Alle Artikel in: Selbst & Inszenierung

“zu groß” träumen

Für unser Interview mit Edition F wurde mir die Frage gestellt, ob man überhaupt zu groß träumen könne. In meiner Beschreibung auf der Über Uns Seite steht nämlich, dass ich meist zu groß träume. Diese große Frage ganz knapp zu beantworten ist mir unglaublich schwer gefallen. Denn zuerst finde ich ganz schnell die Antwort: Nein! Niemals! Doch beim weiteren Nachdenken wird mir klar, dass auch diese Frage genauso gut bejaht werden kann. Einmal einen Fallschirmsprung machen, mit der zukünftigen Familie in einem Haus am Meer leben, endlos glücklich sein oder Schauspieler*in werden –  das können alles Dinge sein, die ganz oben auf unserer (heimlichen) Wunschliste stehen. Träume, die wir anstreben, Träume, die unseren sehnlichsten Wunsch verkörpern, Träume, die aufzeigen, was uns wirklich im Leben wichtig ist. Sie können eine riesige Motivation sein, sich in der Schule anzustrengen und den Berufsweg einzuschlagen, der dich deinem Traum näher bringt. Oder das Geld anzusparen, dass es für die Erfüllung des Traums braucht. Oder die Geduld zu haben, die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Ein Traum fühlt sich …

Mutprobe? Raus aus der Komfortzone!

Ich und meine Komfortzone. Wir verstehen uns gut. Ich fühl’ mich wohl mit ihr. Sie ist gemütlich, rund, und ich schwebe in ihr wie in einer Blase. Aber irgendwie … tut sie mir auch nicht gut. Ich bin gefangen, will raus, kann auch, aber sie macht es viel zu verlockend, doch in ihr zu bleiben. Die Folge: ich sehe nichts Neues, erlebe nichts Neues, hinterfrage nicht, lerne nicht, komme nicht weiter. Ich stecke fest. Und damit muss jetzt Schluss sein. Nein, die Komfortzone wird wohl nicht weg gehen. Nora Jeder Mensch hat eine. Das Wichtige ist, dass wir immer mal aus ihr heraussteigen. Über uns hinauswachsen. Den Rahmen verschieben, die Grenzen. Die Komfortzone wächst und schrumpft mit Dir und Deinen Erfahrungen. Gewonnenes und verlorenes Vertrauen spiegeln sich in ihr wieder, sowie positive und negative Erlebnisse. Deine Komfortzone sagt viel über Dich aus. Dich, die Menschen, mit denen Du Dich umgibst und die Situationen, in die du Dich begibst. Eine Komfortzone kann und kann nicht vieles sein. Aber vor allem sollte sie Dich nicht zurückhalten. Ich …

Nicht anders als gestern

Ich fange eigentlich meist Wochen vor meinem Geburtstag an, mich auf diesen Tag zu freuen. Mir auszumalen, was ich alles Schönes machen werde und wer alles an mich denken könnte. Welchen Kuchen ich backen oder was ich anziehen könnte. Denke mir jedes Jahr, was für ein monumentaler Schritt es ist, wieder ein Jahr älter zu sein. Am 28. Mai bin ich um 9 Uhr aufgewacht: Aber habe ich mich anders, oder vielleicht sogar erwachsener, gefühlt? Nein. Denn außer einem Frühstück, bei dem ich schon morgens Schokokuchen essen und Kerzen auspusten konnte und im Wohnzimmer von Blumen und einem „Happy Birthday“–Schild begrüßt wurde, war ja auch nichts anders als gestern. Wochenlang denke ich über diesen Tag nach, freue mich immer noch wie ein Kind darauf, will es mir so schön machen, wie nur möglich. Nehme mir also heute die Zeit, und tue all die Dinge, die mich glücklich machen: Ich mache Sport, frühstücke ausgiebig, esse Kuchen, gehe schwimmen, sitze in der Sonne und koche abends ein riesiges Festmahl mit all den Sachen, die ich gern esse. …

