Alle Artikel in: Hier & Jetzt

Die Lücke im Lebenslauf

Ich hatte immer dieses eine Bild in meinem Kopf. Diese Vorstellung davon, wie mein Leben einmal sein wird. Schulabschluss, Studium, Beruf. Eine perfekte Laufbahn, keine Lücke im Lebenslauf. Doch dass das Ganze auch anders laufen kann, hatte ich nicht erwarten. Als sich meine Schulzeit dem Ende zu geneigt hat, gab es kaum einen Tag, an dem nicht darüber gesprochen wurde, was man denn nach der Schule so vor hat. Wir haben uns ewig über das Studienangebot an der Universität in unserer Stadt unterhalten, gingen auf Messen voll mit Ständen unbezahlbarer Privatschulen und wurden über mögliche Ausbildungen informiert. Ab und zu wurde auch mal eine Organisation erwähnt, mit der man ins Ausland gehen konnte, um dort armen Kindern zu helfen. “Kommt gut im Lebenslauf.” Alles klar. Alles wird bis ins kleinste Detail geplant und es sollen möglichst keine Lücken entstehen. Wenn man sich erstmal eine Auszeit nehmen möchte oder noch gar keine Vorstellung davon hat, wie man den Rest seines Lebens verbringen will, wird man schräg angeguckt. Und so brannte sich dieses perfekte Bild von der …

Mit Trauernden umgehen

Mit dem Tod kann jede Person auf einmal unerwartet konfrontiert werden. Was tun, wenn es jemanden trifft, der dir sehr nahe steht= Wie geht man am besten damit um, wenn ein*e Freund*in von einem solchen Schicksalsschlag getroffen wird? Was sagt man – was nicht? Was tut der*dem Betroffenen gut? Wie kann man in einer Situation helfen, an der man selbst nichts ändern kann?Chelsea und Imina, die beide eine sehr nahestehende Person verloren haben, unterhalten sich darüber, was sie sich gewünscht hätten und worüber sie sich bei ihren Freunden in dieser Zeit besonders gefreut haben. In Kontakt treten & in Kontakt bleiben I.: Ich habe das Gefühl, dass sich viele Leute nur dafür interessiert haben, wie es mir ging, als es gerade passiert war. Da bekam ich von ungefähr allen Leuten, die ich kenne, eine Nachricht, in der so ziemlich jede Person schrieb „Wenn irgendwas ist, wenn du irgendwas brauchst, kannst du dich immer melden“ – und dann habe ich von vielen nie wieder was gehört.C.: Das Schlimmste in so einer Situation ist es, isoliert zu …

Warum wir reden müssen – Zeit/Geschehen

Als ich im Dezember mit einer Freundin einkaufen gehen wollte, wurden wir vor einem Supermarkt von einer Parteiangehörigen der MLPD angesprochen, die mit der Mitgliedschaft für eine anti-imperialistische Liste warb. Unteranderem zählte die Frau ein paar Parteiziele der MLPD auf und erwähnte unteranderem, dass es ein Ziel sei, der AfD und dem Rechtsruck in Deutschland entgegenzuwirken. Eingetragen haben wir uns nirgends doch uns später an diesem Tag über die Worte der Frau unterhalten. Als meine Freundin sagte, dass sie die AfD wähle, muss ich kurz schlucken, bin erschrocken, aber sage erstmal nichts weiter darauf. Ich füge nur hinzu, dass die AfD nicht die richtie Partei für mich sei. Am nächsten Tag denke ich erst richtig über alles nach. Als erstes fällt mir auf, dass wir uns noch nie über Politik unterhalten haben, ich also eigentlich nie wirklich hätte rausfinden können, wen sie eigentlich wählt. Lediglich dieser Zufall vor dem Supermarkt hat mich jetzt vor einen Konflikt gestellt. Ich bin mit einer AfD-Wählerin befreundet – hätte mir das jemand gesagt, ich hätte es für eine Lüge …

Hinter der glitzernden Weihnachtsfassade

Weihnachten – das Fest der Liebe, der Erleuchtung, der Gemütlichkeit. Und was man sonst noch so kennt.  Obwohl so viele Menschen gern Last Christmas hören, Plätzchen backen und Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schlürfen, gibt es mindestens genauso viele, denen dieses Fest herzlich egal ist: Menschen, die trauern, Menschen, die es aus religiösen Gründen oder aus Prinzip nicht feiern, und denen trotzdem jedes Jahr ab Mitte November mit der Weihnachtskeule ins Gesicht geschlagen wird. Ich habe mich eigentlich jedes Jahr riesig auf Weihnachten gefreut und auf jeden Fall zur Fraktion Lebkuchen-und-Weihnachtsmusik-ab-September gehört. Nur, weil sich dieses Jahr alles für mich geändert hat, beginne ich dieses Fest erstmalig zu hinterfragen und mir auch die andere Seite anzuschauen. „Also meine Familie und ich sind jüdisch. Feiern deswegen kein Weihnachten, sondern Hannukah, aber das auch nicht wirklich, außer dass wir Kerzen anzünden. Die Tage vom 24.-26. Dezember sind immer stinknormal bei uns, was ich manchmal ein bisschen schade finde weil ich auch mal Lust hätte auf so ein riesiges Essen mit der ganzen Familie und Klößen, Bescherung und so …

