Alle Artikel in: Selbst & Inszenierung

Im Chat so nah #Schlaflos

Unsere ersten Begegnungen miteinander sind durch die derzeitige Corona-Pandemie, sowie durch das digitalisierte Zeitalter, geprägt. Wir kommen uns nicht mehr physisch nahe, wir schreiben keine Briefe oder auch E-Mails. Der Chatverlauf zwischen zwei Menschen, zeigt den Verlauf des Kennenlernens und auch des Auseinanderlebens. Doch was macht das mit uns und welche Sorgen kommen auf? Tinder, Bumble, Lovoo oder bei Edeka an der Kasse, auf der letzten WG-Party in der Küche zwischen leeren Weinflaschen, drei-vier Avocados und dem noch nicht abgespülten Geschirr, verteilt im vollgepackten Raum. Wir beschäftigen uns nicht wirklich mit den objektiven Fakten über die Menschen, wir befinden uns in einer fast schon von außen geleiteten Situation. Die spontane Begegnung lief gut, der Blickkontakt war da und vielleicht auch die ersten körperlichen Annäherungen. Auch der eine oder andere Flirt, der nicht einmal als Flirt wahrgenommen wurde.  Und was kommt jetzt? Im filmischen Gedanken würden wir jetzt einen direkten Szenenwechsel brauchen, das nächste Treffen, mit ein oder zwei peinlichen Patzern, über die man mit einem Schmunzeln hinwegsieht.  Doch was passiert uns wirklich? Wir kommen heim, …

Niemandem zur Last fallen #Mut(Ich)

Lange Zeit habe ich niemandem mehr vertraut. War mir selbst am nächsten wenn es darum ging, Entscheidungen abzuwägen oder auch Vergangenes aufzuarbeiten. Nicht, weil ich nicht gern jemanden gehabt hätte, sondern weil ich niemandem meine Lasten aufbürden wollte. Habe den Personen die Chance genommen, für mich da zu sein, die Hilfe, die ich angeboten bekommen habe, nicht angenommen und stattdessen alles mit mir selbst ausgemacht. Gelogene Wahrheiten Ich hätte gerne jemanden gehabt, der da ist, mir zeigt, dass ich nicht alleine bin. Konnte die Gesellschaft anderer aber gleichzeitig auch nicht ertragen. Hab mir über die Jahre selbst Wahrheiten antrainiert, an denen ich festgehalten habe, an die ich mehr geglaubt habe, als alle Worte der anderen je aufwiegen könnten. „Du bist eine Last“, „Du bist anderen zu viel“, „So bleibt niemand bei dir“, „Du willst die anderen nicht belasten“, „Sie verdienen es nicht, sich Sorgen zu machen“ sind nur einige Gedankengänge, an die ich festgehalten, nein, an die ich mich gekrallt habe. Weil ich es nicht ertragen konnte und wollte, dass ich jemandem etwas bedeute und …

Unausgesprochenes #Werbistduwirklich?

Ich schaff es nicht, so zu tun als wäre alles okay. Ich schaff es nicht, mich anzupassen. Ich schaff es einfach nicht, auszuhalten am falschen Platz zu sitzen. Ich kann mich nicht aushalten, ich kann die anderen nicht aushalten. Vor allem, kann ich das Schweigen nicht aushalten. Die Dinge über die wir nicht sprechen, von denen wir aber wissen, dass sie da sind. Warum können wir nicht ehrlich sein, obwohl wir das gleiche teilen. Warum können wir uns einander nicht zeigen? Ich kann es nicht aussprechen. Können wir einander überhaupt leiden? Oder ist da immer die Enttäuschung darüber, wie es sein könnte, aber nicht ist. Und doch müssen wir uns immer an einen Tisch setzen, an dem uns nur Stille und Zwang umgibt. Ich spüre jeden Blick von Verachtung und Missgunst, an dem eigentlich Liebe sein sollte. Wo sind wir falsch abgebogen? Warum hat uns die Zeit so verändert? Vielleicht, nein mit Sicherheit, hat uns das Unausgesprochen weiter voneinander entfernt.  Es fällt mir schwer, drüber zu stehen. Wenn wir uns in die Augen schauen, dann …

Reden ist eine Entscheidung #Mut(Ich)

