Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gastgedanken

We’re caught in a trap

Eine Woche in Gedanken Dienstag. Wir sitzen in der Uni zusammen, in unserem Gemeinschaftsatelier, am runden Tisch und jemand erzählt von den Nachrichten gestern im Fernsehn. Ja, andere Unis sind schon zu, in Innsbruck zum Beispiel.  Ich reagiere ungläubig und frage gleich bei einer Freundin nach, die dort studiert. Irgendwie ist alles lächerlich, wieso? Das Thema ist jetzt schon mehr in meinem Kopf als gestern und vorgestern. Da haben wir in der WG Scherze ausgetauscht, den Corona-Song gehört, unbesorgt. Im Nachhinein gesehen, waren wir so frei. Denn schon gegen zwölf geht es los mit den Sorgen. In unserer allwöchentlichen Versammlung wird uns mitgeteilt, dass Exkursionen ins Ausland entfallen und dass keine Kurse mehr stattfinden. Ab Montag. Alle scherzen wieder, sind aber auch traurig, langsam setzt der Schock ein. Auch bei mir, mein Kopf ist im Nebel, hab ich Kopfweh? Corona? Nein, beschließe ich, das ist Psychostress, ich war nicht vorbereitet, keine Erwartung plötzlich in einen Zukunftsfilm zu fallen. Wir haben noch einen Tag Uni, wie immer, nur dass es dieses eine Thema gibt. Immer noch …

Wie ich das Abitur überlebte

Es wird immer einen Morgen und einen Abend geben. Ich möchte dir mit diesem Brief ein wenig Hoffnung schenken, ganz egal in was für einer Lebenslage du im Moment bist. Vielleicht stehst du auch gerade kurz vor dem Abitur, wie ich damals, oder einem anderen Schulabschluss. Vielleicht bist du aber auch in einer ganz anderen verzweifelten Lage, in der dir mein Brief hoffentlich trotzdem hilft. Und für alle, die diesen langen Brief nicht lesen wollen und trotzdem einen Hoffnungsschimmer brauchen: Verlasst euch auf den natürlichen Lauf der Dinge! Verlasst euch auf den Sonnenschein nach dem Nebel, auf den Tag nach der Nacht und ganz besonders darauf, dass es nach einem Morgen und einem schlechten Tag, immer auch einen Abend geben wird. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, wie wichtig es in schwierigen Zeiten ist, auch sich selbst nette Worte zu schenken und verständnisvoll mit sich umzugehen. Diesen Brief schrieb ich mir, während der verzweifelten Lernphase fürs Abitur. Ich schrieb ihn mit den Worten, die ich an eine andere Person richten würde, welche in meiner …

Heimhass

Ich hasse es hier.  Ich will nicht mehr sein, was alle sind,  wo alle tun, was sie immer tun wo jeder mich sieht und kennt  wo Routine alles zerstört.  Ich hasse es hier.  Ich will hier nicht enden Mit einem durchgeplanten Leben  Und mit meinen Händen  Nichts anderes spüren als Regen.  Ich hasse es hier.  Ich will in große Städte,  da, wo alle offen sind. In eine Welt, die die Welt ist. Ich will richtig leben Und fahre in dem Ford Fiesta in die nächste Stadt  Jeden Tag  Weil ich sonst so allein bin  Allein mit meinen Gedanken.  Allein mit mir. Dorffeste, Alkoholrausch, Kippen, ein Joint Gefühlt bin ich jedes Wochenende voll Und ich hasse es hier.  Ich hasse, dass alles so eingeschränkt ist Ich hasse, dass alles so schweigend ist Ich hasse, dass es hier Regen gibt. Und während ich mit schwerem Kopf in die Natur schreie Während ich allein im großen Feld verweile  Während ich die Jugend fortwünsche, Sehe ich, wie wunderschön mein Hass ist.  Spüre ich eine starke Bindung, die es gibt  …

Erzählt mir eure Geschichten.

