Alle Artikel mit dem Schlagwort: Hier und Jetzt

Hinter der glitzernden Weihnachtsfassade

Weihnachten – das Fest der Liebe, der Erleuchtung, der Gemütlichkeit. Und was man sonst noch so kennt.  Obwohl so viele Menschen gern Last Christmas hören, Plätzchen backen und Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schlürfen, gibt es mindestens genauso viele, denen dieses Fest herzlich egal ist: Menschen, die trauern, Menschen, die es aus religiösen Gründen oder aus Prinzip nicht feiern, und denen trotzdem jedes Jahr ab Mitte November mit der Weihnachtskeule ins Gesicht geschlagen wird. Ich habe mich eigentlich jedes Jahr riesig auf Weihnachten gefreut und auf jeden Fall zur Fraktion Lebkuchen-und-Weihnachtsmusik-ab-September gehört. Nur, weil sich dieses Jahr alles für mich geändert hat, beginne ich dieses Fest erstmalig zu hinterfragen und mir auch die andere Seite anzuschauen. „Also meine Familie und ich sind jüdisch. Feiern deswegen kein Weihnachten, sondern Hannukah, aber das auch nicht wirklich, außer dass wir Kerzen anzünden. Die Tage vom 24.-26. Dezember sind immer stinknormal bei uns, was ich manchmal ein bisschen schade finde weil ich auch mal Lust hätte auf so ein riesiges Essen mit der ganzen Familie und Klößen, Bescherung und so …

Wer schützt wen? – Zeit/Geschehen

Am 27.05. habe ich gefeiert. Gefeiert für Irland und die irischen Frauen, die seit diesem Tag der Tatsache, ganz sich und ihrem Körper zu gehören, einen gewaltigen Schritt näher gekommen sind. Mit eindeutiger Mehrheit wurde, nach jahrelangen Diskussionen, endlich für das Recht auf Abtreibung für irische Frauen gestimmt. Ein Erfolg, der mich weiter hoffen lässt, denn noch immer gibt es genügend Länder auf der Welt, in denen Abtreibung als Strafbestand gilt und unter keinen Umständen überhaupt in Erwägung gezogen werden darf. Dass Abtreibung eines der kontroversesten Themen überhaupt ist, ist wohl unumstritten. Ich kenne kein anderes Thema, bei dem sich die Geister so stark scheiden, wie es bei Abtreibung der Fall ist. Manchmal kommt es mir so vor, als wäre dieses Thema so heikel, da man nie sicher sein kann, bei wem man wie mit seiner Meinung ankommt, dass es für manche Menschen gar indiskutabel wird. Entweder man ist für oder eben gegen Abtreibung. Es gibt diese beiden Extremformen und nicht viel dazwischen. Jede dieser Seiten hat ihre Argumente und beharrt darauf, so bleibt nicht …

Nicht Carrie, sondern Nora.

Neulich saß ich in der Bahn und dachte nach. Irgendwie kam ich dann darauf, dass ich meine ganze Jugend und heute auch immer noch versuche, wie jemand anderes zu sein oder einfach anders zu sein. Und vor allem: älter. Ich orientiere mich immer an der Zukunft. Ich mag die Situation oder den Zustand im Hier & Jetzt nicht genug, um damit zufrieden zu sein. Um mit mir und dem, was ich bin, vollends zufrieden zu sein. Es ist normal, dass man als Kind erste Berufswünsche entwickelt. Ich wollte mal Lehrerin, mal Fleischerin, mal Putzfrau und dann Tänzerin werden. Jetzt studiere ich was mit Medien und mein Berufswunsch – der ist eigentlich das zu machen, was ich jetzt mache, nur noch Geld mit zu verdienen. Trotzdem habe ich mit 14 Sex and the City geschaut, wollte in New York leben und Autorin sein. Habe Carrie nachgeeifert. Wollte nicht die ganzen Männer, sondern einfach nur ihr Leben, ihren Lifestyle, ihre Wohnung, ihre Freunde, ihre Klamotten, ihren Job. Wollte mal so werden, wie sie. Und das ist nur …