Oft habe ich das Gefühl, über nicht genug Wissen zu verfügen, um auf bestimmte Themen aufmerksam zu machen.Meine Meinung äußern zu dürfen, auch wenn ich nicht alles weiß. Dabei gibt es – egal in welcher Zeit wir uns gerade auch befinden – immer Themen und Diskussionen, über die es sich zu reden lohnt und die es notwendig machen, dass man sich traut, seine Gedanken zu teilen. Ich würde selbst von mir behaupten eine wissbegierige und lernbereite Person zu sein, die viel Neugier besitzt und sich der Masse und Vielschichtigkeit von Problemen und Themen bewusst ist. Dennoch ist mir auch bewusst, dass es unheimlich viel gibt, von dem ich nichts weiß – oder zumindest nicht ausreichend – um eine hörenswerte Meinung artikulieren zu können. Dachte ich. Denn umso mehr mir bewusst geworden ist, wie viele Themen ich nie werde tiefgründig erkunden können, sei es aus Mangel an Zeit, subjektiven Erfahrungen etc., desto mehr merke ich, wie wichtig ist es, zu reden. Sich zu trauen, auszuformulieren, was einen beschäftigt und sich zu positionieren. Natürlich gibt es Themen, …

Freunde, es geht um den Umbruch. #schlaflos

Dass man sich weiterentwickelt und viele neue Erfahrungen macht, ist wahrscheinlich eines der schönsten Gefühle, die man haben kann und doch so selten bemerken wir es wirklich. Es geht alles doch viel zu schnell. Betrachten wir uns im Nachhinein in den Phasen des Umbruchs, dann sehen wir eine Person vor dem Erlebten und eine Person nach dem Erlebten.  Es ist schön zu sehen, wie weit wir kommen können. Dass manchmal Stagnieren dabei hilft, uns umsehen zu können. Dass wir Ziele neu ausrichten und Entscheidungen voller Elan treffen können.  Doch was, wenn wir uns so arg verändern, dass unser Umfeld kaum mithalten kann – wodurch manche Freundschaften nicht mitziehen können? Dass man sich von Geliebten beim Aufmarsch in das Neue so weit entfernt, dass ein Zurück nur mit dem Aufgeben von Erkenntnissen und der Zurückhaltung vom Neuen erreichbar scheint?  Wenn ich so darüber nachdenke, so wie in den Filmen ist das meistens nicht. Es gibt keinen Moment, in dem klar wird, was das Problem ist. Keinen Punkt, an dem man sich denkt „Jetzt bin ich jemand …

Zeit, erwachsen zu werden #heiterbiswolkig

Meine ganze Kindheit und die meiste Zeit meiner Teeniejahre, hatte ich eine sehr genaue Vorstellung davon, was es bedeuten würde, erwachsen zu sein und vor allem, wie ich mein Leben gestalten würde wenn ich endlich erwachsen wäre. Erwachsene sind die, die bestimmen, die Regeln vorgeben, das letzte Wort haben und für sich selbst entscheiden können. Ich konnte es kaum erwarten, das auch endlich zu dürfen. Frei von Pflichten wie Schulaufgaben oder Helfen im Haushalt, Sperrstunde und Internetverbot, endlich machen können was, wann und wie ich es will, klang ziemlich gut. Und zuerst war es das auch. Ich erinnere mich gut an die erste Zeit nachdem ich von Zuhause ausgezogen war. Mein neues, selbstbestimmtes Leben fing gerade an und ich fühlte mich großartig. Allein in meiner eigenen Wohnung die gefüllt war mit Dingen die nur mir gehörten, fühlte ich mich frei und unabhängig. Ich konnte endlich nachts spazieren gehen ohne dass irgendjemand sich Sorgen machte und es war aufregend die völlige Freiheit zu haben, wie ich meine Tage und meinen Lebensraum gestalten will.  Tatsächlich führte ich …

In einer Welt, in der ich alles sein kann, bin ich mutig.

Als Kind habe ich Geschichten geliebt. Mit meinem Bruder zusammen habe ich Szenarien aus selbst kreierten Geschichten nachgespielt, die immer eins gemeinsam hatten: Sie handelten von Abenteuern, Mut, von einem Mädchen, das mutiger war, als alle anderen um sie herum. So mutig, dass sie es immer wieder aufs Neue schaffte, die ganze Menschheit zu retten. Dieses Mädchen wollte ich sein. Kann man auch mutig sein, ohne zu wissen wie man mit Pfeil und Bogen umgeht oder gegen Drachen kämpft? Meine Pubertät war geprägt von Zurückziehen, Flucht in Traumwelten und Introspektion. Die Zeit in der man beginnt sich seine Identität zu konstruieren, oft mit den Bausteinen anderer, denn sie haben einem oft genug gesagt oder gezeigt wer man ist. Ein Gefühl begleitete mich die ganzen Jahre lang, das Gefühl, mein früheres Ich mit meiner Entwicklung enttäuscht zu haben. Den ganzen Tag in seinem Zimmer rumhängen, ist das denn mutig? Sich im Unterricht nicht trauen etwas zu sagen, wenn man unaufgefordert drangenommen wird, ist das mutig? Nein, oder? So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Das dachte …

