Alle Artikel mit dem Schlagwort: Erinnerungen

Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin fremd in meinem eigenen Leben

Ein Telefonat in der Pandemie bei Nacht. Und wir teilen Gefühle, von Konstanz bis nach Berlin. Wir vermissen alle etwas. Uns fehlen die Konzerte, die Kneipenbesuche, das Kino und die Umarmung  zur Begrüßung. Die spontane Reise übers Wochenende und die WG-Party mit unseren Freunden.  Trotzdem geht es uns gut – sagen wir. Wir vermissen ja alle etwas. „Aber wir kommen damit zurecht,  haben ja trotzdem so viel.“ Und es stimmt, wir kommen zurecht, wir haben viel. Die meisten von uns  sind sehr privilegiert und es gibt so viele Gründe dankbar zu sein. Und das bin ich. Trotzdem fehlt  nicht nur „irgendwas“. Was fehlt, ist auch ein Teil von mir.  „Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin fremd in meinem eigenen Leben“, sagst du am Telefon und  ich höre wie das Feuerzeug mehrmals zischt, als du dir eine Zigarette anzündest. Du stehst auf  deinem Balkon in Berlin und ich sitze hier in meinem WG-Zimmer in Konstanz, am anderen Ende von  Deutschland. „Ja“, sage ich. „Es fühlt sich so an, als wäre ich noch da, aber als …

380 Tage Hanau #wir

TW: Rassismus, Rechtsextremismus, Rassistische Gewalt, Tod Heute vor 380 Tagen wurden neun Menschen bei dem rassistischen und rechtsextremen Anschlag von Hanau ermordet. Auch heute erinnern wir daran.Auch heute gedenken wir: Hamza Kurtović Gökhan Gültekin Vili-Viorel PăunFerhat UnvarMercedes KierpaczFatih SaraçoğluSedat GürbüzSaid Nesar HashemiKaloyan Velkov 19-02-2020 Es ist der 19. Februar 2020.Ich bin in meiner Wohnung und gerade aufgewacht als ich davon erfahre. Ich weiß noch immer, was ich an diesem Tag getan habe. Was hast du an diesem Tag getan?Ich weiß noch genau, wie ich auf meinem Sofa saß und versucht habe, mit Tränen in den Augen zu essen.Ich weiß noch immer, wie ich versucht habe zu funktionieren.Ich weiß noch immer, was ich gefühlt habe. Ich kann es heute noch immer fühlen.Was hast du an diesem Tag gefühlt?Ich weiß noch immer, wie Menschen um mich herum lachten und sich amüsierten als wäre nichts gewesen.Ich weiß noch immer, wie mein Herz Stück für Stück zu brechen begann.Wie ging es deinem Herzen?Dieser Tag, der 380 Tage zurückliegt, fühlt sich gar nicht so weit weg an. Als wäre es …

Das, was ich nicht sagen kann /12

In diesem Format trage ich Gefühle, Skizzen und nicht fertig Gedachtes zusammen und versuche, neue Bezüge zu finden. Inzwischen gibt es 11 weitere Teile, die ich euch alle hier verlinke. Was geht in euch vor? Nehmt ihr Gefühle im Moment auch intensiver wahr als sonst? Teil 1, Teil 2, Teil 3,Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11 ___ Worte, Collagen und Gestaltung von Imina.

Über letzte Male und warum es gut ist, nicht zu wissen, dass sie es sind

Vergangenes Jahr habe ich es zum ersten Mal gemacht.  Ein Letztes Mal erlebt. Ganz bewusst. Okay, zugegeben, es war nur das letzte Mal für genanntes Jahr. Ich habe mich vom Sommer verabschiedet. An einem Samstag, Anfang September, saß ich im Garten meiner Eltern, habe die Augen geschlossen und ganz bewusst das Kitzeln der September Sonne auf meinen nackten Beinen gespürt. Habe den letzten Schluck Eiskaffee genauso genossen, wie den ersten ein paar Monate davor. Habe versucht die Sommererinnerungen abzuspeichern und mich innerlich auf Tee, Lebkuchen und Stiefel vorzubereiten. Danach gab es zwar noch zwei, drei Tage an denen es warm war, aber für mich war dieser Tag das Ende dieser Jahreszeit. Ein letztes Mal. Und wie verrückt ist es, dass ich zum ersten Mal einen Tag benennen kann, der für mich im vergangenen Jahr den Sommer beendete? Normalerweise geschieht das fließend und bis wir uns versehen, hat sich die Jahreszeit verändert. Und das ist auch nicht weiter schlimm, denn letzte Male sind auch immer mit Abschiedsschmerz verbunden. Was war ich glücklich und traurig zugleich an …

Wir vergessen nicht #wir

Ich möchte dieses Mal mit einem kurzen Vorwort beginnen. Der Text, den ihr gleich lesen werdet, unterscheidet sich um Einiges von meinen zuvor veröffentlichten Texten. Er ist persönlich und es ist mir eine Herzensangelegenheit, über dieses Thema zu schreiben, denn es beschäftigt mich seit Jahren. Ich kann sagen, dass ich, solange ich denken kann, nie das Privileg hatte, mich mit diesem Thema nicht auseinandersetzen zu müssen. Es ist ein Teil meines Lebens. Ich kenne nichts anderes. Die anderen von mir verfassten Texte bedeuten mir natürlich auch sehr viel, jedoch verspüre ich beim Schreiben dieses Textes den Druck alles richtig machen zu müssen, denn ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe. Vor der Aufgabe meine Gedanken mit euch zu teilen, mich angreifbar zu machen und dabei allen, die sich mit dem Inhalt identifizieren können, eine Stimme zu geben und ihnen das Gefühl zu vermitteln, nicht alleine zu sein. Außerdem möchte ich ebenso Menschen erreichen, die bisher kaum oder gar keine Berührungspunkte mit dem Thema hatten. Dies ist aber auch eine Gelegenheit, euch zum Nachdenken und zur …

A Little Much

Gedankensalat an einem Montagabend. Völlig unseriös, mit vielen „irgendwie’s“ und sehr theatralisch. Vielleicht ist dieser Blogpost ein aber kleiner Anstoß, wenn auch nur für einen von euch, der sich so allein fühlt wie ich es die letzten Monate getan habe.  Vorletzten Sonntag war ich auf dem Lorde-Konzert in Berlin. Neben ganz viel Glitzer, Konfetti, Freunde wiedersehen und laut mitsingen ist mir eine Stelle des Konzertes ganz besonders in Erinnerung geblieben, über die ich im Nachhinein noch viel nachgedacht und philosophiert habe. Nachdem Lorde sich nach dem Song „The Louvre“ auf eine Lichtbox gesetzt hatte und ein Bandmitglied die Melodie von „Liability“ anspielte, fing sie an, zu erzählen. Unglaublich nahbar und bescheiden sagt sie, wie dankbar sie für unser Kommen ist. Dass sie vom anderen Ende der Welt kommt und es nicht als selbstverständlich ansieht, dass so viele Leute zu ihrer Show gekommen sind. Und dann beginnt Lorde, von sich zu erzählen. Von einer Zeit, in der sie sich so allein gefühlt hat wie nie zuvor und wie weltverändernd das für sie war. Eine Zeit, in …