Alle Artikel in: Körper & Bewusstsein

Ein Wort Gefühl

Mir wird heiß, meine Ohren rauschen und mir wird leicht schwindelig. Ich spüre meinen Puls gegen die Schläfen pochen. Ich will etwas erwidern, aber ich schaff‘ es nicht. Ich sehe in Zeitlupe wie deine Lippen sich weiterbewegen, Worte formen und daraus Sätze bilden. Aber ich kann dich nicht mehr hören, geschweige denn verstehen. Mein Körper war schneller als mein Verstand. Er hat mich unter Wasser gezogen. Jeder Versuch klare Gedanken zu fassen, fühlt sich an als würde ich ein bisschen von dem Wasser schlucken, das mich umgibt. Ich halte die Luft an, während sich alles, um mich herum, dreht und rauscht. Deine Worte haben mich verletzt und ausgelaugt. Das letzte bisschen Luft in meinen Lungen reicht nur noch für einen Bruchteil dessen, was deine Worte in mir ausgelöst haben.                autsch. Nur ein Wort Gefühl und doch verstummst du, suchst wieder den Blickkontakt zu mir, den du kurz zuvor unterbrochen hattest. Also nehme ich einen tiefen Atemzug. Als ich wieder ausatme, stolpern die ersten Worte mit hinaus. Sie formen sich zu einem ersten Satz, zu …

Nachtgespenster

Wie heißen die Gedanken, die uns Nacht nichts schlafen lassen? Die uns uns von einer Seite auf die andere wälzen lassen? Oder zumindest mich. Manchmal. Manchmal öfter. Tagsüber lächle ich, denke die Welt ist gut in der ich mich bewege, in der ich lebe. Und dann wird es dunkel. Ich ziehe die Vorhänge zu und kuschle mich in meine Bettdecke. Licht aus. Augen zu. Vorhang auf. Gedanken an. Ich wälze mich stundenlang von einer Seite auf die Andere. Mein Gehirn spinnt Kreise. Zieht Fäden von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gab. Wühlt lange in Erinnerungen. Aber nicht in den Schönen. Nachts werden die Dunklen ausgepackt. Die, die am Tag durch die Sonne verdrängt werden. Oder durch Lachen. Durch Alltag.   Doch im Dunkeln bin ich alleine. Bin dem ausgeliefert, was ich tagsüber nicht denken will. Nicht denken kann. Das, was tief in unserem Unterbewusstsein gräbt und weilt, wird dann herausgeholt und von allen Seiten betrachtet.  Ich kann nicht schlafen. Wieder nicht. Wenn ich als Kind nicht schlafen konnte und dann leise weinend …

Wenn sich dein Leben um 90 Grad dreht

Stellt euch vor, ihr seid Mitte 20, kommt gerade von einer Wanderung mit einer Freundin nach Hause und fangt an auf eure Prüfungen für die Uni zu lernen. Ihr werdet bald gegen Covid geimpft, bald fallen die Einschränkungen und ihr könnt wieder mehrere Freunde treffen, ins Restaurant gehen oder ins Kino. Ihr habt eine tolle Familie, habt erst gestern erfahren, dass ihr Tante/Onkel werdet und ihr freut euch, eure Freunde bald wieder zu sehen. Ihr setzt euch an den Tisch um Abend zu essen, auf eurem Fitnessarmband seht ihr, dass euer Ruhepuls bei 52 liegt. Ziemlich cool, da sieht man wohl doch den Effekt von Sport. Watte im Kopf Eine Woche später steht ihr auf und fühlt euch komisch. So, als ob man Watte im Kopf hätte oder einen heftigen Kater, aber ihr habt gar nichts getrunken. Zu Mittag bekommt ihr Kopfschmerzen. Drückende, ein bisschen als ob sich ein Elefant auf den eigenen Kopf gesetzt hätte. Ihr denkt euch nichts dabei, schließlich ist das Wetter heute auch total eigenartig, wechselt ständig zwischen Regen und Sonnenschein. …

