELDE, meiner nachhaltigen Kleidungsmarke.  Wofür brennst du? Momentan beschäftige mich intensiv mit der Modeindustrie: Mit fairer Produktion, und nachhaltigen Materialien, angemessenem Konsum, dem Eindruck, den Kleidung macht, wenn man sie trägt und der Kunst, die sie sein kann.  Hast du einen Traum? Ja, nicht nur einen :). Ich träume zum Beispiel von weniger Diskriminierung und weniger Leid für alle, die von Diskriminierungen betroffen sind. Eine Gesellschaft, die inklusiv ist und die Belange aller ernst nimmt, ist zB. ein Traum, für den es sich zu kämpfen lohnt. Woran zweifelst du? Dass etwas im Leben je …