Alle Artikel mit dem Schlagwort: Corona

Warum ich meine Haare gespendet habe

Hilflosigkeit. Das Wort beschreibt, glaube ich, am besten, wie ich mich in den letzten Wochen gefühlt habe, mit allem was auf der Welt gerade passiert. Das Gefühl, nichts tun zu können und nichts zu bewirken. Natürlich trage ich auch meine Maske, halte Abstand, setze mich mit Rassismus auseinander, achte auf meine eigene Sprache und weise auch andere auf ihre hin. Aber irgendwie fühlte sich alles zu passiv an, ich wollte lieber aktiver werden. Leider gibt es in meiner Kleinstadt und auch in den Städten in meiner näheren Umgebung keine Demonstrationen und nur Posts auf Instagram zu teilen, erscheint mir nicht immer zielführend. Auch das Thema Nachhaltigkeit schied im Moment aus, da ich meinen Alltag schon sehr umgestellt habe und ich dort gerade nichts mehr verändern kann. Andere Dinge, wie zum Beispiel unverpackt einkaufen gehen, fallen dank Home Office in besagter Kleinstadt momentan auch aus. Zack die Idee: Ich spende meine Haare. Eine Idee, über die ich schon öfters nachgedacht habe, allerdings immer mit den Worten „irgendwann mal“. Aber jetzt hatte ich endlich mal wieder einen …

Über Verschwörungsphantasien

In diesem Beitrag geht es um die Erfahrungen, die Marlon während seiner Recherche zu seiner künstlerischen Arbeit zum Thema Verschwörungsphantasien rund um Corona gemacht hat. Dieser Artikel und auch Marlons visuelle Aufarbeitung haben keinen wissenschaftlichen Anspruch. Die aufgeführten Inhalte dienen der Aufklärung. Die Eindrücke zu den Anti-Corona-Demonstrationen basieren ausschließlich auf den Erfahrungen, die Marlon vor Ort gemacht hat. Uns ist bewusst, dass diese Demonstrationen eine reale Bedrohung für Schwarze und People of Color darstellen. Wir möchten diese Bedrohung in diesem Artikel auf keinen Fall verharmlosen. – Vor ein paar Tagen habe ich mich mit Marlon, einem guten Freund von mir, über Corona und all die Verschwörungstheorien, die es rund um das Virus gibt, unterhalten. Oder auch Verschwörungsphantasien, so wie er sie nennt. Verschwörungstheorien sind nämlich gar keine wissenschaftlichen Theorien, sondern viel mehr irgendwelche Hirngespinste, die nicht wirklich existieren. Uns alle haben sicher in den letzen Wochen Videos und Artikel erreicht, die die ganze Existenz des COVID-19 Virus anzweifeln. Wilde Theorien, wer angeblich wirklich dahinter stecken könnte oder was es damit auf sich haben könnte. Verschwörungsphantasien …

Lächelnde Augen

In dieser Zeit, in der Nachrichten von einem Virus, dessen Name zum Teil eine Zahl ist, uns bis in den Schlaf begleiten, in dieser Zeit, in der Zahlen von Neuinfektionen, angsteinflößenden Zukunftsvisionen, Bilder von Menschen mit Masken in elendig langen Supermarktschlangen, oder gefangen in ihren eigenen vier Wänden, tagtägliche Beobachtungen und Eindrücke sind, vergesse ich schon mal, dass gerade eigentlich die Zeit im Jahr ist, in der nicht nur Blumen, sondern auch mein Herz zu blühen beginnt.  Es ist die Zeit, in der mein ganzer Körper bis in die Fingerspitzen kribbelt, wenn ich morgens ganz früh aus der Haustür trete, den Blick gen Baumkronen gerichtet, wo die Vögel ihre Lieder singen, die Luft noch kühl und klar, wie das Mittelmeer, als ich vergangenen Herbst dort war, die vollkommene Stille, der Geruch von morgentaufeuchtem Gras und Sonnencreme vom Vortag, das Vertrauen in den Tag und dass gut wird, was gerade ist, dass alles ganz und gar gut wird.  Es ist die Zeit, in der mein Lächeln ein ständiger Begleiter von mir und meinem Ausdruck wird, in der …

Und manchmal mache ich auch einfach überhaupt nichts

– Die Fotos und Tagebucheinträge über die Schönheit des Alleinseins und die Vorfreude auf den etwas anderen Sommer sind in den letzten Wochen entstanden. Die Selbstporträts sind von Jule. Sie ist 20 und lebt zur Zeit noch in Flensburg. Neben Fotografie, Grafik und der Malerei springt sie gerne ins kalte Meer, fährt mit dem Fahrrad Berge hoch und runter und liegt gerne, in Gesellschaft aber auch alleine, unsinnig rum. Ihre Bilder sind der Versuch Ungreifbares greifbar erscheinen zu lassen , Gefühle und Gedanken sichtbar zu machen und bloß nicht Erlebtes zu vergessen. Die Aufnahmen begleiten sie dokumentarisch durch den Alltag.  Dieser Beitrag wird außerdem durch einige Aufnahmen von Luka ergänzt.

