Alle Artikel mit dem Schlagwort: Demokratie

Der #wahltag naht

Früher oder später sehen wir uns alle damit konfrontiert: wählen gehen. Das Privileg der Demokratischen Mitbestimmung besteht aber aus mehr, als nur zwei kleine Kreuzchen zu setzen. Wie wir uns damit fühlen eine Entscheidung zu treffen und wie es uns stellenweise auch überfordert an der Mehrheitsverteilung in Parlamenten mitzuwirken, erfährst Du in diesem Text.  Papier mit Bedeutung Es waren zwar nur ein paar Striche mit dem Kuli, aber es fühlte sich besonders an, als ich zum ersten Mal wählen gehen durfte. Erstmal ‘nur’ die Bezirksverordnetenversammlung, doch es war trotzdem aufregend für mich, den Gang zur Wahlkabine anzutreten. Seit ich klein war, durfte ich meine Mutter alle Jahre wieder zu den Wahlgängen begleiten. Natürlich musste ich, als es ans Kreuzchen setzen ging, vor der Wahlkabine warten und habe mich seitdem gefragt, was denn so Spannendes hinter den drei grauen Wänden passiert. Zusammengefaltet und diskret in einen hohen Kasten gesteckt, war die demokratische Stimme versiegelt. Das war’s schon? Keine Luftschlangen, Ballons oder Jubel? Wählen ist leider kein Kindergeburtstag. Aber deshalb nicht weniger wichtig! Das unbeschriebene Blatt bekommt …

Das Blaue vom Himmel

In ein paar Monaten beginnt wieder mal die aufregendste Jahreszeit im politischen Kalender: der Bundestagswahlkampf. Von Laternenpfählen sprießen dann die Wahlplakate wie Frühblüher und die schwüle Luft des Spätsommers knistert förmlich vor politischen Meinungen und Vorhersagen. Den richtigen Umgang mit dieser absurden Zeit kann dir leider niemanden beibringen, dich mental auf eine Zeit der Meinungsverschiedenheiten vorzubereiten, versucht Jasmin aber trotzdem. Wenn die letzten Tage der Sommerferien anbrechen, die Ferienhäuser in Küsten- und Wanderregionen sich von ihren Gästen verabschieden und die deutschen Autobahnen noch ein letztes Mal unter der Last der Urlauber:innen endgültig nachzugeben drohen, dann ist, alle vier Jahre, die fünfte politische Jahreszeit angebrochen. Die Farben des Horizonts werden verschwimmen mit den Signalfarben der Stockfotoästhetik, die in leeren und vollen Worthülsen an jedem Laternenpfahl plakatiert sein wird.  Die noch knapp vier Monate bis zur Bundestagswahl sollte jede:r Bürger:in nutzen, um sich für Reizüberflutung, brutale Meinungsschlachten, voreilige Prognosen und den beißenden Geruch von Plakatkleber zu wappnen. Denn eine Bundestagswahl braucht wachsame Wähler:innen, die sich nicht das Blaue vom Himmel versprechen lassen und einen Durchblick im Dschungel …

Feminismus in der Retrospektive #Facettenreich

Triggerwarnung: in diesem Text geht es unter anderem um häusliche Gewalt. – Hippies, Hotpants und Hard Rock verbinden viele mit den wilden 70ern. Vor allem für Frauen hat sich in diesem Jahrzehnt vieles verändert. Im Jahr 2021 jähren sich wichtige Ereignisse zum 50. Mal. Wofür wurde damals gekämpft? Eine kleine feministische Zeitreise in das Jahr 1971. Der Blick zurück Große Zeitschriften betreiben Female Empowerment: auf Titelseiten werden die 100 Frauen des Jahres geehrt und Aktionen wie „Ich bin eine Quotenfrau“ machen im Netz die Runde. Es scheint, als hätten Frauen eine feste Stimme in der Öffentlichkeit. Manche von ihnen setzen sich schon seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung ein, waren Teil der sogenannten neuen Frauenbewegung vor fünfzig Jahren. Eine Zeit, die bis heute nachwirkt und vielleicht mehr mit der Gegenwart zu tun hat, als wir denken. Was waren die Anliegen der Frauen? Wie wurde protestiert? Was ist von damals übrig geblieben? Unser Verständnis von Feminismus basiert maßgeblich auf den Theorien revolutionärer Denker:innen aus dem letzten Jahrhundert. Moderne feministische Bewegungen eifern einer weiblichen Zukunft entgegen: The Future is …