Einmal, da war es ein junges Paar, immer wieder kamen sie vorbei. Das Ganze hielt da schon fast ein Jahr. Mittlerweile geht sie einen Schritt auf ihn zu, während er zwei von ihr weggeht. Der kleine Junge, den Hund an der Leine und seine Träume auf der Zunge. Er wollte etwas verändern, erzählte damals euch seine Visionen vom Leben, von einem besseren, als das, was es gerade ist und fing an, dafür zu beben. Er ist gescheitert. Geht jetzt mit, anstatt gegen den Strom und ist wie jeder andere. Dann gab es noch das 14-jährige Mädchen. Tänzerin wollte sie werden, verbrachte die Sommer in eurem Schatten, fing an zu träumen und dann kam er und fing an, sie zu verderben.Auch sie ist an ihren Träumen zerbrochen und hat dem Falschen viel zu viel versprochen. 25 Jahre jung, wusste nicht, was er mit seinem Leben noch anfangen soll, wünschte sich so doll anders zu sein, dass er sich letztendlich selber verlor.Nicht nur seinen Charakter hat er verloren, sondern auch sein Leben gegeben, um endlich Ruhe in seinem …

Manchmal

Manchmal vermisse ich nichts und niemanden so sehr wie dich. Manchmal vermisse ich uns – oder die Idee von uns. Ich bin mir da nicht so recht sicher. Waren wir je mehr als meine Idee von uns? Oder war die Idee nur in meinem Kopf; und so weit weg von dir und der Realität, wie der Horizont, wenn man am Meer steht? Manchmal vermisse ich uns und manchmal glaube ich, dass ich ohne dich und die Idee von uns, eine Leere in mir spüren würde, die ich nicht zu füllen wüsste. Manchmal glaube ich, dass du mir die Poesie gibts, die ich brauche, um glücklich zu sein. Die Poesie, aus der ich all meine Kreativität schöpfe, aus der ich nehme, was ich kreiere. Doch vielleicht ist die Idee von uns, oder einfach nur wir, auch das Produkt eben dieser Poesie. Manchmal weiß ich nicht, was erst da war – du oder meine Poesie. Doch es ist auch egal. Denn jetzt seid ihr beide da, die Poesie und du, euch kann ich wohl nicht mehr trennen. …

Und wir lachen zusammen

selten, viel seltener als früher sitzt du still vor mir und lächelst. häufiger, viel häufiger als früher bewegte sich dein Lächeln zu einem  lauten  glücklichen  Lachen. und wir lachen zusammen. — und immer bist du da heute noch viel mehr  als noch im letztes Jahr. — unsicher darf man sein  denkst du  aber das sollte niemals abschrecken. und vielleicht ist es genau das, um was es eigentlich geht. — ich war verletzt und dann war ich enttäuscht, aber du enttäuschst mich nie. — ich denke immer alles muss gut sein aber ich muss lernen, gut muss nicht perfekt sein. — du machst mich glücklich.  wollt ich dir nur mal eben sagen. ganz kurz. – Das Schreiben von Gedichten und kleinen Texten bedeutet für Mira, Momente und Gefühle zu verarbeiten und festzuhalten. Sonst hört sie viel Musik, tanzt und trinkt Tee. In Zukunft möchte sie mehr von der Welt sehen und mutiger werden.  Das Beitragsbild ist von Luka.

Raum geben, Raum nehmen

Im Seminarraum ist es stickig. Julian lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Während er redet, bewegt er die Hände, um seine wichtigen Aussagen zu unterstreichen. Fast alles, was er sagt, sieht er als wichtig an. Nachdem er am Anfang verkündet hat, er wolle sich kurzfassen und würde sich eh nur den anderen Beiträgen anschließen, redet er 6 Minuten durch. Nach dem dritten Satz verliert er sich bereits in seiner Argumentation.  Ich schweife ab. Seine Stimme nervt mich nur noch. Ich will, dass er aufhört zu reden. Nachdem er mit seinem Zeigefinder noch einmal bedeutungsvoll auf den Tisch getippt hat, schweigt er. Ich atme auf. Habe ich die ganze Zeit die Luft angehalten?  Während ich überlege, was ich auf seinen inhaltslosen Beitrag antworten könnte, heben Max und Sebastian schon engagiert den Arm. Die Diskussion, die eher einer Selbstdarstellung mit möglichst vielen Fachwörtern in einem Satz gleicht, geht weiter.  Sophie schweigt. Kathie malt auf ihrem Collegeblock das Datum nach. In mir staut sich etwas auf. Ist es Wut?  Würde ich für jeden männlichen Beitrag in diesem Seminar …

