Alle Artikel mit dem Schlagwort: Imina

More than friends, less than lovers

Ich glaube, mit manchen Menschen ist es einfach so, dass sie auf unerklärliche Weise mit dir verbunden sind. Eine Verbindung, die von allen im Raum gespürt wird, auch wenn sie niemals angesprochen wird.  Und da ist diese Verbindung zwischen uns.Erst gestern habe ich sie wieder gespürt, nach einem Bier im Park, die Wangen gerötet von Sonne und Alkohol und all den Menschen, die wir getroffenen haben nach so langer Zeit, von all den Unterhaltungen, die so lange nicht geführt werden konnten, weil wir uns nicht gesehen haben. Gerötete Wangen von all den aufregenden Wegen, die wir jetzt gehen werden nach dem Sommer, all den Geschichten die geschrieben werden. Und auch wir haben uns wieder gefunden, geredet, haben Pizza für alle geholt und von null auf hundert, habe ich die Verbindung gespürt. Da warst nur noch du auf meinem Radar und ich merkte auch, dass dein Blick wieder häufiger zu mir abschweifte.Und auch wenn du jetzt sagst, dass da nichts ist, ich spüre es. „Ich würde lügen, würde ich sagen, dass da gar nichts ist, vielleicht nicht …

Das, was ich nicht sagen kann /12

In diesem Format trage ich Gefühle, Skizzen und nicht fertig Gedachtes zusammen und versuche, neue Bezüge zu finden. Inzwischen gibt es 11 weitere Teile, die ich euch alle hier verlinke. Was geht in euch vor? Nehmt ihr Gefühle im Moment auch intensiver wahr als sonst? Teil 1, Teil 2, Teil 3,Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11 ___ Worte, Collagen und Gestaltung von Imina.

Wir beide (nicht) am Meer

Meine Sachen sind alle gepackt. Ich will gerade aus der Tür hinaus, als du anrufst: Es sei etwas dazwischen gekommen, sagst du mir mit kühler Stimme, und auch sonst müssten wir mal reden, gerade ist es irgendwie schwierig zwischen uns.  Ich lasse meinen Rucksack vor mich auf den Boden plumpsen. Meine frisch aufgenähten Patches leuchten noch so neu, doch wirkten trostlos. Nutzlos. Ich spüre, wie der Boden unter mir immer weicher wurde. Ich laufe wie auf Watte. Versuche, zurück in mein Zimmer zu kommen. Mit jedem meiner Schritte fühlte es sich an, als würde ich weiter in den Sand sinken: Jeder Schritt fällt mir schwerer. Der Sand steht mir jetzt bis zur Brust, engt mich ein, ich habe in unserem großen Flur plötzlich keinen Platz mehr. Ich möchte um mich treten, alles von mir wegdrücken. Doch der Sand ist zu stark. Zu fest. Zu schwer. In meinem Zimmer lege ich mich hin. Die Flut kommt jetzt auf in mir. Der Sand wird weggespült. Ich atme einmal tief ein, um mir Platz zu schaffen. Der Sand …

Cancel-Christmas

Ich gebe es zu – ich mag Weihnachten nicht besonders. Wo andere Besinnlichkeit, Geschenke und Familienzeit sehen, sehe ich Kitsch, sinnlosen Konsum und naja – Familienzeit.  Es gibt so viele Gründe Weihnachten nicht zu mögen. Das Hauptargument ist wohl der sinnlose Konsum (jede:r durchschnittliche Deutsche gibt im Jahr 200-300 Euro für Weihnachtsgeschenke aus). Geschenke, die für immer versauern, werden an Verwandte geschenkt, die man sonst nie sieht. Deko und lustige Weihnachtspullover müssen gekauft werden, um sich so richtig festlich zu fühlen. Hand in Hand damit geht die massive Umweltverschmutzung durch Verpackungsmüll, Geschenkpapier und sinnlosen Konsum. Dazu kommt noch ein verstärkter Fleischkonsum, unzählige abgeholzte Bäume, die wir vor unseren Augen vertrocknen lassen, um sie dann aus dem Fenster zu werfen und die Ikonisierung der gesellschaftlich konstruierten, heteronormativen Kleinfamilie. Meine persönliche Weihnachtsabscheu wurzelt tief. Anfangs wusste ich noch nichts von all diesen schlauen Argumente, mit denen ich mittlerweile meine Antipathie kontextualisieren kann. Als Kind einer katholischen Familie heißt es an Weihnachten nicht Punsch und Geschenke, sondern Mitternachtsmesse und Besinnung. Ich verinnerlichte dafür früh den ursprünglichen Gedanken von …

Mit Klaviermusik hinterlegte Sonnenuntergänge

Auf TikTok geht gerade (bzw. ging gerade – auf dieser Plattform kommen und gehen Trends ja eigentlich wöchentlich) ein Trend um, in dem ein Audio im Hintergrund abgespielt wird, in dem eine eingängige Klaviermelodie gespielt wird und eine junge Frau sagt: „You have to start romanticizing your life. You have to start thinking of yourself as the main character. Cause if you don’t, life will continue to pass you by and all of the little things that make it so beautiful will continue to go unnoticed. So take a second and look around and realize that it’s a blessing for you to be here right now.“ Über diese Audiospur schneiden tausende von Leuten (meistens weiß und im klassischen Sinne schön) Highlight-Reels ihrer letzten Monate/Jahre zusammen: Meistens sieht man schön drapiertes Essen, besondere Städtetrips, Feuerwerke, Händchen halten und vor allem Sonnenuntergänge. Alles ist gefiltert, bunt, wunderschön und glitzert.  Dieser Trend wird auf unterschiedlichsten anderen Plattformen übernommen: Menschen stellen ihre Lieblingsprodukte zusammen, die „essenziell“ sind, um sich das Leben schön zu machen. In vielen Podcasts werden Tipps gegeben, …