Alles in deinem Tempo #heiterbiswolkig

Mit jemand neuem zusammen zu wohnen ist aufregend genug, aber was, wenn dieser neue Jemand ein Hund ist? Wie das ist, wenn ein Tier in eine WG zieht und welche Erwartungen damit einhergehen, damit beschäftigt sich unsere Autorin Carolin in diesem Text. Die Nacht bevor du gekommen bist habe ich kaum geschlafen. Meine Gedanken haben sich überschlagen und ich war so aufgeregt. Wie würde wohl alles sein wenn du endlich da bist? Würdest du uns mögen, dich hier wohlfühlen? Verstehen dass du jetzt hier wohnst und wir deine Menschen sind? Ich war so aufgeregt. Und dabei bin ich nicht mal die, zu der du gehörst, denn ich wohne nur mit dir. Und trotzdem bist du mir wichtig, bist du auch meine Verantwortung. Wir kennen uns noch nicht gut und trotzdem habe ich schon viel von dir gelernt. Zum Beispiel wie natürlich und gut es ist Pause zu machen, denn das machst du am liebsten. Einfach liegen und schlafen, liegen und schnuppern, liegen und Beobachten. Zeit nehmen alles zu verarbeiten. Ich brauche das auch und vergesse …

Freund:in oder Feind:in?

Mein Handy vibriert. Ich krame in meinem vollgestopften Rucksack herum bis ich es finde. Das viel zu  helle Display leuchtet mir ins Gesicht. „Bock, heute zu kiffen?“ lese ich auf dem kleinen Bildschirm. Ich  lenke mein Blick vom Bildschirm auf das vor mir stehende Haus. Ich neigte meinen Kopf zur Seite und  dachte über die Nachricht angestrengt nach, horchte in mich hinein und kam letztendlich zu der  Erkenntnis, dass ich „keinen Bock zu kiffen“ habe. Aber Lust auf soziale Interaktion.  Ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder meinem Handy. Ich tippte ein „Ja, wann denn?“ in mein  Handy und schickte es ab. Ich seufzte. Ein besseres Angebot bekam ich heute wohl nicht mehr. Da  steckt man auch die Droge in Kauf, um eine „schöne Zeit“ zu verbringen.  Ich packte mein Handy wieder in meinen Rucksack.   Ich fragte mich, ob ich das tat, wonach ich mich fühlte. Ich seufzte ein erneutes Mal und wurde  verlegen. Ich blickte leer in die Ferne und stoppte alles, was ich tun wollte. Ging gedanklich zu dem  Punkt zurück, in welchem ich völlig …

Körper und Sprache #Zeitgeist*in

Warum es revolutionär sein kann, manchmal etwas genauer auf die Worte anderer und auch auf die eigenen zu hören – und wieso es sich lohnt, manche Begriffe einfach ganz zu streichen.  Zwänge all around us Letzten Sommer saß ich mit einer Kommilitonin am Ufer eines Fluss. Unsere Beine ließen wir im Wasser hin und her baumeln. Den Körper in einen Badeanzug und ein luftiges Tuch gehüllt, sonnte ich mich. Als ich nach meiner Wasserflasche griff, verrutschte das Tuch über meinem Schoß ein wenig – ich merkte es aber nicht. “Weißt du, neulich hätte ich fast mit dem Typen aus der Studi-Gruppe Sex gehabt. Es war wirklich alles total schön, bis er mir die Hose ausgezogen hat”, brach meine Kommilitonin das Schweigen.  Als ich mich zu ihr drehte, erkannte ich, dass ihr Tränen in die Augen gestiegen waren. Mit fragendem Blick bedeutete ich ihr, weiterzuerzählen. “Er hat mitten in der Bewegung gestoppt, an mir runter geschaut und die Stirn gerunzelt. ‘Rasierst du dich nicht?’, hat er mich dann gefragt… an seiner Stimme habe ich sofort erkannt, …

Die Macht der Pornografie mit Lea Röwer #ZwischenNeugierundBewunderung

Wahrscheinlich hat jeder von uns schonmal pornografische Inhalte konsumiert. Nicht selten auch regelmäßig. Doch was genau schauen wir uns da eigentlich wirklich an? Was hat das mit dem Menschen, unserer Gesellschaft und dem Patriarchat zu tun? Und was ist eigentlich Only Fans? Lea Röwer hat sich im Rahmen künstlerischer Praxis und einer Bachelor-Thesis intensiv mit der Pornografie auseinandergesetzt. Es entstand ein erkenntnisreiches Gespräch das kritisch reflektiert und dennoch nicht verteufeln möchte. Wenn wir über Pornografie sprechen, über was sprechen wir dann? Es gibt nicht die eine Pornografie. Es gibt tausend verschiedene Nischen. Es gibt feministische Pornografie, genauso wie es Fetisch-Pornografie gibt und professionell produzierte Pornografie. In dem Kontext interessiert mich nicht so, was die Hauptcharakteristika von Pornografie sind, das ist nur eine Facette, sondern vielmehr in wie weit sie unsere Gesellschaft prägt. Wie sie medial mit anderen Bereichen verbunden ist oder was sie abgrenzt. Wie sie unsere Realität formt und Einfluss auf unsere Fantasie nimmt. Was mit den Menschen passiert, die im Pornografie-Geschäft arbeiten. Wie sie dargestellt werden und gleichzeitig auch, wie die Konsumenten mit …

