Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gastgedanken

Nachtgespenster

Wie heißen die Gedanken, die uns Nacht nichts schlafen lassen? Die uns uns von einer Seite auf die andere wälzen lassen? Oder zumindest mich. Manchmal. Manchmal öfter. Tagsüber lächle ich, denke die Welt ist gut in der ich mich bewege, in der ich lebe. Und dann wird es dunkel. Ich ziehe die Vorhänge zu und kuschle mich in meine Bettdecke. Licht aus. Augen zu. Vorhang auf. Gedanken an. Ich wälze mich stundenlang von einer Seite auf die Andere. Mein Gehirn spinnt Kreise. Zieht Fäden von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gab. Wühlt lange in Erinnerungen. Aber nicht in den Schönen. Nachts werden die Dunklen ausgepackt. Die, die am Tag durch die Sonne verdrängt werden. Oder durch Lachen. Durch Alltag.   Doch im Dunkeln bin ich alleine. Bin dem ausgeliefert, was ich tagsüber nicht denken will. Nicht denken kann. Das, was tief in unserem Unterbewusstsein gräbt und weilt, wird dann herausgeholt und von allen Seiten betrachtet.  Ich kann nicht schlafen. Wieder nicht. Wenn ich als Kind nicht schlafen konnte und dann leise weinend …

Wenn sich dein Leben um 90 Grad dreht

Stellt euch vor, ihr seid Mitte 20, kommt gerade von einer Wanderung mit einer Freundin nach Hause und fangt an auf eure Prüfungen für die Uni zu lernen. Ihr werdet bald gegen Covid geimpft, bald fallen die Einschränkungen und ihr könnt wieder mehrere Freunde treffen, ins Restaurant gehen oder ins Kino. Ihr habt eine tolle Familie, habt erst gestern erfahren, dass ihr Tante/Onkel werdet und ihr freut euch, eure Freunde bald wieder zu sehen. Ihr setzt euch an den Tisch um Abend zu essen, auf eurem Fitnessarmband seht ihr, dass euer Ruhepuls bei 52 liegt. Ziemlich cool, da sieht man wohl doch den Effekt von Sport. Watte im Kopf Eine Woche später steht ihr auf und fühlt euch komisch. So, als ob man Watte im Kopf hätte oder einen heftigen Kater, aber ihr habt gar nichts getrunken. Zu Mittag bekommt ihr Kopfschmerzen. Drückende, ein bisschen als ob sich ein Elefant auf den eigenen Kopf gesetzt hätte. Ihr denkt euch nichts dabei, schließlich ist das Wetter heute auch total eigenartig, wechselt ständig zwischen Regen und Sonnenschein. …

Urlaub nach Corona

Endlich wieder Urlaub! Endlich wieder neue Eindrücke, andere Menschen, zu teure Drinks in schäbigen Bars, baden in fremden Seen, die Suche nach einem Kaffee an einem winzigen Bahnhof. Endlich wieder open minded sein. Wer sagt dass Vorfreude die schönste Freude ist, war noch nicht nach einer Pandemie im Urlaub – I can recommend! Als ich mich völlig hyped daran mache meine Tasche zu packen, fest entschlossen die richtigen Outfits zu wählen, die mich jede Sekunde meines Urlaubs genießen lassen, fällt mir auf, dass ich verlernt habe wie das geht. Scheiße, ich habe neun Monate literally in meinem Zimmer verbracht – die einzige Tasche, die ich dabei hatte war die Ikea-Tüte um Pfand wegzubringen oder der Beutel mit Glühwein im Winter. Naja, Zahnbürste, Schlüpfer, alles andere kann man kaufen -Hauptsache weg aus Berlin.  Der nächste Stutzer folgt am Tag der Abreise –  ein flaues Gefühl macht sich in meiner Zwerchfellgegend breit. Zu viel Deutsche-Bahn-Filterkaffee? Sodbrennen? Anxiety? Ich bin aufgeregt, obwohl ich seit meinem neunten Lebensjahr regelmäßig alleine Zug fahre, fliege, verreise. Was wenn hier ein Mißverständnis …

