Alle Artikel in: Liebe & Triebe

Freunde?

An unserem ersten Abend zusammen musste fast ich weinen, weil du so unglaublich nett zu mir warst. Weil ich so erleichtert war, jemanden wie dich kennenzulernen. In der neuen Stadt. Du hast mich zu deinen Freund*innen gebracht und es war immer okay, dass ich dabei bin. Ich hab immer zu dir gehört. Und zu den anderen, da gab es keine Diskussion. Nach dem Feiern, mussten wir zusammen auf die erste U-Bahn warten. An irgendeinem von diesen Abenden, hab ich dir gesagt, dass ich dich lieb hab. Wenn ich gezweifelt habe, hast du immer das Richtige gesagt. Der Yogi-Tee hat mal gesagt „Mach deine Worte zu einem Geschenk für andere“ und ich musste nur an dich denken. Wir sind gleichzeitig umgezogen und es waren nur noch 10 Fahrradminuten. Wir konnten die ganze Nacht auf deinem Sofa sitzen, reden und trinken. Meine Füße auf deinem Schoß. Bis ich irgendwann den Nachtbus nach Hause genommen hab. Ich wusste immer, ich kann bei dir schlafen. Ich wusste immer, dass das alles noch komplizierter machen würde. Ich glaub du auch. …

Haben oder Sein?

Pausenlos konsumieren Ohne Befriedigung liebenDu gehörst mirIch gehör dirIst es das, was du willstDu hast SehnsuchtIch sehne michDu verstehst den Unterschied nichtEs geht um haben oder seinFühlen tust du nichtsDeine Glieder taub gewordenFür meine StimmeDie dir nicht gehörtDeine Hände greifen Nicht mehr nach mirNach MittagSie greifen mehrIns Leere des Seins Doch bist duDurstig nach WortenDie deinen erkauften Stolz bewundernDich einbalsamieren in geheucheltes InteresseDu hörst mein LachenDenkst nur an deine FehlerDie nur du selbst siehstIch bin hierIch möchte doch nur teilen Was mich erfülltDein Gesicht versteinertZugebaut, verhülltVor den Kopf gestoßenlache ich weiterDenke,Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dichIch will dir nicht gehörenIch will dich nicht habenIch will mein Sein mit dir teilenOb du mich noch hörst?Denn obwohl ich am Sein arbeiteHabe ich AngstUnd obwohl wir es doch SindHabe ich ZweifelHaben oder Sein? Vereinzelte, verlorene Teile des SeinsZuvor gefunden und nicht behaltenDer von hinten auf dich zeigende SpiegelWürde mich erblassen lassenHätte ich gesehen, dass er zeigt,Was ich warIch war okayBin okay für mich selbst Wann kamen AnsprücheDie mich runter stufen Auf die Stufe derSelbstliebe …

Wir beide (nicht) am Meer

Meine Sachen sind alle gepackt. Ich will gerade aus der Tür hinaus, als du anrufst: Es sei etwas dazwischen gekommen, sagst du mir mit kühler Stimme, und auch sonst müssten wir mal reden, gerade ist es irgendwie schwierig zwischen uns.  Ich lasse meinen Rucksack vor mich auf den Boden plumpsen. Meine frisch aufgenähten Patches leuchten noch so neu, doch wirkten trostlos. Nutzlos. Ich spüre, wie der Boden unter mir immer weicher wurde. Ich laufe wie auf Watte. Versuche, zurück in mein Zimmer zu kommen. Mit jedem meiner Schritte fühlte es sich an, als würde ich weiter in den Sand sinken: Jeder Schritt fällt mir schwerer. Der Sand steht mir jetzt bis zur Brust, engt mich ein, ich habe in unserem großen Flur plötzlich keinen Platz mehr. Ich möchte um mich treten, alles von mir wegdrücken. Doch der Sand ist zu stark. Zu fest. Zu schwer. In meinem Zimmer lege ich mich hin. Die Flut kommt jetzt auf in mir. Der Sand wird weggespült. Ich atme einmal tief ein, um mir Platz zu schaffen. Der Sand …

