Alle Artikel in: Körper & Bewusstsein

Die Sache mit dem Nein: Sexuelle Übergriffigkeit

Ich bin Opfer von sexueller Übergriffigkeit.  Lassen wir diesen Satz einmal einfach dastehen, damit er auf uns wirken kann. Dieser Satz trifft auf viel mehr Leute als mich zu. Er trifft auf viele zu, denen es vielleicht nicht bewusst ist und er trifft nicht nur auf Frauen zu. Es ist ein wichtiger Satz, denn dass ich ihn sagen darf, schließt Fragen wie „War es wirklich Übergriffigkeit?“, „Übertreibe ich da nicht?“, „Habe ich Schuld?“ aus. Und diese Fragen sollten ausgeschlossen werden, denn sie alle legen nah, dass die Situation nicht mit dem Ernst wahrgenommen wird, den sie in sich trägt. Die Worte, über die wir hier reden, sind heikel und ich will nicht so tun, als gäbe es völlig objektive Definitionen für sie, aber ich werde im Folgenden einige Definitionen vorstellen und dann meine Geschichte erzählen. Ich denke, das ist fair. Ich denke, das ist subjektiv auf die richtige Art und Weise.  „Übergriff: Handlung, mit der man die Rechte, den Kompetenzbereich eines anderen verletzt, bestimmte Grenzen überschreitet“ (Wikipedia) Ein Wort, dass in Zusammenhängen wie diesem auch …

Let’s talk period #heiterbiswolkig

Disclaimer: Auch nicht-binäre Personen und Trans-Männer menstruieren und nicht alle Frauen menstruieren. In diesem Text wird jeweils ausschließlich auf cis Personen Bezug genommen. Die Periode ist das Natürlichste der Welt und trotzdem ist sie ein hochpolitisches Thema. Das, was jeden Monat wieder aus unzähligen unbefruchteten Gebärmuttern fließt, ist der Saft in dem unser aller Existenz beginnt, also lasst uns drüber reden. Über den Schmerz, die Bedürfnisse und die Ungerechtigkeiten die damit einher gehen. Let`s talk, period. Seit ich das allererste Mal meine Periode bekommen und angefangen habe zu menstruieren, habe ich Schmerzen. Starke schmerzen. Schmerzen, die so viel Energie brauchen, dass der Rest meines Körpers taub wird und ich für ein paar Stunden fast alle Lebenskraft verliere.Ich weiß nicht mehr was ich erwartet hatte bevor ich das erste Mal zu bluten begann, aber nun kenne ich es kaum anders. Es ist jeden Monat aufs neue scheiße – manchmal ist mir so schlecht, dass ich ich mitten in der Nacht aufwache und stundenlang zwischen Klo und Fenster hin und her flitze oder mich sogar übergeben muss. …

Nach dem Zyklus leben

Jeder Mensch lebt in Zyklen. Es gibt die immer wiederkehrenden Jahreszeiten, den Tag-Nacht-Zyklus, die Gezeiten. Die Natur macht uns es uns mit den Jahreszeiten perfekt vor, denn Menschen mit Menstruationszyklus haben einen ganz besonderen, inneren Rhythmus, der körperliche, emotionale und dadurch auch gedankliche Veränderungen mit sich bringt. Menschen mit Menstruationszyklus bewegen sich dadurch ständig in einem Fluss und durchlaufen jeden Monat einmal einen gesamten inneren Jahreszeitenzyklus.  Der Zyklus, mit einer durchschnittlichen Dauer von 23-35 Tagen, ist etwas wiederkehrendes, das in vier Phasen eingeteilt werden kann. Es gibt Zeiten, in denen ich mich super gut fühle, nur lächeln und die Welt umarmen könnte, und dann gibt es Zeiten, in denen ich grundlos niedergeschlagen, genervt oder unmotiviert bin. Tage, die ich nur im Bett verbringen möchte und zu gar nichts zu gebrauchen bin. Auch ein bisschen wie die Jahreszeiten also – Frühling, Sommer, Herbst und Winter, nur im eigenen Körper.  Doch wie gehe ich damit um, wenn doch immer gleichbleibende Leistung und Produktivität von mir verlangt wird? Unsere Gesellschaft ist ist nicht auf Zyklen aufgebaut, sie verläuft …