Einfach mal dankbar sein

Die aktuelle Zeit scheint von Melancholie, Angst und Trauer umnebelt. Für mich sind diese Gefühle vollkommen nachvollziehbar, jedoch bin ich der Meinung, dass der Grund für diese Emotionen notwendig und bitte auch dringend einzuhalten ist. Damit meine ich natürlich die Corona-Krise und die daraus resultierende Kontaktsperre. Egal mit wem ich kommuniziere, auf der Straße beobachte oder wem ich in Fernsehinterviews zuhöre – die meisten Personen scheinen von Unzufriedenheit bedrückt. Dies kann ich natürlich vollkommen nachempfinden, denn auch ich sehe, außer den trostlosen Straßen und geschlossenen Geschäften, nicht mehr Personen, als meine Mutter, mit welcher ich zusammenlebe. Ein Glück ist sie täglich bei mir! Auch die Supermärkte scheinen im wahrsten Sinne des Wortes leergefegt. (Zum Thema Hamsterkäufe möchte ich mich dabei nicht äußern. Ich denke, ich vertrete die Meinung vieler, dass für jeden etwas im Regal stehen sollte!) Wie schon erwähnt, kann ich die Gefühle nachempfinden, welche die Mehrheit der Bevölkerung momentan verspürt. Auch ich bin traurig darüber, dass ich meine Großeltern und Freude momentan nicht persönlich sehen darf. Zudem pausiert mein Studium auf unabsehbare Zeit. …

Zeit zu denken #Facettenreich

Im blauen Sacko vor dem Glashaus sagt sie deutlich: Es ist ernst. Jetzt musst du mit dir selber klarkommen und mal schauen ob du das lernst. Seit Neujahr kommen die News aus China. Du sagst: „Es kommt jetzt immer näher her“, du interessierst dich nicht für mehr, was es ist und was passiert, wenn sich jemand infiziert. Jetzt ist es hier auch. Helfende sind auf Lösungssuche. Doch du fühlst dich in die Schranken verwiesen, du merkst nicht, dass wie durch eine Vergrößerungslupe Probleme größer werden in solchen Krisen. Ja, jetzt ist es an der Zeit, zu denken. Und du hast endlich Zeit, zu denken. Wir werden zu Edward-Hopper-Bildern, denken nicht dran, unseren Wohlstand mildern. Du sagst, wir sind doch eh alle im selben Boot. Aber lass mich dir sagen, Menschen in Booten sind in viel größerer Not. Während wir die Dosen im Keller lagern erkranken Menschen in überfüllten Lagern. Die Vorräte werden dich auch nicht beschützen. Viel eher bleibst du auf deinen Gedanken sitzen. Hättest lieber was für die Leute getan. Den Helfenden sollte Dank …

Delfine in Venedig

Alles ist ungewiss. Eine quasi undefinierbare Lage. Über den Köpfen der Menschen schweben Fragezeichen, während sie hektisch eine Insta-Story nach der anderen posten: Leere Supermarktregale präsentieren, obwohl genug vorhanden ist. Fraglich, ob sie selber das Regal ausgeräumt haben – alles für das Foto. Fragezeichen, Falschmeldungen, Hiobsbotschaften. In diesen Tagen haben wir von allem reichlich. Reichlich Informationen, die sich im Minutentakt aktualisieren. Reichlich Verpflegung, aber auch reichlich Ängste. Existenzängste und die Ängste vor dem unsichtbaren Feind, dem Virus. Ängste, die uns verbinden. Uns, die Menschen – die Menschheit. Wir alle haben Angst. Einige mehr, andere weniger. Einige präsenter, andere eher still für sich. Doch ist dies ein Punkt, der uns alle miteinander verbindet. Den Menschen wird unterstellt, sie seien egoistisch geworden. Vor allem aber, wurde es unterstellt. Zur Zeit lässt sich der Begriff der „Nächstenliebe“ wieder mehr anwenden. Nachbarn helfen Nachbarn, junge Menschen bieten Älteren Hilfe an. Und das ist nur der Anfang. Die meisten leben seit einer Woche in der Isolation und schon wird vielerorts das „Wir“ und „Sie“ wichtiger als das „Ich“. Egoismus macht …

