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Weil Ausdruck alles baut #zwischenTürundAngel

Friedrich Dürrenmatt richtete sein Leben nach seinen Stoffen aus, kreisenden Gedanken. Aber was heißt das? Über Wolgadeutsche, Fehlschlüsse und Ausdruck. Ich: Mit welcher Farbe identifizierst Du Dich?Er: Schwarz.Ich: Und welche Farbe ist Deine Lieblingsfarbe?Er: Rot. Aber so ein Hellrot. Wie sieht sein Hellrot aus? Ich blicke mich nach roten Dingen um. Wir stehen im Flur unserer Schule und warten darauf, dass wir in unseren Klassenraum gehen können. Donnerstagnachmittag, Deutsch-LK. Wir kennen uns noch nicht lange, ein knappes Dreivierteljahr würde ich schätzen. Er hat sich in unsere Freund*innen-Gruppe so schnell integriert wie Robin in How I Met Your Mother, – nur mit dem Unterschied, dass uns diese seltsame Dreier-“Ex“-Konstellation verschont bleibt. Ich: Und welches Geräusch bist Du?Er guckt mich stutzig an.Er: Welches Geräusch?Ich: Ja! Welches Geräusch macht Deine Seele? Über Pusteblumen im Regen Er fängt an darüber zu sprechen, welches Geräusch er gerne wäre. Er spricht von Musik, – David Bowie fällt natürlich. Dabei singt er selbst auch so wunderschön. Und er kann schreiben! Ich: Aber welches Geräusch wärst Du, wenn Du nicht das Geräusch wärst, …

Wir machen Pause!

Ihr Lieben! Mit diesem Beitrag verabschieden wir uns für eine kurze Sommerpause von euch. Wie in den letzten Jahren auch nehmen wir uns über die warmen Monate ein wenig Zeit für uns und – was sollen wir sagen? Die letzte Wochen waren verrückt! In unserem Team hat sich viel getan und inzwischen arbeiten richtig viele wunderbare Menschen an TIERINDIR, wofür wir uns an dieser Stelle von ganzem Herzen bedanken möchten. Außerdem ist seit einiger Zeit auch unser zweites Printmagazin NACKT veröffentlicht und eure Reaktionen und Rückmeldungen erfüllen uns mit ganz viel Freude und Dankbarkeit! Aber was bedeutet das konkret? Hier auf dem Blog und auch auf Instagram wird es erstmal ein bisschen ruhiger. Bis Anfang Oktober werden wir keine Texte veröffentlichen, hin und wieder aber sicher noch auf Instagram aktiv sein. Für Fragen, Anregungen oder sonstige Liebesbriefe sind wir natürlich weiterhin per Mail oder per DM auf Instagram erreichbar, vielleicht dauert es nur ein wenig länger, bis ihr eine Antwort erhaltet. Wir nutzen die Zeit um hinter den Kulissen ein paar Dinge umzustrukturieren und euch …

Urlaub nach Corona

Endlich wieder Urlaub! Endlich wieder neue Eindrücke, andere Menschen, zu teure Drinks in schäbigen Bars, baden in fremden Seen, die Suche nach einem Kaffee an einem winzigen Bahnhof. Endlich wieder open minded sein. Wer sagt dass Vorfreude die schönste Freude ist, war noch nicht nach einer Pandemie im Urlaub – I can recommend! Als ich mich völlig hyped daran mache meine Tasche zu packen, fest entschlossen die richtigen Outfits zu wählen, die mich jede Sekunde meines Urlaubs genießen lassen, fällt mir auf, dass ich verlernt habe wie das geht. Scheiße, ich habe neun Monate literally in meinem Zimmer verbracht – die einzige Tasche, die ich dabei hatte war die Ikea-Tüte um Pfand wegzubringen oder der Beutel mit Glühwein im Winter. Naja, Zahnbürste, Schlüpfer, alles andere kann man kaufen -Hauptsache weg aus Berlin.  Der nächste Stutzer folgt am Tag der Abreise –  ein flaues Gefühl macht sich in meiner Zwerchfellgegend breit. Zu viel Deutsche-Bahn-Filterkaffee? Sodbrennen? Anxiety? Ich bin aufgeregt, obwohl ich seit meinem neunten Lebensjahr regelmäßig alleine Zug fahre, fliege, verreise. Was wenn hier ein Mißverständnis …

