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Der Blickwinkel auf die Situation

Man arbeitet immer auf etwas hin. Auf etwas, nachdem man das Ziel erreicht hat, was das Leben erleichtert und hofft, dass eseinen bereichert.Doch wann hört dieser Kreislauf auf, wann ist die Luft raus.Man arbeitet auf Maximum doch ist am Minimum und es scheint, als ob die Zeit nichtrumgeht, obwohl das Ziel schon so gut wie im Raum steht.Und könnt‘ ich doch das schaffen, würd ich doch das lassen, dann wäre, dann wäre es anders.Doch den Anlass vergisst man und es ist zu spät dann, um aus dem Kreislauf raus zukommen, denn das Ganze hat begonnen und dich, sowie deine Zeit, eingenommen.Nichtsdestotrotz macht man es für ein Ziel, richtig?Und es erscheint doch auch echt wichtig, doch die Gedanken sind verschwommen.Vom idealisierten Bild verkommen.Also versuchst du einem Strang zu folgen.Suchst nach dem richtigen Weg, willst du vielleicht einfach nur weg?Weg von dem immer fortlaufenden Gedankenkreislauf.Doch was wird danach folgen?Planlos.Planlos übers leben.Was musst du geben, um das zu erreichen, wofür dein Herz schlägt.Es erscheint sinnlos.Sinnlos, weil es im Endeffekt eh anders sein wirdEs dich aber doch zersägt.Deine Gedanken …

Sommerregen

Sie bemerkte den Regen als Erste. Ich konnte den Tropfen noch sehen, wie er langsam an ihrer Wange hinunterlief. In ihren Augen machte sich die Erkenntnis breit, doch bevor diese auch nur die Chance hatte, in ihrem Mund anzukommen, sagte ich leise: „Es regnet.“ Sie schenkte mir ein zustimmendes Lächeln. Das Wasser reflektierte jedoch noch das gleiche Hellblau des Himmels, wie es es schon den ganzen Tag tat. Das war der Sommerregen. Das ist diese Art von Regen, die den Himmel nicht in graue Wolken hüllt und die Sonne mitsamt der blauen Farbe des Himmels dahinter verschwinden lässt. Dieser Regen ist kühlend und rettet uns vor der brennenden Hitze. Er ist wie ein Liebesgedicht; wie die Tränen kurz vor dem Happy End. Die langsam fallenden Tropfen schlugen kleine Wellen auf der Wasseroberfläche. Ich sah nach oben. Die tief stehende Sonne ließ die Regentropfen wie kleine Edelsteine funkeln. Auch meine Wangen waren nun befeuchtet vom Sommerregen. Doch wir fingen nicht an schneller zu gehen, so wie es die anderen Passant*innen um uns herum taten, um nicht …

Umzäunter Himmel

Trigger Warnung: Der Text behandelt psychische Erkrankungen (Depression, Angst, Schizophrenie, Borderline) und suizidale Gedanken. Die Namen der Personen im Text sind verfremdet.  Es war ein bedrückend heißer Julitag, als ich in den umzäunten Himmel blickte und Hunger hatte. In der Klinik gab es Mittagessen, aber das hatte immer einen seltsamen Nachgeschmack.  Manchmal fragte ich mich, ob das Personal wusste, dass sie für Menschen kochten, die keine Freude am Leben finden konnten. Es war offensichtlich, dass die Einrichtung unterfinanziert war. Ständig fielen Therapiestunden aus und die meiste Zeit verbrachte ich im Aufenthaltsraum und redete mit Mitpatient:innen, die nichts mit mir gemeinsam hatten.  An meinem ersten Tag in der psychiatrischen Tagesklinik stand ich im Flur und empfand eine Mischung aus Trotz und Trauer: Wie konnte ich hier landen? Ich hatte alles richtig gemacht: Abitur mit Einserschnitt, Stipendiatin, Journalismus-Studium. Seit meinem 14. Lebensjahr war alles in meinem Leben darauf ausgerichtet Anerkennung zu erhalten, erfolgreich zu sein, einen Platz in der Welt der Elite-Unis und Traditionszeitungen zu finden. Warum war ich dann nach Wochen voller Panikattacken zusammengebrochen und hatte mich im Garten …

