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Mit meinem Partner Zusammenziehen – noch zu früh? #Mut(Ich)

In diesem Text geht es darum, ob es den einen perfekten Zeitpunkt gibt, um mit Partner:innen zusammenzuziehen. Gibt es ein zu früh? Ist die Herausforderung geringer, wenn die Beziehung bereits die Zeit x erreicht hat? Oder bleibt die Umstellung gleich, unabhängig von der Dauer der Beziehung? Aktuell steht bei mir eine große Veränderung an. Eine Veränderung, die in meinem Umfeld viele Fragen aufgeworfen hat, die angezweifelt wurde und für die ich mich rechtfertigen soll, zumindest wenn es nach manchen Menschen geht.Nachdem ich das letzte Jahr gemeinsam mit meiner besten Freundin in einer wunderschönen Altbauwohnung in Lübeck verbracht habe, ziehe ich nun mit meinem Freund zusammen. Und das nach einem halben Jahr Beziehung.  Meinungen über Meinungen  Während es sich für uns richtig anfühlt und wir uns einfach nur riesig darauf freuen, haben Freund:innen und Familie sehr unterschiedlich reagiert. Die Reaktionen gingen von „Oh wie schön, wir freuen uns für euch“, über „Was ist denn mit der aktuellen Wohnung?“ bis hin zu „Ist das nicht zu früh?“. Obwohl es eine Entscheidung ist, die für uns beide bereits fest stand, hat …

Wie möchte ich leben?

Während des Abiturs, war alles ganz klar: Nach dem Abi erstmal reisen, auf geht’s, ohne Plan in die große Welt, die voller Wunder und Geheimnissen steckt. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich meinen Abschluss mitten in einer Pandemie machen würde und damit das Reisen erstmal auf sich warten lassen muss. Gut, dann halt Planänderung: Auf in eine neue Stadt ziehen, Leipzig, die wunderschöne, Hippie-Studierenden-Stadt. Ich hatte lange gespart und liebe die Unabhängigkeit, also, auf in meine erste eigene Wohnung. Nice! Nur, was mache ich mit meiner ganzen Zeit? Ich möchte mich ja auch nicht unproduktiv fühlen. Schnell einen Job gesucht und noch ein spannendes Studium begonnen, für die ganzen Vorteile, die das Studierendendasein so mit sich bringt. Ja, da saß ich nun also in meiner Wohnung. Von einer wilden Ausreißerin wurde ich auf einmal zu einer beinahe vorbildlichen Vorzeigestudentin. Es kommt ja immer anders als Mensch denkt.  Klar, natürlich war da noch der Drang in mir mich auszuprobieren, aber dieses Gefühl von Sicherheit, das war irgendwie gut, meine Familie war stolz auf mich und …

Das Spiel mit der Repräsentation #gibmirwiderworte

Nicht zu sehen, bedeutet nicht gleich blind zu sein.Nicht zu erhören, bedeutet nicht gleich taub zu sein.Aber zu ignorieren, bedeutet zu versagen.Denn nicht zu repräsentieren, bedeutet zu vergessen. Repräsentanten so grau, wie ihre Gesellschaft bunt Den Rücken stärken, anleiten, führen – die Regierung einer parlamentarischen Demokratie muss vieles: Für die Bevölkerung da sein, ein Ohr für das Individuum haben und wenn möglich, immer eher präventiv als reaktionär zu handeln. Knietief in der aktuellen Krise, wirken diese Ansprüche doch eher fast wie Träumereien; sind die Wehklagen zu vieler Individuen gerade ohrenbetäubend und das Virus scheinbar unkaputtbar. Moderne Demokratien setzen auf das Prinzip der Volkssouveränität und trauen der Bevölkerung eine mündige Wahl ihrer Vertreter zu. Die Zusammensetzung der Repräsentierenden ist somit Sache der Gesellschaft und kann sich im Zyklus der Wahlperioden verändern, somit sind Demokratien und gesellschaftlicher Wandel eng verwoben und bedingen einander. Eine Regierung, als Ebenbild der Gesellschaft, die sie versucht zu erwählt worden ist – eine Kabinettaufstellung, die sich an den Menschen orientiert, die sie dazu berechtigt haben, eine Interessendelegation von unten nach oben. Auf …