Der perfekte Ort

Ich bin bis zu meinem Abitur ein einziges Mal umgezogen. Mit drei Jahren, von unserer Wohnung in der Kleinstadt in das Haus, das meine Eltern gebaut haben, im Dorf daneben. Ansonsten habe ich meine komplette Jugend bis zu meinem 19. Lebensjahr in einem einzigen, kleinen Ort verbracht. Ihn verhasst, weil man so wenige Möglichkeiten hatte. Weil sich die Leute nie änderten, man nie den Freundeskreis wechseln konnte, weil jeder jeden irgendwie kannte und nie ein neues Gesicht einfach irgendwo dazu stößt. Das Dorf hat ca. 500 Einwohner, von denen schätzungsweise 70 Prozent über 75 Jahre alt sind. Eine einzige Mitschülerin von mir kam auch aus dem Dorf. Alle anderen waren auf die umliegenden verteilt. Zum Einkaufen oder Freunde besuchen musste man entweder zwei Kilometer laufen oder die Eltern bitten, gefahren zu werden. Ich fühlte mich eingekesselt, unverstanden und irgendwie nicht frei genug an diesem Ort. Ich wollte Abwechslung und vor allem ganz viel Neues sehen. Ich suchte nach dem perfekten Ort für mich.                 Nach dem Abitur bewarb ich mich …

Auszeit, Ichzeit

Meistens verfliegt die Zeit, gerade unter der Woche, wie im Flug: Schule, Uni oder Arbeit nehmen den Großteil unseres Tages ein und sind oft so kräftezehrend, dass wir abends nicht viel mehr schaffen als schnell etwas zu essen und ins Bett zu fallen. Doch gerade wenn es so viel drunter und drüber geht, wenn kaum eine freie Minute in Aussicht scheint, ist es besonders wichtig, einen Gang zurückzuschalten und sich einfach auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich selbst etwas Gutes zu tun. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich mir eine solche Pause aber einfach nicht gönne. Immer weiter mache, weil es immer noch etwas zutun gibt, weil man nie gar nichts zu tun hat, sondern immer irgendwas, wenn auch ganz unten, auf der To-Do-Liste lauert und erledigt werden will. Sehr oft sehe ich nicht ein, warum ich mir jetzt eine Pause geben soll und oft bezweifle ich, dass ich sie verdiene.  Wenn man sich jedoch wenig um sich selbst kümmert, kommt man irgendwann an einen Punkt, von dem aus es nicht weitergeht oder keine Besserung in …

Das Gegenteil von gleichgültig

Ich denke sehr viel nach. Ich mache mir über alles Gedanken. Ich bin nah am Wasser gebaut. Ich überdenke, reflektiere und lasse revue passieren. All das gehört zu mir. Und zeigt, das ich involviert bin. Dass mir etwas wichtig ist. Und nicht egal. Dass es weh tut oder schön ist. Dass es mich beschäftigt. Es ist ein Zeichen dessen, dass ich lebe. Ich fühle. Ich fühle viel. Und sehr oft treibt es mich zur Weißglut. Gerade, wenn es schmerzvolle Momente und Empfindungen sind, die ich ausblenden und vergessen möchte. Aber – und das habe ich gemerkt – ich möchte auch nicht ohne. Denn was noch viel schlimmer ist, als ständig jede Emotion zu spüren, sich Sorgen zu machen, zu lachen, zu weinen, Achterbahn zu fahren … ist Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist passiv. Sie ist einfach da und übertüncht alles. Wie eine Wolke, wie ein Nebel, durch den man Konturen nicht mehr erkennt oder ein Schleier, der sich über alles legt. Es ist ein ernüchterndes Gefühl. Nicht so sehr, wenn man von Anfang an gleichgültig ist. Aber wenn man …

Lass uns Farbe bringen, wo es trist war.

Als wäre es nicht kompliziert Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Lass uns die Leichtigkeit spielen, die uns fehlt. Lass uns die Liebe lernen, die wir brauchen. Lass uns die Worte erfinden, wo sie nicht genug sind. Lass uns die Regeln brechen, die uns schaden. Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Als wäre kein Verlust, wo immer Leichtigkeit ist. Als wäre Liebe nicht genauso grausam, wie sie schön ist. Als wären Worte immer angebracht. Als ließen schlechte Regeln sich nicht genauso schwer brechen wie die guten. Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Lass uns die Welt neu erfinden, wo sie alt geworden ist. Lass uns singen, wo Lieder vergessen wurden. Lass uns in die Hand nehmen, was in den Händen anderer war. Lass uns Mut haben, den andere nicht hatten. Komm her! Lass uns so tun, als wäre es nicht kompliziert. Als wäre Neues noch nie schädlicher gewesen als Altes. Als wären Lieder noch nie Hetze gewesen. Als wären unsere …

Warum eigentlich normal sein?

