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Hast du nicht auch oft Angst davor?

Hast du nicht auch oft Angst davor?  Angst davor, gesehen zu werden,wie du wirklich bist, wie du wirklich tust Angst davor, erkannt zu werden,wie du dich zeigst, wie du dich fühlst Angst davor, nicht bestätigt zu werden,in dem was du machst, wofür du lebst Angst davor, missverstanden zu werden,in dem was du sagst, in dem was du meinst Doch vor wem hast du wirklich Angst? Angst davor gesehen zu werden, von wem? erkannt zu werden, von wem? bestätigt zu werden, von wem? missverstanden zu werden, von wem? Vielleicht ist es die Angst vor dir selbst?  Worte von Bianka. Beitragsbild von Martin Wunderwald.

Von der Wichtigkeit einer Hülle #Werbistduwirklich?

Seit ich denken kann, bin ich von Mode umgeben. Ein Großteil meiner Familie und meines Bekanntenkreises ist in der Branche tätig. Ich bin in der Boutique meiner Großmutter aufgewachsen und habe immer beobachten können, welchen Effekt die neue Kleidung auf die Frauen hatte, die meine Großmutter anzog.  Es war verrückt zu sehen, wie elektrisiert, glücklich und zufrieden die Kunden den Laden nach zwei, drei Stunden wieder verließen .  Das ganze hat mich so fasziniert, dass ich nie wirklich hinterfragt habe, was genau eigentlich hinter diesem Prozess steht. Ich fand es toll, dass Kleidung eine so große, positive Wirkung auf unser Selbstwertgefühl hat.  Mode wurde so, früher oder später, auch zu meiner größten Leidenschaft. Ich konnte jeden Tag jemand anders sein. Meine Kleidung gab mir Sicherheit, Motivation und Freiheit. Ich konnte mich kommunizieren, der Welt zeigen “das bin ich“. Ich verfolgte jahrelang jede Fashionweek, manchmal sogar per Livestream in der Schule. Ich konnte anhand der Schnitte erkennen, welches Kleidungsstück zu welchem Designer gehört. Mit fünfzehn fing ich meinen ersten Nebenjob im Einzelhandel an und verkaufte Jeanshosen. …

Zu viel verraten #schlaflos

Ob wir uns nun in einer Bar treffen oder einem Café, spielt hierbei keine Rolle. Ob sie auch wirkliche Freunde sind, auch nicht. Wir haben einfach eine Freude am Sein und wir verlieren das Gefühl von Präsenz – und gleichzeitig der Kontrolle. In den Abend hinein schauen wir dann tatsächlich auf die Uhr und merken, dass wir aufbrechen müssen. Es könnten alle Themen gewesen sein, die wir angesprochen haben oder auch nur das Eine. Ob nun der Crush, die zerrüttete Freundschaft oder die Familienverhältnisse, aber auch die Karriereziele können diesen wunden Punkt darstellen. Einfach das Eine, worüber wir uns selbst so unsicher sind, so sehr, dass es uns jedes mal ein klein wenig überfordert, wenn es dann jemand anspricht. Ehe wir uns versehen, lehnen wir uns aus dem Fenster, fast schon zu sehr. Bis man alles ausgesprochen hat, was einen beschäftigt, jede Theorie weshalb der Crush uns so unsichere Hoffnungen macht, weshalb die Freundschaft zerbrach oder wo man am liebsten schon in der Laufbahn stehen würde. Alles, was man sich eigentlich versprochen hatte, für sich …

Wie ich lerne, loszulassen #Mut(Ich)

Mut und Ich. Mal passen diese Worte mehr zusammen, mal überhaupt nicht.Als ich angefangen habe mir Gedanken darüber zu machen, womit ich diese Kolumne beginnen möchte, habe ich eine Entscheidung getroffen: Vollkommen ehrlich zu sein.Mit euch und mit mir. Dort zu beginnen, wo ich sonst allzu gerne überspringe, mich verstecke hinter einer Wahrheit, die ich mir selbst geschaffen und mich davon überzeugt habe, dass diese der Realität entspricht. Schon seit einigen Jahren leide ich an psychischen Erkrankungen, unter anderem an Depressionen. Habe immer gehofft und versucht, mein Umfeld glücklich zu machen, und mich dabei vergessen.Über die Jahre habe ich viel Hilfe angeboten bekommen, die ich mir nicht anzunehmen erlaubt habe. Weil ich es mir selbst nicht wert war. Und ich Angst hatte, alles zu verlieren, was mir Sicherheit gebracht hat. Was mich letztlich ausgemacht und den Menschen geformt hat, der ich heute bin. Loslassen tut weh. Zu jedem Zeitpunkt schien mir das Risiko der Veränderung zu hoch. Über die Jahre wurde mir Hilfe aufgezwungen. Ich bin von Klinik zu Klinik gereist, weil meine Eltern sich …

Ich wünschte ich hätte Talent #heiterbiswolkig

Wenn ich sagen sollte, wie oft ich mir schon anhören musste: ‘’Du kannst so toll zeichnen’’, ‘’Ich würde das auch gerne können’’, ‘’Ich wäre gern so talentiert’’, ich könnte es nicht sagen. Unzählige Male. Ich habe nie verstanden, wieso so viele Menschen erwarten, dass man das einfach kann. Als wäre man begabt vom Himmel gefallen.  Früher hat es mich oft verwirrt, aber mir auch ein bisschen geschmeichelt. Ich habe dann so etwas gesagt wie: ‘’Du musst einfach nur viel üben’’ oder ‘’Jeder kann zeichnen’’, aber mich auch ein bisschen stolz gefühlt, dass ich das so besonders gut kann. Aber ich bin natürlich nicht begabt vom Himmel gefallen. Und ich würde mich keineswegs als talentiert bezeichnen. Ich habe mein Leben lang einfach gerne gezeichnet. Es ist das, was meine Hand macht, wenn ihr langweilig ist, das Natürlichste der Welt. Ich habe nie erwartet, Künstlerin zu sein oder irgendetwas daraus zu machen. Ich habe es einfach gemacht. Es war wie Atmen. Und trotzdem, rückblickend gesehen habe ich krass viel Zeit damit verbracht, diese Fähigkeit auszubauen und mich …