Nur noch 5 Minuten

Ich bin zwei Wochen im Urlaub und fühle mich als wäre ich bekifft ins Kino gegangen. Traumbilder ziehen an mir vorbei, ein Gefühl der Angst schwingt mit und jeder Moment brennt sich in meine Erinnerung ein. Bis hier hin liefs noch ganz gut. Nur noch ein paar Minuten Urlaub. Ein Café in Mailand. Zu meinen Füßen reißen sich 30 weiße Tauben um die Blätterteigkrümel, die wie Strasssteine den Boden schmücken. Nach einer Weile bemerke ich, dass außer meinem Tisch alle von Tauben besetzt sind. Nur noch 5 Minuten Der Blick auf den Lago Maggiore. Die Hitze flirrt, hinter den Palmen sehe ich Flugsaurier die Berge umrunden und würde den Moment gerne schmecken. Nur noch 4 Minuten Mein Blick schweift von der geöffneten Sektflasche über Paris. Als ich den ersten Schluck nehmen will, fängt es an zu regnen. Ein hutzeliger Mann spielt Chansons von Britney am Klavier. Ich gehe weiter und sehe Menschen an der Seine tanzen, um ein Paar, das einen Tango hinlegt, hat sich ein andächtiger Kreis gebildet – die Zuschauer:innen tragen keine Masken. …

Quantifizier Dich – auf ein Mittagsmenü mit der Leistungsgesellschaft #gibmirwiderworte

Hast Du Dich schon mal aktiv mit der Leistungsgesellschaft auseinandergesetzt? Also Dich nicht nur seinen Anforderungen unterworfen, sondern mit ihm gemeinsam Mittag gegessen? Hier folgt ein Einblick in ein wirklich katastrophales Rendezvous.  Er tritt verspätet an den Tisch, der seit einer halben Stunde für uns reserviert ist. Einfach, weil er es kann. In einem schicken Anzug, der für den gegenwärtigen Anlass viel zu übertrieben ist, sitzt er mir gegenüber und fingert an den untersten Knöpfen seiner kunstvoll bestickten Weste. Gerne würde ich das eindeutig von den Delfter Fayencen inspirierte Muster komplimentieren, doch ich habe Sorge vor seiner Reaktion, wenn er mit diesem Begriff nichts anzufangen weiß. Von der textilen Beengung befreit, spannt sein Wohlstand leicht über dem Hosenbund und unter dem perlweißen Hemdstoff.Von diesem äußert unangenehmen Auftritt bin ich nicht wirklich überrascht, denn was soll man von jemandem erwarten, dessen Existenz daraus besteht, Forderungen zu stellen.  Wir sitzen in einem viel zu teurem Bistro in Berlin-Mitte. Das Mittags-Angebot würde ich mir unter normalen Umständen nicht mal abends zu einem besonderen Anlass gönnen, doch ich will …

Der Selbstbestimmung beraubt #Facettenreich

Regenbögen auf Social Media, im Fernsehen und soweit das Auge reicht. Mit dem Pride-Monat Juni geht die bunte Zeit des Jahres vorbei. Es hätte ein Monat der gesetzlichen Meilensteine werden können. Doch statt einem Löffelchen voll Zucker, gab es einmal mehr bittere Medizin für die Rechte queerer Menschen. Kommerzialisierung in bunt Im Juni wird alljährlich fleißig Pinkwashing betrieben, indem allerlei Produkte in queeren Editionen und mit einem Gefühl der erkauften Toleranz angepriesen werden. Von Mode über Süßigkeiten bis hin zu Medien-Formaten: Alles was mit Pride und Diversity zu tun hat, ist auf einmal werbefähig. Ein kapitalistisches Konzept, das schon seit ein paar Jahren ziemlich erfolgreich zu sein scheint. Queerness – im kommerziellen Bereich ja, im politischen Raum nein? Was im Fernsehen, auf Pride-Demos oder über Social Media so laut, bunt und happy aussieht, hat nur Sinn und Bedeutung, wenn queeres Leben auch durch den Staat aktiv gesichert und geschützt ist. Da können noch so viele Regenbögen auf Sneakers oder Einhörner auf T-Shirts abgedruckt sein. Und auch bei der aktuellsten Staffel von Germany’s next Topmodel war …

Schmerzgrenze

STAATSGRENZEN SPRACHGRENZEN ARMUTSGRENZEN ALTERSGRENZEN SCHMERZGRENZEN Sie begrenzen mich, aber ich bin grenzenlos. Mein Körper, meine Seele, eine Karte, die bisher nur meinen Umriss zeigt. Keine Binnengrenzen. Kein „bis hierhin und nicht weiter.“ Keine Grenzsoldaten, die akribisch jeden kontrollieren, der auf meiner Seele sein beschissenes Badehandtuch ausbreiten will. Mit der Zeit werden sie kommen, sie, die Landvermesser, die Kolonialherren, welche die Grenzen mit dem Lineal zu ziehen versuchen und dabei die ganzen Feinheiten meiner Seele, meines Körpers übersehen. Oder nicht sehen wollen. Ihre Grenzen werden mein Korsett. Mit ihnen kann ich vor den Augen der Gesellschaft aufrecht stehen. Es wird eine Weile dauern, bis ich merke, dass ich nicht mehr richtig atmen kann. Zunächst wird mein Atem immer flacher werden. Keine zu hastige Bewegung, alles ist kontrolliert. Wenn sie schauen dann lächele ich. Jedes Mal ein Kraftakt. Mit jedem flachen Atemzug, immer zu wenig Sauerstoff, immer viel zu kurz, wächst in mir das Verlangen nach Freiheit. Freiheit kann einem niemand schenken. Freiheit muss man sich selbst erschaffen. Das weiß ich jetzt, aber früher, da wusste ich …