Den Tag bewusster erleben

Heute ist Freitag. Am Morgen stehe ich auf und ertappe mich schon beim Frühstück dabei, wie der Blick aufs Smartphone fällt. Dann räume ich den Teller und die Tasse in die Spülmaschine und male mir schon im Kopf aus, was ich wohl heute anziehen möchte. Beim Schrank angekommen fällt mir auf, dass ich noch unbedingt vor der Arbeit tanken gehen muss. Also beeile ich mich, meine Morgenroutine so schnell wie möglich fertig zu stellen, ziehe danach schnell Jacke und Schuhe an und greife nach dem Autoschlüssel. Im Auto angekommen denke ich darüber nach, was ich heute alles auf der Arbeit erledigen muss. Ich überfliege meine „To-Do List“ in Gedanken und hoffe inständig, dass ich nichts vergessen habe. Auf der Arbeit erfülle ich einen Punkt nach dem anderen auf meiner Liste und denke dabei darüber nach, was ich heute Abend machen möchte – schließlich ist Freitag und das Wochenende steht vor der Tür. Vielleicht gehe ich zu Freunden oder ich lasse den Tag mit meiner Familie ausklingen. Nachdem ich mich von allen Freunden im Restaurant verabschiedet …

Graue Welt

Manchmal, an Tagen wie heute, die grau sind. Tagen, denen jegliche Farbe fehlt, Tage die einfach so vorrübergehen und sich trotz allem wie Kaugummi ziehen, Tage die ich am liebsten mit einem dicken, schwarzen Textmarker aus meinem Kalender streichen würde. Ansolchen Tagen kommen in mir Gedanken der Sehnsucht auf. Sehnsucht nach Freiheit, nach Leben und nach Abenteuern. Jeden Tag fahren wir mit Kopfhörern in unseren Ohren stumm an die Arbeit oder zur Schule und ackern uns dort ab, an Entspannung ist oft auch danach nicht zu denken, denn wir stressen uns immer weiter. Und wenn ich darüber so nachdenke, könnte ich wahrscheinlich unendlich viele Tage in meiner Vergangenheit aufzählen, die genauso abliefen: aufstehen, arbeiten, schlafen. Graue Tage, die einfach so hinüberziehen, ohne wirklich zu leben. Und dann kommt doch die Frage in mir auf: Was wenn jetzt alles auf einmal endet? Was, wenn das letzte, das einzige, was ich in meinem Leben getan habe, war, gestresst durch die Gegend zu rennen? Und dann weiß ich ganz genau, dass ich das nicht will. Ich frage mich …

Schulabbrecher.

Irgendwann im Sommer 2011 hätte ich mein Abiturzeugnis überreicht bekommen sollen, doch das ist nie passiert. Ich habe die Schule abgebrochen. Schulabbrecher. Bei den meisten Leuten schlägt dieses Wort ein wie eine Bombe und lässt (nicht nur bei Eltern) alle Alarmglocken läuten. Viele sind vielleicht sogar enttäuscht oder schockiert, wenn sie hören, dass ich etwas so gewöhnliches, unspektakuläres und notwendiges wie die Schule nie abgeschlossen habe. Aber es geht mir gut. Als ich noch jünger war dachte ich oft über meine Zukunft nach. Die Schule, das Abitur, das Studium – dass all das auf mich wartete, stellte ich nie in Frage. Ich war auf dem “rechten Weg” und davon war ich genauso überzeugt wie meine Eltern, meine Lehrer und alle anderen Menschen in meinem Leben. Ich war ein absoluter Durchschnittsschüler, irgendwie grau in einer schwarzweißen Welt; ich war kein Außenseiter, aber passte auch nirgends so richtig rein. Vielleicht war der Schock daher – für alle anderen aber auch für mich selbst – umso größer, als mein unscheinbares Leben auf einmal völlig zu entgleisen schien. Vor …