Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gastgedanken

Wie ich bin & wie ich sein will

In meinem Kopf herrscht Chaos. Gefühlschaos. Gedankenchaos. Chaos. Chaos. Wo ich anfangen soll und ob es ein Ende gibt, keine Ahnung. Ich bin überfordert, unterfordert und wohl oder übel nicht gefördert, dieser Hilflosigkeit entgegenzuhalten. Wir sind Individuen, jede Person so wie sie ist, keine wie die andere und doch scheinbar alle gleich. Manche wollen einfach dazugehören, andere sich so weit wie möglich unterscheiden und die breite Masse schwimmt inmitten dessen und versucht, nicht (oder geradezu) unterzugehen. Prinzipiell können wir alle sein, wer, was und wie wir sind – oder werden wer, was und wie wir sein wollen. Aber wer will ich sein, wenn es jeden schon gibt? Letztendlich bin ich wieder ich, so wie ich es schon immer war, bin und sein werde. Und wenn ich die Möglichkeit hätte, zu sein wie ich mich gern wäre, ist dies doch nur bedingt natürlich möglich. Ganz abgesehen von fühlbar Millionen nötigen Zuständen, die gegeben sein müssten, um bestimmte Wünsche und Vorstellungen zu erfüllen, oder nicht? Wenn ich anfangen würde, Dinge aufzuzählen, die ich an mir mag oder eben …

Lieblinge im November

Jedes Jahr fürchte ich mich ein bisschen vor dem November. Dunkelheit, Kälte, der erste Schnee, Leute, die bereits komplett die Fassung mit ihrer Weihnachtsdekoration verlieren. Nie bin ich melancholischer und meist schlechter gelaunt als im November. Doch auch diese Zeit muss ich überstehen und viele schöne Dinge helfen mir auch dabei. Um ein paar der schönsten soll es heute hier gehen. Eines der schönsten und bewegendsten Bücher die ich je gelesen habe, hat mich gleich Anfang des Monats erfreut: Kitchen von der japanischen Schriftstellerin Banana Yoshimoto. Gehört habe ich von ihr schon einige Male, doch habe nie irgendetwas von ihr gelesen. Im Frühjahr las ich eine Rezension über Kitchen und war nicht abgeneigt. Noch im April habe ich das Buch gekauft, aber seither im Schrank stehen lassen. Im Nachhinein weiß ich: was für ein Fehler. Das Buch ist in drei Teile gegliedert, wobei die ersten beiden Teile zusammengehören und der dritte Teil eine für sich abgeschlossene Geschichte mit völlig anderen Personen erzählt. In den ersten beiden Teilen, die wie das Buch auch Kitchen und Kitchen …

Die Wirklichkeit meines Traumes

Das Leben wird oftmals als eine Reise beschrieben. Für viele junge Menschen beginnt diese Reise vor allem nach der Schule, dem bisher größten Abschnitt des eigenen Lebens, jenes Teils, der einen teilweise vorbereitet, aber auch prägt. Nach der festen Struktur des Schulalltags, möchten nicht Wenige aus der Normalität herausbrechen, Dinge erleben und die ungewohnte Freiheit genießen, bevor es zum nächsten Ziel geht. Ich habe den Schritt ins Ungewisse in ein fremdes Land gewagt. Es gibt viele Möglichkeiten einen gewissen Zeitraum im Ausland zu verbringen und so klang die Möglichkeit als Au-Pair zu arbeiten am besten für mich. Die Vorstellung, die in meinem Kopf Gestalt annahm, erschien mir wie ein Traum, der zu gut ist, um wahr werden zu können. Doch nun stehe ich hier in Schottland, seit beinahe vier Monaten bei einer wundervollen Familie, in welcher ich mich vom ersten Moment an wohl fühlte, die mich als neuer Teil der Familie aufnahm. Es ist kaum zu fassen, wie viel Zeit vergangen ist, ohne dass ich es gemerkt habe, wie das Linksfahren zur Gewohnheit geworden ist, …

Ich bin (niemals) gut genug.