In Erwartungen gepresst #gedankenkarussell

Erwartungen können von einem selbst kommen, oder aus der Umgebung, manchmal sogar unbewusst. Wie möchte ich leben? Welche Entscheidungen treffe ich, weil ich sie so möchte? In diesem Text geht es darum, wie bestimmte Erwartungshaltungen Druck ausüben und wie es ist, sich selbst zu finden. 12. November Eine meiner größten Ängste ist, dass ich nicht genug Zeit habe für all die Dinge, die ich gerne tun würde. Da sind so einige Interessen, denen ich gerne nachgehen würde. Ich möchte herausfinden, ob sie mich wirklich interessieren, oder ob ich nur das Gefühl habe, ich müsste mich dafür interessieren, um in ein bestimmtes Bild zu passen – aber mir fehlt die Zeit, und die Kraft.  Ich habe nie so sehr über das alles nachgedacht wie zur Zeit. Und ich habe das Gefühl, in diesem Jahr außerhalb des Lebens zu stehen und darauf zu blicken, als wäre ich kein Teil davon.  Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann, oder was ich tun soll, damit es aufhört.  23. November Ich denke, ich müsste mehr tun. Ich sollte mehr …

Zwischen Palettensofa und Kinderbett

Ich bin erwachsen genug, um mir eine teure Matratze zu kaufen und passendes Geschirr zu haben. Bin alt genug, um mir mein tägliches Leben so einzurichten, dass es sich gut anfühlt. Irgendwie habe ich gedacht, es dauert noch – bis ich mir eine gute Kamera kaufe, ein Klavier zu Hause steht oder bis ich meinen Wein nicht mehr aus Ikea-Gläsern trinke. Und irgendwie habe ich auch gedacht, ich fände das noch gut. Bis gestern. Ich steige aus der U-Bahn aus und der eisige Berliner-Winterwind weht mir ins Gesicht. Es ist ein Freitagabend im Februar, wir haben uns zum Abendessen verabredet. 19 Uhr bei euch zu Hause. Und als ich die Straße entlang zu eurer Wohnung gehe, fühlt es sich seltsam vertraut an. Ich überlege, wann ich das letzte Mal bei euch war und es ist bestimmt schon vier Jahre her. Der Türöffner surrt ich und laufe die Treppen in den vierten Stock.  Wir umarmen uns zur Begrüßung, ich lege meine Einkäufe ab und wir fangen in der Küche direkt an zu schnippeln. Es fühlt sich …

Ein Ort namens Zufriedenheit

Es gibt Tage, an denen ich abends im Bett liege und nicht einschlafen kann. kommt vor, ist nichts weiter schlimmes und kennt ja schließlich jeder. doch ab und an, da wollen mir meine Gedanken einfach keine Ruhe lassen und wenn ich mich dann um halb zwei noch immer in den Laken wälze, halte ich es manchmal einfach nicht mehr aus. Wie mechanisch greift meine Hand dann zum Handy und mit zwei, drei schnellen Fingerbewegungen öffnet sich auch schon Instagram. Zack – sofort springt mir das grinsen irgendeiner Bekannten, die ich vor Jahren mal im Urlaub kennengelernt habe, ins Gesicht. ein kurzer Klick und ich weiß, sie ist gerade auf Bali, verbringt ihre Zeit dort mit Surfen und dem lesen von feministischer Literatur. und ab und an häkelt sie sich ein neues kurzes Top im Schatten der Palmen. Könnte das Leben leichter sein? Na super, denke ich, und merke, wie meine Laune schlagartig fällt. Bis vor zwei Minuten war mir noch nicht einmal bewusst, dass ich gerade lieber auf Bali unter irgendeiner Palme irgendein viel zu …