Ein neuer Platz für ein neues Jahr

Silvester 2018 – Ich kann mich an die Heizung erinnern, auf der ich saß und das Glas, was ich in der Hand hielt. Auch an Freunde und Lachen und eine kleine beengte Wohnung. Split. Kroatien. An der Wand hing der Lichtvorhang, den sein Mitbewohner da hingehängt hatte – vor 3 Wochen. Ein paar Cracker auf der Fensterbank, das weiß ich noch. Und alle hier, die hier sein sollen. Dass alte Partymusik lief und alles ein bisschen kribbelig war, wie wenn man als Kind abends ins Bett gegangen ist und wusste, dass am nächsten Tag etwas Besonderes passieren würde. Wie eine Mineralwasserflasche, die zu lange in der Hitze gelegen hat. Aber draußen war es klirrend kalt und als jemand das Fenster aufgemacht hat, strich mir ein eiskalter Windzug über den Arm. Das weiß ich noch. Nur eine Woche nach Weihnachten und Weihnachten fühlte sich wie viel länger her an. Momentaufnahme. An den Jahreswechsel kann ich mich gar nicht mehr richtig erinnern. Komisch. Dann 2019 – Das Jahr, in dem sich alles verändert hat und ich mich …

Frühstück ohne Oma

Dieser Gastgedanken-Text ist als Antwort auf das Interview “Frühstück mit Oma” entstanden. Der Tee in der Tasse vor mir dampft. Die Tasse hat ein Rosenmuster, wie so vieles im Besitz meiner Oma. Es ist nur eine Tasse Tee, nicht zwei, denn ich bin alleine in meiner WG.  Auf TIERINDIR ist vor Kurzem ein Text von Imina erschienen, ein Interview mit ihrer Großmutter. Beim Lesen bedauerte ich sehr, diese Möglichkeit eines guten und differenzierten Gesprächs mit meiner Oma nicht zu haben. Die hatte ich leider auch schon nur bedingt, als meine Oma noch lebte.  Der Text machte mich traurig: So oft denke ich an meine Oma und wünsche mir, ihr etwas erzählen oder mich mit ihr austauschen zu können. Das sind meistens kleine Dinge: Ich male Blumen an die Wand in meinem Zimmer und würde sie ihr gern zeigen; ich sehe ein Café, das ich gern mit ihr besuchen würde; ich lese ein Buch das ihr gefallen könnte … Manchmal sind es auch Momente, in denen ich erwarte, sie müsse gleich um die Ecke biegen und einen …

Du warst nur dort, wenn du ein Foto hast

Ich stehe vor dem Casa Batlló in Barcelona. Die Sonne scheint, lässt mein Haar golden glänzen und alles warm erscheinen, dabei ist es Mitte Oktober. Click, click. „Perfect.“ Das Haus ist wunderschön denke ich, so rund, bunt und detailreich. Ja, das ist wirklich ein Kunstwerk. Eine Stimme reißt mich aus meinem Staunen. „Oh yes, that‘s a good position!“ Click, click. „Perfect.“ Die zwei Mädchen aus England sind fertig. Sie haben die perfekten Fotos für ihren Instagram-Feed. Die Haare wehen ein wenig auf dem Foto und natürlich sieht man fast nur das Mädchen mit ihren langen Beinen und den braunen Longbob, aber das Bild wird gepostet mit den Hashtags #Barcelona #Gaudí #Travel. Auf einmal bestürzt mich das Gefühl, ich bräuchte auch so ein Bild. Damit man sehen kann wo ich gerade bin, was ich alles erlebe und wie glücklich ich doch bin. Also drücke ich meinem Freund mein Handy in die Hand stelle mich vor das Haus, ziehe den Bauch ein, lächle, Arme etwas nach hinten und schwupp, fertig. Ich schaue die Bilder an und dann …