Alle Artikel mit dem Schlagwort: Hier & Jetzt

Was ist Dir deine Zeit wert?

Gestern morgen bin ich um 7.30 von selbst aufgewacht. Mein Fenster hatte ich die Nacht über offen gelassen, weshalb die Morgensonne vom gegenüberliegenden Haus reflektierte und mein Zimmer in ein rötliches Licht tauchte. Kurz überlegte ich, mich wieder umzudrehen und einfach weiterzuschlafen. Aber das schöne Licht ging mir nicht mehr aus dem Kopf, weshalb ich mir Jeans und Pulli anzog, mein Handy ganz bewusst liegen ließ und nur mein Notizbuch und eine Wasserflasche einsteckte. Aus dieser spontanen Aktion wurde ein einstündiger Spaziergang, bei dem ich das Verschwinden des Morgennebels beobachten, die kühle Luft einatmen und viel nachdenken konnte. Aber das beste daran war: Ich war allein mit meinen Gedanken. Hörte nur meine Schritte. Und mir wurde zum ersten Mal bewusst, wie selten das vorkommt. Ich dachte daran, dass ich früher abends eine Stunde lang fernsehen durfte. Den Rest des Tages habe ich mich mit mir selbst beschäftigt, gemalt, gezeichnet, gelesen. Als ich dann ein bisschen älter war, durfte ich dann auch mal zwei Stunden am Tag Sims spielen. Aber wie schnell sind zwei Stunden um, …

Vom Pferd fallen: und wieder aufstehen

1 Gerade erst mit der Ausbildung begonnen hatte ich nach drei Monaten den ersten Unfall. Ich wurde vom Pferd getreten – das war mir bisher nur einmal zuvor passiert. Doch diesmal war es mehr als nur ein kurzer Schock und ein blauer Fleck. Ich bin fast ohnmächtig geworden vor Schmerz. Mein Bein schwoll sofort auf den doppelten Umfang an. Ich konnte kaum noch gehen. Jeder einzelne Schritt war eine Qual und kostete mich unglaublich viel Kraft. Die halbe Stunde bis Feierabend arbeitete ich noch zu Ende, humpelte dann 16.30 Uhr vom Stall aus ins Wohnheim und kühlte mein Bein unter dem kalten Wasser der Dusche. Und da sah ich es erst richtig: mein rechter Oberschenkel war zur Hälfte blau und auch der linke Oberschenkel hatte etwas abbekommen- ebenfalls geschwollen und blau, jedoch weitaus nicht so schlimm wie das andere Bein. Für mich gab es jetzt nur eine Option: so schnell wie möglich nach Hause zu fahren. Zwei Stunden Autofahrt standen mir bevor, den Krankenwagen hatte ich abgelehnt – panische Angst in einem fremden Krankenhaus zwei …

zielloses verschwenden? – Zeit/Geschehen

Wir sind eine Wegwerfgesellschaft, das ist unumstritten. Unser übermäßiger Konsum und ein wenig nachthaltiges Kaufverhalten sind dabei die maßgeblichen Auslöser. Die gesamte Weltbevölkerung schafft pro Tag rund 3,5 Millionen Tonnen Abfall, und bis zum Jahr 2025 soll das Abfall-Aufkommen auf nahezu 6 Millionen Tonnen steigen. Lässt man sich das durch den Kopf gehen, ist es enorm, fast beängstigend. Die größten Müllerzeuger sind dabei Amerika und Europa, und auch Deutschland trägt einen wesentlichen Teil zur Vermüllung der Welt bei.    Im Jahre 2013 sind hierzulande 36 Millionen Tonnen Müll angefallen, das sind pro Kopf ein Müllberg von 453 kg. Von diesem Betrag landen rund 160 kg auf dem Hausmüll, 30 kg auf dem Sperrmüll, 50 kg in der Biotonne, 60 kg in der Tonne für pflanzliche Abfälle, 150 kg Müll sind Wertstoffe und sonstige Abfälle, wie Batterien, machen davon 2 kg aus. Die rund 150 kg Wertstoffe setzen sich aus Glas, Verpackungen, Leichtverpackungen, Papier, Pappe, Metall, Holz, Kunststoff und Textilien zusammen. Vor allem das Problem mit den Verpackungen hat sich in den letzten 10 Jahren noch …

Das Spiel des Lebens

Ein paar Gedanken über die Werte und Normen der Gesellschaft, in der wir leben. An einem Wochenende im Dezember war großes Familienessen bei meiner Tante. Wir saßen gemütlich zusammen, haben gut gegessen und uns lange unterhalten. Nach dem Kaffee haben wir angefangen, das Brettspiel Spiel des Lebens zu spielen. Ich weiß nicht, wie viele von euch das Spiel kennen, aber man erhält zu Beginn eine Spielpuppe in Form eines Autos. Da ich weiblich bin, bekomme ich einen rosafarbenen Stift in mein Auto gesetzt. An diesem Punkt spare ich mir den ersten Kommentar – warum muss ich Rosa nehmen? Nur, weil ich weiblich bin, und Rosa mit Frauen und Blau mit Männern assoziiert wird? Ziemlich zu Anfang, nach der Berufswahl und dem Einschlag der Karriere, muss man heiraten und ein Kind bekommen. Nun gut, ein Spiel. Ich komme also auf dieses Feld, und mir wird ungefragt ein blauer Stift mit ins Auto gesetzt. Ich schlucke einen zweiten Kommentar dieses mal nicht herunter und sage „Und wenn ich nun einen zweiten, rosafarbenen Stift in meinem Auto wollte?“ Je …