Alle Artikel in: Selbst & Inszenierung

Ich & Du, Ich, Ich & Leben

Zusammengefasst ist zu sagen,in nur 3 Abschnitten Text kann das Leben nicht genau dargestellt werden,aberes zu versucheneinzufangen ist möglich.In einer Art Marmeladenglas, gut versteckt auf Papier. 1. Szene/ Ich & Du: Ich sitze mit dir in einem Raum und lasse mich von deiner subjektiven Wahrnehmung mitreißen. Kühle Atmosphäre umgibt uns, die weißen Wände wirken diesmal noch trister als beim letzten Mal und die Deckenleuchte hängt tief. Besonderheit: heute wird ausnahmsweise kein Brettspiel zusammengespielt. Verblassen Ein und ausIch atme ein und aus;Das ganze Grau hierAlles in mir Dringt in meine Lungen Lässt mich so gut versteh’nVielleicht sollt´ ich deswegen geh’n Bleibe aber hier bei dir Will nicht noch mehr deine Augen versinken seh’nBleib doch endlich mal steh’n Du rennst in der letzten Zeit so viel,wenn du in diesem Zimmer die Zeit abhockst Lässt deine Gedanken so viele Bahnen kreisenDie bringen dich so sehr zum Vereisen Vielleicht sollt ich geh’nKann dich nämlich so gut versteh’n Wenn ich hier bin, kommt es mir wie das Normalste der Welt vorGefühle kommen schon gar nicht mehr empor;Kann dich nicht alleine …

Katzen haben sieben Leben, ich habe sieben Semester

Ich studiere mit dem Ziel irgendwann einmal frei zu sein. Korrigiert mich sollte ich falsch liegen, aber  sollte ich in meinen frühen Zwanzigern, während meines Studiums nicht eigentlich Freiheit verspüren? Was bedeutet Freiheit und was bedeutet Freiheit für mich? Und was maße ich mir an davon zu  sprechen keine Freiheit zu haben. Freiheit bedeutet für mich aus beruflicher oder auch studentischer  Sicht, entscheiden zu dürfen was ich tue. In welchem Bereich ich einen geraumen Fokus für mich  setzen möchte. Das kann ich. Ich habe die Freiheit mir außerhalb von NC Grenzen ein Studium oder  eine Ausbildung zu suchen. Ich habe unterstützende Eltern und trotzdem kann ich es mir nicht recht  machen. Mein Kreislauf begann 2017, direkt nach meinem Abitur. Ich entschied mich für ein Studium,  welches Mittel zum Zweck sein sollte, da mir die Wege zu Medizin und Psychologie, wie so vielen  verwehrt blieben. Ich begann ein Studium, welches mir weder während noch rückblickend einmal  wirklich Freude bereitete. Aus dem einzigen Grund der Aussicht auf eine Weiterbildungsmöglichkeit  im psychologischen Bereich. So wurde mein Studium zur …

Deep in der Quarterlife Crisis

Ich bin jetzt 24 Jahre alt. Wenn ich so steinalt werde wie mein Opa – 99, oh Gott bloß nicht – dann habe ich ein Viertel meines Lebens hinter mich gebracht, und es ist höchste Zeit einzusehen: die Quarterlife Crisis ist kein Trend, der um die Jahrtausendwende geborenen snowflakes, sondern fucking real! Sie kommt früher oder später, typischerweise gegen Ende der ersten Ausbildung, wenn sich die Frage stellt: Was. zur. Hölle. mach ich mit den wenigen Jahren Jugend, die mir bleiben (denn jenseits der 30 gibt es nur Ärger und Arbeit)? Wie mache ich das Beste aus der besten Zeit des Lebens, bis ich Falten und Kinder kriege (und Kinder kriegen wollen wir irgendwie doch alle, um es besser als unsere Eltern zu machen)? Die Quarterlife Crisis ist der Kater nach der Coming of Age Party – es ist vom siebten Himmel des self empowerments zurück auf den Boden klatschen und merken, die Antworten auf grundlegende Fragen wie, und was willst du später mal damit machen?, die Antwort auf diese Fragen hab ich immer noch nicht gefunden. Die Quarterlife Crisis ist, wenn …

Das “Let-It-Happen-Gefühl”