Die Liebe vom Hals

Es ist besser, ich halte mir die Liebe vom Hals.  Ich bin achtzehn und ungeküsst. Die meisten meiner Freunde sind bereits seit Jahren in festen Beziehungen und haben all ihre „ersten Male“ bereits hinter sich. Ich finde eh, das ist ein komisches Konzept und auch sonst habe ich mich daran gewöhnt, ewiger Single zu sein und zu bleiben. Es kommt eben wenn es kommt, sagte ich immer und immer wieder und obwohl viele mir nicht glauben, meine ich es. Und dann kommt es.  Ich habe gerade mein Abitur hinter mir und kann endlich wieder aufatmen. Die Schule macht mich seit Jahren fertig, ich bin froh, sie endlich rum zu haben. Dank der Pandemie, sind mir sämtliche Partys deswegen erspart geblieben, ich musste nicht mal irgendwelche Ausreden erfinden, warum ich nicht gehen kann. Also entscheide ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, wirklich nur das zu machen, was ich möchte. Ich schlafe morgens aus, trinke zu viel Kaffee und verbringe meine Tage damit, nachmittags ehrenamtlich im Tierheim Gassi zu gehen.  Ich gehe bestimmt zwei Wochen …

Grand Budapest Hotel

Wer als junger Mensch schon mal in Budapest war, kennt die Stadt vermutlich als Party-Hochburg, wo sich Erasmus-Studis und Backpacker auf den Hochbetten der Hostel-Mehrbett-Zimmer stapeln. Ich habe Budapest anders erlebt. Als Ehrenamtliche im Bereich der sozialen Arbeit in einem Vorort, brauchte ich eine knappe Stunde in die Stadt und meine Community dort musste arbeiten, was das Feiern doch ein wenig einschränkte. Ich lernte die Stadt ein bisschen anders und ein bisschen genauer kennen und verbrachte tolle Abende in gemütlichen, nicht ganz so touristischen Kerts (Biergarten im Budapest-Style) und hatte meine Geheimspots, die ich bis heute liebe.  An einem Wochenende kam mich eine Freundin aus der Heimat besuchen, die zuvor schon mal als Backpackerin in Budapest war – natürlich auf einem Hochbett eines Hostel-Mehrbett-Zimmers mit 15 weiteren miefigen Low-Budget-Touristen. Ich brauche nicht weiter zu erläutern, wie empört sie darüber war, was ich für einen langweiligen Lifestyle in dieser schillernd-versufften Stadt lebte. Da sie auch nun wieder in einem Hostel in der City unterkam, ließ ich mich darauf ein, einen Abend, eine Nacht mit ihr zu …

Gedicht an jemanden, mit dem ich mal was hatte

Ich traf dich. Ich traf dich Ende Oktober. Na gut, ich swipte nach rechts und du scheinbar auch und bald schon trafen wir uns ganz unverbindlich auf ein Bier. Du sprachst von Politik und deinen Reisen, ich sprach über das Wetter. In Konversation bin ich nicht wirklich gut. Doch scheinbar gut genug, denn du wolltest mich wiedersehen. Und so trafen wir uns immer öfters und irgendwann küsste ich dich und irgendwann schliefen wir miteinander. Ich weiß nicht mehr recht wie es genau dazu gekommen ist. Manchmal schlafe ich ausversehen mit jemanden. Dabei läuft das leider nie so ab, wie man das aus Filmen kennt. Erste Szene: Zwei überdurchschnittlich attraktive Menschen sitzen in einer Bar und ziehen sich schon fast mit den Augen aus. Schnitt. Zweite Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen taumeln wild knutschend in eine Wohnung und einer der beiden tritt die Tür mit dem Fuß zu. Schnitt. Dritte Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen liegen schwer atmend zusammen im Bett. Der Drops ist schon gelutscht. Bei mir läuft sowas häufig eher nach dem …

Pablo

Auch genannt der Italiener, um ehrlich zu sein, immer genannt der Italiener. Ich frage mich, wie lange es noch braucht, bis ich seinen Namen vergessen habe. Pablo hat mich, classy as fuck, beim Arbeiten angesprochen, frei nach dem Motto: „Wer braucht schon Tinder?“. In der Bar, in der ich arbeite, ist es sehr eng und ich kleiner Tollpatsch bin praktisch auf ihn drauf gestolpert, woraufhin er einfach nur gesagt hat „Gehen wir mal was trinken?“. Ich dann bisschen perplex am undefinierten Antworten geben, weil mir anscheinend schon das zu viel Entscheidungsdruck ist. Ich glaube, ich sage, ich muss es mir überlegen. Auf jeden Fall kommt Pablo, bevor er geht, zu mir und fragt, ob ich es mir überlegt habe. Habe ich natürlich nicht und gebe weiterhin weirde Antworten, aber auch mein Handynummer. Pablo meldet sich circa einen Tag später und fragt mich, ob ich mich an den Jungen aus der Bar erinnere. Erstens, Pablo ist 28 und denke dadurch, per Definition, kein Junge mehr, zweitens bin ich dumm? Vielleicht ist so ein Vorfall bei mir …

