Alle Artikel in: Körper & Bewusstsein

Der Wahnsinn #Reisegedanken

Von dem Wahnsinn, der nur bei Tageslicht erscheint Während ich ganz verrückt daran glaube, dass jeder auf seine Weise schön ist und Schönheit ja wohl außerdem im Auge des Betrachters liegt, erstelle ich in meinem Inneren eine Liste, was ich denn so mache, um mich schön zu fühlen und frage mich, ob das alles für mich passiert oder da vielleicht doch so etwas ist, wie ein Bild, eine diffuse Vorstellung von dem, was Schönsein eigentlich bedeutet. Klar liegt das sich Schönmachen schon immer irgendwo zwischen der Natur und Kultur des Menschen, aber die Idee keine unabhängige Vorstellung von Schönheit zu haben, sondern immer irgendwie, irgendwo durch ein gesellschaftlich konstruiertes Ideal beeinflusst zu sein, ist spätestens seit Emanzipation & Individualisierung, unbequem unerwünscht.  Allerdings taucht so dann und wann der Gedanke auf, ob nicht ein Ideal schuld ist, dass Menschen ihren Körper nicht gerne mögen, Essstörungen entwickeln, sich Schönheitsoperationen unterziehen und schlechte Gedanken haben. Dass wer schön sein will, leiden muss. Schmerzhafte Haarentfernungsmethoden, Frieren im Winter und unbequeme Jeans lassen mich zweifeln, an meiner gänzlichen Unabhängigkeit. In …

Eine Entschuldigung an mich selbst

Das Semester ist vorbei. Endlich. Wie immer war alles stressiger als geplant, wie immer habe ich mehr gemacht, als ursprünglich geplant und wie immer habe ich bestimmte Sachen bis nach ganz hinten aufgeschoben. Ich habe außerdem drei Jobs gehabt und versucht, alles so cool wie möglich zu auf die Reihe zu kriegen und nebenbei noch kreativ zu sein. Die Realität: Ich habe seit Wochen weder in mein Notizbuch geschrieben noch eine Collage gemacht. Gelesen habe ich mühselig 30 Seiten in einem Buch, auf das ich mich lange gefreut habe. Ich vergesse Termine, komme ständig zu spät, hänge hinterher, und fange mit diesen Blogpost ungefähr eine Stunde, bevor er online gehen soll, an. Ich mache alles nur noch halbherzig und will, dass die Ergebnisse trotzdem hundertprozentig sind. Ich muss etwas ändern.  Ich dachte, dass mich die Quarantäne-Phase entschleunigt hätte. Ich habe ausgemistet, Podcasts gehört, war viel spazieren und habe jeden Abend ein neues Rezept ausprobiert. Ein paar Wochen lief das auch super, bis sich irgendwann das kleine böse Teufelchen wieder auf meine Schulter gesetzt und gesagt hat: …

Wann denn nun? #Zeitgeist*in

Eine Biene landete auf dem Rand des Glases vor mir, gefüllt mit trübem Apfelsaft. Ganz vorsichtig balancierte sie auf dem schmalen, schimmernden Strich, untersuchte interessiert den Inhalt, stieß sich ab und flog wieder davon. Ein Balanceakt Ich drückte die vergoldete Gabel des Sonntagsgeschirrs meiner Oma durch den Birnenkuchen, bis sie durch den Boden auf den Teller krachte. Das Krachen füllte nur zäh die Stille, die sie mit ihrer eben gestellten Frage entstehen ließ. „Sag mal, wann wirst du eigentlich endlich mal schwanger?“ Das Gespräch mit Oma verlief eigentlich wie immer. Sie erkundigte sich über mein Studium, welche Projekte ich sonst so am Laufen hätte. Natürlich vergewisserte sie sich auch, ob ich in meiner Beziehung glücklich sei, es mir an irgendetwas fehle. Anschließend erzählte sie mir von ihrer Kindheitsfreundin Else, deren Hund letzten Dienstag plötzlich verstorben sei und dass es ihr seitdem eher bescheiden ginge. Wir beschlossen, ihr bei unserem Spaziergang nach dem Kaffee ein Stück Birnenkuchen vorbeizubringen. Überzeugt von ihrem wirklich schönen Plan, grinste Oma mich breit an. Dann folgte eben genau der Satz, der …

