Alle Artikel in: Liebe & Triebe

Gedicht an jemanden, mit dem ich mal was hatte

Ich traf dich. Ich traf dich Ende Oktober. Na gut, ich swipte nach rechts und du scheinbar auch und bald schon trafen wir uns ganz unverbindlich auf ein Bier. Du sprachst von Politik und deinen Reisen, ich sprach über das Wetter. In Konversation bin ich nicht wirklich gut. Doch scheinbar gut genug, denn du wolltest mich wiedersehen. Und so trafen wir uns immer öfters und irgendwann küsste ich dich und irgendwann schliefen wir miteinander. Ich weiß nicht mehr recht wie es genau dazu gekommen ist. Manchmal schlafe ich ausversehen mit jemanden. Dabei läuft das leider nie so ab, wie man das aus Filmen kennt. Erste Szene: Zwei überdurchschnittlich attraktive Menschen sitzen in einer Bar und ziehen sich schon fast mit den Augen aus. Schnitt. Zweite Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen taumeln wild knutschend in eine Wohnung und einer der beiden tritt die Tür mit dem Fuß zu. Schnitt. Dritte Szene: Die beiden überdurchschnittlich attraktiven Menschen liegen schwer atmend zusammen im Bett. Der Drops ist schon gelutscht. Bei mir läuft sowas häufig eher nach dem …

Pablo

Auch genannt der Italiener, um ehrlich zu sein, immer genannt der Italiener. Ich frage mich, wie lange es noch braucht, bis ich seinen Namen vergessen habe. Pablo hat mich, classy as fuck, beim Arbeiten angesprochen, frei nach dem Motto: „Wer braucht schon Tinder?“. In der Bar, in der ich arbeite, ist es sehr eng und ich kleiner Tollpatsch bin praktisch auf ihn drauf gestolpert, woraufhin er einfach nur gesagt hat „Gehen wir mal was trinken?“. Ich dann bisschen perplex am undefinierten Antworten geben, weil mir anscheinend schon das zu viel Entscheidungsdruck ist. Ich glaube, ich sage, ich muss es mir überlegen. Auf jeden Fall kommt Pablo, bevor er geht, zu mir und fragt, ob ich es mir überlegt habe. Habe ich natürlich nicht und gebe weiterhin weirde Antworten, aber auch mein Handynummer. Pablo meldet sich circa einen Tag später und fragt mich, ob ich mich an den Jungen aus der Bar erinnere. Erstens, Pablo ist 28 und denke dadurch, per Definition, kein Junge mehr, zweitens bin ich dumm? Vielleicht ist so ein Vorfall bei mir …

Tabuthema? Pille danach. #Zeitgeist*in

Missgeschicke bei der Verhütung kommen vor. Doch was tun, wenn das Kondom reißt oder die Pille zu spät eingenommen wurde? Ein Erfahrungsbericht, die Frage nach der immer noch bestehenden Tabuisierung des Themas und Antworten auf die wichtigsten Fragen zur PiDaNa. Tja, und dann ist es passiert. Ich schäle mich aus der Bettdecke, taste in der Dunkelheit nach meinem Handy, öffne den Browser und tippe ein: Pille danach. Ein Lagebericht Nur ein Schulterzucken und drüber lachen genügt jetzt natürlich nicht. Soll eine ungewollte Schwangerschaft verhindert werden, müssen wir handeln. Ja, das wir steht hier nicht umsonst. Zwar tragen weder mein Sexualpartner* noch ich die Schuld am Versagen des Kondoms, aber wir sollten trotzdem gemeinsam darüber sprechen. Ein bisschen wie bei einem Anruf bei der Feuerwehr, bei welchem man die Lage schildert, gehen wir alle Fragen durch: Was genau ist passiert?Wie und warum ist es passiert?Was bedeutet das?Was machen wir jetzt? Als ich dann frühmorgens die Apotheke betrete, kneife ich, vom grellen Deckenlicht geblendet, die Augen zusammen. Mein Partner* hatte mir zwar angeboten, die Pille danach für …