Der Vorhang fällt, nichts dahinter #gibmirwiderworte

Scrollst Du auch manchmal durch die sozialen Medien oder machst die Nachrichten an und fragst Dich einfach nur: was war das denn gerade?Genau dann bist Du nicht Zielgruppe einer klar ausgerichteten Politik, die diejenigen ansprechen soll, die zwischen den Zeilen und unter den Handzeichen lesen können, versuchen und wollen. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeitdas Trilemma der MenschlichkeitHumanrecht, Naturzustand, Gesellschaftspflichtunangestrengt realisierbar, sind sie nicht. Visionen, Pläne, Wahlparteien,prophezeien eine unerfüllbare Wirklichkeit.Hirngespinste, Fantasien, Träumereien,als die Waffen politischer Konstruierbarkeit. Oft genug gelingt es mit einfachen Worten nicht, die Distanz zwischen Gesprächspartnern zu überwinden. Unweigerlich führt dies zu Missverständnissen, Fehlinterpretation oder auch Konflikten. Was auf der persönlichen Ebene halbwegs leicht zu beseitigen oder vorzubeugen ist, wird auf internationalen, politischen Bühnen immer wieder gerne ausgereizt und -genutzt, Kommunikation wird verdreht oder der größere Kontext vergessen. Wo das letzte Wort gesprochen oder das erste falsch betont wurde, kommt es zu berechnenden oder emotionalisierten Handlungen, die mit ihrem Symbolismus die täglichen Titelseiten förmlich erschlagen.  Mit symbolischer Politik werden Gefühle erregt und eindeutige Zustimmung oder Ablehnung verlangt. Anders als eine Politik die Fakten schafft, und daher Nägel …

Wieso weshalb warum? – Europawahl

Wer in der letzten Zeit nur halbwegs mit geöffneten Augen durch seine Umwelt läuft, der wird wohl kaum um das Thema Europawahl herumkommen. An jeder Ecke und an jedem Laternenpfahl lachen uns wieder teils fremde, aber auch altbekannte Gesichter der verschiedenen Parteien an, die jedoch alle eins gemeinsam haben: Was auf unseren Plakaten steht, ist jetzt gerade wichtig für dich und deine Zukunft. Nicht nur das; in jedem Atemzug steckt momentan immer irgendwie Europa. Wer soll da noch durchblicken, ohne den Überblick zu verlieren? Was ist für mich richtig, was ist falsch? Was soll ich überhaupt mit leeren Begriffen wie EU und Europaparlament anfangen? Vor allem für Erstwähler, die sich ihr bisheriges Leben vielleicht eher vage mit (Europa)politik auseinandergesetzt haben, ist das nichts als erschlagend und überfordernd. Doch auch, wenn ihr noch nicht wählen könnt, ist es alles andere als unwichtig, im Bilde darüber zu sein, was auch für Minderjährige die Zukunft bedeutet. Dieser Text soll keine Wertungen abgeben, keine Parteien vorschlagen – nichts davon. Die Welt fordert uns immer wieder auf: geht wählen! Nur …

Warum wir reden müssen – Zeit/Geschehen

Als ich im Dezember mit einer Freundin einkaufen gehen wollte, wurden wir vor einem Supermarkt von einer Parteiangehörigen der MLPD angesprochen, die mit der Mitgliedschaft für eine anti-imperialistische Liste warb. Unteranderem zählte die Frau ein paar Parteiziele der MLPD auf und erwähnte unteranderem, dass es ein Ziel sei, der AfD und dem Rechtsruck in Deutschland entgegenzuwirken. Eingetragen haben wir uns nirgends doch uns später an diesem Tag über die Worte der Frau unterhalten. Als meine Freundin sagte, dass sie die AfD wähle, muss ich kurz schlucken, bin erschrocken, aber sage erstmal nichts weiter darauf. Ich füge nur hinzu, dass die AfD nicht die richtie Partei für mich sei. Am nächsten Tag denke ich erst richtig über alles nach. Als erstes fällt mir auf, dass wir uns noch nie über Politik unterhalten haben, ich also eigentlich nie wirklich hätte rausfinden können, wen sie eigentlich wählt. Lediglich dieser Zufall vor dem Supermarkt hat mich jetzt vor einen Konflikt gestellt. Ich bin mit einer AfD-Wählerin befreundet – hätte mir das jemand gesagt, ich hätte es für eine Lüge …