Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gastgedanken

Geduld

In einer Welt, die von Zahlen kontrolliert, unabdinglich messbar und konkurrenzfähig bleiben muss, in einem Land, das so hoch angesehen für seinen wirtschaftlichen Erfolg und seine sozialen Strukturen ist, in einer Stadt, in der die Bahnen im drei Minuten Takt die von Menschenmassen überlaufenen Bahnhöfe passieren, bleibt eines meist auf der Strecke. Die Geduld. Von Klein auf haben wir gelernt, den geraden Weg zu gehen. Das Ziel vor Augen, unermüdlich darauf hin arbeitend, das zu erreichen, was wir oder andere uns wünschen. Auf einer großen, breiten Strasse lässt es sich besser laufen als über kleine, enge Pfade oder durch verwinkelte Gassen. Wir warten nicht mehr auf den richtigen Moment. Wir wollen jetzt, was wir wollen und wir wollen es schnell, vergessen dabei allzu oft anzuhalten, mal kurz inne zu halten. Denn durchhalten, durchhalten ist das, was wir müssen. Und oft wird uns erst dann, wenn wir am Ziel zu sein scheinen, klar, wir hätten uns auf dem Weg doch noch etwas mehr umschauen, etwas mehr durchatmen, etwas mehr anhalten sollen. Geduld bedeutet nicht, die Zügel aus der Hand …

Endometriose: und wieder aufstehen

Endometriose, there’s a devil inside me Eine Krankheit, über die immer noch viel zu wenig Frauen Bescheid wissen. Die Geschichte eines Krankheitsverlaufs, ignoranter Ärzte, dem Gefühl übergangen zu werden und der Suche nach eigenen Lösungen. Paula erzählt.   Endometriose ist eine recht verbreitete Krankheit, die immerhin 10-15% aller Frauen* betrifft. Die Dunkelziffer ist aufgrund dessen, dass es meist erst nach mehreren Jahren zu einer Diagnose kommt, wahrscheinlich sehr hoch. Bei der Krankheit siedelt sich eine der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnliche Schleimhaut im Bauchraum an, was zu Verwachsungen führen kann. Die Gründe dafür sind unbekannt. Betroffene berichten meistens von extremen Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex, Urinieren, Stuhlgang, eingeschränkter Fruchtbarkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit, Verdauungsproblemen oder angeschwollenen Bäuchen. Diese Schleimhaut reagiert genauso hormonell wie die Gebärmutterschleimhaut und macht alles, was die Gebärmutterschleimhaut während des Zyklus auch macht – jedoch möglicherweise im gesamten Bauchraum. Beschwerden, die nicht ernst genommen werden Vor ziemlich genau drei Jahren ging ich das erste Mal wegen meiner mir unerklärlichen Unterleibschmerzen zu meiner damaligen Gynäkologin. Ich teilte ihr mit, dass ich Schmerzen habe, und zwar vor …

Das Bellen des Hundes

Mein Name ist Lilli und ich bin seit mehr als anderthalb Jahren Muslima. Mich bezeichne ich oft selbstironisch als Muselmanin. Das klingt so deutsch und irgendwie unbeholfen. Letzteres ist wohl auch das treffendste Wort, um zu beschreiben, wie Menschen mit mir bei der ersten Begegnung umgehen. Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis ich ganz verlegen gefragt werde, ob es denn in Ordnung sei (mir wolle ja niemand zu nahe treten und es sei ja auch gar nicht schlimm, aber es wäre halt schon irgendwie interessant, aber ja nur, wenn ich kein Problem damit hätte, weil ich ja sicher ganz, ganz oft damit genervt werde) mich zu fragen wie und warum ich konvertiert sei. Mich stört die  Frage überhaupt nicht. Allerdings weiß ich nach anderthalb Jahren immer noch nicht, wie ich darauf antworten kann. Ich könnte erzählen, wie ich den Islam kennengelernt habe. Ich könnte von Sarah erzählen. Oder von Danyal. Von all den Personen, die ich getroffen habe, den zahllosen Gesprächen oder davon, wie ich das erste Mal islamische Texte gelesen habe. Oder einfach …