Die erste Beziehung

Wir streiten. Zumindest denke ich, dass das hier gerade streiten ist. Vielleicht auch nur eine Auseinandersetzung, eine Meinungsverschiedenheit, ein Gespräch mit unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Was auch immer es ist, es macht was mit mir. Es macht, dass ich mich anders dir gegenüber fühle. Da ist die Angst dich zu verlieren. Selbst wenn es nur eine banale Diskussion darüber ist, dass einer von uns sich nicht gemeldet hat. Diese Angst ist immer da, wenn auch nur im Hintergrund. Aber da ist auch dieses Zusammenspiel von Distanz und Nähe. Obwohl wir gerade verschiedene Richtungen mit unseren Meinungen gehen, können wir die Wege des Anderen noch sehen und wissen, er ist da. Wir sind nicht alleine. Und am Ende kreuzen sich die Wege wieder. Das wissen wir auch. Sie kreuzen sich, wir laufen wieder zusammen, weil wir es so wollen. Wir wollen einen gemeinsamen Weg finden. Du sagst, dass du mich liebst. Immer und immer wieder. Und ich habe aufgehört, es dir so oft zu sagen. Nicht, weil ich es nicht mehr fühle, im Gegenteil: Ich fühle es so …

Alles nur vorgetäuscht

Es ist schon unzählige Male passiert. Ich habe das Gefühl, sobald man einmal damit anfängt, wird es schwer, wieder damit aufzuhören. Ich kenne außerdem keine Person, der*die es nicht schon mal getan hat – sei es, um dem ganzen vorzeitig ein Ende zu setzen oder um dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben. Auch ich habe das gut drauf: Mein Stöhnen verändert sich, ich kralle mich ins Laken und mache das berühmte Hohlkreuz – das ganze Programm. Ich bin eine richtig gute Schauspielerin im Bett. Im heutigen ersten Beitrag unserer Sex-Kolumne “mit wem oder allein” haben wir einige von Euch nach eigenen Erfahrungen mit vorgetäuschten Orgasmen gefragt. Wer macht wen glücklich? Theresa*: Ich kann mich gar nicht so richtig erinnern an die Male, bei denen ich vorgetäuscht habe. Wahrscheinlich habe ich es verdrängt. Es müssen ungefähr zwei Orgasmen bei dieser einen Beziehung gewesen sein. Es tat einfach zu weh und ich wusste, dass da unten alles zu taub war, als dass sich jemals etwas regen würde. Ich tat mein Bestes und spielte Genuss vor. Danach …

Untergänge in Gold

Teil I Gehen immer unweigerlich zwei Menschen an etwas zugrunde? Kann ich auch allein an uns zugrunde gehen?Wo kann ich dich lassen, wenn du doch immer wieder zu mir zurückkehrst?Liebe ich es nicht insgeheim, von dir heimgesucht zu werden? Teil II Teil III Du lässt mir keine Ruhe. Du steckst in jedem Glas Weißwein. Und immer, wenn ich dich sehe, beschleicht mich der Gedanke, dass ich niemals so richtig glücklich sein kann wenn ich nicht weiß, wie es sich anfühlt, wenn du nachts neben mir liegst. Manchmal wäre ich gern wie sie alleWeil sie es leicht habenWeil sie nicht suchen und trotzdem findenund dann hinnehmenund dabei bleiben. Teil IV Die Sonnencreme brennt in meinem Auge. Du zählst die Himbeeren in deinem Obsttörtchen und ich zähle die Kalorien in deinem Obsttörtchenweil ich nicht über das Wesentliche nachdenken will. _ Eigentlich ein Teil meiner “Das, was ich nicht sagen kann”-Reihe. Nur habe ich mehr Worte als Bilder gefunden.Teil 1, Teil 2, Teil 3,Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10, Teil 11 Beitrag von Imina.

Keine Liebe

Wir streiten. Wir streiten und weinen und schreien. Wir streiten. Immer und immer zu. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so viel mit einem Menschen gestritten zu haben. Du bist außer dir. Du schreist und wirfst mir Wörter an den Kopf, die nicht stimmen. Ich bin nicht so wie du mich darstellst. Ich weine und schreie. Hör auf. Das Stimmt nicht. Du nimmst einen Stuhl und wirfst ihn gegen die Wand. Dort prallt er auf, mit einem lauten Knall, zwei Meter neben mir. Ich ducke mich. Ich weine. Du brichst zusammen. Und weinst. Es ist still. Nur das Schluchzen ist zu hören. Sekunden sind Stunden und Minuten sind Sekunden. Alles dreht sich und alles steht still. Ich stehe auf und gehe zu dir, umarme dich, tröste dich. Du erwiderst meine Umarmung und küsst mich und sagst, du liebst mich. Ich entwinde mich. Verstehe nicht, was hier passiert. Ich fühle mich so lebendig und so leer. Ich meine dich zu lieben, doch ich hasse dich. Was machen wir? Was machen wir hier seit Monaten? Am …

Warum Pride (auch in 2020) wichtig ist.