Als ich meinen entwickelten Film mit Bildern von einer Party am Dienstag abholte, musste ich beim Anschauen der Bilder viel schmunzeln: So viele, gute Erinnerungen, die ich zum Glück alle festgehalten habe. Als später meine Tante zum Kaffee zu Besuch war, sich die Bilder anschauen wollte und völlig entsetzt fragte „Ist das etwa ein Mann? Warum trägt der hohe Schuhe? Und warum ist er geschminkt?!“, brachte mich das zum Nachdenken: Was ist eigentlich normal? Und warum wollen das immer alle sein? Als langjähriger Fan von Lady Gaga ist man es gewohnt, dass jede Person so herumläuft, sich so kleidet und schminkt, wie sie es möchte – ganz nach dem Motto Born this Way, eben. Und für mich ist es einfach selbstverständlich, dass ich auf eine Party komme und von einem Freund begrüßt werde, der falsche Wimpern, künstliche Fingernägel und rosa-gefärbte Haare hat. Dass ich ihm sage, wie geil er aussieht. Es ist ganz normal, dass die Jungs in Overknee-Heels kommen, auf denen ich niemals laufen könnte, und grobe Strumpfhosen an den muskulösen Beinen tragen. Dass …

Nicht Carrie, sondern Nora.

Neulich saß ich in der Bahn und dachte nach. Irgendwie kam ich dann darauf, dass ich meine ganze Jugend und heute auch immer noch versuche, wie jemand anderes zu sein oder einfach anders zu sein. Und vor allem: älter. Ich orientiere mich immer an der Zukunft. Ich mag die Situation oder den Zustand im Hier & Jetzt nicht genug, um damit zufrieden zu sein. Um mit mir und dem, was ich bin, vollends zufrieden zu sein. Es ist normal, dass man als Kind erste Berufswünsche entwickelt. Ich wollte mal Lehrerin, mal Fleischerin, mal Putzfrau und dann Tänzerin werden. Jetzt studiere ich was mit Medien und mein Berufswunsch – der ist eigentlich das zu machen, was ich jetzt mache, nur noch Geld mit zu verdienen. Trotzdem habe ich mit 14 Sex and the City geschaut, wollte in New York leben und Autorin sein. Habe Carrie nachgeeifert. Wollte nicht die ganzen Männer, sondern einfach nur ihr Leben, ihren Lifestyle, ihre Wohnung, ihre Freunde, ihre Klamotten, ihren Job. Wollte mal so werden, wie sie. Und das ist nur …

Alles, aber nicht verträumt

Unsere Gesellschaft macht es oberflächlich immer leichter, über psychische Krankheiten zu reden. Aus „mir geht es nicht gut“ wird schnell „ich bin depri“ oder „ich bin ein bisschen depressiv“. Überall sind Bilder von vermeintlich depressiven Menschen mit sentimentalen Gedanken unter deren Posts. Aber psychische Krankheiten sind nicht romantisch. Nicht verträumt. Psychische Krankheiten sind hart, spitz, kantig, unangenehm. Natürlich ist es schwierig solche „allgemein gültigen“ Parolen loszuwerfen , aber ich denke, den meisten Menschen mit einer Diagnose fällt es, zumindest am Anfang, schwer, das zu sagen. Zu ihrer Diagnose zu stehen. Essstörungen sind nicht schön. Und so ist es ein Grauen, das die unnatürliche Lücke zwischen den Oberschenkeln nun einem knochigen Dekolleté als Schönheitsideal weicht. Denn Knochen sind nicht schön, nicht ästhetisch. Meist zeugen Knochen von Kontrollzwängen und einem gestörtem Essverhalten. Ferner müssen gar nicht unbedingt Knochen zu sehen sein. Neben Magersucht ist auch Bulimie eine weitere Krankheit. Eine Krankheit, über die nicht gerne laut geredet wird. Bulimie ist irgendwie eklig oder? Ein ekliger Kampf gegen den eigenen Körper. Sich selbst die Finger in den Hals …