Nur noch 5 Minuten

Ich bin zwei Wochen im Urlaub und fühle mich als wäre ich bekifft ins Kino gegangen. Traumbilder ziehen an mir vorbei, ein Gefühl der Angst schwingt mit und jeder Moment brennt sich in meine Erinnerung ein. Bis hier hin liefs noch ganz gut. Nur noch ein paar Minuten Urlaub. Ein Café in Mailand. Zu meinen Füßen reißen sich 30 weiße Tauben um die Blätterteigkrümel, die wie Strasssteine den Boden schmücken. Nach einer Weile bemerke ich, dass außer meinem Tisch alle von Tauben besetzt sind. Nur noch 5 Minuten Der Blick auf den Lago Maggiore. Die Hitze flirrt, hinter den Palmen sehe ich Flugsaurier die Berge umrunden und würde den Moment gerne schmecken. Nur noch 4 Minuten Mein Blick schweift von der geöffneten Sektflasche über Paris. Als ich den ersten Schluck nehmen will, fängt es an zu regnen. Ein hutzeliger Mann spielt Chansons von Britney am Klavier. Ich gehe weiter und sehe Menschen an der Seine tanzen, um ein Paar, das einen Tango hinlegt, hat sich ein andächtiger Kreis gebildet – die Zuschauer:innen tragen keine Masken. …

Ich & Du, Ich, Ich & Leben

Zusammengefasst ist zu sagen,in nur 3 Abschnitten Text kann das Leben nicht genau dargestellt werden,aberes zu versucheneinzufangen ist möglich.In einer Art Marmeladenglas, gut versteckt auf Papier. 1. Szene/ Ich & Du: Ich sitze mit dir in einem Raum und lasse mich von deiner subjektiven Wahrnehmung mitreißen. Kühle Atmosphäre umgibt uns, die weißen Wände wirken diesmal noch trister als beim letzten Mal und die Deckenleuchte hängt tief. Besonderheit: heute wird ausnahmsweise kein Brettspiel zusammengespielt. Verblassen Ein und ausIch atme ein und aus;Das ganze Grau hierAlles in mir Dringt in meine Lungen Lässt mich so gut versteh’nVielleicht sollt´ ich deswegen geh’n Bleibe aber hier bei dir Will nicht noch mehr deine Augen versinken seh’nBleib doch endlich mal steh’n Du rennst in der letzten Zeit so viel,wenn du in diesem Zimmer die Zeit abhockst Lässt deine Gedanken so viele Bahnen kreisenDie bringen dich so sehr zum Vereisen Vielleicht sollt ich geh’nKann dich nämlich so gut versteh’n Wenn ich hier bin, kommt es mir wie das Normalste der Welt vorGefühle kommen schon gar nicht mehr empor;Kann dich nicht alleine …

Sonntag ist Heimspiel

Der Geruch von Nagellackentferner hängt im Raum und wabert selbst in die letzte Ecke. Es ist Sonntag, das Zugticket ist reserviert und mein einziges Basic Outfit liegt auf dem Schreibtischstuhl. Es wird nur bei Heimreisen getragen. Ich streune jedes Mal aufs Neue durch die Wohnung, während meine Gedanken sich wiederkäuen. Es wird bestimmt ganz nett, du triffst alte Bekannte, die bunten Socken legst du lieber wieder in die Schublade, brauchst du den Nagellack wirklich, beim letzten Mal waren es doch nur zwei doofe Sprüche, da stehst du doch drüber. Das Gedankenkarussell dreht seine Runden.   Bei der Ankunft am Bahnhof treffe ich schon den ersten Bekannten und muss über meinen Studiengang ausholen, da alles was nicht Jura oder Lehramt ist, eine Erklärung braucht. Ich gehe meinen alten Schulweg entlang, bin direkt wieder 16 und versuche so undercover wie möglich nach Hause zu kommen. Dort werde ich überschwänglich empfangen von meiner Familie und meiner Katze. Natürlich gibt es mein Lieblingsessen. Wenn ich frage, was es Neues gibt, kommt ein Achselzucken.   Nach dem Abi wurde auf die Stopptaste gedrückt und die Einzigen, die …

Schmerzgrenze

STAATSGRENZEN SPRACHGRENZEN ARMUTSGRENZEN ALTERSGRENZEN SCHMERZGRENZEN Sie begrenzen mich, aber ich bin grenzenlos. Mein Körper, meine Seele, eine Karte, die bisher nur meinen Umriss zeigt. Keine Binnengrenzen. Kein „bis hierhin und nicht weiter.“ Keine Grenzsoldaten, die akribisch jeden kontrollieren, der auf meiner Seele sein beschissenes Badehandtuch ausbreiten will. Mit der Zeit werden sie kommen, sie, die Landvermesser, die Kolonialherren, welche die Grenzen mit dem Lineal zu ziehen versuchen und dabei die ganzen Feinheiten meiner Seele, meines Körpers übersehen. Oder nicht sehen wollen. Ihre Grenzen werden mein Korsett. Mit ihnen kann ich vor den Augen der Gesellschaft aufrecht stehen. Es wird eine Weile dauern, bis ich merke, dass ich nicht mehr richtig atmen kann. Zunächst wird mein Atem immer flacher werden. Keine zu hastige Bewegung, alles ist kontrolliert. Wenn sie schauen dann lächele ich. Jedes Mal ein Kraftakt. Mit jedem flachen Atemzug, immer zu wenig Sauerstoff, immer viel zu kurz, wächst in mir das Verlangen nach Freiheit. Freiheit kann einem niemand schenken. Freiheit muss man sich selbst erschaffen. Das weiß ich jetzt, aber früher, da wusste ich …