Weil so viel sein könnte #zwischenTürundAngel

Durch Hongkongs Straßen hallt ein Mahnruf, der so schnell nicht verstummen wird. Der Kampf um Demokratie, Freiheit und den Schutz der Menschenrechte erschüttert das Leben zahlreicher Hongkonger*innen – so auch das von Frances Hui und Ray Wong. Gemeinsam mit den im Exil lebenden Aktivist*innen blickten wir auf die letzten 10 Jahre Hongkongs zurück. Nachdem wir uns den Hintergründen des dortigen Konfliktes und dem Leben als geflohene Aktivist*innen gewidmet haben, möchten wir uns im nächsten Schritt an ein mögliches Zukunftsszenario heranwagen. Schon 2021 löste sich eine der größten und bedeutendsten Gruppen in der Hongkonger Demokratiebewegung auf, die Civil Human Rights Front (CHFR). Die politischen Repressionen durch China wurden zu gewaltig. Wie also könnte Hongkongs fragile Zukunft in 10, 20 oder 30 Jahren aussehen? Wir spielen Zukunftsmusik. 21. Februar 2022 Die Olympischen Winterspiele sind vorbei. Frances Hui hat sich für den Boykott der Olympischen Spiele eingesetzt. „Wenn wir nichts tun und wegschauen, erlauben wir ihnen, Menschenrechte zu verletzten“, findet sie. Diese Auffassung vertreten auch andere Aktivist*innen. Unter Hashtags wie #BoycottBeijing2022, #NoBeijing2022 oder #BoycottBeijingOlympics finden sich zahlreiche Erklärungen …

Weil Hongkongs Freiheit in Gefahr ist #zwischenTürundAngel

In Hongkong findet gerade ein Kampf statt, der über die globale Demokratie entscheidet. Es geht um Freiheit, die Rolle Chinas in der Welt und den Schutz der Menschenrechte. Aber was genau geschieht dort konkret? Was steht auf dem Spiel? Wie ergeht es Aktivist*innen aus Hongkong, die ihrer Arbeit nur noch aus dem Exil nachgehen können? Ich: Was liebst Du an Deiner Heimat am meisten?Sie: Den Berg, die Natur, das Grün. Alle denken, Hongkong sei so großstädtisch, dabei ist das Stadtbild ebenfalls geprägt vom Grünen.Er: Den Berg. Das ist auch das, was mir am meisten fehlt: Rennrad fahren, wandern, die Bergaussicht genießen. Das ist sehr beruhigend. Sie und Er, das sind Frances Hui und Ray Wong. 21 und 28. Beide aktivistisch, beide aus Hongkong, beide leben jetzt im Exil. Ein Exil in westlichen Demokratien, tausende Kilometer entfernt von ihrem Heimatstaat, der als Finanzmetropole und demokratischer Hoffnungsschimmer am südchinesischen Meer seit über einem Jahrzehnt von einem Konflikt zwischen Vergangenheit und Zukunft, Kolonialismus und Selbstbestimmung, Vertragswesen und Demokratie erschüttert wird. über „ein Land, zwei Systeme“ Denn Ray und …

Mein Lieblingsort ist die Heimat in meinem Kopf

Heimat.  It means ‘home’, right? As in the house I live in? Oh wait, it means ‘homeland’ too? As in the country I was born in? In that case, can Heimat relate to cities and towns too? And how long do I have to live somewhere for it to become my Heimat? Can I have multiple Heimaten? Is there such a thing as being heimatlos?  Das war ich, als ich das Wort Heimat zum ersten Mal gelernt habe. Ich bin Engländerin und lerne seit acht Jahren eure schwierige, aber gleichzeitig wunderschöne Sprache. Dieses Wort hat mich immer fasziniert, weil es in der englischen Sprache einfach nicht existiert. Na ja, wir könnten Heimat vielleicht mit Wörtern wie ,home‘ oder ,homeland‘ vergleichen, aber das würde das Thema verfehlen. Heimat hat keine feste Definition. Das ist das Wesen des Wortes. Heimat ist so viel mehr als ein Wort. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl – nicht zu erklären, sondern zu spüren. Und der Begriff bedeutet was anderes für jede*n, der/die sich mit diesem Gefühl verbinden will. Wie bei vielen …