Wenn um mich herum regenbogenfarbenes Konfetti geworfen wird, mein Gesicht mit Glitzer vollgeschmiert ist, die Juni-Sonne gnadenlos auf mich prallt und an jedem Wagen ein anderer Song einer Pop-Queen läuft, ist „Pride“-Parade angesagt. Diese stellt jedes Jahr den Höhepunkt des Pride-Monats Juni dar, welcher an die Stonewall-Aufstände in 1969 in Manhattan erinnern soll. Der Stonewall-Aufstand gilt als Wendepunkt der Schwulenbewegung in den Vereinigten Staaten und wird bis heute im Juni mit Umzügen, Picknicks, Partys, Workshops oder Konzerten weltweit gefeiert, auch in Deutschland gibt es in fast jeder großen Stadt zumindest einen Christoper Street Day-Umzug.  Seit Oktober 2017 gibt es in Deutschland die „Ehe für alle“, 74% der Deutschen befürworten laut Wikipedia eine vollständige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften und seit Oktober 2017 ist es außerdem möglich, dass gleichgeschlechtliche verheiratete Paare Kinder adoptieren dürfen. Wir sind also schon ziemlich divers, oder? Brauchen wir den Pride-Monat dann überhaupt noch? “Queere Menschen stehen immer noch im Schatten der Gesellschaft, viele können sich nicht willkommen fühlen und oder müssen sich verstecken. Der Pride-Month ist ihr Monat, auf CSD’s können sie sich …

Diffuse Gefühle

Was bleibt– von Anonym Dieses diffuse Gefühl, die Schatten zwischen den Sonnenflecken. Alle vier Jahre erneuern sich die Zellen meines Körpers mit den Bildern an meiner Wand und die Strukturen der Systeme verschieben sich. Die Tapeten sind dann abgeraut und einmal zu oft überstrichen, die Finger ausgerenkt und verirrtes Licht malt Halbmonde zwischen meine Schulterblätter. Die Musik bleibt, der Himmel bleibt, stagnierende Blues wie ein nie endender Sommerregen, der Haut und Haare durchdringt und schließlich auf dem Schlüsselbein nachklingt.  Komm schon, komm schon, du zerrst ungeduldig an meiner Hand und an meinen Haaren, ein Neuanfang.  Also schäle ich mich aus meinem Kokon aus Transparentpapier, Schicht für Schicht, aber meine Haut ist immer noch blass und übersät von fremden Geschichten. Das grelle Licht brennt Muster auf meine Netzhaut und schneidet meine Gedanken in Bruchteile. Scharfe Kanten, Scherben ohne Reflektion. Gestern habe ich meine Lieblingsfarbe vergessen und morgen wird es vielleicht mein Name sein. Die Musik bleibt, der Himmel bleibt, die Schatten zwischen den Sonnenflecken sind meine ewige Konstante. Alle vier Jahre erneuern sich die Zellen meines …

Auf Augenhöhe #Zeitgeist*in

„Und irgendwann sprang der Funke einfach über.“ Sie ist 20 Jahre alt und er ist 51. Seit etwas über zwei Jahren sind sie ein glückliches Paar. Lange waren sie einfach nur gute Freunde, haben sich gegenseitig viel Zeit gegeben, sich ihren Gefühlen füreinander bewusst zu werden. Und sich letztlich doch für eine Beziehung entschieden. 31 Jahre trennt die beiden, oder bringt es sie nur noch näher zueinander? Um mit irritiertem Stirnrunzeln – eine physische Begleiterscheinung, wenn es um dieses Thema geht – aufzuräumen, haben sie mir ihre Geschichte erzählt. Da vom höchsten Hoch und tiefsten Tief berichtet wurde, möchten beide anonym bleiben. Habt Verständnis! Wie habt ihr euch kennengelernt? Sie: Er war Lehrer bei mir in der Schule. Zwar war er nicht direkt Lehrer meiner Klasse, aber man hat sich eben viel gesehen. Dadurch, dass ich viele Texte wie Poetry Slams oder Gedichte geschrieben habe, sind wir aufeinander aufmerksam geworden. Im Januar 2018 habe ich bei einem Theaterstück mitgewirkt, bei dem er zugesehen hat. Wir haben uns viel darüber unterhalten, uns wohlgefühlt und schon hier …