Alle Artikel in: Hier & Jetzt

Fremde Stadt, unbekannte Gesichter

Bald ist Oktober. Ich mag den Oktober nicht mehr so besonders. Früher war er mein Lieblingsmonat. Herbstanfang, bunte Blätter, kühle Luft. Jetzt bedeutet der Oktober für mich schon das zweite Jahr in Folge eine fremde Stadt, viele unbekannte Gesichter und raus aus dem gewohnten Umfeld.  Ich habe Angst vor dem Ungewohnten und vor dem Neuen. Angst davor, allein zu sein. Was wird mich erwarten? Ich habe so viele Fragen in meinem Kopf, die ich immerzu überdenke. Alles habe ich schon tausendmal durchgespielt. Aber diese blöden Gedanken über alles und jeden hören einfach nicht auf.   Ich weiß doch eigentlich, dass ich ganz bestimmt nicht die Einzige sein werde, die am ersten Tag in der Uni aufgeregt sein wird, das weiß ich echt. Und ich weiß auch, dass ich mir eigentlich viel zu viele Gedanken mache und dass alles halb so schlimm sein wird. Ich weiß, dass wir alle in der gleichen Situation sein werden, keiner kennt irgendwen, alles neu, alles fremd, für jeden von uns. Alle sind auch irgendwie auf ihre Art und Weise unsicher. …

An euren Scheinen klebt unser Blut!

Wir dealen es wie Koks. Heimlich, still und leise. Hinter vorgehaltener Hand getuschelt: „Haste mal nen Tampon?“. Nun fühlen wir uns dabei unwohl, ja gar peinlich berührt. Hier und da entdeckt man rot werdende Wangen und in der Geschwindigkeit eines Strahlflugzeuges, verschwindet das komprimierte, gebleichte Stückchen Watte in unseren Hosentaschen. Monatsblutung, Periode, Tage, Erdbeerwoche, Haiangriff, Zyklusblutung. Ganz egal wie man es nennt, es bleibt Monat für Monat die gleiche Qual für jede gebärfähige Frau. Für manche mehr, für manche weniger, das kommt immer ganz individuell auf den Körper der Frau an. Es betrifft uns, wie manche das Problem hohler Zähne und abgebrochener Fingernägel. Nein, eigentlich beeinflusst es unser Leben maßgeblich. Nun könnten Sie sich unwohl fühlen, wenn ich über dieses Thema spreche. Aber es ist eine normale, gewöhnliche und vollkommen natürliche Sache, über die diskutiert werden muss. Leider realisieren und akzeptieren die Wenigsten die Normalität der Menstruation. Kritische Aspekte häufen sich: Unzureichende Bildung in Schulen, fehlende Unterstützung der Eltern, Scham und Verheimlichung. Doch sollte jedem, der denkt über das Thema Menstruation diskutieren oder urteilen zu …

Wieso weshalb warum? – Europawahl

Wer in der letzten Zeit nur halbwegs mit geöffneten Augen durch seine Umwelt läuft, der wird wohl kaum um das Thema Europawahl herumkommen. An jeder Ecke und an jedem Laternenpfahl lachen uns wieder teils fremde, aber auch altbekannte Gesichter der verschiedenen Parteien an, die jedoch alle eins gemeinsam haben: Was auf unseren Plakaten steht, ist jetzt gerade wichtig für dich und deine Zukunft. Nicht nur das; in jedem Atemzug steckt momentan immer irgendwie Europa. Wer soll da noch durchblicken, ohne den Überblick zu verlieren? Was ist für mich richtig, was ist falsch? Was soll ich überhaupt mit leeren Begriffen wie EU und Europaparlament anfangen? Vor allem für Erstwähler, die sich ihr bisheriges Leben vielleicht eher vage mit (Europa)politik auseinandergesetzt haben, ist das nichts als erschlagend und überfordernd. Doch auch, wenn ihr noch nicht wählen könnt, ist es alles andere als unwichtig, im Bilde darüber zu sein, was auch für Minderjährige die Zukunft bedeutet. Dieser Text soll keine Wertungen abgeben, keine Parteien vorschlagen – nichts davon. Die Welt fordert uns immer wieder auf: geht wählen! Nur …

