Alle Artikel in: Selbst & Inszenierung

Zwiebelschalen #unwind

Jetzt haben wir Zeit. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Zeit zu Hause noch viel schneller vergeht. Mein Unterricht wird online weitergeführt und zwischen Schlafen und dem Beginn des Unterrichts, welcher mit sechs Stunden Zeitverschiebung stattfindet, bin ich hier und da mit kleinen Aufgaben beschäftigt und bevor ich mich versehe, ist es Mitternacht. Nichtsdestotrotz ist mein Alltag etwas langsamer, weniger hektisch: Kein Powerwalk zur U-Bahn, kein Vorbereiten des Mittagessens, weniger Autos, mehr Luft.  Luft und Zeit zum Reflektieren Luft für das Leben im Moment; zum Reflektieren. Reflektieren bedeutet für mich, mich selbst vor den Spiegel zu stellen und mit diesem Spiegelbild eine Konversation zu führen. Es ist leicht diese Konversation nie enden zu lassen, bis man nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist. Daher gibt es für mich beim Reflektieren den Sweetspot. Auch wenn ich gerne die Antworten auf alle Fragen, die man sich nur stellen kann, wissen würde, weiß ich auch, sie loszulassen und suche vielleicht an einem anderen Tag erneut nach Antworten auf diese Fragen.  Sein ohne Antworten Besonders …

( ) #Werbistduwirklich?

Es fühlt sich im Moment sehr komisch an, über mich und meine kleinen Ego-Probleme zu schreiben, während die Welt im Ausnahmezustand ist.  Eigentlich wollte ich in diesem Artikel ein kleines Update darüber geben, wie es mir die letzte Monate so ergangen ist, seitdem mein erster Beitrag online gegangen ist. Ob mir das “erwachsene“ Leben ein wenig sympathischer geworden ist und auf welche Erkenntnisse ich gestoßen bin. Ich glaube dieser Text wird so eine Mischung aus dem und der aktuellen Situation, in der wir uns grade alle befinden.  In den letzten vier Monaten habe ich gefühlt mein komplettes Konstrukt aus Vorstellungen, Werten und Meinungen Stück für Stück abgebaut. Meinungen, die ich über mich hatte, Vorstellungen darüber, wie ich mir meine Zukunft immer ausgemalt habe, Werte, die ich unreflektiert einfach übernommen habe und mich wirklich zu fragen, ob es auch meine sind.  Das ist ein Prozess, der viel Zeit braucht, der einem immer wieder im Leben begegnen kann, der dadurch aber nicht weniger schmerzhaft wird. Was bleibt denn dann noch von mir übrig, wenn das ganze Gerüst, …

Nur ich #Mut(Ich)

Egal, wie ausgeprägt meine Liebe für Cafés auch ist, alleine hinzugehen bedeutet noch immer eine Herausforderung für mich. Verliere mich zu viel in den Gedanken, was die anderen denken könnten, wenn ich alleine dort sitze. Frage mich, wieso es niemanden gibt, mit der/dem ich diesen Moment teile. Fühle mich, als würde ich die Einsamkeit ausstrahlen, die in mir gefangen und so schwer zu ertragen ist. Zwar habe ich mir über die letzten Jahre immer wieder selbst die Aufgabe gestellt, mich alleine irgendwo hinzusetzen, wo ich sonst nur in Gesellschaft war. Habe versucht, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es egal ist, ob ich allein wirke, verloren in den Massen von Paaren und Gruppen von Freunden, oder eben nicht. Zu lernen, nur mit mir zu sein. Zuhause habe ich meist kein Problem alleine zu sein, bin eher ein introvertierter Mensch, der seine Kraft aus dem Alleinsein zieht, keine Entscheidungen teilen zu müssen oder mir Gedanken zu machen, ob es den Menschen um mich herum gut geht. Und trotzdem fällt es mir nicht leicht, mich außerhalb …