(Präsent) Sein

Im Dezember 2019: Einige Tage vor Silvester, stehe ich in einem Buchladen vor dem Regal „Lebensführung“. Ich möchte ausbrechen und aufbrechen in ein letztes Jahr Schule, ein Jahr, das mir das Erwachsenwerden beibringen würde, wie es kein Coming of Age-Film auf Netflix schaffen sollte. Ich stehe da, fahre mit meinem Zeigefinger über sämtliche Schriftzüge. Mein Blick wandert durch die Reihen, als mich eine Frau von der Seite anspricht: „Lies das.“ sagt sie und hält mir ein kleines, orangenes Buch entgegen. „Jetzt!“ von Eckhart Tolle heißt es.  Die Frau fügt hinzu: „Ich bin mir sicher, es wird dein Leben verändern. Wenn auch nur ein kleines Stückchen.“ Ich bin etwas überrascht, nehme das Buch aber entegen und bedanke mich zögerlich. Ich blättere in ihm herum und überfliege die Zeilen und als ich wieder aufblicke, ist die Frau schon verschwunden. Ich kaufe schließlich das Buch und merke mit jeder Seite, die ich in den nächsten Wochen lesen würde: präsent zu sein, darauf kommt es an. Das Leben im Moment zu erkennen, ist die Essenz, die uns mit ihm verbindet. …

Die Sache mit dem Nein: Sexuelle Übergriffigkeit

Ich bin Opfer von sexueller Übergriffigkeit.  Lassen wir diesen Satz einmal einfach dastehen, damit er auf uns wirken kann. Dieser Satz trifft auf viel mehr Leute als mich zu. Er trifft auf viele zu, denen es vielleicht nicht bewusst ist und er trifft nicht nur auf Frauen zu. Es ist ein wichtiger Satz, denn dass ich ihn sagen darf, schließt Fragen wie „War es wirklich Übergriffigkeit?“, „Übertreibe ich da nicht?“, „Habe ich Schuld?“ aus. Und diese Fragen sollten ausgeschlossen werden, denn sie alle legen nah, dass die Situation nicht mit dem Ernst wahrgenommen wird, den sie in sich trägt. Die Worte, über die wir hier reden, sind heikel und ich will nicht so tun, als gäbe es völlig objektive Definitionen für sie, aber ich werde im Folgenden einige Definitionen vorstellen und dann meine Geschichte erzählen. Ich denke, das ist fair. Ich denke, das ist subjektiv auf die richtige Art und Weise.  „Übergriff: Handlung, mit der man die Rechte, den Kompetenzbereich eines anderen verletzt, bestimmte Grenzen überschreitet“ (Wikipedia) Ein Wort, dass in Zusammenhängen wie diesem auch …

Let’s talk period #heiterbiswolkig

Disclaimer: Auch nicht-binäre Personen und Trans-Männer menstruieren und nicht alle Frauen menstruieren. In diesem Text wird jeweils ausschließlich auf cis Personen Bezug genommen. Die Periode ist das Natürlichste der Welt und trotzdem ist sie ein hochpolitisches Thema. Das, was jeden Monat wieder aus unzähligen unbefruchteten Gebärmuttern fließt, ist der Saft in dem unser aller Existenz beginnt, also lasst uns drüber reden. Über den Schmerz, die Bedürfnisse und die Ungerechtigkeiten die damit einher gehen. Let`s talk, period. Seit ich das allererste Mal meine Periode bekommen und angefangen habe zu menstruieren, habe ich Schmerzen. Starke schmerzen. Schmerzen, die so viel Energie brauchen, dass der Rest meines Körpers taub wird und ich für ein paar Stunden fast alle Lebenskraft verliere.Ich weiß nicht mehr was ich erwartet hatte bevor ich das erste Mal zu bluten begann, aber nun kenne ich es kaum anders. Es ist jeden Monat aufs neue scheiße – manchmal ist mir so schlecht, dass ich ich mitten in der Nacht aufwache und stundenlang zwischen Klo und Fenster hin und her flitze oder mich sogar übergeben muss. …