Alle Artikel mit dem Schlagwort: Corona

Einfach mal dankbar sein

Die aktuelle Zeit scheint von Melancholie, Angst und Trauer umnebelt. Für mich sind diese Gefühle vollkommen nachvollziehbar, jedoch bin ich der Meinung, dass der Grund für diese Emotionen notwendig und bitte auch dringend einzuhalten ist. Damit meine ich natürlich die Corona-Krise und die daraus resultierende Kontaktsperre. Egal mit wem ich kommuniziere, auf der Straße beobachte oder wem ich in Fernsehinterviews zuhöre – die meisten Personen scheinen von Unzufriedenheit bedrückt. Dies kann ich natürlich vollkommen nachempfinden, denn auch ich sehe, außer den trostlosen Straßen und geschlossenen Geschäften, nicht mehr Personen, als meine Mutter, mit welcher ich zusammenlebe. Ein Glück ist sie täglich bei mir! Auch die Supermärkte scheinen im wahrsten Sinne des Wortes leergefegt. (Zum Thema Hamsterkäufe möchte ich mich dabei nicht äußern. Ich denke, ich vertrete die Meinung vieler, dass für jeden etwas im Regal stehen sollte!) Wie schon erwähnt, kann ich die Gefühle nachempfinden, welche die Mehrheit der Bevölkerung momentan verspürt. Auch ich bin traurig darüber, dass ich meine Großeltern und Freude momentan nicht persönlich sehen darf. Zudem pausiert mein Studium auf unabsehbare Zeit. …

Zeit zu denken #Facettenreich

Im blauen Sacko vor dem Glashaus sagt sie deutlich: Es ist ernst. Jetzt musst du mit dir selber klarkommen und mal schauen ob du das lernst. Seit Neujahr kommen die News aus China. Du sagst: „Es kommt jetzt immer näher her“, du interessierst dich nicht für mehr, was es ist und was passiert, wenn sich jemand infiziert. Jetzt ist es hier auch. Helfende sind auf Lösungssuche. Doch du fühlst dich in die Schranken verwiesen, du merkst nicht, dass wie durch eine Vergrößerungslupe Probleme größer werden in solchen Krisen. Ja, jetzt ist es an der Zeit, zu denken. Und du hast endlich Zeit, zu denken. Wir werden zu Edward-Hopper-Bildern, denken nicht dran, unseren Wohlstand mildern. Du sagst, wir sind doch eh alle im selben Boot. Aber lass mich dir sagen, Menschen in Booten sind in viel größerer Not. Während wir die Dosen im Keller lagern erkranken Menschen in überfüllten Lagern. Die Vorräte werden dich auch nicht beschützen. Viel eher bleibst du auf deinen Gedanken sitzen. Hättest lieber was für die Leute getan. Den Helfenden sollte Dank …

Delfine in Venedig

Alles ist ungewiss. Eine quasi undefinierbare Lage. Über den Köpfen der Menschen schweben Fragezeichen, während sie hektisch eine Insta-Story nach der anderen posten: Leere Supermarktregale präsentieren, obwohl genug vorhanden ist. Fraglich, ob sie selber das Regal ausgeräumt haben – alles für das Foto. Fragezeichen, Falschmeldungen, Hiobsbotschaften. In diesen Tagen haben wir von allem reichlich. Reichlich Informationen, die sich im Minutentakt aktualisieren. Reichlich Verpflegung, aber auch reichlich Ängste. Existenzängste und die Ängste vor dem unsichtbaren Feind, dem Virus. Ängste, die uns verbinden. Uns, die Menschen – die Menschheit. Wir alle haben Angst. Einige mehr, andere weniger. Einige präsenter, andere eher still für sich. Doch ist dies ein Punkt, der uns alle miteinander verbindet. Den Menschen wird unterstellt, sie seien egoistisch geworden. Vor allem aber, wurde es unterstellt. Zur Zeit lässt sich der Begriff der „Nächstenliebe“ wieder mehr anwenden. Nachbarn helfen Nachbarn, junge Menschen bieten Älteren Hilfe an. Und das ist nur der Anfang. Die meisten leben seit einer Woche in der Isolation und schon wird vielerorts das „Wir“ und „Sie“ wichtiger als das „Ich“. Egoismus macht …

