Alle Artikel mit dem Schlagwort: Generation

Laut bleiben #Zeitgeist*in

In der Schule wurde mir nur wenig Raum gegeben, meine Gedanken frei zu äußern, mir eine Meinung zu Themen zu bilden. Trotzdem rang ich immer wieder darum, trotzdem irgendwie zu Wort zu kommen – Ein Erfahrungsbericht darüber, wie ich versuchte aus dem System herauszubrechen. Dass nicht ich diejenige war, die dabei auf ganzer Linie versagte, realisierte ich erst später. Der Drang Ich hatte schon mehrmals Texte für oder über die Schule geschrieben. Meist waren sie nur das Ventil für Wutausbrüche zu Notengebung, Rassismus und Armutsdiskriminierung. Selten hatte ich die Möglichkeit, sie vorzulesen. Wenn doch, war es dann meist nur Prosa, die ich aus der Inspiration eines Buches heraus geschrieben habe. Wenig politisch, nichts sonderlich spannendes. In der Abschlussklasse kam es dann anders. Wir bekamen die Aufgabe, einen Text über einen sozialen Missstand zu schreiben. Während andere tagelang recherchierten, war mir sofort klar: Ich schreibe über die Tamponsteuer. Menstruation war sowieso ein Thema, das keiner meiner Lehrer*innen seit dem Sexualkundeunterricht mehr auch nur in den Mund hatte nehmen wollen. Die Petition für die Senkung hatte ich …

Frühstück mit Oma

Meine Oma heißt Christa und ist am dritten Tag des zweiten Weltkriegs geboren. Sie sagt, dass sie eine bescheidene, aber sehr glückliche Kindheit mit einer älteren und einer jüngeren Schwester hatte und deshalb immer in beide Richtungen boxen musste. Mit 16 lernt sie ihren zukünftigen Mann Karl-Heinz kennen, mit 18 verloben sich die beiden heimlich. Als Christa 25 ist, kommt meine Mutter zur Welt. Mit 66 erkrankt Karl-Heinz an Parkinson. Nach einem siebenjährigen Kampf, bei dem es leider stetig bergab geht, verliert er gegen die Krankheit. Meine Oma ist sehr weltoffen, hat Snapchat und ist sehr empathisch. Sie hat eine neue Hüfte und eine neue Schulter aber schwimmt trotzdem den ganzen Sommer täglich und ist Mitglied in unzähligen Sportvereinen. Wir unterhalten uns oft stundenlang aber heute treffe ich mich mit ihr weil ich ihr Fragen stellen möchte, die ich ihr so noch nicht gestellt habe. Wir frühstücken zusammen und ich freue mich schon die ganze Woche drauf, da meine Oma den besten Filterkaffee auf der Welt kocht. Zum Schutz ihrer Privatsphäre habe ich keine Bilder von …

Eine Message an meine Generation

Das soll jetzt kein pseudointellektueller Mist werden – eine 19 Jahre junge Studentin, die glaubt ihre ganze Generation verstanden zu haben und die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. Nein, genau das wird es eben nicht werden. Mir sind jedoch in der letzten Zeit verschiedenste Sachen aufgefallen. Ich studiere eigentlich Jura und lebe das klassische Studentenleben, bestehend aus Alkohol, Konsum, essen, schlafen und eher weniger lernen. Ich bin mit einer blauäugigen Vision an die Uni gegangen und habe geglaubt, alle würden wie einst Rudi Dutschke an die Uni gehen, um wirklich was zu ändern und dass wir die Generation sein werden, die alles besser macht. Stattdessen erwartete mich eine Armee von Studenten, selbst an einer recht kleinen und überschaubaren Universität, die alle so schnell wie möglich am besten in Regelstudienzeit und ohne Umwege schnurstracks zum Examen oder zum Bachelor wollen. Keine Zeit verlieren, kein Abbiegen, kein Ausprobieren und kein Interesse daran die Welt zum Besseren zu ändern. Genau diese Menschen wollen einfach nur ihren Platz in der Welt und den möglichst schnell und ohne Umwege.  …