It’s always around me, all this noise, butNot nearly as loud as the voice saying“Let it happen, let it happen”(It’s gonna feel so good) Es gibt einen Tame-Impala Song namens “Let It Happen”, und immer, wenn ich ihn höre, strömt das Blut in millionenfacher Geschwindigkeit durch meine Adern. Am besten in Kombination mit Alkohol, der Nicht-Droge, die eine so glänzende Sogwirkung ausüben kann auf mich. Wie viele Abende verbringt man allein im Bett, glühend, und man hofft auf eine betrunkene Liebesbekundung oder auf einen Slow-Motion-Kuss, einen ehrlichen, oder man selbst befindet sich auf einer Party und tippt langsam auf den Namen, und man ruft an, stolpert über sich selbst und lacht mit einer Augenverdreh-Zärtlichkeit das Handy an. Ich sehe mich auf einer Party in einer Ecke stehen, mit gebrannten Wangen und zitterndem Herzen. Ich sehe mich nicht mehr atmen können in Anbetracht eines nahenden ersten Kusses. All this running around, trying to cover my shadows… Mein Freund sagt mir, dass jeder Mensch zu gewissen Anteilen ein Stück moralische Konsistenz gegen Glück eintauschen muss, manche mehr …

Kreativ auf Kommando #heiterbiswolkig

Für mich ist schon seit vielen Jahren klar, dass ich in einem künstlerischen Beruf arbeiten und meine Liebe zum Zeichnen zum Beruf machen möchte. Mein ganzes Studium arbeitet darauf hin und manchmal werde ich sogar schon dafür bezahlt. Und trotzdem stehe ich immer wieder vor dem Problem, dass es manchmal schwer ist auf Abruf zu kreativ zu arbeiten. Besonders wenn Deadlines näherrücken und die eigenen Erwartungen etwas Großartiges zu schaffen immer größer werden, scheint es unmöglich, wieder zurück in einen Flow zu kommen. Und was mache ich, wenn das passiert? Eines kann ich mit absoluter Sicherheit sagen: Zu warten dass die Inspiration kommt, hat mir noch nie geholfen. „Inspiration exists, but it has to find you working“, hat Picasso ja auch schon gesagt. Und da ist wirklich etwas dran. Außerdem merke ich, dass mir das Schaffen immer dann am schwersten fällt, wenn ich es mir schwer mache. Wenn ich überdenke wo ich nicht weiter komme, mir Stress wegen Deadlines mache und meine Erwartungen an mich zu unrealistisch sind. Und dann hilft es nur einen Schritt …

Selbstfindung im 21. Jahrhundert

Meine Gedanken wie dreckige Fussel auf einer frischen Linse,Ich höre wie ich leise winsle, damit es niemand hört,Damit es niemanden stört. Es zählt nichts weniger als seine Hülle,Und trotzdem bringt es mich in so einer Fülle,Ab und an runter,Und benetzt mich ganz munter,Mit einem Schleier auf Zweifel,So fies wie ein Teufel. Es passt dies nicht, es passt das nicht,Dieses Bild widerspricht mal wieder meinem Gesicht,Und ich frage mich wann wird es enden,Dieses Verschwenden von negativen Einwänden. Ständiges Vergleichen, Abwertende Aussagen gespeichert als Lesezeichen,Und zum Ausgleichen umschleichen mich Komplimente von Liebsten,Die sich für meines Gleichen anhören wie Sonderzeichen. Sie sehen mich anders und nicht so wie ich,Ich bin einzigartig, so ganz unterm Strich,Habe Fehler und Macken, bin nicht perfekt,Und bemerke verschreckt, Ich bin der Architekt,Meines eigenen Lebens,Und versuche vergebens,Zu lieben wer ich bin,In diesem neuzeitlichen Wahnsinn. – Der Text wurde anonym eingereicht. Das Beitragsbild ist von Linda.Sie ist Grafikdesignerin und brennt für gute Gestaltung. Sie arbeitet gerne konzeptionell und legt den Fokus auf aussagekräftige Illustrationen. Neben Kunst und Design, liebt sie die Berge, Kaffee und ihr rotes Fahrrad …

Kreativität im Lockdown finden

Als im Oktober letzten Jahres langsam der zweite Lockdown einsetzte, hätte ich niemals gedacht, dass dieser für mich eine Quelle der Inspiration werden würde. Vielmehr war er am Anfang von Sorgen und Ängsten geprägt. Mir war bewusst, dass dieser Lockdown den Winter begleiten würde und man sich nicht wie im ersten Lockdown immerhin auf den Sommer und warme Tage freuen konnte. Dazu kamen die hohen, stetig- ansteigenden Infektionszahlen, die mir mehr ins Gewissen redeten als zuvor, weswegen ich mich in meinen Kontakten wieder mehr einschränkte. Das verstärkte das Gefühl der Isolation und zum Teil auch der Einsamkeit, welches sich im Winter sowieso manchmal einschleicht. Bereits gegen Ende des Sommers hatte ich angefangen, mir über den kommenden Winter Gedanken zu machen, weil ich nicht nochmal so einen Winter wie davor, erleben wollte. In dem Jahr hatte ich gerade die Schule beendet und nicht wissend, was ich machen oder werden wollte, war ich einige Zeit in der Welt und der Trübheit des Winters verloren. Als Maßnahme bewarb ich mich daher kurzfristig doch noch auf einen Studienplatz und …

Ich zweifle, Du zweifelst, Wir alle zweifeln.