Die Bühne des Unbewussten

Träume sind verrückt. Meistens kann ich mich nach dem Aufwachen nur noch wage an meinen Traum erinnern und nach wenigen Minuten scheint das Geträumte ganz aus meinem Gedächtnis zu verschwinden. Dennoch bleibt oft ein einnehmendes oder komisches Gefühl, was mich noch den restlichen Tag begleitet. Und manchmal fällt mir plötzlich, mitten am Tag, wieder ein kleiner Ausschnitt aus meinen Traum ein, der dann aber überhaupt keinen Sinn ergibt und total unlogisch erscheint. Träume halt. Die universale Sprache der Nacht Träume sind wie eine zweite, universale Sprache, die wir alle sprechen. Sie kam zu allen Zeiten in der menschlichen Geschichte und in allen Kulturen vor. Die Traumsprache von Michael Jackson, der Queen und dir und mir ist fast ganz genau dieselbe. Und obwohl wir meistens vergessen, was wir geträumt haben und deshalb meinen, wir hätten nicht geträumt, träumen wir doch jede Nacht. In unseren Träumen sprechen wir also eine Art Nachtsprache. Es ist, als ob wir Französisch nur in der Nacht sprechen würden und am Tag kein Wort verstünden. Außerdem sind Träume sehr symbolisch. Das bedeutet, …

Unter meiner Haut / Neurodermitis

Nur etwa drei Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an der Hauterkrankung Neurodermitis und ich gehöre dazu. Ich gehöre also zu einer kleinen Gruppe der Gesellschaft, welche gerne verstehen würde, was unter ihrer Haut passiert? Ich stelle mir oft die Frage, wie ich meine Haut verstehen kann und wie ich lerne, mit dieser Erkrankung umzugehen. Seit Jahren versuche ich mir jeden Morgen Mut zuzusprechen und mir einzureden – ist doch nicht so schlimm, aber die meisten Tage im Jahr bin ich verzweifelt. Warum wache ich morgens auf und habe eine neue, raue, rote und juckende Stelle an der Hand? Sie war doch gestern Abend noch nicht da? Wie kann es sein, dass ich mich in der Nacht unterbewusst gekratzt habe, ich habe doch geschlafen? Wieso juckt es auf einmal an meiner Ellenbeuge? Ich habe schon oft gehört, die Haut sei der Spiegel der Seele. Ist dies war? Geht es mir innerlich nicht gut, dass meine Haut mir dies von außen zeigen muss? Ich hätte so gerne Antworten auf diese Fragen. Die meisten Ärzt*innen, welche ich …

Unter der Spitze des Eisbergs

Ok Kids. Thema heute: Body Positivity. Alles schon gelesen, alles schon gehört, wir haben doch kapiert, heute sind alle Körper schön und Magersucht ja so 2001. Nivea macht jetzt sogar Werbung mit dicken Körpern und Gilette mit unrasierten Beinen. We’re over it.Oder? Ja, das Schönheitsideal hat sich seit den 2000ern verändert: Heute wird nicht mehr so viel gehungert, und dafür mehr geschwitzt – für definierte Schultern, straffe Beine und Bauchmuskeln. Knochen sind out, Muskeln und clean eating sind in. Ist das besser? Keine Ahnung. Aber so lange es in dieser Welt überhaupt noch Schönheitsideale gibt, so lange Frauenzeitschriften ihre Existenz damit berechtigen, akribisch die Gewichtsveränderungen irgendwelcher Berühmtheiten zu dokumentieren und ich beim Fahrradfahren auf glatte Bäuche auf Werbeplakaten schauen muss, ist zu dem Thema noch nicht alles gesagt. Auch heute leiden noch fünf Millionen Frauen und Männer in Deutschland an Essstörungen, von denen 100.000 an Magersucht und 600.000 an Bulimie erkranken. Und wenn im Jahr 2017 78 Menschen in Deutschland infolge einer Essstörung verstorben sind, sind das 78 Menschen zu viel.Doch diese 78 Menschen sind …