Macht unsere Welt nicht kaputt – Europawahl

Stell dir vor, wie du wegzoomst. Immer weiter weg von dir selber, als würdest du dich selbst in den Aufnahmen einer Drohne sehen. Zuerst siehst du deine Straße. Zwei Männer laufen Hand in Hand um die Ecke vorne an der Kreuzung. Du zoomst weiter. Ein paar Blocks weiter freut sich ein Mann über seinen Kontostand, endlich bekommt er Geld vom Staat, weil er im Moment aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann. In einem anderen Stadtteil wird demonstriert. Jeder darf sagen, was er zu sagen hat. Auf einem Plakat steht, macht unsere Welt nicht kaputt. Du zoomst weiter weg. Du zoomst über die Grenzen deines Landes hinweg. Da werden zwei schwule Männer in Italien diskriminiert, weil sie ihre Lebenspartnerschaft nicht eintragen lassen dürfen. In Griechenland kämpft eine alleinerziehende Mutter ständig gegen die Armut. Sie wünscht sich, dass ihre Kinder ein Teil der Gesellschaft werden können, dass sie dazugehören können. Dein Blick schweift über Ungarn, wo unter den wachenden Augen Viktor Orbans alle Angst haben, etwas Falsches zu sagen. Du zoomst hin und her, du siehst weinende …

Wenn weniger mehr ist

In einer Gesellschaft wie der heutigen, ist es ein Leichtes, sich in Perfektion zu verlieren. Wie oft verpasste ich eine Party und lernte stattdessen die halbe Nacht panisch durch. Ernährte mich von Kaffee, um noch 20 Seiten mehr in meinem Gedächtnis auf der Abruftaste zu speichern und den Inhalt nach der Klausur sofort wieder zu vergessen. Oder wie oft scrollte ich durch meinen Instagram-Account, auf der Suche nach noch mehr Perfektion. Es müssen unzählige Stunden gewesen sein. Ich habe schon als Kind dazu geneigt, mich mit anderen zu vergleichen. Verspürte diesen bitteren Stich in der Brust, wenn eine meiner Freundinnen Klassenbeste wurde. Nicht, dass ich ihr nicht gegönnt hätte, in gewisser Weise freute ich mich jedes Mal für sie und verspürte dennoch zeitgleich diesen Stich. Als ich älter wurde, waren gute Noten meine Sucht. Denn hatte ich Erfolg in der Schule, war da dieser anerkennende Blick meiner Lehrer, der Stolz meiner Eltern und dieses Gefühl, das mich so voll und ganz ausfüllte. Das Gefühl, das man nur dann verspürt, wenn man unendlich viel Arbeit und …

Entscheidungen

“Ich treffe nicht gerne Entscheidungen!” Wie oft habe ich diesen Satz wohl schon gesagt? 1 Mal, 1.000 Mal oder doch 1.000.000 Mal? Entscheidungen sind meine ganz persönliche Hass-Liebe. Ich hasse Entscheidungen. Ich hasse es, vor Entscheidungen gestellt zu werden. Ich hasse es, sie treffen zu müssen. Doch nie habe ich Entscheidungen wirklich näher betrachtet. Ich habe sie getroffen, ja, aber nie näher über sie nachgedacht. Was sind Entscheidungen eigentlich? Eine Hass-Liebe, Wege, Mittel, Möglichkeiten oder doch nur ein Muss für meinen Alltag? Ich weiß es nicht! Aber wer weiß das schon? Wer kann es wissen? Gibt es Studien darüber, dass 30% der Entscheidungen zu wichtig genommen werden? Oder sogar 60%? Ich weiß es nicht und ich will es auch nicht wissen. Ich würde mich nur verrückt machen und immer nur an 30 oder 60 denken müssen. Aber klar ist, dass wir tagtäglich Entscheidungen treffen und auch von ihnen getroffen werden. Ist es nicht schlimm, dass Entscheidungen eine so große Rolle in meinem Leben spielen? Ja … oder vielleicht nicht? Ich weiß es nicht! Was sind …

Eine Message an meine Generation

Das soll jetzt kein pseudointellektueller Mist werden – eine 19 Jahre junge Studentin, die glaubt ihre ganze Generation verstanden zu haben und die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben. Nein, genau das wird es eben nicht werden. Mir sind jedoch in der letzten Zeit verschiedenste Sachen aufgefallen. Ich studiere eigentlich Jura und lebe das klassische Studentenleben, bestehend aus Alkohol, Konsum, essen, schlafen und eher weniger lernen. Ich bin mit einer blauäugigen Vision an die Uni gegangen und habe geglaubt, alle würden wie einst Rudi Dutschke an die Uni gehen, um wirklich was zu ändern und dass wir die Generation sein werden, die alles besser macht. Stattdessen erwartete mich eine Armee von Studenten, selbst an einer recht kleinen und überschaubaren Universität, die alle so schnell wie möglich am besten in Regelstudienzeit und ohne Umwege schnurstracks zum Examen oder zum Bachelor wollen. Keine Zeit verlieren, kein Abbiegen, kein Ausprobieren und kein Interesse daran die Welt zum Besseren zu ändern. Genau diese Menschen wollen einfach nur ihren Platz in der Welt und den möglichst schnell und ohne Umwege.  …