Es sind solche Tage, an denen Du zu Hause oder in der Bahn hockst und durch Instagram scrollst. Du siehst die erfolgreichen Influencer:innen mit der guten Haut, die Ex-Kommiliton:innen mit dem tollen Job und der krassen Wohnung und dann … naja, dich, wie du mit fettigen Haaren versuchst, nicht sofort anzufangen in Tränen auszubrechen. Weil du zweifelst. Du zweifelst an dir und all deinen Entscheidungen, die du bis hier gemacht hast. Ob die Trennung wirklich das Richtige war, statt Literaturwissenschaften nicht vielleicht doch lieber Soziale Arbeit sinnvoller gewesen wäre und ob du statt dem bezahlten Praktikum – UGH – nicht doch lieber das unbezahlte Praktikum – NICE – hättest annehmen sollen. Ich habe zwei Dinge verstanden: 1. NIEMAND HAT DAS LEBEN IM GRIFFund 2. HÄTTE HÄTTE, FAHRRADKETTE Du bist nicht allein damit. Ich erinnere mich noch an einen Smalltalk mit einer ehemaligen Kollegin zu Beginn letzten Jahres. Gerade frisch aus dem Auslandssemester hatte ich keine Kohle, keinen Job und sah mich die nächsten Monate jammernd in der Bib sitzen, Masterarbeit schreiben und das Studium verfluchen. …

Mit Klaviermusik hinterlegte Sonnenuntergänge

Auf TikTok geht gerade (bzw. ging gerade – auf dieser Plattform kommen und gehen Trends ja eigentlich wöchentlich) ein Trend um, in dem ein Audio im Hintergrund abgespielt wird, in dem eine eingängige Klaviermelodie gespielt wird und eine junge Frau sagt: „You have to start romanticizing your life. You have to start thinking of yourself as the main character. Cause if you don’t, life will continue to pass you by and all of the little things that make it so beautiful will continue to go unnoticed. So take a second and look around and realize that it’s a blessing for you to be here right now.“ Über diese Audiospur schneiden tausende von Leuten (meistens weiß und im klassischen Sinne schön) Highlight-Reels ihrer letzten Monate/Jahre zusammen: Meistens sieht man schön drapiertes Essen, besondere Städtetrips, Feuerwerke, Händchen halten und vor allem Sonnenuntergänge. Alles ist gefiltert, bunt, wunderschön und glitzert.  Dieser Trend wird auf unterschiedlichsten anderen Plattformen übernommen: Menschen stellen ihre Lieblingsprodukte zusammen, die „essenziell“ sind, um sich das Leben schön zu machen. In vielen Podcasts werden Tipps gegeben, …

Im Chat so nah #Schlaflos

Unsere ersten Begegnungen miteinander sind durch die derzeitige Corona-Pandemie, sowie durch das digitalisierte Zeitalter, geprägt. Wir kommen uns nicht mehr physisch nahe, wir schreiben keine Briefe oder auch E-Mails. Der Chatverlauf zwischen zwei Menschen, zeigt den Verlauf des Kennenlernens und auch des Auseinanderlebens. Doch was macht das mit uns und welche Sorgen kommen auf? Tinder, Bumble, Lovoo oder bei Edeka an der Kasse, auf der letzten WG-Party in der Küche zwischen leeren Weinflaschen, drei-vier Avocados und dem noch nicht abgespülten Geschirr, verteilt im vollgepackten Raum. Wir beschäftigen uns nicht wirklich mit den objektiven Fakten über die Menschen, wir befinden uns in einer fast schon von außen geleiteten Situation. Die spontane Begegnung lief gut, der Blickkontakt war da und vielleicht auch die ersten körperlichen Annäherungen. Auch der eine oder andere Flirt, der nicht einmal als Flirt wahrgenommen wurde.  Und was kommt jetzt? Im filmischen Gedanken würden wir jetzt einen direkten Szenenwechsel brauchen, das nächste Treffen, mit ein oder zwei peinlichen Patzern, über die man mit einem Schmunzeln hinwegsieht.  Doch was passiert uns wirklich? Wir kommen heim, …