Tabuthema? Pille danach. #Zeitgeist*in

Missgeschicke bei der Verhütung kommen vor. Doch was tun, wenn das Kondom reißt oder die Pille zu spät eingenommen wurde? Ein Erfahrungsbericht, die Frage nach der immer noch bestehenden Tabuisierung des Themas und Antworten auf die wichtigsten Fragen zur PiDaNa. Tja, und dann ist es passiert. Ich schäle mich aus der Bettdecke, taste in der Dunkelheit nach meinem Handy, öffne den Browser und tippe ein: Pille danach. Ein Lagebericht Nur ein Schulterzucken und drüber lachen genügt jetzt natürlich nicht. Soll eine ungewollte Schwangerschaft verhindert werden, müssen wir handeln. Ja, das wir steht hier nicht umsonst. Zwar tragen weder mein Sexualpartner* noch ich die Schuld am Versagen des Kondoms, aber wir sollten trotzdem gemeinsam darüber sprechen. Ein bisschen wie bei einem Anruf bei der Feuerwehr, bei welchem man die Lage schildert, gehen wir alle Fragen durch: Was genau ist passiert?Wie und warum ist es passiert?Was bedeutet das?Was machen wir jetzt? Als ich dann frühmorgens die Apotheke betrete, kneife ich, vom grellen Deckenlicht geblendet, die Augen zusammen. Mein Partner* hatte mir zwar angeboten, die Pille danach für …

Die erste Beziehung

Wir streiten. Zumindest denke ich, dass das hier gerade streiten ist. Vielleicht auch nur eine Auseinandersetzung, eine Meinungsverschiedenheit, ein Gespräch mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Was auch immer es ist, es macht was mit mir. Es macht, dass ich mich anders dir gegenüber fühle. Da ist die Angst dich zu verlieren. Selbst wenn es nur eine banale Diskussion darüber ist, dass einer von uns sich nicht gemeldet hat. Diese Angst ist immer da, wenn auch nur im Hintergrund. Aber da ist auch dieses Zusammenspiel von Distanz und Nähe. Obwohl wir gerade verschiedene Richtungen mit unseren Meinungen gehen, können wir die Wege des Anderen noch sehen und wissen, er ist da. Wir sind nicht alleine. Und am Ende kreuzen sich die Wege wieder. Das wissen wir auch. Sie kreuzen sich, wir laufen wieder zusammen, weil wir es so wollen. Wir wollen einen gemeinsamen Weg finden. Du sagst, dass du mich liebst. Immer und immer wieder. Und ich habe aufgehört, es dir so oft zu sagen. Nicht, weil ich es nicht mehr fühle, im Gegenteil: Ich fühle es so …

Alles nur vorgetäuscht

Es ist schon unzählige Male passiert. Ich habe das Gefühl, sobald man einmal damit anfängt, wird es schwer, wieder damit aufzuhören. Ich kenne außerdem keine Person, der*die es nicht schon mal getan hat – sei es, um dem ganzen vorzeitig ein Ende zu setzen oder um dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben. Auch ich habe das gut drauf: Mein Stöhnen verändert sich, ich kralle mich ins Laken und mache das berühmte Hohlkreuz – das ganze Programm. Ich bin eine richtig gute Schauspielerin im Bett. Im heutigen ersten Beitrag unserer Sex-Kolumne “mit wem oder allein” haben wir einige von Euch nach eigenen Erfahrungen mit vorgetäuschten Orgasmen gefragt. Wer macht wen glücklich? Theresa*: Ich kann mich gar nicht so richtig erinnern an die Male, bei denen ich vorgetäuscht habe. Wahrscheinlich habe ich es verdrängt. Es müssen ungefähr zwei Orgasmen bei dieser einen Beziehung gewesen sein. Es tat einfach zu weh und ich wusste, dass da unten alles zu taub war, als dass sich jemals etwas regen würde. Ich tat mein Bestes und spielte Genuss vor. Danach …