Alle Artikel mit dem Schlagwort: Frauen

Die Systemrelevanten

Anmerkung: Ich habe in den letzten Wochen an verschiedenster Stelle den Hinweis wahrgenommen, dass die Bezeichnung „Weltfrauentag“ teilweise problematisch ist, da das Lexem „Frau“ nicht umfassend genug für alle Spektren sei und andere Personengruppen, die unter dem Patriarchat leiden, ausschließe. Die Schreibweise des Wortes „Frau“ mit Gender-Sternchen, wie ich sie in meinem Text letztes Jahr auch verwendet habe, da ich diese für spektrumsübergreifend hielt, sei demnach auch falsch. Leider habe ich bisher keine andere, adäquate Schreibweise ermitteln können, die niemanden ausschließt und so im nachfolgenden Text die einfache Schreibweise „Frau“ gewählt, ohne die Absicht, ein Spektrum damit benachteiligen zu wollen. Über Hinweise bezüglich einer passenden Schreibweise wäre ich dankbar. Seit meinem Text zum Weltfrauentag 2020 hat sich die Welt verändert. Neben all den negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie, gibt uns die Krise aber auch Chancen, neue Bewusstseinsperspektiven zu entwickeln – auch für ohnehin schon bestehende Problematiken, deren Dringlichkeit sich durch die Krise verstärkt.  Der Weltfrauentag 2021 ist wichtiger wahrzunehmen als je zuvor, denn ein Jahr in der Pandemie hat gezeigt, dass es Frauen sind, die unsere Gesellschaft …

Ich seh’ rot

Das letzte Mal war schon viel zu lange her, das war mir auch sehr  bewusst. Aber ich hatte andere Sorgen und zugegeben war ihre  Abwesenheit auch ganz angenehm. Doch wenn ich ganz ehrlich zu mir  bin, dann hatte ich 4 Jahre lang meine Periode nicht.  Es fällt mir schwer, die Vergangenheit zu rekonstruieren, wann es  genau anfing kann ich nicht benennen. Innerhalb von kurzer Zeit  verlor ich über 1/3 meines vorherigen, gesunden Körpergewichts und  fand mich im Untergewicht wieder. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch  nicht klar, dass die damit einhergehenden physischen und psychischen  Schäden mich viele Jahre begleiten werden würden.  Ursachen für das Ausbleiben der Periode   Sekundäre Amenorrhö, also dem Ausbleiben der Regelblutung über  mehrere Monate, kann viele verschiedene Ursachen haben. Neben dem  bereits erwähnten Untergewicht zählen auch Leistungssport,  Medikamente (auch nach dem Absetzen der Pille!) und Stoffwechselerkrankungen dazu, aber auch mentale Stresssituationen können diese auslösen.  Die Menstruation ist ein sehr komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Geschlechtshormone zur Vorbereitung des Körpers auf eine mögliche Befruchtung. Vom Hypothalamus, der die Hormonaktivität koordiniert, müssen viele Prozesse durchlaufen werden, bis die Eierstöcke die …

Feminismus in der Retrospektive #Facettenreich

Triggerwarnung: in diesem Text geht es unter anderem um häusliche Gewalt. – Hippies, Hotpants und Hard Rock verbinden viele mit den wilden 70ern. Vor allem für Frauen hat sich in diesem Jahrzehnt vieles verändert. Im Jahr 2021 jähren sich wichtige Ereignisse zum 50. Mal. Wofür wurde damals gekämpft? Eine kleine feministische Zeitreise in das Jahr 1971. Der Blick zurück Große Zeitschriften betreiben Female Empowerment: auf Titelseiten werden die 100 Frauen des Jahres geehrt und Aktionen wie „Ich bin eine Quotenfrau“ machen im Netz die Runde. Es scheint, als hätten Frauen eine feste Stimme in der Öffentlichkeit. Manche von ihnen setzen sich schon seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung ein, waren Teil der sogenannten neuen Frauenbewegung vor fünfzig Jahren. Eine Zeit, die bis heute nachwirkt und vielleicht mehr mit der Gegenwart zu tun hat, als wir denken. Was waren die Anliegen der Frauen? Wie wurde protestiert? Was ist von damals übrig geblieben? Unser Verständnis von Feminismus basiert maßgeblich auf den Theorien revolutionärer Denker:innen aus dem letzten Jahrhundert. Moderne feministische Bewegungen eifern einer weiblichen Zukunft entgegen: The Future is …