Niemals gut genug & was Musik mir bedeutet Meistens kann ich, wenn ich unterwegs bin, in der Bahn sitze oder durch die Stadt laufe, keine Musik hören. Es ist mir zu viel, zu laut, es nervt mich. In Geschäften würde ich am liebsten alle Lautsprecher, aus denen Charts dröhnen so lange anschreien, bis jemand sie ausmacht. Ich liebe Musik unglaublich unfassbar unschlagbar. Aber nach 8 Stunden Musik machen, wahrnehmen und hören – jeden Tag, 7 Mal die Woche – genieße ich jede Minute Ruhe. Für dich ist Musik vielleicht ein Ruhepol, ein Ausgleich, es macht Spaß, sie zu hören und ist einfach schön. In meinem Leben gab es viele Momente, da hätte ich meine Geige am liebsten auf den Boden geschmissen und meine Geigenlehrerin angeschrien, warum ich jetzt zum zehnten Mal diese eine Stelle wiederholen soll; wenn sie immer noch nicht gut genug intoniert war, dann kann ich es anscheinend einfach nicht! Einmal habe ich meinen wertvollen Bogen tatsächlich vor Wut auf mich selbst, da ein paar Takte einfach nie so geklungen haben wie in …

Geduld

In einer Welt, die von Zahlen kontrolliert, unabdinglich messbar und konkurrenzfähig bleiben muss, in einem Land, das so hoch angesehen für seinen wirtschaftlichen Erfolg und seine sozialen Strukturen ist, in einer Stadt, in der die Bahnen im drei Minuten Takt die von Menschenmassen überlaufenen Bahnhöfe passieren, bleibt eines meist auf der Strecke. Die Geduld. Von Klein auf haben wir gelernt, den geraden Weg zu gehen. Das Ziel vor Augen, unermüdlich darauf hin arbeitend, das zu erreichen, was wir oder andere uns wünschen. Auf einer großen, breiten Strasse lässt es sich besser laufen als über kleine, enge Pfade oder durch verwinkelte Gassen. Wir warten nicht mehr auf den richtigen Moment. Wir wollen jetzt, was wir wollen und wir wollen es schnell, vergessen dabei allzu oft anzuhalten, mal kurz inne zu halten. Denn durchhalten, durchhalten ist das, was wir müssen. Und oft wird uns erst dann, wenn wir am Ziel zu sein scheinen, klar, wir hätten uns auf dem Weg doch noch etwas mehr umschauen, etwas mehr durchatmen, etwas mehr anhalten sollen. Geduld bedeutet nicht, die Zügel aus der Hand …

Endometriose: und wieder aufstehen

Endometriose, there’s a devil inside me Eine Krankheit, über die immer noch viel zu wenig Frauen Bescheid wissen. Die Geschichte eines Krankheitsverlaufs, ignoranter Ärzte, dem Gefühl übergangen zu werden und der Suche nach eigenen Lösungen. Paula erzählt.   Endometriose ist eine recht verbreitete Krankheit, die immerhin 10-15% aller Frauen* betrifft. Die Dunkelziffer ist aufgrund dessen, dass es meist erst nach mehreren Jahren zu einer Diagnose kommt, wahrscheinlich sehr hoch. Bei der Krankheit siedelt sich eine der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnliche Schleimhaut im Bauchraum an, was zu Verwachsungen führen kann. Die Gründe dafür sind unbekannt. Betroffene berichten meistens von extremen Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex, Urinieren, Stuhlgang, eingeschränkter Fruchtbarkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit, Verdauungsproblemen oder angeschwollenen Bäuchen. Diese Schleimhaut reagiert genauso hormonell wie die Gebärmutterschleimhaut und macht alles, was die Gebärmutterschleimhaut während des Zyklus auch macht – jedoch möglicherweise im gesamten Bauchraum. Beschwerden, die nicht ernst genommen werden Vor ziemlich genau drei Jahren ging ich das erste Mal wegen meiner mir unerklärlichen Unterleibschmerzen zu meiner damaligen Gynäkologin. Ich teilte ihr mit, dass ich Schmerzen habe, und zwar vor …

Das Bellen des Hundes

Mein Name ist Lilli und ich bin seit mehr als anderthalb Jahren Muslima. Mich bezeichne ich oft selbstironisch als Muselmanin. Das klingt so deutsch und irgendwie unbeholfen. Letzteres ist wohl auch das treffendste Wort, um zu beschreiben, wie Menschen mit mir bei der ersten Begegnung umgehen. Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis ich ganz verlegen gefragt werde, ob es denn in Ordnung sei (mir wolle ja niemand zu nahe treten und es sei ja auch gar nicht schlimm, aber es wäre halt schon irgendwie interessant, aber ja nur, wenn ich kein Problem damit hätte, weil ich ja sicher ganz, ganz oft damit genervt werde) mich zu fragen wie und warum ich konvertiert sei. Mich stört die  Frage überhaupt nicht. Allerdings weiß ich nach anderthalb Jahren immer noch nicht, wie ich darauf antworten kann. Ich könnte erzählen, wie ich den Islam kennengelernt habe. Ich könnte von Sarah erzählen. Oder von Danyal. Von all den Personen, die ich getroffen habe, den zahllosen Gesprächen oder davon, wie ich das erste Mal islamische Texte gelesen habe. Oder einfach …