Bitte wirf deine Kippe nicht auf den Boden – LG die Umwelt

Dass Rauchen schädlich für unsere Gesundheit ist, ist uns allen wohl bekannt. Trotzdem sind wir jung und dumm und es gibt diese Momente im Leben, an denen uns das einfach scheißegal ist. Sei es auf der Party, auf der du gefragt wirst, ob du dir auch eine Kippe drehen willst und du einfach nicht Nein sagen kannst. Oder weil du an einer Kunsthochschule studierst. Oder weil du in Berlin lebst.  Du musst für dich selbst entscheiden, ob du rauchen möchtest, oder nicht. Die Entscheidung kann dir keiner abnehmen. Wenn du dich jedoch dazu entscheidest, dass dir die gesundheitlichen Auswirkungen total egal sind und du nicht widerstehen zu kannst, dir beim nächsten Kiosk dein neues Drehzeug zu kaufen, dann sei bitte so lieb und achte trotzdem weiterhin auf die Umwelt.  Die kann nämlich nicht für sich selbst entscheiden und würde vermutlich alles dafür tun, nicht weiterhin so zu verdrecken. Und wenn sie das könnte, würde sie dich anflehen und darum bitten, nicht weiter deine Kippenstummel unbeachtet auf die Erde zu schmeißen.  Nach dem Anzünden, mit dem …

weiterbalancieren

05.01.2019 Ich sitze im Auto, bin auf dem Weg zu meiner Oma. Besuche zuhause fallen mir schwer, weil ich mich mit diesem leeren Platz am Abendbrot-Tisch oder auf der Couch beim Tatort gucken konfrontiert sehe. Weil an jeder Ecke Erinnerungen warten, mit denen ich nicht immer umgehen kann.  Das Radio läuft und auf einmal kommt „I’m Goin’ Down“ von Bruce Springsteen. Sofort ist da der Kloß im Hals, den ich so oft zu vermeiden versuche. Sofort füllen sich meine Augen mit Tränen und ich muss rechts ranfahren. Ich erinnere mich schlagartig an die Sonntagnachmittage im Sommer, an denen mein Vater mich gefragt hat: „Hast du Lust, ein bisschen wegzufahren? Ich kenne einen Ort, den ich dir zeigen will.“ Dann hatte er meistens schon seine Kamera unter dem Arm, ich habe mir mein Notizbuch und ein paar Stifte geschnappt, und wir sind losgefahren. Mit offenen Fenstern und einer Zusammenstellung seiner Lieblingssongs auf einer SD-Karte sind wir über die Landstraßen gefahren. Ich habe laut mitgesungen und er hat den Beat auf das Lenkrad getrommelt. Wenn ich gesagt …

Mir geht es nicht darum, den Unterricht zu verpassen

Freitags gehe ich die Schule bestreiken, um Druck auf die Politik auszuüben und, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Jedoch habe ich leider nicht das Gefühl, als Teil der Bewegung Fridaysforfuture ernstgenommen zu werden! Wir als Schüler*innen werden ständig von Lehrern*innen, Politikern*innen oder anderen Erwachsenen darauf beschränkt, dass wir nur zu den Freitagsdemonstrationen gehen, weil wir die Schule schwänzen wollen, oder weil es ein Trend ist, der sich unter dem Hashtag #fridaysforfuture wie eine Massenhysterie verbreitet hat. Ich finde es eigentlich enttäuschend, dass uns von all diesen Menschen nicht zugetraut wird, dass wir uns wirklich mit dem Klimawandel und dessen Folgen auseinander setzten. Die Aufforderung, wenn ich wirklich etwas gegen den Klimawandel machen wolle, solle ich aufhören, mit dem Flugzeug zu fliegen, bekam ich immer wieder zu hören, als ich Menschen davon erzählte, dass ich Freitags die Schule für eine bessere Klimapolitik bestreike. Jedes Mal hat es mich frustriert, dass diese Aussage so oberflächlich und vor allem voreilig über mich getroffen wurde. Die Menschen wussten doch gar nicht, wie ökologisch ich lebe oder wie …