Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gefühle

Lächelnde Augen

In dieser Zeit, in der Nachrichten von einem Virus, dessen Name zum Teil eine Zahl ist, uns bis in den Schlaf begleiten, in dieser Zeit, in der Zahlen von Neuinfektionen, angsteinflößenden Zukunftsvisionen, Bilder von Menschen mit Masken in elendig langen Supermarktschlangen, oder gefangen in ihren eigenen vier Wänden, tagtägliche Beobachtungen und Eindrücke sind, vergesse ich schon mal, dass gerade eigentlich die Zeit im Jahr ist, in der nicht nur Blumen, sondern auch mein Herz zu blühen beginnt.  Es ist die Zeit, in der mein ganzer Körper bis in die Fingerspitzen kribbelt, wenn ich morgens ganz früh aus der Haustür trete, den Blick gen Baumkronen gerichtet, wo die Vögel ihre Lieder singen, die Luft noch kühl und klar, wie das Mittelmeer, als ich vergangenen Herbst dort war, die vollkommene Stille, der Geruch von morgentaufeuchtem Gras und Sonnencreme vom Vortag, das Vertrauen in den Tag und dass gut wird, was gerade ist, dass alles ganz und gar gut wird.  Es ist die Zeit, in der mein Lächeln ein ständiger Begleiter von mir und meinem Ausdruck wird, in der …

Was will die Liebe von mir?

Ich war der Überzeugung, dass Beziehungen nur funktionieren, wenn ich von meinem Partner geliebt werde.Ich hatte bis jetzt zwei Beziehungen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, jedoch im Kern total gleich waren.Dass die Liebe eine Bindung an eine bestimmte Person ist. Ich glaube, viele Menschen haben ein Problem mit der Liebe, weil sie denken, dass es darum geht, geliebt zu werden.Aber ich glaube nicht, dass Sie glücklich werden, wenn Sie geliebt werden. Es gab Augenblicke, in denen ich mich fragte, ob ich meine Exfreunde geliebt habe. Ich meine, wirklich geliebt. Warum lieben wir jemanden? Sind es die tollen Haare, die Art wie dich jemand anschaut oder etwa der Musikgeschmack? Ich war süchtig nach den Worten des anderen. Die Wörter, die ich mir selbst nicht sagen konnte. Diejenigen, die meine Seele berührten, konnten meinen Körper nicht erreichen. Und die, die meinen Körper erreichten, konnten meine Seele nicht berühren. Ich konnte nie gut mit Komplimenten umgehen, bis heute nicht. Jedoch bin ich mutiger geworden.Jetzt weiß ich, dass ich kein Körper mit einer Seele bin sondern eine Seele die …

Wir vergessen nicht #wir

Ich möchte dieses Mal mit einem kurzen Vorwort beginnen. Der Text, den ihr gleich lesen werdet, unterscheidet sich um Einiges von meinen zuvor veröffentlichten Texten. Er ist persönlich und es ist mir eine Herzensangelegenheit, über dieses Thema zu schreiben, denn es beschäftigt mich seit Jahren. Ich kann sagen, dass ich, solange ich denken kann, nie das Privileg hatte, mich mit diesem Thema nicht auseinandersetzen zu müssen. Es ist ein Teil meines Lebens. Ich kenne nichts anderes. Die anderen von mir verfassten Texte bedeuten mir natürlich auch sehr viel, jedoch verspüre ich beim Schreiben dieses Textes den Druck alles richtig machen zu müssen, denn ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe. Vor der Aufgabe meine Gedanken mit euch zu teilen, mich angreifbar zu machen und dabei allen, die sich mit dem Inhalt identifizieren können, eine Stimme zu geben und ihnen das Gefühl zu vermitteln, nicht alleine zu sein. Außerdem möchte ich ebenso Menschen erreichen, die bisher kaum oder gar keine Berührungspunkte mit dem Thema hatten. Dies ist aber auch eine Gelegenheit, euch zum Nachdenken und zur …

Vom Hinsehen und Wegsehen #Zeitgeist*in

Es ist Dienstag, 10 Uhr. Ich bin auf dem Weg zu meiner Lieblingskonditorei, um dort zwei Stücke Torte abzuholen. Die Luft drückt, es beginnt zu regnen. Während des Semesters ist die Innenstadt meist so voll, dass ich Mühe habe rechtzeitig zu meinen Kursen zu kommen. Heute aber herrscht eine so unheimliche Leere, die sich sofort auf meine Stimmung auswirkt. Etwas stimmt nicht. Das weiß auch der Fahrer der Spedition, der vor mir die Hebebühne mit einem lauten Piepsen hinabfährt. An einem gewöhnlichen Tag wäre dieses Geräusch wahrscheinlich zwischen all den Menschen und dem Lärm untergegangen. Jetzt kann man sich ihm unmöglich entziehen. Es schlägt regelrecht gegen die Schädeldecke, bettelt um Aufmerksamkeit. Und so sehr ich mich auch dagegen wehre, unmittelbar breitet sich das Gefühl von Einsamkeit in mir aus. Ich weiß, ich bin nicht allein. Millionen Menschen sitzen in Räumen, die Sonne scheint einladend durch die Fenster und trotzdem verlassen sie, wenn die Vernunft siegt, nur für unbedingt notwendige Erledigungen oder einen kurzen Spaziergang das Haus. Manche von ihnen geben online Tipps, wie man die …