More than friends, less than lovers

Ich glaube, mit manchen Menschen ist es einfach so, dass sie auf unerklärliche Weise mit dir verbunden sind. Eine Verbindung, die von allen im Raum gespürt wird, auch wenn sie niemals angesprochen wird.  Und da ist diese Verbindung zwischen uns.Erst gestern habe ich sie wieder gespürt, nach einem Bier im Park, die Wangen gerötet von Sonne und Alkohol und all den Menschen, die wir getroffenen haben nach so langer Zeit, von all den Unterhaltungen, die so lange nicht geführt werden konnten, weil wir uns nicht gesehen haben. Gerötete Wangen von all den aufregenden Wegen, die wir jetzt gehen werden nach dem Sommer, all den Geschichten die geschrieben werden. Und auch wir haben uns wieder gefunden, geredet, haben Pizza für alle geholt und von null auf hundert, habe ich die Verbindung gespürt. Da warst nur noch du auf meinem Radar und ich merkte auch, dass dein Blick wieder häufiger zu mir abschweifte.Und auch wenn du jetzt sagst, dass da nichts ist, ich spüre es. „Ich würde lügen, würde ich sagen, dass da gar nichts ist, vielleicht nicht …

Homoduett

Schutztape ums Herzaus Stolz, Solidarität, Selbstwertin rot-orange-gelb-grün-indigo-blau-violettLiebe+Liebe ein Homoduett mich zu verortenauf einem Spektrumvon Liebe bis Liebebin ich offen für morgenGefühle, solide oder dochnicht? Reste von Angst so zu sein, wie Mensch ist aber eigentlich freiinterpretiert, privilegiert, ichdenn die Gewalt trifft zwar nicht michaber ein anderes Gesicht Wortverwendung: Kampfweil es trotz theoretischer Möglichkeitin der Praxis struggle bleibtund Cis und Hetero Normenam Ende doch Unterdrückung formen der Minorität,die anders liebt, lebtunfreiwilliger Privilegien-Verzicht der Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit widersprichtund dazu führt, dass ein Mensch voller HassFLINTA auf offener Straße ersticht wie kann Menschhassen wer sich liebtMensch-Ethnie-Religion-Mosaikbedroht von Feindseligkeit, Antipathieund Gewalt in Kultur und Politik ich hoffe, dass du weißt, dass Liebe, wo sie hinfällt auch ganz gern mal bleibt egal was du davon hältstwas für Urteile du fällst. ist gar nicht viel was wir verlangenbloß Freiheit-sichergestelltin einer liebe-vollen und hass-freien Welt und mehr zusammen Hass<Liebe – Elena, 22, veröffentlichte mit 18 ihr erstes Buch, worauf eine 4 Jahre-lange Schreibpause folgte. In dieser Zeit treibt es sie spätestens alle 7 Monate an einen anderen Ort, ständig auf der Suche …

Freund:in oder Feind:in?

Mein Handy vibriert. Ich krame in meinem vollgestopften Rucksack herum bis ich es finde. Das viel zu  helle Display leuchtet mir ins Gesicht. „Bock, heute zu kiffen?“ lese ich auf dem kleinen Bildschirm. Ich  lenke mein Blick vom Bildschirm auf das vor mir stehende Haus. Ich neigte meinen Kopf zur Seite und  dachte über die Nachricht angestrengt nach, horchte in mich hinein und kam letztendlich zu der  Erkenntnis, dass ich „keinen Bock zu kiffen“ habe. Aber Lust auf soziale Interaktion.  Ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder meinem Handy. Ich tippte ein „Ja, wann denn?“ in mein  Handy und schickte es ab. Ich seufzte. Ein besseres Angebot bekam ich heute wohl nicht mehr. Da  steckt man auch die Droge in Kauf, um eine „schöne Zeit“ zu verbringen.  Ich packte mein Handy wieder in meinen Rucksack.   Ich fragte mich, ob ich das tat, wonach ich mich fühlte. Ich seufzte ein erneutes Mal und wurde  verlegen. Ich blickte leer in die Ferne und stoppte alles, was ich tun wollte. Ging gedanklich zu dem  Punkt zurück, in welchem ich völlig …