Auf einen Tee mit Taimi #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Jeden Monat fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Den Beginn macht Taimi. Wer bist du? Ich bin Taimi, 19, komme ursprünglich aus Finnland und lebe jetzt schon viele Jahre in Deutschland. Zurzeit bin ich am Weltbereisen, um 1.) mehr von diesem wunderschönen Planeten zu sehen und 2.) weil ich noch keinen genauen Plan habe, was ich mit meinem Leben anstellen will. Ich bin mir aber sicher, dass alles so kommt, wie es kommen soll, also mache ich mir da keine Sorgen.  Wofür brennst du? Ich begeistere mich andauernd für neue Sachen, die mir so über den Weg laufen, deswegen ist es so schwierig, sich zu entscheiden! Ich liebe die Natur und verbringe so viel Zeit wie möglich draußen. Ich liebe Hunde über alles, interessiere mich für Nachhaltigkeit, Veganismus und was wir alle tun können, um unsere Erde besser zu schützen. Ich gehe super gerne in Second-Hand-Läden – das Gefühl, dort …

Wer bist du wirklich?

Ja, wer bin ich wirklich? Eine Frage, die ich mir schon oft im Leben gestellt habe. Manchmal dachte ich, ich habe eine Antwort darauf. Ich weiß nicht mal, ob es nur eine Antwort darauf gibt, oder ob es mehrere sein können. Eine tiefgründigere, spirituelle Antwort und eine individuelle, auf die eigene Persönlichkeit bezogene, vielleicht. Aber an was wird das überhaupt festgemacht, wer man wirklich ist? Und an welchem Punkt in seinem Leben wäre es gut, diese Frage beantwortet zu haben? Muss man sie überhaupt beantwortet haben? In meinem Fall ist es zumindest so, dass dieses dicke, fette, rote Fragezeichnen eine unglaubliche Unsicherheit auslöst.  Ich glaube, dass die Ebenen, die zur Beantwortung dieser Frage führen können, in der Pubertät gelegt werden. Eine Zeit, die von viel experimentieren und hinfallen und wieder aufstehen geprägt ist. In der man zumindest ein paar Eigenschaften ausschließen kann, so in der Art: Das jedenfalls bin ich definitiv nicht!  Man sammelt eigene Lebenserfahrung, wird unabhängiger. Man entwickelt Werte und Ansichten, konstruiert sich eine Persönlichkeit, befreit sich von alten Annahmen und Strukturen. Das …

Frühstück mit Oma

Meine Oma heißt Christa und ist am dritten Tag des zweiten Weltkriegs geboren. Sie sagt, dass sie eine bescheidene, aber sehr glückliche Kindheit mit einer älteren und einer jüngeren Schwester hatte und deshalb immer in beide Richtungen boxen musste. Mit 16 lernt sie ihren zukünftigen Mann Karl-Heinz kennen, mit 18 verloben sich die beiden heimlich. Als Christa 25 ist, kommt meine Mutter zur Welt. Mit 66 erkrankt Karl-Heinz an Parkinson. Nach einem siebenjährigen Kampf, bei dem es leider stetig bergab geht, verliert er gegen die Krankheit. Meine Oma ist sehr weltoffen, hat Snapchat und ist sehr empathisch. Sie hat eine neue Hüfte und eine neue Schulter aber schwimmt trotzdem den ganzen Sommer täglich und ist Mitglied in unzähligen Sportvereinen. Wir unterhalten uns oft stundenlang aber heute treffe ich mich mit ihr weil ich ihr Fragen stellen möchte, die ich ihr so noch nicht gestellt habe. Wir frühstücken zusammen und ich freue mich schon die ganze Woche drauf, da meine Oma den besten Filterkaffee auf der Welt kocht. Zum Schutz ihrer Privatsphäre habe ich keine Bilder von …

Nach Dir suchen

Manchmal denke ich, ich finde Dich nie, als wärst Du bloß ein Traumbild, das ich erschaffen habe, um mein Leben lang nach Dir zu suchen. Überall schaue ich nach Dir, in der ganzen Stadt suche ich nur nach Dir. In jedem unbekannten Gesicht meine ich Dich zu erkennen, in jedem Lächeln fühle ich deine Nähe. Ich sitze in der Bahn. Häuser und Menschen, Geschichten und Schicksale ziehen an mir vorbei. Das Mädchen neben mir hört so laut Musik, dass ich mitsingen könnte, wenn ich wollte und der Mann mir schräg gegenüber wirft ihr einen genervten Blick zu, bevor er wieder in sein Buch schaut. Ich flüchte mich in meine Gedanken, denke an Dich. Wo bist Du nur? Wo soll ich Dich finden? Suche ich Dich vielleicht am komplett falschen Ort? Als ich nach draußen schaue und in der Fensterscheibe meine Reflexion sehe, glaube ich Dich zu erkennen. Doch dann bin ich mir nicht mehr sicher, vielleicht habe ich mich getäuscht. Die Bahn hält, ich muss aussteigen und stehe inmitten von Lärm und Leben. Diese Suche erscheint …