Quarantäne Favoriten

Besonders jetzt zu dieser Zeit finde ich es schön, Blumen und generell viel Grün in meiner Wohnung zu haben. Es macht das Isoliertsein gleich ein wenig leichter. Auch vertrocknete Blumen können sehr ästhetisch sein! Also ruhig ein bisschen länger stehen lassen, das macht gar nichts. Neben Blumen sind Zimmerpflanzen und Kräuter schöne Erdlinge, um die man sich zur Zeit gut kümmern kann. Ich habe mir einen kleinen grünen Daumen angeeignet und freue mich riesig, jeden Tag zu sehen, wie mein Salbei wächst. Meine Hände sind schon ganz ausgetrocknet vom vielen Waschen und Desinfizieren. In dieser Zeit ist deshalb eine Handcreme unfassbar wichtig für mich geworden! Damit ich meine Hände weiterhin gern eincreme und es vor allem nicht vergesse, habe ich mir eine Creme ausgesucht, die unheimlich gut riecht und sie direkt neben der Seife auf dem Waschbecken deponiert. Außerdem habe ich auch immer eine für unterwegs dabei! Obwohl ich viel raus gehe und Spaziergänge mache, belastet mich das viele Drinnen-Hocken und die wenige frische Luft doch sehr. Zu oft fällt mir die Decke auf den …

Corona-konform rebellieren #LeaveNoOneBehind #Alltagsaktivismus

Während wir in Deutschland nun seit über einem Monat in unseren WG-Zimmern festsitzen, in unseren Kinderzimmern auf schlecht programmierten Online-Schooling-Plattformen rumhängen oder in unserer eh viel zu großen eigenen Wohnung bleiben müssen, nur um auf Instagram ausgiebig unser Frühstück und unsere neue Yoga-Routine zu inszenieren, sitzen seit Wochen mehr als 20.000 Menschen in Moria, dem Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel Lesbos, fest. 20.000 Menschen in einem Lager, welches eigentlich nur für 3.000 ausgelegt ist. 20.000 Menschen für die regelmäßiges Händewaschen, Abstandhalten und social distancing schlichtweg unmöglich ist. Und wir? Wir bestärken uns währenddessen gegenseitig auf Social Media darin, dass es „voll in Ordnung“ ist, jetzt einfach mal nichts zu machen und sich dem Selbstoptimierungs- und Zeitnutzungswahn, der sich auf Instagram schlimmer denn je breit macht, zu entziehen. Und ja, es ist völlig okay, dass du im vergangenen Monat keine neue Fremdsprache gelernt hast, dass dein Kleiderschrank immer noch nicht aussortiert ist und dass du dir an manchen Tagen noch nicht mal deinen Schlafanzug ausgezogen hast. Aber es ist nicht okay, dass du dich mit der …

Das Home-Bootcamp

6 Uhr am Dienstagmorgen, der Wecker klingelt. Eigentlich habe ich keine Termine, muss nirgendwo sein, theoretisch könnte ich ausschlafen. Wir befinden uns in einer globalen Pandemie und ich hab seit vier Wochen außer zum Einkaufen und Spazierengehen meine Wohnung nicht verlassen. Trotzdem steht heute viel auf meiner To-Do-Liste, also als erstes Handy an und gucken, was ich über Nacht verpasst habe: Mein Instagram Feed ist voll von Workouts, perfekten Kaffees in perfekt eingerichteten Homeoffices und immer und immer wieder: „Nutz die Quarantäne, um all die Dinge zu tun, für die du sonst keine Zeit hast.“ Ausmisten, endlich den Roman schreiben, oder Mandarin lernen. Ich bin ein Opfer der Hustle Culture: Den Großteil des Tages verbringe ich damit, zu arbeiten. Der Rest der Zeit wird um die Arbeit herumstrukturiert und möglichst produktiv genutzt. Aber ich bin nicht die einzige: Hustle und Grind sind zu Mantren für eine ganze Generation geworden. The grind never stops. Das „millionaire-mindset“ wird mit Stolz getragen: Push dich über deine Grenzen hinaus und du kannst alles sein, was du willst. Immer mehr, …

Einfach anfangen ist gar nicht so einfach

*Dieser Text teilt meiner Gedanken bezüglich meiner Kreativität und Produktivität im Allgemeinen, aber auch während der Corona-Pandemie. Ich fühle mich oft nicht gut und unproduktiv und versuche in diesem Text zu erklären, wie ich dagegen vorgehen kann. Trotzdem möchte ich auch nochmal erwähnen, dass wir alle gerade rein gar nichts müssen. Wir müssen keine neue Tätigkeit lernen, nicht jeden Tag Yoga machen oder anderweitig produktiv sein. Du bist okay so, wie du gerade bist, auch wenn du die ganze Zeit nur im Pyjama im Bett liegen kannst. Das ist okay. Wir gehen alle gerade durch eine gemeinsame, traumatische Erfahrung. Nicht alle haben gerade überhaupt dieses Privileg, diese Pandemie in etwas Produktives umzuwandeln. Eigentlich ist diese Zeit gerade – künstlerisch gesehen – genau das, was ich mir immer gewünscht habe. So oft habe ich meine Freunde vollgeheult, wie gern ich doch einfach ein paar Wochen frei hätte. Frei von irgendwelchen Pflichten, frei von sozialen Kontakten. Und wie sehr ich diese Zeit dann nutzen würde, um künstlerisch zu arbeiten, um produktiv zu sein und um endlich meine …