Obdachlosen Menschen in der kalten Jahreszeit helfen

„Die Kippe ist schon ganz schön hart gerade.“ Wir sind auf dem Heimweg, es ist drei Uhr nachts im Januar in Berlin. Rauchen fällt jetzt schwer, weil es eigentlich viel zu kalt ist und bei jedem Zug der Zigarette die Finger ein bisschen mehr abzufrieren scheinen. Aber gleich sind wir da, es ist nicht mehr weit, gleich können wir uns wieder aufwärmen.  Meine Gedanken schweifen ab zu den Menschen, die jetzt nicht einfach so ins Warme können. Menschen, die kein Zuhause haben und die eisig-kalten Nächte draußen verbringen müssen. Ich komme mir so doof vor. Beschwere mich über den kurzen Weg nach Hause, wohingegen andere Menschen Nacht für Nacht ums Überleben kämpfen müssen. Was kann ich tun? Wie kann ich wohnungslosen Menschen vor allem jetzt in dieser kalten Jahreszeit helfen?  Achtsam sein Zunächst ist es wichtig, überhaupt erstmal zu erkennen, ob jemand gerade deine Hilfe brauchen könnte. Wenn du siehst, dass ein obdachloser Mensch kaum geschützt im Kalten schläft, kannst du ruhig mal nachschauen, ob alles okay ist und ihn gegebenenfalls wecken, um deine Hilfe …

Mord und kein “Eifersuchtsdrama” #Alltagsaktivismus

Eine von vier Frauen in Deutschland hat schon mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt von ihrem Partner oder einem Expartner erlebt. Allein im Jahr 2019 sind 114. 903 Frauen Opfer partnerschaftlicher Gewalt geworden, wie die Statistik des Bundeskriminalamts zeigt. Zum Vergleich, im selben Jahr sind 26. 889 Männern als Opfer registriert worden. Die Dunkelziffer darf wohl um einiges höher geschätzt werden. Denn, nicht jedes Opfer bringt den Täter auch zur Anzeige. Gerade jetzt während der Coronapandemie, wo Isolation und Social Distancing seit Monaten an der Tagesordnung stehen, schlagen Kinder- und Frauenschutzvereine Alarm. Frustration durch verlorene Jobs und finanzielle Schwierigkeiten, räumliche Enge in der Quarantäne sorgten dafür, dass ein Anstieg in körperlicher, sexueller und emotionaler Gewalt gegenüber Frauen durch ihre Partner verzeichnet werden konnte, wie u.a. eine Studie der TUM herausfand. Außerdem verstärkt die Pandemie finanzielle Abhängigkeiten und zwingt Frauen jetzt noch eher dazu bei gewalttätigen Partnern zu bleiben. Kein Zimmer für sich Die Gewalt innen bleibt außen jetzt oft noch unsichtbarer als sie es eh schon sein konnte. Kontrolle durch Freund*innen und Bekannte ist durch …

Feminismus in der Retrospektive #Facettenreich

Triggerwarnung: in diesem Text geht es unter anderem um häusliche Gewalt. – Hippies, Hotpants und Hard Rock verbinden viele mit den wilden 70ern. Vor allem für Frauen hat sich in diesem Jahrzehnt vieles verändert. Im Jahr 2021 jähren sich wichtige Ereignisse zum 50. Mal. Wofür wurde damals gekämpft? Eine kleine feministische Zeitreise in das Jahr 1971. Der Blick zurück Große Zeitschriften betreiben Female Empowerment: auf Titelseiten werden die 100 Frauen des Jahres geehrt und Aktionen wie „Ich bin eine Quotenfrau“ machen im Netz die Runde. Es scheint, als hätten Frauen eine feste Stimme in der Öffentlichkeit. Manche von ihnen setzen sich schon seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung ein, waren Teil der sogenannten neuen Frauenbewegung vor fünfzig Jahren. Eine Zeit, die bis heute nachwirkt und vielleicht mehr mit der Gegenwart zu tun hat, als wir denken. Was waren die Anliegen der Frauen? Wie wurde protestiert? Was ist von damals übrig geblieben? Unser Verständnis von Feminismus basiert maßgeblich auf den Theorien revolutionärer Denker:innen aus dem letzten Jahrhundert. Moderne feministische Bewegungen eifern einer weiblichen Zukunft entgegen: The Future is …

Cancel-Christmas

Ich gebe es zu – ich mag Weihnachten nicht besonders. Wo andere Besinnlichkeit, Geschenke und Familienzeit sehen, sehe ich Kitsch, sinnlosen Konsum und naja – Familienzeit.  Es gibt so viele Gründe Weihnachten nicht zu mögen. Das Hauptargument ist wohl der sinnlose Konsum (jede:r durchschnittliche Deutsche gibt im Jahr 200-300 Euro für Weihnachtsgeschenke aus). Geschenke, die für immer versauern, werden an Verwandte geschenkt, die man sonst nie sieht. Deko und lustige Weihnachtspullover müssen gekauft werden, um sich so richtig festlich zu fühlen. Hand in Hand damit geht die massive Umweltverschmutzung durch Verpackungsmüll, Geschenkpapier und sinnlosen Konsum. Dazu kommt noch ein verstärkter Fleischkonsum, unzählige abgeholzte Bäume, die wir vor unseren Augen vertrocknen lassen, um sie dann aus dem Fenster zu werfen und die Ikonisierung der gesellschaftlich konstruierten, heteronormativen Kleinfamilie. Meine persönliche Weihnachtsabscheu wurzelt tief. Anfangs wusste ich noch nichts von all diesen schlauen Argumente, mit denen ich mittlerweile meine Antipathie kontextualisieren kann. Als Kind einer katholischen Familie heißt es an Weihnachten nicht Punsch und Geschenke, sondern Mitternachtsmesse und Besinnung. Ich verinnerlichte dafür früh den ursprünglichen Gedanken von …