Quarantäne Favoriten

Besonders jetzt zu dieser Zeit finde ich es schön, Blumen und generell viel Grün in meiner Wohnung zu haben. Es macht das Isoliertsein gleich ein wenig leichter. Auch vertrocknete Blumen können sehr ästhetisch sein! Also ruhig ein bisschen länger stehen lassen, das macht gar nichts. Neben Blumen sind Zimmerpflanzen und Kräuter schöne Erdlinge, um die man sich zur Zeit gut kümmern kann. Ich habe mir einen kleinen grünen Daumen angeeignet und freue mich riesig, jeden Tag zu sehen, wie mein Salbei wächst. Meine Hände sind schon ganz ausgetrocknet vom vielen Waschen und Desinfizieren. In dieser Zeit ist deshalb eine Handcreme unfassbar wichtig für mich geworden! Damit ich meine Hände weiterhin gern eincreme und es vor allem nicht vergesse, habe ich mir eine Creme ausgesucht, die unheimlich gut riecht und sie direkt neben der Seife auf dem Waschbecken deponiert. Außerdem habe ich auch immer eine für unterwegs dabei! Obwohl ich viel raus gehe und Spaziergänge mache, belastet mich das viele Drinnen-Hocken und die wenige frische Luft doch sehr. Zu oft fällt mir die Decke auf den …

Corona-konform rebellieren #LeaveNoOneBehind #Alltagsaktivismus

Während wir in Deutschland nun seit über einem Monat in unseren WG-Zimmern festsitzen, in unseren Kinderzimmern auf schlecht programmierten Online-Schooling-Plattformen rumhängen oder in unserer eh viel zu großen eigenen Wohnung bleiben müssen, nur um auf Instagram ausgiebig unser Frühstück und unsere neue Yoga-Routine zu inszenieren, sitzen seit Wochen mehr als 20.000 Menschen in Moria, dem Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel Lesbos, fest. 20.000 Menschen in einem Lager, welches eigentlich nur für 3.000 ausgelegt ist. 20.000 Menschen für die regelmäßiges Händewaschen, Abstandhalten und social distancing schlichtweg unmöglich ist. Und wir? Wir bestärken uns währenddessen gegenseitig auf Social Media darin, dass es „voll in Ordnung“ ist, jetzt einfach mal nichts zu machen und sich dem Selbstoptimierungs- und Zeitnutzungswahn, der sich auf Instagram schlimmer denn je breit macht, zu entziehen. Und ja, es ist völlig okay, dass du im vergangenen Monat keine neue Fremdsprache gelernt hast, dass dein Kleiderschrank immer noch nicht aussortiert ist und dass du dir an manchen Tagen noch nicht mal deinen Schlafanzug ausgezogen hast. Aber es ist nicht okay, dass du dich mit der …

Das Home-Bootcamp

6 Uhr am Dienstagmorgen, der Wecker klingelt. Eigentlich habe ich keine Termine, muss nirgendwo sein, theoretisch könnte ich ausschlafen. Wir befinden uns in einer globalen Pandemie und ich hab seit vier Wochen außer zum Einkaufen und Spazierengehen meine Wohnung nicht verlassen. Trotzdem steht heute viel auf meiner To-Do-Liste, also als erstes Handy an und gucken, was ich über Nacht verpasst habe: Mein Instagram Feed ist voll von Workouts, perfekten Kaffees in perfekt eingerichteten Homeoffices und immer und immer wieder: „Nutz die Quarantäne, um all die Dinge zu tun, für die du sonst keine Zeit hast.“ Ausmisten, endlich den Roman schreiben, oder Mandarin lernen. Ich bin ein Opfer der Hustle Culture: Den Großteil des Tages verbringe ich damit, zu arbeiten. Der Rest der Zeit wird um die Arbeit herumstrukturiert und möglichst produktiv genutzt. Aber ich bin nicht die einzige: Hustle und Grind sind zu Mantren für eine ganze Generation geworden. The grind never stops. Das „millionaire-mindset“ wird mit Stolz getragen: Push dich über deine Grenzen hinaus und du kannst alles sein, was du willst. Immer mehr, …