Alle Artikel mit dem Schlagwort: Familie

Cancel-Christmas

Ich gebe es zu – ich mag Weihnachten nicht besonders. Wo andere Besinnlichkeit, Geschenke und Familienzeit sehen, sehe ich Kitsch, sinnlosen Konsum und naja – Familienzeit.  Es gibt so viele Gründe Weihnachten nicht zu mögen. Das Hauptargument ist wohl der sinnlose Konsum (jede:r durchschnittliche Deutsche gibt im Jahr 200-300 Euro für Weihnachtsgeschenke aus). Geschenke, die für immer versauern, werden an Verwandte geschenkt, die man sonst nie sieht. Deko und lustige Weihnachtspullover müssen gekauft werden, um sich so richtig festlich zu fühlen. Hand in Hand damit geht die massive Umweltverschmutzung durch Verpackungsmüll, Geschenkpapier und sinnlosen Konsum. Dazu kommt noch ein verstärkter Fleischkonsum, unzählige abgeholzte Bäume, die wir vor unseren Augen vertrocknen lassen, um sie dann aus dem Fenster zu werfen und die Ikonisierung der gesellschaftlich konstruierten, heteronormativen Kleinfamilie. Meine persönliche Weihnachtsabscheu wurzelt tief. Anfangs wusste ich noch nichts von all diesen schlauen Argumente, mit denen ich mittlerweile meine Antipathie kontextualisieren kann. Als Kind einer katholischen Familie heißt es an Weihnachten nicht Punsch und Geschenke, sondern Mitternachtsmesse und Besinnung. Ich verinnerlichte dafür früh den ursprünglichen Gedanken von …

Der Kopf war aus und es war nur das Herz #Facettenreich

Heiraten, arbeiten, Kinder bekommen. Die durchschnittliche Frau in Deutschland bekommt mit 30 Jahren ihr erstes Kind und heiratet mit 32. Was nach einem festen Lebensplan für viele klingt, kann auch unerwartet früh passieren. Mit 19 zum Beispiel. Mit Maria werfe ich einen Blick in ihre Vergangenheit, wir sprechen über ihre Jugend und wie es war, in den 1990er Jahren Mutter zu sein. Hallo Maria. Magst du dich kurz vorstellen? Klar, ich bin Maria und bin Mutter von drei – inzwischen erwachsenen – Töchtern. Ich lebe in Berlin und bin Erzieherin und Fotografin. Im Jahr 1989 warst du 18 und bist in der Schweiz zur Schule gegangen. Dann hast du eine folgenreiche Entscheidung getroffen, richtig? Ja genau, im Herbst 1989 standen wir mit der Schulklasse am Bahnhof, um auf Abschlussfahrt nach Italien zu fahren. Wir warteten auf den Zug, als aus den Lautsprechern auf dem anderen Gleis ein Zug nach Berlin angekündigt wurde. Ich spürte diesen Impuls: Ich wollte nach Berlin, denn da komme ich ursprünglich her. Mein Koffer war schon in dem Zug nach Italien, …

Meine größte Angst – die Depressionen

Sie begleiten mich schon seit meiner Kindheit, seit vielen Jahren. Nicht, weil ich selbst unter ihnen leide, sondern weil es Mitglieder meiner Familie tun. Depressionen sind eine meiner größten Ängste – wie bezeichnend, dass ich mich schon als Kind extrem vor den Dementoren aus Harry Potter gegruselt habe. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass diese tatsächlich Depressionen symbolisieren sollen.  Diese Krankheit jagt mir aus verschiedenen Gründen eine Heidenangst ein. Zum Einen ist da natürlich die Angst um meine Familienmitglieder. Diese Angst ist nicht immer präsent, sondern taucht in bestimmten Situationen auf. Die Krankheit ist auch der Grund dafür, warum ich nie die Möglichkeit hatte eine bestimmte Person überhaupt kennenzulernen. Ich weiß also ganz genau, wie diese Krankheit enden kann. Die Depressionen meiner Familie sind auch der Grund, warum ich schon Angst um mich selbst hatte. Ich erinnere mich da an eine Situation, die schon viele Jahre zurückliegt, eine Autofahrt. Ich weiß noch, dass ich während dieser Autofahrt panische Angst hatte, dass wir das Ziel nie erreichen würden. Wahrscheinlich war diese Angst total unbegründet, denn …

Das ultimative Weihnachtsdinner

Weihnachten ist die Zeit der Liebe. Und Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. Was gibt es also besseres, als mit den Liebsten ein Festtagsmenü zu kochen? Stundenlang in der Küche zu stehen, zu sitzen, zu kochen und zu essen. Und Weihnachtsmusik zu hören. Als allererstes müssen wir uns jedoch auf die Komponenten einigen. Zu einfachen, leckeren (und vorzugsweise veganen) Gerichten gibt das Internet und sämtliche Kochbücher einiges her. Wir haben uns für einen Kürbis-Pilz-Blätterteigbraten, vegane Bratensoße, Klöße, Rotkohl und einen frischen Salat entschieden. Danach gab’s Bratäpfel! Danach ging’s einkaufen. Der Einkauf kostete uns nicht mehr als 20 Euro für vier Personen. Zum nachnehmen! Also optimal für den großen Hunger. Nachtisch inklusive! Jetzt kann das große Kochen losgehen! Gemüse-Braten 1 Packung Blätterteig 1 mittelgroßer Hokkaido-Kürbis 1 Zwiebel 500 g Champignons 1 TL Romarin 1 TL Thymian 50 g Pinienkerne 1 EL Sojasoße 100g Spinat etwas Pflanzenmilch Salz & Pfeffer Vegane Bratensoße 1/2 Zwiebel 3 Möhren 1EL Senf 1EL Tomatenmark 2EL Balsamico 120ml Rotwein 250 ml Gemüsebrühe ggf./td> Sojasoße 100g Spinat Rosmarin Salz & Pfeffer Frischer …

Nach Hause kommen

Aus einer Sprachmemo vom 3. März 2017. Es sind Semesterferien und ich bin wieder zuhause. Ich hab eine Menge zutun, viele Gedanken und Deadlines zu beachten. Seit fast zwei Jahren bin ich jetzt unterwegs in der Welt, ziehe an neue Orte, lerne neue Menschen kennen, eigne mir neue Gewohnheiten an, sammle positive und negative Erfahrungen. Eigentlich habe ich das Gefühl, die meiste Zeit in irgendwelchen Zügen verbracht zu haben, die mich von A nach B und immer wieder nach Hause bringen. Zeit zum Reflektieren, in diesem Übergang zwischen Ausgangs- und Zielort, zwischen neuem Umfeld und gewohnter Umgebung, in die man mit neuen Erfahrungen zurückkehrt. Denn Zuhause ändert sich nichts. Alles bleibt beim Alten. Es ist gut, zu wissen, dass man an einen Ort zurückkehren kann, auch wenn man ein komplett anderer Mensch wird. An einen Ort, der bleibt, wie man ihn verlassen hat, auch wenn man sich verändert. Der Bahnhof, an dem ich ankomme, wird immer schäbig sein und nach Pisse stinken, Zurück in das Auto, mit dem ich an so viele Orte gefahren bin, …