Wie ich das Abitur überlebte

Es wird immer einen Morgen und einen Abend geben. Ich möchte dir mit diesem Brief ein wenig Hoffnung schenken, ganz egal in was für einer Lebenslage du im Moment bist. Vielleicht stehst du auch gerade kurz vor dem Abitur, wie ich damals, oder einem anderen Schulabschluss. Vielleicht bist du aber auch in einer ganz anderen verzweifelten Lage, in der dir mein Brief hoffentlich trotzdem hilft. Und für alle, die diesen langen Brief nicht lesen wollen und trotzdem einen Hoffnungsschimmer brauchen: Verlasst euch auf den natürlichen Lauf der Dinge! Verlasst euch auf den Sonnenschein nach dem Nebel, auf den Tag nach der Nacht und ganz besonders darauf, dass es nach einem Morgen und einem schlechten Tag, immer auch einen Abend geben wird. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, wie wichtig es in schwierigen Zeiten ist, auch sich selbst nette Worte zu schenken und verständnisvoll mit sich umzugehen. Diesen Brief schrieb ich mir, während der verzweifelten Lernphase fürs Abitur. Ich schrieb ihn mit den Worten, die ich an eine andere Person richten würde, welche in meiner …

Ballast #schlaflos

Verstehst du, was mit dir passiert ist? Wir alle finden uns an Scheidewegen unserer Biografie wieder. Wir sehen uns um und bemerken gar nicht, wo wir uns gerade befinden. Belebt von dem Alltäglichen. Den kurzen, ja viel zu kurzen Urlauben und jagen einem Stressfaktor nach dem anderen hinterher. Falls ihr euch jetzt denkt, dass es doch ganz schön sein kann, dass das alles zu vergessen und in den Momenten zu leben auch Vorteile hat, ja das hat es.  Doch wenn wir nicht einmal wissen, wo wir hingehen, wenn wir uns nicht mal kurz hinstellen und innehalten; wann bemerken wir dann, was wir da in unseren Händen, auf unseren Schultern oder in unseren Taschen mit uns herumtragen?  Wann entscheiden wir endlich, wann es Zeit wird, sich von etwas zu trennen? Was ist denn nur, wenn uns nichts mehr miteinander verbindet, wir uns aus Gewohnheit nicht loslassen? Wenn wir uns verlieren im Alltag, und deshalb die gesamte Kinderzimmer-Einrichtung mit uns herumtragen. Dadurch entwickeln wir uns nicht frei. Wir bleiben eingeschränkt durch uns, unsere Fehler oder unser bloßes …

Hast du nicht auch oft Angst davor?

Hast du nicht auch oft Angst davor?  Angst davor, gesehen zu werden,wie du wirklich bist, wie du wirklich tust Angst davor, erkannt zu werden,wie du dich zeigst, wie du dich fühlst Angst davor, nicht bestätigt zu werden,in dem was du machst, wofür du lebst Angst davor, missverstanden zu werden,in dem was du sagst, in dem was du meinst Doch vor wem hast du wirklich Angst? Angst davor gesehen zu werden, von wem? erkannt zu werden, von wem? bestätigt zu werden, von wem? missverstanden zu werden, von wem? Vielleicht ist es die Angst vor dir selbst?  Worte von Bianka. Beitragsbild von Martin Wunderwald.

Von der Wichtigkeit einer Hülle #Werbistduwirklich?

Seit ich denken kann, bin ich von Mode umgeben. Ein Großteil meiner Familie und meines Bekanntenkreises ist in der Branche tätig. Ich bin in der Boutique meiner Großmutter aufgewachsen und habe immer beobachten können, welchen Effekt die neue Kleidung auf die Frauen hatte, die meine Großmutter anzog.  Es war verrückt zu sehen, wie elektrisiert, glücklich und zufrieden die Kunden den Laden nach zwei, drei Stunden wieder verließen .  Das ganze hat mich so fasziniert, dass ich nie wirklich hinterfragt habe, was genau eigentlich hinter diesem Prozess steht. Ich fand es toll, dass Kleidung eine so große, positive Wirkung auf unser Selbstwertgefühl hat.  Mode wurde so, früher oder später, auch zu meiner größten Leidenschaft. Ich konnte jeden Tag jemand anders sein. Meine Kleidung gab mir Sicherheit, Motivation und Freiheit. Ich konnte mich kommunizieren, der Welt zeigen “das bin ich“. Ich verfolgte jahrelang jede Fashionweek, manchmal sogar per Livestream in der Schule. Ich konnte anhand der Schnitte erkennen, welches Kleidungsstück zu welchem Designer gehört. Mit fünfzehn fing ich meinen ersten Nebenjob im Einzelhandel an und verkaufte Jeanshosen. …