Woher weiß ich, was das Richtige ist? #Mut(Ich)

Nachdem ich die letzten Jahre den Großteil meiner Zeit genutzt habe, einen Umgang mit meinen Gedanken und der Vergangenheit zu erlernen, wollte ich dieses Jahr endlich auf eigenen Beinen stehen. Endlich anfangen, wieder eigenes Geld zu verdienen, um mehr Selbstständigkeit zu erlangen und endlich nicht mehr abhängig von jemand anderem zu sein. Bin von Praktikum zu Praktikum gehangelt, um einen Beruf zu finden, der mich erfüllt und sich nicht nur wie ein Mittel zum Zweck anfühlt. Ursprünglich hatte ich den Plan, zurück nach Hannover zu ziehen, wo ich schon 2 Jahre wirklich gern gewohnt habe und wo meine beste Freundin lebt. Deshalb habe ich angefangen mich zu bewerben, schon ein Jahr im Voraus. Damit ich machen kann, was ich mir vorstelle und endlich etwas habe, auf das ich mich freuen kann. Auf das ich hoffentlich stolz bin und wofür sich die Überwindung, die solch eine Veränderung mich kostet, lohnt. Egal wie oft mir im Voraus geraten wurde Ablehnungen nicht persönlich zu nehmen, ist es mir doch nicht lang gelungen. Ganz zur Freude meiner destruktiven Gedanken, …

„Aufgrund der aktuellen Situation“ #schlaflos

Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir uns umsehen und das Gefühl bekommen, dass alle um uns herum besser sind in dem was sie tun? Wann sind wir produktiv genug? Sollte ich noch Sport machen heute? Gesund gekocht habe ich auch noch nicht. Wir sind alle aus unserem Alltag gerissen worden. Sollte das nicht heißen, dass wir endlich ruhigen Gewissens durchatmen können? Wir sind isoliert und haben nichts mehr wirklich Greifbares. Keinerlei Kontakt zu den üblichen Aktivitäten, die wir sonst hätten. Also bleibt uns niemand wirklich zum Vergleich mehr, außer die Vorstellung von den Dingen, die wir von unserem Umfeld haben oder das, was uns über Soziale Medien vermittelt wird.  Es gibt zur jetzigen Situation keine Norm. Keine Orientierung. Wir sitzen alle in 4 Wänden, egal wo und egal ob mit oder ohne Gesellschaft, es fühlt sich nicht gleich an. Die Freiheit ist eingeschränkt. Denn umso länger das geht, umso stärker wünscht man sich das Neue.  Das einzige legitime Fenster zur Außenwelt sind doch die Bildschirme, die wir haben. Die Isolation stellt uns in eine …

Barmherzigkeit – #Werbistduwirklich?

Ich lasse meine Augen geschlossen und höre den Vögeln noch eine Weile zu, beschließe ich, bevor ich in den Tag starte. Mein Dachfenster ist schräg geöffnet und eine kleine Windböe zieht durch meine Wohnung. Ich versuche den Vögeln ganz genau zu folgen, wer kommuniziert mit wem? Sind die Töne, die sie von sich geben immer die selben? Was für eine Sprache haben Vögel wohl? Ich weiß, wenn ich jetzt meine Augen öffne und nach links auf meinen Wecker schaue, ist es kurz vor sieben Uhr. Ich weiß es einfach, weil es jeden Tag immer kurz vor sieben Uhr ist, wenn ich zum ersten Mal meine verklebten Augen aufmache.  Natürlich ist es auch heute sieben.  Ich gehe runter, schiebe mir zwei Brotscheiben in den Toaster und mache mir eine Kanne heißes Wasser mit Ingwer.  Ich weiß das alles klingt ein wenig Banal, irgendwie sinnlos, aber es sagt ganz schön viel über meinen derzeitigen Gemütszustand aus.  Ich habe gemerkt, die globale Situation der letzen Wochen hat uns alle verändert, auf einer emotionalen Ebene. Plötzlich ist es viel …