Ich seh’ rot

Das letzte Mal war schon viel zu lange her, das war mir auch sehr  bewusst. Aber ich hatte andere Sorgen und zugegeben war ihre  Abwesenheit auch ganz angenehm. Doch wenn ich ganz ehrlich zu mir  bin, dann hatte ich 4 Jahre lang meine Periode nicht.  Es fällt mir schwer, die Vergangenheit zu rekonstruieren, wann es  genau anfing kann ich nicht benennen. Innerhalb von kurzer Zeit  verlor ich über 1/3 meines vorherigen, gesunden Körpergewichts und  fand mich im Untergewicht wieder. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch  nicht klar, dass die damit einhergehenden physischen und psychischen  Schäden mich viele Jahre begleiten werden würden.  Ursachen für das Ausbleiben der Periode   Sekundäre Amenorrhö, also dem Ausbleiben der Regelblutung über  mehrere Monate, kann viele verschiedene Ursachen haben. Neben dem  bereits erwähnten Untergewicht zählen auch Leistungssport,  Medikamente (auch nach dem Absetzen der Pille!) und Stoffwechselerkrankungen dazu, aber auch mentale Stresssituationen können diese auslösen.  Die Menstruation ist ein sehr komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Geschlechtshormone zur Vorbereitung des Körpers auf eine mögliche Befruchtung. Vom Hypothalamus, der die Hormonaktivität koordiniert, müssen viele Prozesse durchlaufen werden, bis die Eierstöcke die …

Was Mut 2020 bedeutet #Mut(Ich)

Jetzt sind es noch 6 Tage.6 Tage bis Heiligabend, wohl einer der geselligsten Feiertage des ganzen Jahres. Wo Familien zusammentreffen, Verwandte, die sonst keine Zeit finden, sich sehen, man gemeinsam isst, sich beschenkt und Zeit miteinander verbringt.  Und obwohl das Verlangen vieler genau dem gleicht, soll und muss das Fest dieses Jahr wohl anders ausfallen. Denn das einzig Vernünftige ist, auch über die Festzeit Distanz zu wahren und auf einander Acht zu geben, in dem man dieses Jahr eben auf genau dieses Zusammentreffen verzichtet.Egal wie schwer es auch fällt.Zum Schutz anderer und unserem eigenen. Es ist das Risiko nicht wert Denn was genau an Konsequenzen das Virus mit sich bringt, kann noch niemand sagen.Aber was wir hingegen sagen können, ist, dass keine Feierei es wert ist, seine Familie womöglich krank zu machen.Denn ganz egal, wie weit weg sich die Erkrankung vielleicht auch anfühlen mag, wenn das eigene Umfeld bisher glücklicherweise nicht betroffen ist, sollte die Gesundheit bei uns allen an erster Stelle stehen. Denn wäre es das Risiko wert zusammen zu kommen, wenn man es …

Struktur pur #heiterbiswolkig

Im Alltagsgewusel merke ich meist gar nicht, welche Strukturen mich beeinflussen oder im Laufe meines Lebens geprägt haben. Doch besonders seit Beginn der Pandemie ist das Thema (Alltags)-Struktur für mich unausweichlich geworden. Woher kommt meine Struktur? Mein Leben war, wie bei den meisten, schon immer viel von äußeren Strukturen geprägt. Ich lernte von klein auf Regeln des sozialen Miteinanders, bekam Tagesstruktur durch Kindergarten, Schule, Arbeit und Uni und bin unfreiwillig Teil von politischen und wirtschaftlichen Strukturen. Veranstaltungen in der Uni, Schichten im Laden, Treffen meiner Aktivistigruppe und Verabredungen mit Freund:innen und Familie, setzten sich zu einem Mosaik aus Terminen zusammen, bei dem ich hinterher nur noch die Lücken füllen muss. Einiges davon ist notwendig, vieles will ich von mir aus. Am Ende ergibt alles zusammen ein Netz aus Strukturen das mich hält und in dem ich gleichzeitig gefangen bin. Lockdown, Zeit Zuhause und Ungewissheit Als es Ende März ernst wurde mit der Pandemi, war bei mir neben allen Ängsten und Unsicherheiten ein Gefühl besonders präsent: Vorfreude. Als Mensch, der zu schnell und zu viel Ja …

Der Kampf mit dem Schmerz

Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal ohne ihn aufgewacht bin. Ich weiß nicht mal mehr, wie sich mein Körper ohne ihn anfühlt. Andere sehen ihn gar nicht. Doch ich kämpfe gegen ihn, jeden Tag. Und das seit drei Jahren. Manchmal gewinne ich, meistens gewinnt er. Über mein Leben mit dem Schmerz. Es ist ein bisschen wie bei Liebeskummer. Ich öffne morgens die Augen, sehe das Tageslicht und dann gibt es diesen ganz kurzen Moment, in dem ich vergesse was war. In dem ich denke, alles ist normal – ich bin normal. Bis mich ein Stich daran erinnert, was wirklich ist. Da ist er wieder, der Schmerz. Er zieht von meinem Kopf über den gesamten Rücken bis in meine Arme. Und bleibt. Für ein paar Stunden hat er mich in Ruhe gelassen, das lässt er mich mit doppelter Kraft spüren. Er will mich zurück ins Kissen ziehen. Will, dass ich liegen bleibe. Auch ich möchte weiter träumen, aber ich stehe auf, jeden Tag. Seit drei Jahren führe ich jeden Morgen diesen Kampf. Woher der …