Blicke, die Gewalt ausüben

Tief durchatmen, bevor ich an der Männergruppe vorbeigehe, möglichst schnell huschen, auf den Boden oder zur Seite gucken, aber nicht so, dass es unsicher wirkt, sondern gelangweilt. Wenn sie dann was sagen, rufen, pfeifen, reagiere ich meistens nicht rechtzeitig. Ein kläglich ausgestreckter Mittelfinger ist meistens alles, was ich spontan entgegen zu bringen schaffe. Ich weiß es doch besser, denke ich und schäme mich, dass ich nicht im Namen aller weiblich gelesenen Menschen diesen jämmerlichen Männertrupp zusammenstauche und es ihnen ein für allemal austreibe, nachts Leute zu belästigen. Frauen bewegen sich anders durch die Straßen als Männer. Weiße cis Männer können unbehelligt durch die Straße flanieren, über ihr Leben nachdenken und sich treiben lassen, weil die Stadt für sie gemacht ist. Es gibt eine Reihe von Literatur über den männlichen Flaneur, während man die Beschreibungen von Straßenerfahrungen von Frauen, BIPOC oder queeren Menschen erst suchen muss. Das weibliche Flanieren ist immer von Beschränkungen geprägt, von einem Gefühl des Beobachtet-Werdens und der Objektifizierung durch den männlichen Blick. Der Begriff des männlichen Blicks, bzw. des Male Gaze, geht …

Wir <3 Stress

Auf YouTube wimmelt es von „Journal Setups“ und „Productive Morning Routines“, auf Pinterest findet man tausende Wochen- oder Essensplaner, die bis zum Minutentakt gefüllt werden können, auf Spotify gibt es Konzentrations- und Produktivitätsplaylists mit Walgeräuschen oder Jazz-Hop. „Work, work, work“ ist das Motto unserer Generation – Wir lieben die Arbeit und den Stress – aber vor allem das Gefühl, das Produktivität in uns auslöst. Was macht das mit uns? Eine kleine Hinterfragung am Beispiel von mir selbst. Die Hustle-Culture ist tief in uns verankert Wir lieben gestresst sein. Wir lieben es, uns nach zehn Stunden Arbeit völlig erschöpft auf die Couch zu hauen, nur um stolz darauf sein zu können, was wir alles geschafft haben. Wir fühlen Bestätigung, wenn wir auf Instagram teilen können, dass wir schon wieder seit fünf Stunden ohne Pause an unserer Hausarbeit gearbeitet haben und sämtliche Leute mit dem 100-Emoji auf die Story reagieren. Wir lieben Produktivität. Wir perfektionieren unsere LinkedIn-Profile und Portfolios und sind gleichzeitig immer auf der Suche nach neuen Projekten, um den Lebenslauf noch besser aussehen zu lassen. Wir …

Untergänge in Gold

Teil I Gehen immer unweigerlich zwei Menschen an etwas zugrunde? Kann ich auch allein an uns zugrunde gehen?Wo kann ich dich lassen, wenn du doch immer wieder zu mir zurückkehrst?Liebe ich es nicht insgeheim, von dir heimgesucht zu werden? Teil II Teil III Du lässt mir keine Ruhe. Du steckst in jedem Glas Weißwein. Und immer, wenn ich dich sehe, beschleicht mich der Gedanke, dass ich niemals so richtig glücklich sein kann wenn ich nicht weiß, wie es sich anfühlt, wenn du nachts neben mir liegst. Manchmal wäre ich gern wie sie alleWeil sie es leicht habenWeil sie nicht suchen und trotzdem findenund dann hinnehmenund dabei bleiben. Teil IV Die Sonnencreme brennt in meinem Auge. Du zählst die Himbeeren in deinem Obsttörtchen und ich zähle die Kalorien in deinem Obsttörtchenweil ich nicht über das Wesentliche nachdenken will. _ Eigentlich ein Teil meiner “Das, was ich nicht sagen kann”-Reihe. Nur habe ich mehr Worte als Bilder gefunden.Teil 1, Teil 2, Teil 3,Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11 Beitrag von Imina.

Unter der Spitze des Eisbergs

Ok Kids. Thema heute: Body Positivity. Alles schon gelesen, alles schon gehört, wir haben doch kapiert, heute sind alle Körper schön und Magersucht ja so 2001. Nivea macht jetzt sogar Werbung mit dicken Körpern und Gilette mit unrasierten Beinen. We’re over it.Oder? Ja, das Schönheitsideal hat sich seit den 2000ern verändert: Heute wird nicht mehr so viel gehungert, und dafür mehr geschwitzt – für definierte Schultern, straffe Beine und Bauchmuskeln. Knochen sind out, Muskeln und clean eating sind in. Ist das besser? Keine Ahnung. Aber so lange es in dieser Welt überhaupt noch Schönheitsideale gibt, so lange Frauenzeitschriften ihre Existenz damit berechtigen, akribisch die Gewichtsveränderungen irgendwelcher Berühmtheiten zu dokumentieren und ich beim Fahrradfahren auf glatte Bäuche auf Werbeplakaten schauen muss, ist zu dem Thema noch nicht alles gesagt. Auch heute leiden noch fünf Millionen Frauen und Männer in Deutschland an Essstörungen, von denen 100.000 an Magersucht und 600.000 an Bulimie erkranken. Und wenn im Jahr 2017 78 Menschen in Deutschland infolge einer Essstörung verstorben sind, sind das 78 Menschen zu viel.Doch diese 78 Menschen sind …