Vom Hinsehen und Wegsehen #Zeitgeist*in

Es ist Dienstag, 10 Uhr. Ich bin auf dem Weg zu meiner Lieblingskonditorei, um dort zwei Stücke Torte abzuholen. Die Luft drückt, es beginnt zu regnen. Während des Semesters ist die Innenstadt meist so voll, dass ich Mühe habe rechtzeitig zu meinen Kursen zu kommen. Heute aber herrscht eine so unheimliche Leere, die sich sofort auf meine Stimmung auswirkt. Etwas stimmt nicht. Das weiß auch der Fahrer der Spedition, der vor mir die Hebebühne mit einem lauten Piepsen hinabfährt. An einem gewöhnlichen Tag wäre dieses Geräusch wahrscheinlich zwischen all den Menschen und dem Lärm untergegangen. Jetzt kann man sich ihm unmöglich entziehen. Es schlägt regelrecht gegen die Schädeldecke, bettelt um Aufmerksamkeit. Und so sehr ich mich auch dagegen wehre, unmittelbar breitet sich das Gefühl von Einsamkeit in mir aus. Ich weiß, ich bin nicht allein. Millionen Menschen sitzen in Räumen, die Sonne scheint einladend durch die Fenster und trotzdem verlassen sie, wenn die Vernunft siegt, nur für unbedingt notwendige Erledigungen oder einen kurzen Spaziergang das Haus. Manche von ihnen geben online Tipps, wie man die …

We’re caught in a trap

Eine Woche in Gedanken Dienstag. Wir sitzen in der Uni zusammen, in unserem Gemeinschaftsatelier, am runden Tisch und jemand erzählt von den Nachrichten gestern im Fernsehn. Ja, andere Unis sind schon zu, in Innsbruck zum Beispiel.  Ich reagiere ungläubig und frage gleich bei einer Freundin nach, die dort studiert. Irgendwie ist alles lächerlich, wieso? Das Thema ist jetzt schon mehr in meinem Kopf als gestern und vorgestern. Da haben wir in der WG Scherze ausgetauscht, den Corona-Song gehört, unbesorgt. Im Nachhinein gesehen, waren wir so frei. Denn schon gegen zwölf geht es los mit den Sorgen. In unserer allwöchentlichen Versammlung wird uns mitgeteilt, dass Exkursionen ins Ausland entfallen und dass keine Kurse mehr stattfinden. Ab Montag. Alle scherzen wieder, sind aber auch traurig, langsam setzt der Schock ein. Auch bei mir, mein Kopf ist im Nebel, hab ich Kopfweh? Corona? Nein, beschließe ich, das ist Psychostress, ich war nicht vorbereitet, keine Erwartung plötzlich in einen Zukunftsfilm zu fallen. Wir haben noch einen Tag Uni, wie immer, nur dass es dieses eine Thema gibt. Immer noch …

Bitte bleibt zu Hause!

Es geht hier nicht um uns, sondern um alle anderen. Um die Älteren, die Immunschwachen, um Menschen mit Asthma. Wir sind jung und uns wird das Virus sehr wahrscheinlich überhaupt nichts ausmachen. Vermutlichen tragen wir es sowieso alle schon in uns, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Einige von euch mögen sich denken, dass so eine leichte Grippe ja überhaupt nicht schlimm sei, das stecken wir ja locker weg. Aber um uns geht es hier nicht. Unsere Generation ist in den meisten Fällen nur der Überträger. Ohne jegliche Symptome zu spüren, können wir dennoch am Corona-Virus erkrankt sein. Uns macht das nichts aus. Wenn wir nicht anfangen, zu Hause zu bleiben, wenn wir uns weiterhin mit unseren Freunden treffen, Bahn fahren, unterwegs sein wollen, verdoppelt sich die Zahl der Neuinfektionen von Tag zu Tag und schon bald kann nicht mehr allen geholfen werden. Wir sind Schuld, wenn unsere Großeltern sterben müssen Wir haben es in der Hand. Unsere Handlungen haben großen Einfluss auf andere. Wir sind dafür verantwortlich, wenn unsere Eltern und Großeltern krank werden, …