Wir haben verlernt, uns zu langweilen

Ich bemerke es meistens erst, wenn es sowieso schon zu spät ist und ich mich selbst dabei ertappen muss, dass ich die ersten 10 Minuten meines Tages auf den Bildschirm meines Smartphones gestarrt habe. Welche Bilder alle an mir vorbeigeflogen sind und wem ich Likes gegeben habe, habe ich mir nicht gemerkt. Es ist mir eigentlich auch total egal. Morgens ist es das Erste, was ich tue. Und abends, kurz bevor mir die Augen zufallen, ist es das Letzte.  Seit einigen Wochen beobachte ich mich nun selbst und ich finde es unfassbar erschreckend, wie viel Zeit ich an meinem Handy verbringe. Am meisten jedoch auf Instagram. Meine Benachrichtigungen für diese App habe ich schon seit längerer Zeit ausgestellt. Außerdem folge ich nur noch Menschen, die mir wirklich gut tun und mich positiv beeinflussen. Meine ich zumindest. Trotzdem fällt es mir schwer, direkt nach dem Aufwachen das vermeintlich glückliche Leben unzähliger Menschen ins Gesicht gedrückt zu bekommen. Natürlich beeinflusst es mich, wenn ich sehe, wie voll der Terminkalender von Daria Daria heute ist, bevor ich überhaupt …

Leben mit einer Hörbehinderung

„Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn jemand sagt: „Ist egal, ist eh nicht so wichtig“. Mein Papa ist wirklich einer der liebsten Menschen auf der Welt. Er hat ein unglaublich verständnisvolles, gütiges Lächeln, ist sehr kitzelig und macht das beste Risotto. Nachdem er in den letzten Jahren zwei Hörstürze hatte, hat sein Hörvermögen stark abgenommen und es fällt ihm – vor allem in größerer Gesellschaft – schwerer seine Gesprächspartner*innen zu verstehen. Zwar schätze ich mich glücklich, dass es ihm sonst soweit gut geht, aber es macht mich eben auch traurig, wenn er Sätze nicht richtig versteht, Missverständnisse entstehen und die Kommunikation mit ihm schwieriger wird.  In diesem Zusammenhang habe ich mich erstmals mit dem Thema Hörbehinderung beschäftigt und wurde mit einer überraschend hohen Zahl konfrontiert: Zwar fehlt es bisher an einer empirischen Untersuchung über die Gesamtheit der deutschen Bevölkerung, nach Schätzungswerten des Deutschen Schwerhörigenbundes ist jedoch 19 % der deutschen Bevölkerung über 14 Jahren hörbeeinträchtigt, d.h. ca. 13, 3 Millionen Menschen und somit mehr als jeder Achte! Doch wie erleben sie ihren Alltag, welche Erfahrungen …

Warum ich meine Haare gespendet habe

Hilflosigkeit. Das Wort beschreibt, glaube ich, am besten, wie ich mich in den letzten Wochen gefühlt habe, mit allem was auf der Welt gerade passiert. Das Gefühl, nichts tun zu können und nichts zu bewirken. Natürlich trage ich auch meine Maske, halte Abstand, setze mich mit Rassismus auseinander, achte auf meine eigene Sprache und weise auch andere auf ihre hin. Aber irgendwie fühlte sich alles zu passiv an, ich wollte lieber aktiver werden. Leider gibt es in meiner Kleinstadt und auch in den Städten in meiner näheren Umgebung keine Demonstrationen und nur Posts auf Instagram zu teilen, erscheint mir nicht immer zielführend. Auch das Thema Nachhaltigkeit schied im Moment aus, da ich meinen Alltag schon sehr umgestellt habe und ich dort gerade nichts mehr verändern kann. Andere Dinge, wie zum Beispiel unverpackt einkaufen gehen, fallen dank Home Office in besagter Kleinstadt momentan auch aus. Zack die Idee: Ich spende meine Haare. Eine Idee, über die ich schon öfters nachgedacht habe, allerdings immer mit den Worten „irgendwann mal“. Aber jetzt hatte ich endlich mal wieder einen …