Ich bin ein Zuhause

Ich habe eine Diagnose.  Ich bin Hochsensibel.  Dem geschuldet, gibt es bei mir leider Tage, Wochen, manchmal sogar Monate, in denen es mir sehr schlecht geht.  Dann mag ich nicht raus gehen, nicht reden, nicht essen. Ich fühle mich dann, als sei ich umhüllt, ummantelt von einer dunklen Wolke. Ein bisschen dumpf. Allerdings bin ich nach unsäglichen Tagen des Nichtstun und Selbstbemitleiden zu der Erkenntnis gekommen, dass das zu mir gehört.  Ich bin so. Ich habe solche Phasen.  Wie kann ich damit umgehen? Ohne außer Gefecht gesetzt zu sein? Und ohne ewige Tage im Bett zu sein und eine Folge Sex and the City nach der nächsten zu schauen?  Ich habe mir ein kleines Heft angelegt.  In diesem Heft Vermerke ich, wie es mir geht, was eventuell der Auslöser war für meine Stimmung.  Und aber Vorallem:  Was mir hilft.  Und ich möchte diese persönlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen und langfristige Stützen mit euch  teilen. Mein erster, vermutlich einfachster Trick, ist es zu baden oder zu duschen. Mich zu waschen.  Alle Gefühle, Stimmungen, die eventuell gar nicht meine sind, …

Bergblumen

„Mein Name ist Rekha. Ich komme aus Nepal, aus Siraha im Terai. Ich bin 32 Jahre alt und habe vier Kinder. Ich bin Bäuerin. Mein Mann ist seit Jahren in den Golfstaaten, in Qatar, und verdient dort 150 US Dollar im Monat – in Siraha gab es keine Arbeit für ihn. Teile des Geldes sendet er jeden Monat an mich, doch es reicht mir kaum, um meine Kinder und mich selbst zu ernähren.“ Rekhas Felder wurden während der Überschwemmungen, die im August 2017 das Terai-Gebiet in Nepal heimsuchten, stark zerstört. Jedes Jahr während der Monsunzeit von Juni bis September sind die Gemeinden im Terai – dem fruchtbaren Flachland an der Grenze zu Indien – einem erhöhten Hochwasserrisiko ausgesetzt, was die bereits bestehenden Probleme in der Region zusätzlich verstärkt. Der Distrikt Siraha zeigt besonders niedrige Indikatoren der menschlichen Entwicklung – nur etwa die Hälfte der Bewohner kann lesen und schreiben und die dortige Gesellschaft ist geprägt von komplexen sozialen und kulturellen Praktiken. Soziale Klassifikationen basieren nach wie vor auf Geschlecht, Kasten und wirtschaftlichem Status in Bezug …

Poesiesammlung

Deine Liebe ist ein Fluss Lass mich in ihm ertrinken. Du bist das Schiff, lass mich dein Hafen sein Und kehre immer wieder bei mir ein. Dein Körper ist das Meer Lass meine Blicke baden, Und wenn dir andre schaden Lass mich die Zuflucht sein. Du bist die Erde Lass mich die stille Blume sein. Wo sonst, wenn nicht in deiner Liebe, Kann die Freude mir gedeihen? Wer sonst kann mir so viele Blüten schenken Und jeden Kelch Mit heißen Tränen tränken? Deine Wangen sind Rosen Deine Blicke der nächtliche Himmel, Denn dein Auge trägt die Gestirne Und alle schönen Sterne. Ich küss dich so gerne… Du schmeckst nach Wein Lass mich die Rebe sein.   Du kamst Und küsst mir meine Wunden. Dein Kuss er brennt nur, bis er heilt Du legst die Hände auf: sie glühen. Jeden Schmerz und jede Wunde Habe ich mit dir geteilt, Und die Stelle, die heut brennt, Wird dank dir bald wieder blühen.   Und einmal brach ich, liebestrunken, eine Aster Aus dem Garten deiner Augen. Vergrub sie …