Ich bin ein Zuhause

Ich habe eine Diagnose.  Ich bin Hochsensibel.  Dem geschuldet, gibt es bei mir leider Tage, Wochen, manchmal sogar Monate, in denen es mir sehr schlecht geht.  Dann mag ich nicht raus gehen, nicht reden, nicht essen. Ich fühle mich dann, als sei ich umhüllt, ummantelt von einer dunklen Wolke. Ein bisschen dumpf. Allerdings bin ich nach unsäglichen Tagen des Nichtstun und Selbstbemitleiden zu der Erkenntnis gekommen, dass das zu mir gehört.  Ich bin so. Ich habe solche Phasen.  Wie kann ich damit umgehen? Ohne außer Gefecht gesetzt zu sein? Und ohne ewige Tage im Bett zu sein und eine Folge Sex and the City nach der nächsten zu schauen?  Ich habe mir ein kleines Heft angelegt.  In diesem Heft Vermerke ich, wie es mir geht, was eventuell der Auslöser war für meine Stimmung.  Und aber Vorallem:  Was mir hilft.  Und ich möchte diese persönlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen und langfristige Stützen mit euch  teilen. Mein erster, vermutlich einfachster Trick, ist es zu baden oder zu duschen. Mich zu waschen.  Alle Gefühle, Stimmungen, die eventuell gar nicht meine sind, …

Bergblumen

„Mein Name ist Rekha. Ich komme aus Nepal, aus Siraha im Terai. Ich bin 32 Jahre alt und habe vier Kinder. Ich bin Bäuerin. Mein Mann ist seit Jahren in den Golfstaaten, in Qatar, und verdient dort 150 US Dollar im Monat – in Siraha gab es keine Arbeit für ihn. Teile des Geldes sendet er jeden Monat an mich, doch es reicht mir kaum, um meine Kinder und mich selbst zu ernähren.“ Rekhas Felder wurden während der Überschwemmungen, die im August 2017 das Terai-Gebiet in Nepal heimsuchten, stark zerstört. Jedes Jahr während der Monsunzeit von Juni bis September sind die Gemeinden im Terai – dem fruchtbaren Flachland an der Grenze zu Indien – einem erhöhten Hochwasserrisiko ausgesetzt, was die bereits bestehenden Probleme in der Region zusätzlich verstärkt. Der Distrikt Siraha zeigt besonders niedrige Indikatoren der menschlichen Entwicklung – nur etwa die Hälfte der Bewohner kann lesen und schreiben und die dortige Gesellschaft ist geprägt von komplexen sozialen und kulturellen Praktiken. Soziale Klassifikationen basieren nach wie vor auf Geschlecht, Kasten und wirtschaftlichem Status in Bezug …

Poesiesammlung

Deine Liebe ist ein Fluss Lass mich in ihm ertrinken. Du bist das Schiff, lass mich dein Hafen sein Und kehre immer wieder bei mir ein. Dein Körper ist das Meer Lass meine Blicke baden, Und wenn dir andre schaden Lass mich die Zuflucht sein. Du bist die Erde Lass mich die stille Blume sein. Wo sonst, wenn nicht in deiner Liebe, Kann die Freude mir gedeihen? Wer sonst kann mir so viele Blüten schenken Und jeden Kelch Mit heißen Tränen tränken? Deine Wangen sind Rosen Deine Blicke der nächtliche Himmel, Denn dein Auge trägt die Gestirne Und alle schönen Sterne. Ich küss dich so gerne… Du schmeckst nach Wein Lass mich die Rebe sein.   Du kamst Und küsst mir meine Wunden. Dein Kuss er brennt nur, bis er heilt Du legst die Hände auf: sie glühen. Jeden Schmerz und jede Wunde Habe ich mit dir geteilt, Und die Stelle, die heut brennt, Wird dank dir bald wieder blühen.   Und einmal brach ich, liebestrunken, eine Aster Aus dem Garten deiner Augen. Vergrub sie …