Interview mit dem BBQ-Podcast

Im Zuge unserer Medien-Kooperation mit der TINCON durften wir Dominik und Zuher vom BBQ (Black Brown Queeren)-Podcast interviewen! Den beiden ist es ein Anliegen, BIPoC & queere Perspektiven durch ihre Arbeit mehr in den öffentlichen Diskurs zu rücken. Falls ihr neugierig nach dem Interview geworden seid, geht’s hier zu ihrem Podcast! Emi: Stadt oder Land? Dominik: Stadt! Zuher: Stadt. Zumindest jetzt. Also wer weiß? Aktueller Status: Stadt. Imina: Ihr macht ne Grillparty in 2021. Wen oder was roastet ihr auf den Grill? Zuher: Uhh. Ich roaste die AfD. Und zwar literally. Ich will einige von denen wirklich auf den Grill packen und einfach nur brutzeln sehen (lacht). Ey, das Magazin heißt doch TIERINDIR, das ist meine animalische Ader! Dominik: Ja, ich glaube ich roaste Vorurteile.  Emi: Was hilft Euch durch den nächsten Lockdown? Dominik: Tatsächlich habe ich die Zeit genutzt, um ganz viel Podcasts zu hören. Zum Beispiel „Halbe Kartoffel“ oder „Feuer und Brot“, „Die Realitäter*innen“ oder auch „Paardiologie“. Und ich hab tatsächlich auch wieder angefangen zu lesen, das habe ich davor irgendwie so ein bisschen vernachlässigt.Zuher: Ich habe auch …

Ausbeutung, but make it queer

Pünktlich zum Pride-Month packen auch dieses Jahr im Juni große Konzerne die Regenbogenbogenfarben aus, um ihre Läden, Logos, Websites und Produkte LGBTQ+-freundlich erscheinen zu lassen. Dabei stellt sich die Frage, ob diese Konzerne tatsächliche Veränderungen an den Lebensbedingungen queerer Menschen bewirken oder sich einfach nur mit der Regenbogenflagge schmücken wollen. Das Zurschaustellen der eigenen vermeintlichen Queerfreundlichkeit, um sich als modern und progressiv darzustellen, bezeichnet man als Pinkwashing. Dabei polieren Unternehmen durch ihre scheinbare Solidarität mit queeren Menschen ihr Image auf. Die materiellen Verhältnisse dieser Menschen ändern sich dadurch allerdings nicht. Konzerne als LGBTQ+-Botschafter*innen? Der Konzern Daimler ruft dieses Jahr seinen eigenen „Daimler Pride Month“ aus. In einem Video erzählen verschiedene CEOs, wie viele homosexuelle Menschen sie in ihrem Umfeld kennen und wie wichtig es ist, sich für queere Menschen einzusetzen. Wie sie das, abgesehen von ein paar Coming-Out-Workshops für ihre Mitarbeiter*innen, umsetzen möchten, bleibt unklar. Immerhin entlarven sie sich durch die Beschreibung ihrer Intention selbst: „Wir sind davon überzeugt, dass Menschen motivierter, leistungsfähiger und zufriedener sind, wenn sie sich mit ihrer Persönlichkeit und Identität so …

Homoduett

Schutztape ums Herzaus Stolz, Solidarität, Selbstwertin rot-orange-gelb-grün-indigo-blau-violettLiebe+Liebe ein Homoduett mich zu verortenauf einem Spektrumvon Liebe bis Liebebin ich offen für morgenGefühle, solide oder dochnicht? Reste von Angst so zu sein, wie Mensch ist aber eigentlich freiinterpretiert, privilegiert, ichdenn die Gewalt trifft zwar nicht michaber ein anderes Gesicht Wortverwendung: Kampfweil es trotz theoretischer Möglichkeitin der Praxis struggle bleibtund Cis und Hetero Normenam Ende doch Unterdrückung formen der Minorität,die anders liebt, lebtunfreiwilliger Privilegien-Verzicht der Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit widersprichtund dazu führt, dass ein Mensch voller HassFLINTA auf offener Straße ersticht wie kann Menschhassen wer sich liebtMensch-Ethnie-Religion-Mosaikbedroht von Feindseligkeit, Antipathieund Gewalt in Kultur und Politik ich hoffe, dass du weißt, dass Liebe, wo sie hinfällt auch ganz gern mal bleibt egal was du davon hältstwas für Urteile du fällst. ist gar nicht viel was wir verlangenbloß Freiheit-sichergestelltin einer liebe-vollen und hass-freien Welt und mehr zusammen Hass<Liebe – Elena, 22, veröffentlichte mit 18 ihr erstes Buch, worauf eine 4 Jahre-lange Schreibpause folgte. In dieser Zeit treibt es sie spätestens alle 7 Monate an einen anderen Ort, ständig auf der Suche …