Stoppschild #wasgehtab

Wichtiger Hinweis: Dieser Text behandelt sensible Themen wie Essstörungen, Depressionen und Selbstverletzung. . Bei Rückfragen können gerne die Kommentare benutzt oder auf Instagram nachgefragt werden. Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich kein Facharzt bin, sondern mein Wissen und Erfahrungen teile. Falls du selbst Probleme hast, wende dich bitte an einen Facharzt, eine/n Vertraute/n oder die unten aufgeführte Stelle. Was sind Depressionen und wie fühlen sie sich an? Als ich für diesen Text eine allgemeine Definition googelte, stieß ich auf die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Sie definiert Depressionen als Phasen, in denen es nichts gibt, was einen erfreut, alles grau in grau erscheint, man deprimiert ist. Diese Phasen macht jede Person mal durch. Depressionen sind eine Erkrankung, die das Denken, Fühlen und Handeln der Betroffenen beeinflusst, mit Störungen von Körperfunktionen einhergeht und erhebliches Leiden verursacht.  Menschen, die an Depressionen erkrankt sind, können sich selten allein von ihrer gedrückten Stimmung, Antriebslosigkeit und ihren negativen Gedanken befreien. Ich habe in einem Kinderfilm vor ein paar Jahren eine sehr tolle und auf den Punkt bringende Definition entdeckt: “Eine Depression ist, …

Ich bin ein Körper

Mein Körper wird bekleidet, bedeckt, vertuschtMein Körper wird ausgezogen, offenbart und entblößt Mein Körper ist Reiz, Verführung und KöderMein Körper ist Makel, Schuld, MangelSchandmal, Fehler, DefektZweck und Mittel zugleich Mein Körper ist unterwürfig, unschuldig, befleckt Mein Körper wird geschlagen, gestreichelt, geflickt Mein Körper ist Tatort und TempelZielscheibe, Marketing, Schwäche Mein Körper ist brav, prüde, verklemmtMein Körper ist frech, obszön, schamlosÜber meinen Körper wird geredet, entschieden, verhandelt Mein Körper ist Kapital, krank, käuflich Klapprig, kugelsicher, kussecht Öffentlich, oberflächlich, ohnmächtig Rau, rechtsfrei, reißerischPrächtig, praktikabel, possessiv Eigenwillig, eindrucksvoll, ekelhaft Reglos, reißfest, ruhelos Er wird bewundert, geschunden, kritisiert.Er ist Schauplatz, Werkstatt, RuhepolEr weint darüber und fragt sich, wann sich das endlich verändert Aber mein Körper ist Politik, Verhandlungsbasis und Beweis Jeden Tag aufs neueMein Körper ist intim und unprivatMein Körper ist öffentlich Mein Körper trägt mich undMein Körper heiltMein Körper ist echtWas nicht heilt, seid ihr, dabei seid ihr es auch. – Isabella liebt ihre Freunde, Sushi und Katzen. Aber natürlich auch das Schreiben. Seit 2016 ist sie auf und hinter den Bühnen Norddeutschlands bei Poetry Slams unterwegs. Immer …

Zwiebelschalen #unwind

Jetzt haben wir Zeit. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Zeit zu Hause noch viel schneller vergeht. Mein Unterricht wird online weitergeführt und zwischen Schlafen und dem Beginn des Unterrichts, welcher mit sechs Stunden Zeitverschiebung stattfindet, bin ich hier und da mit kleinen Aufgaben beschäftigt und bevor ich mich versehe, ist es Mitternacht. Nichtsdestotrotz ist mein Alltag etwas langsamer, weniger hektisch: Kein Powerwalk zur U-Bahn, kein Vorbereiten des Mittagessens, weniger Autos, mehr Luft.  Luft und Zeit zum Reflektieren Luft für das Leben im Moment; zum Reflektieren. Reflektieren bedeutet für mich, mich selbst vor den Spiegel zu stellen und mit diesem Spiegelbild eine Konversation zu führen. Es ist leicht diese Konversation nie enden zu lassen, bis man nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist. Daher gibt es für mich beim Reflektieren den Sweetspot. Auch wenn ich gerne die Antworten auf alle Fragen, die man sich nur stellen kann, wissen würde, weiß ich auch, sie loszulassen und suche vielleicht an einem anderen Tag erneut nach Antworten auf diese Fragen.  Sein ohne Antworten Besonders …