Zu viel verraten #schlaflos

Ob wir uns nun in einer Bar treffen oder einem Café, spielt hierbei keine Rolle. Ob sie auch wirkliche Freunde sind, auch nicht. Wir haben einfach eine Freude am Sein und wir verlieren das Gefühl von Präsenz – und gleichzeitig der Kontrolle. In den Abend hinein schauen wir dann tatsächlich auf die Uhr und merken, dass wir aufbrechen müssen. Es könnten alle Themen gewesen sein, die wir angesprochen haben oder auch nur das Eine. Ob nun der Crush, die zerrüttete Freundschaft oder die Familienverhältnisse, aber auch die Karriereziele können diesen wunden Punkt darstellen. Einfach das Eine, worüber wir uns selbst so unsicher sind, so sehr, dass es uns jedes mal ein klein wenig überfordert, wenn es dann jemand anspricht. Ehe wir uns versehen, lehnen wir uns aus dem Fenster, fast schon zu sehr. Bis man alles ausgesprochen hat, was einen beschäftigt, jede Theorie weshalb der Crush uns so unsichere Hoffnungen macht, weshalb die Freundschaft zerbrach oder wo man am liebsten schon in der Laufbahn stehen würde. Alles, was man sich eigentlich versprochen hatte, für sich …

Wie ich lerne, loszulassen #Mut(Ich)

Mut und Ich. Mal passen diese Worte mehr zusammen, mal überhaupt nicht.Als ich angefangen habe mir Gedanken darüber zu machen, womit ich diese Kolumne beginnen möchte, habe ich eine Entscheidung getroffen: Vollkommen ehrlich zu sein.Mit euch und mit mir. Dort zu beginnen, wo ich sonst allzu gerne überspringe, mich verstecke hinter einer Wahrheit, die ich mir selbst geschaffen und mich davon überzeugt habe, dass diese der Realität entspricht. Schon seit einigen Jahren leide ich an psychischen Erkrankungen, unter anderem an Depressionen. Habe immer gehofft und versucht, mein Umfeld glücklich zu machen, und mich dabei vergessen.Über die Jahre habe ich viel Hilfe angeboten bekommen, die ich mir nicht anzunehmen erlaubt habe. Weil ich es mir selbst nicht wert war. Und ich Angst hatte, alles zu verlieren, was mir Sicherheit gebracht hat. Was mich letztlich ausgemacht und den Menschen geformt hat, der ich heute bin. Loslassen tut weh. Zu jedem Zeitpunkt schien mir das Risiko der Veränderung zu hoch. Über die Jahre wurde mir Hilfe aufgezwungen. Ich bin von Klinik zu Klinik gereist, weil meine Eltern sich …

Ich wünschte ich hätte Talent #heiterbiswolkig

Wenn ich sagen sollte, wie oft ich mir schon anhören musste: ‘’Du kannst so toll zeichnen’’, ‘’Ich würde das auch gerne können’’, ‘’Ich wäre gern so talentiert’’, ich könnte es nicht sagen. Unzählige Male. Ich habe nie verstanden, wieso so viele Menschen erwarten, dass man das einfach kann. Als wäre man begabt vom Himmel gefallen.  Früher hat es mich oft verwirrt, aber mir auch ein bisschen geschmeichelt. Ich habe dann so etwas gesagt wie: ‘’Du musst einfach nur viel üben’’ oder ‘’Jeder kann zeichnen’’, aber mich auch ein bisschen stolz gefühlt, dass ich das so besonders gut kann. Aber ich bin natürlich nicht begabt vom Himmel gefallen. Und ich würde mich keineswegs als talentiert bezeichnen. Ich habe mein Leben lang einfach gerne gezeichnet. Es ist das, was meine Hand macht, wenn ihr langweilig ist, das Natürlichste der Welt. Ich habe nie erwartet, Künstlerin zu sein oder irgendetwas daraus zu machen. Ich habe es einfach gemacht. Es war wie Atmen. Und trotzdem, rückblickend gesehen habe ich krass viel Zeit damit verbracht, diese Fähigkeit auszubauen und mich …