Frauenwelten

Das „Männerwelten“ Video war für mich zwar eine Überraschung, die Inhalte aber keinesfalls überraschend. Meine Freundinnen und ich haben alle in dem Video gezeigten „Exponate“ schon selbst erlebt, oder kennen mindestens eine Frau, die die Taten, über die berichtet wurden, erlebt haben. Und es ist wahr. Wir alle gehen nachts mit einem Schlüssel in der Faust, einer Freundin am Handy, oder einer elektrischen Vergewaltigungspfeife nach Hause. Wenn wir überhaupt nachts zu Fuß nach Hause gehen. Und das ist normal, da gibt es keine Ausnahme. Was für meine männlichen Bekannten übertrieben, oder gar lächerlich wirkt, ist für uns eine bittere Sicherheitsmaßnahme, das Einzige, was uns ein ganz kleines bisschen Schutz zu bieten scheint. Und wir haben mehr von unseren kleinen Sicherheitstricks, so viele, dass es mich traurig und vor allem wütend macht, dass wir sie brauchen. In den Kommentaren unter dem besagten Video tummeln sich natürlich aber auch viele Kritiker. Wie immer, wenn Frauen es wagen über ihre Erfahrungen mit den patriarchalischen Strukturen in ihrem Leben zu berichten.Da heißt es dann zum Beispiel: „Männer werden auch …

Danke für die Blumen

Heute vor genau zwei Jahren ging mein erster Text bei Tierindir online. Dass dieser Termin genau auf den Weltfrauen*tag fiel, ist natürlich kein Zufall gewesen. Damals war ich 16 Jahre alt und die feministische Debatte war ein Thema, mit dem ich mich zu diesem Zeitpunkt seit mehreren Monaten beschäftigt hatte. Ich will nun nach zwei Jahren die Möglichkeit nutzen, um einfach mal Revue passieren zu lassen: Was ist von meinen damaligen Wünschen an eine gleichberechtigte Gesellschaft übrig geblieben? Habe ich denn überhaupt selbst genug dazu beigetragen? Wenn ich mich gedanklich zwei Jahre in die Vergangenheit zurückversetze, dann war da gerade einiges in meinem Leben los. Ich kam in die Oberstufe und fing an, mich intensiver mit Politik und den Vorgängen, die um mich herum und in unserer Gesellschaft passieren, auseinander zu setzen. Woher mein besonderes Interesse für die Rechte und die Gleichstellung von Frauen* in unserer Gesellschaft damals kam – außer, dass ein gewisses Interesse für besagte Dinge von jedem zu erwarten wäre und einfach nur anständig ist – kann ich nicht mehr komplett zurückverfolgen. Was ich aber …

Die Freundschaft zwischen mir und dir

Mein Fuß wippt, deine Lippen formen die Lyrics nach. Um uns herum eine Geräuschkulisse von heiteren Gespräche über das Wetter, Gesprächen zwischen Menschen, die sich gerade das erste Mal treffen, nachdem sie ein Date über Instagram oder Tinder ausgemacht haben. Gespräche zwischen alten Freunden, die sich nur alle paar Wochen sehen und Neuigkeiten austauschen, so vertieft, dass sie das Rundherum nicht wahrnehmen. Das Licht in der Bar ist abgedunkelt, die Gläser halb leer. Wir bestellen noch eine Runde, die geht auf mich. Weil sich bei uns das Zahlen gefühlt immer abwechselt. Weil es sich immer ausgleichen wird, weil es sicher ist, dass wir uns bald wiedersehen. Wir stoßen an, du gibst mir zu verstehen, dass du mich lieb hast und so froh bist, dass wir uns wieder sehen. Und das macht mich glücklich. Ich bin glücklich. Denn trotz deiner Heiterkeit, die dem Alkohol zu verdanken ist, weiß ich, dass du es ernst meinst. Dass es wirklich so ist. Ich verschwende gern Zeit mit dir, gemeinsam vergessen wir für ein paar Stunden unsere Pflichten, die Hürden …

Stoffbinden nähen – Nachhaltige Menstruation

Seid ihr auf der Suche nach nachhaltigen und gesünderen Alternativen für Tampons und Binden? Wenn ja, dann seid ihr hier genau richtig. Wenn nein, dann solltet ihr euch auf die Suche begeben! Die Umwelt, aber auch eure Gesundheit, sollte es euch wert sein. Also bleibt am Besten gleich hier und lest weiter. Vor schon einer ganzen Weile wurde hier auf dem Blog ein Artikel zur Menstruation veröffentlicht, in dem unter anderem auch Produkte für die weibliche Monatshygiene vorgestellt wurden. Eine Sache hat aber gefehlt. Nämlich waschbare Stoffbinden. Meiner Meinung nach sind sie für alle, denen die Menstruationstasse nicht ganz geheuer ist, eine echte Alternative zu den nicht besonders nachhaltigen und gesunden Tampons und Einwegbinden. Ich finde die Stoffbinden nämlich wirklich cool! Darum versuche ich euch heute davon zu überzeugen, dass waschbare Binden überhaupt nicht ekelig sind, ganz unkompliziert benutzt werden können, nicht unbedingt teuer in der Anschaffung und Herstellung sind und auch noch für gute Laune während der Menstruation sorgen können. Aber probiert’s einfach mal selber aus. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert. Aber …