Der Verhaltenskodex für Soziale Medien

Um einen Verhaltenskodex für soziale Medien zu verstehen, müssen wir uns überlegen, welchen Platz soziale Medien überhaupt in unserer Gesellschaft, wohl eher in unserer Generation, haben. Wir nutzen sie schließlich alle (ständig). Wir beobachten, kommentieren, liken und kommunizieren über diese Plattformen. Vielleicht sogar stundenlang pro Tag. Stattdessen wird meist weniger gelesen, es wird weniger heraus gegangen und vor allem weniger miteinander geredet. Soziale Medien sind ein Bestandteil unseres Leben. Und sie sind uns wichtig. Sie sind eine Bühne auf der wir uns präsentieren, zeigen und geben, wie wir gesehen werden möchten. Sie sind unser Aushängeschild, unsere Visitenkarten. Auch Freundschaften und Beziehungen werden mittlerweile über soziale Medien geschlossen. Man lernt sich im Internet kennen (und lieben). Warum also stets leugnen, die sozialen Medien wären uns wichtig? Ist doch nur Facebook, Snapchat, Instagram.. Dieses Verhalten ist falsch. Wir sollten uns bewusst machen, welchen wichtigen Bestandteil diese vermeintlich sozialen Medien in unserem Leben haben. Ob sie nun gut sind, oder schlecht, darauf soll gar nicht an dieser Stelle eingegangen werden. Zunächst soll nur an den Verstand des einzelnen …

Wann bin ich mein?

Tag für Tag Druckt man mich zurück In den dunklen Keller meiner Kindheit Ohne Licht und Zuversicht Für Wochen bleib ich darin Liegen Und weiß nicht wie mich zu biegen Um die Schmerzen zu umgehen, die Worte in Armeen mir bescheren. Steh ich wieder auf beiden Füßen Im Sonnenlicht Fängt der Kreis an sich zu drehen. Tag für Tag Denk ich mir Irgendwann bin ich gefunden Und nicht an das Alte gebunden. – Emma Hecht ist fast 17 Jahre alt, schreibt für ihr Leben gerne Gedichte und lebt in der Nähe von Regensburg. Manchmal veröffentlicht sie auch Gedichte auf den Jugendseiten ihrer Lokalzeitung, der Freistunde.

Unkontrollierbare Kontrolle: und wieder aufstehen

Ich weiß nicht genau, wann oder warum es begonnen hat – keiner weiß es – aber plötzlich waren sie da, Gedanken wie: „Du musst abnehmen!“ oder „Du darfst nicht so viel essen!“ Und bald darauf die Verbote: „Gefrühstückt wird ab jetzt nicht mehr!“ oder „Eis? Auf keinen Fall!“ Nach jeder Mahlzeit fühlte ich mich schlecht und schuldig, weil ich gegessen hatte. Irgendwann habe ich mich gefragt: Bin das wirklich ich? Jeder kann es sehen, wie er will: Ich betrachtete meinen Körper aus der Sicht zweier verschiedener Personen – die eine Person war ich selbst und die andere die Magersucht. Als ich zu Beginn der Sommerferien 2017 bei einer Größe von 1,65 m nur noch 40 kg wog, ging es mir körperlich zwar noch gut, aber psychisch so schlecht, dass ich wusste, ich muss mit jemandem darüber reden. Irgendwann schaffte ich es schließlich, meine Gedanken zwei Musikkolleginnen und Freundinnen anzuvertrauen. Auch ein Gespräch mit meiner Mutter ließ nicht lang auf sich warten, da natürlich auch meine Eltern bemerkt hatten, dass mein Essverhalten so nicht richtig war. …

Eure größten Träume

Vor ein paar Tagen haben wir, im Bezug auf den “Zu groß träumen”-Blogpost, auf Instagram nach Euren größten, heimlichsten und sehnlichsten Träumen gefragt. Richtig rumspinnen durftet ihr. Da kam eine ganze Menge zusammen – Und dabei herausgekommen sind diese Bilder, die als Inspiration, Ansporn oder Motivation dienen können. _ Mit Photos von Luka und Bearbeitung & Grafik von Imina. Worte von Euch.