Was Mut 2020 bedeutet #Mut(Ich)

Jetzt sind es noch 6 Tage.6 Tage bis Heiligabend, wohl einer der geselligsten Feiertage des ganzen Jahres. Wo Familien zusammentreffen, Verwandte, die sonst keine Zeit finden, sich sehen, man gemeinsam isst, sich beschenkt und Zeit miteinander verbringt.  Und obwohl das Verlangen vieler genau dem gleicht, soll und muss das Fest dieses Jahr wohl anders ausfallen. Denn das einzig Vernünftige ist, auch über die Festzeit Distanz zu wahren und auf einander Acht zu geben, in dem man dieses Jahr eben auf genau dieses Zusammentreffen verzichtet.Egal wie schwer es auch fällt.Zum Schutz anderer und unserem eigenen. Es ist das Risiko nicht wert Denn was genau an Konsequenzen das Virus mit sich bringt, kann noch niemand sagen.Aber was wir hingegen sagen können, ist, dass keine Feierei es wert ist, seine Familie womöglich krank zu machen.Denn ganz egal, wie weit weg sich die Erkrankung vielleicht auch anfühlen mag, wenn das eigene Umfeld bisher glücklicherweise nicht betroffen ist, sollte die Gesundheit bei uns allen an erster Stelle stehen. Denn wäre es das Risiko wert zusammen zu kommen, wenn man es …

Maueradler – wie die Mauer diejenigen beeinflusst, die nie drüber guckenmussten #gibmirwiderworte

Sie versprechen Schutz und unterscheiden uns voneinander.   Doch was, wenn sie uns gefangen halten und unsere begrenzten Gedanken uns in ihrem Inneren gefährlich werden? Was bedeutet das Wort Heimat noch, wenn die Welt doch eigentlich unser Zuhause ist? Schlürfst Du Coca- oder Vita-Cola?Streichst Du Nutella oder Nudossi?Belohnst Du dich lieber mit Milka oder Bambina? Im Freundeskreis können solche Fragen ganz witzig sein, sind diese kulinarischen Unterschiede doch ein Überbleibsel der Deutschen Teilung und spannend in Erfahrung zu bringen. Doch wie kann es sein, dass manch einem die Staatsbürgerschaft eines non-existenten Staates zugeschrieben wird? Warum unterscheiden wir noch in Ossis und Wessis, wenn unser Deutschland schon lange vier und nicht mehr nur zwei Himmelsrichtungen hat? Weshalb kann man auf etwas reduziert werden, von dem man nie Teil war? ___________________________________________________________________________ Ich bin 22 Jahre alt und damit Teil der Generation Z: zwischen 1997 und 2012 geboren, die Nachwendekinder und Erben der Demokratie.  Wenn meine Nationalität irgendwo eine Rolle spielt, dann bin ich schlichtweg und neutral Deutsch. Sobald mir innerhalb der eigenen Landesgrenze aber ein dreiviertel Drei oder ein ,ge? über die Lippen rollt, …

Du bist (nicht), was sie aus dir machen

Zwischen gesellschaftlichem Druck und der eigenen Freiheit Viele kennen es, doch darüber sprechen tun die wenigsten. Egal, ob im Freundeskreis oder anderswo, der gesellschaftliche Druck, der von außen auf einen wirkt, ist immens. Als junge Frau setze ich mich tagtäglich damit auseinander. Ein Beispiel ist das ständige Rasieren. Frau soll weiblich sein und so aussehen, sich so anziehen und bewegen. Am besten noch ein strahlendes, selbstbewusstes Lachen auf dem Gesicht, als könnte ihr die Welt nichts anhaben. Doch warum? Warum ist da dieser Druck? Warum wirkt die Gesellschaft so auf uns? Oder gibt es diesen Druck etwa gar nicht? Ist er vielleicht nur ein Konstrukt der Fantasie, eine Art kreative Schöpfung? Fragen wie diese habe ich mir schon häufig gestellt. Ich habe versucht, sie zu ignorieren und einfach ich zu sein. Doch dann ist da diese Angst, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden und schiefe Blicke zu kassieren. Und schon ist man nicht immer und überall 100% man selbst. Es ist ein Teufelskreis, den wahrscheinlich viele kennen. Nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer. …