Liebe auf Distanz #Zeitgeist*in

Dreihundertachtundvierzig. Kilometer trennten uns für knapp eineinhalb Jahre. Und damit hatten wir es noch relativ leicht. Es gibt Fernbeziehungen, die weit über die Grenzen Europas hinaus reichen und auch viel länger bestehen müssen. Doch eines haben sie anfangs alle gemeinsam: Unsicherheit und ganz viele entstehende Fragen. Kann das denn überhaupt funktionieren, wenn wir uns nur ein einziges Mal im Monat sehen? Und dann ist unsere Zeit doch auch noch begrenzt, wie soll das gehen? Der Versuch. So lag ich nachts im grellen Licht des Handydisplays im Bett und recherchierte über eine Beziehungsform, die ich zuvor nur aus verzweifelten Posts auf Twitter kannte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl tippte ich das Wort „Fernbeziehung“ in die Suchleiste. Ich weiß noch, dass all die Ergebnisse, die mir gar lieblos entgegengeschleudert wurden, mich nur noch mehr zweifeln ließen. Hätte ich auf die vielen Aussagen der Autoren und Blogger vertraut, so wäre ich auch heute noch der Meinung, dass Fernbeziehungen ohnehin zum Scheitern verurteilt sind, dass beide Parteien immer nur leiden und auch wenn man es schafft, die Beziehung spätestens …

Meine Insel

Jetzt im Frühling kann ich es am Tag gute zwanzig Minuten oder sogar eine Dreiviertelstunde genießen, nur so dazusitzen. Die Füße auf dem Geländer abgelegt, auch wenn es an den Knöcheln immer ein bisschen weh tut. Ich leg’ meinen Kopf in den Nacken und halte mein Gesicht in die Sonne. Das lieb ich. Nur dieses Gefühl, wenn ich gar nicht viel nachdenken muss. Ok wow,  kitschiger geht’s auch nicht mehr. Ich lieb’ meinen kleinen Balkon. Mit der Magarite auf dem Tisch und dem Lavendeltopf an der Wand. Beide hab ich im Baumarkt gekauft und mit der Straßenbahn nach Hause zu transportiert. Diese Aktion endete mit den beiden Pflanzen auf dem Balkon und mir schwitzig und genervt von den ganzen Menschen und der Straßenbahn und der ganzen Stadt in meinem Zimmer.Alles in allem also erfolgreicher als andere Tage. Am liebsten sitz’ ich hier draußen, wenn ich die Wohnung für mich hab. Am liebsten bin ich eigentlich allein. Jemand sagt immer, ich verkriech’ mich in meiner wohligen Höhle oder in meinem Nest. Vielleicht stimmt das auch, aber …

Was ich zu sagen lerne /6

Die Bilder habe ich im Februar und März aufgenommen. Die Worte waren teilweise schon vor Monaten in meine Heften oder Notizen geschrieben worden. Ich habe zuletzt eine Zeit durchgemacht, in der ich das Negative – was es immer gibt – noch negativer wahrgenommen habe. Ich habe viel hinterfragt. Viel nachgedacht. Viel neu zusammengesetzt. Festgestellt, auf wen Verlass ist – und auf wen nicht. Ich habe gemerkt: Reden ist Gold, Schweigen ist Silber. Und dass ich trotzdem immer ein stilles Wasser sein werde. Es geht immer um die Art und Weise. Um das Wie. Was für ein Mensch möchte ich sein? Und wie gehe ich als ein besserer Mensch aus der Situation heraus, als ich es vorher war? Worte und Fotos von Nora.

Alle Jahre wieder – und wenn nicht?

Als ich vor ein paar Wochen durch die licht- und dekorationsüberflutete Stadt lief, vorrüber an Weihnachtsbuden, Eisbahn und durchgestylten Schaufenstern, kam mir eine Frage: Was hat Weihnachten überhaupt noch für eine Bedeutung für uns? Warum jedes Jahr aufs neue ein Zeitabschnitt, in dem eine Fassade aus dem Nichts auftaucht und für ein paar Wochen so tut, als ob? Was gibt uns diese Zeit eigentlich? Dass nicht jeder Weihnachten feiert, dürfte klar sein; egal ob aus religiösen oder anderen persönlichen Gründen. Jedoch können wir uns alle, egal ob wir Weihnachten feiern oder nicht, schlecht gegen die Flut von vorweihnachtlichen Konsumgütern, übertriebener Dekoration und Gedudel im Radio wehren. Die Weihnachtszeit ist in meinen Augen nur noch die Zeit von Konsum und Profit. Uns allen ist klar, warum Weihnachten eigentlich gefeiert wird. Aber was sich daraus entwickelt hat, ist irgendwie seltsam. Ich frage mich immer, warum es gerade die Weihnachtszeit ist, die so von der Allgemeinheit zelebriert und kommerzialisiert wird. Warum ist es beispielsweise nicht Ostern? So viele Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Unser schon angesprochenes …