Tabuthema? Haare/Rasieren

Wir alle haben sie, uns alle beschäftig dieses Thema: Haare! Haare ja oder nein, rasieren oder einfach der Natur freien Lauf lassen? Sowohl die Mädels unter uns, als auch die männliche Partie beschäftigen sich spätestens am Anfang der Pubertät mit der Körperbehaarung. Darunter versteht man übrigens jede Behaarung des menschlichen Körpers im Unterschied zum Kopfhaar. Und obwohl der Körper des Mannes mit viel mehr Haar bedeckt ist, machen sich vor allem Frauen viele Gedanken, ob sie ihr Körperhaar entfernen sollen oder nicht. Aber fangen wir ganz von vorn an, um vielleicht besser zu verstehen, warum eigentlich niemand genau weiß, was richtig oder falsch ist, wenn es um dieses heikle Thema Haare geht.   Geschichtlich Schon in der Steinzeit fingen Höhlenmenschen an, Körperhaare mit Hilfe von geschärften Felssteinen zu entfernen. Dies geschah zu diesem Zeitpunkt jedoch vor allem aus hygienischen Gründen, um sich, beispielsweise, besser vor Parasitenbefall zu schützen. Auch in frühen Darstellungen des alten Ägyptens ist keinerlei Behaarung an den dargestellten Figuren zu erkennen. Sie galten als unzivilisiert und wurden auch hier anhand von geschärftem …

Romeo und Julia auf dem Dorfe

Über Feminismus fernab vom Schuss und ländlichen Rollenbildalltag Wo Sexismus eigentlich so normal ist, dass er fast schon ein Fremdwort ist, und wo Feministischsein untrennbar mit der Vorstellung aggressiver, unrasierter Mittvierziger-Emanzen in Verbindung gebracht wird – da bin ich aufgewachsen. Glücklicherweise wurde ich nie direkt mit solchen Werten erzogen, jedoch umgeben sie mich unauffällig schon mein ganzes Leben lang. Bis jetzt hab ich sie als normal hingenommen und geduldet, wie das auch schon meine Eltern und meine Großeltern getan haben. Doch jetzt ist die Zeit gekommen, in der keiner mehr derartige Werte dulden sollte. Auch ich hab mich dezidiert gegen ein Dulden entschieden, ich wollte mich aktiv dagegen engagieren. Mein Eintritt in die Feministische Partei wurde mit gemischten Reaktionen zur Kenntnis genommen. Ist die feministische Denkweise eine Denkweise, die man ernst nehmen muss bzw. kann? Das größte Problem des Feminismus, welches mir vor allem in meinem provenzalischen Umfeld deutlich wird, ist nämlich, dass er nicht als nötig und wichtig angesehen wird. Feminismus ist hier kein Thema, nicht mal ansatzweise. Feminismus, das waren mal wütende Männerhasserinnen …

Time’s Up

Es ist kalt. Schneeflocken wehen in mein Gesicht, schmelzen auf meiner warmen Haut und laufen wie Tränen meine Wangen hinunter. London ist grau heute. Ein Grau, das die Gebäude verschluckt und die gute Laune gleich mit. Es ist kalt. Mir ist kalt. Ich bin durchnässt, in meiner Hand ein tropfendes Stück Pappe. Die Buchstaben darauf sind verwischt, genauso wie meine Wimperntusche, die sich wie Schatten unter meine Augen legt. Eigentlich müsste ich heute miserabel gelaunt sein. Eigentlich müsste ich mich mit einem guten Buch und einem heißen Tee unter meiner Bettdecke verkriechen. Aber stattdessen glühe ich vor Euphorie. Ich bin froh, heute, jetzt, hier auf der Straße zu stehen. Und Tausende mit mir. Es ist der 21. Januar 2018, ungefähr 12:30 Uhr. Ich stehe jetzt schon seit mehr als einer Stunde im Schneeregen und ich werde auch noch etwas länger hier stehen bleiben. „Time’s up!“ brüllt die Menge immer wieder. „Time’s up!“ Unter diesem Motto findet der Women’s March 2018 in London statt. Ein Statement setzen, gegen Sexismus, gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art, das ist …