Die Wirklichkeit meines Traumes

Das Leben wird oftmals als eine Reise beschrieben. Für viele junge Menschen beginnt diese Reise vor allem nach der Schule, dem bisher größten Abschnitt des eigenen Lebens, jenes Teils, der einen teilweise vorbereitet, aber auch prägt. Nach der festen Struktur des Schulalltags, möchten nicht Wenige aus der Normalität herausbrechen, Dinge erleben und die ungewohnte Freiheit genießen, bevor es zum nächsten Ziel geht. Ich habe den Schritt ins Ungewisse in ein fremdes Land gewagt. Es gibt viele Möglichkeiten einen gewissen Zeitraum im Ausland zu verbringen und so klang die Möglichkeit als Au-Pair zu arbeiten am besten für mich. Die Vorstellung, die in meinem Kopf Gestalt annahm, erschien mir wie ein Traum, der zu gut ist, um wahr werden zu können. Doch nun stehe ich hier in Schottland, seit beinahe vier Monaten bei einer wundervollen Familie, in welcher ich mich vom ersten Moment an wohl fühlte, die mich als neuer Teil der Familie aufnahm. Es ist kaum zu fassen, wie viel Zeit vergangen ist, ohne dass ich es gemerkt habe, wie das Linksfahren zur Gewohnheit geworden ist, …

Licht sehen

Wo fängt man an, zu erzählen, wenn sich in den letzten Monaten das gesamte Leben um 180 Grad gewendet hat? Wie findet man die richtigen Worte, wenn es keine gibt? Von welchem Standpunkt aus erzählt man, wenn einem ständig der Boden unter den Füßen weggerissen wird? “Um das hier zu versteh’n Braucht es Hirne und Herzen Von nie da gewesener Größe” Dies wird kein Blogpost, in dem ich erzähle, wie verdammt gut es mir geht und wie super ich klarkomme. Es geht um die Realität. Das Ende des Lebens.  Den Tod. Und darum, wie ich damit umgehe. Meiner Meinung nach sollten sich nicht nur die Menschen damit auseinandersetzen, die es gerade selbst erleben, sondern jede Person, egal in welcher Lebenslage. Denn so blöd es auch klingt: Der Tod kann immer und hinter jeder Abbiegung warten, dich abholen, betreffen und mitnehmen, auch wenn du es am wenigsten erwartest. That’s reality, Freunde. Nach den ersten, ganz dunklen Wochen, in denen ich eigentlich gar nichts Richtiges mit mir anzufangen wusste, außer irgendwie zu funktionieren und über die ich …

Mutprobe? Von Zuhause ausziehen

Zuhause auszuziehen ist ein riesig großer Schritt hin zum Erwachsenwerden. Und passend zum Semesterstart erzählen wir Euch heute von unseren Erfahrungen damit. Denn vor allem seid ihr bei der ganzen, aufregenden Sache eines nicht: Allein. Denn das haben wir alle schon durchgemacht. Luka 22. September 2018 Seit einer Woche erst lebe ich nun in einer neuen Stadt. Der Bücherladen meines Vertrauens, mein Lieblingscafé, mein gewohntes Umfeld und meine Eltern sind jetzt 491 km von mir entfernt. Wenn ich diese Zeilen tippe, muss ich schlucken. Mir fällt es schwer, diesen Schritt zu gehen, denn ich habe Angst. Ich habe Angst, dass ich einsam sein werde. Mit großer Vorfreude habe auf den Tag meines Auszugs gewartet, habe mir ausgemalt, was ich ab dem Tag endlich alles machen, erleben und selbst bestimmen kann. Aber als es dann soweit war, habe ich viele Tränen geweint. Und das ist auch total okay – das kann ich euch nach dieser einen Woche sagen. Und dass es besser werden wird, dass kann ich euch auch sagen, und dass ihr wirklich keine Angst …

Zeit, Geschehen, Hitzewelle, Sommer, Deutschland, Hitzesommer, Klimawandel, Jugendmagazin TIERINDIR

(K)ein Sommernachtstraum – Zeit/Geschehen

Was für ein Sommer. Gut, dass er endlich vorbei ist. Eingefleischte Sommerfans werden mich als Herbstliebenden für diesen Satz nahezu steinigen wollen, aber wenn wir in diesem Jahr von einem wirklich genug hatten, dann von Sommer und Wärme. Seit April war es bis vor wenigen Wochen einfach nur Sommer gewesen. Nichtmal irgendein Frühling hat dazwischen Platz gefunden. Wo am 01. April noch Schnee lag, wurden gegen Ende April schon mehr als 25 Grad gemessen. Was für manche sicherlich ein Traum war, war aber für die Allgemeinheit gesehen eher weniger erfreulich. Dieser Sommer war sicherlich ein sich über fast fünf Monate erstreckendes, einziges Wetterphänomen, das mehr als deutlich seine Spuren hinterlassen hat. Jetzt im Nachhinein bleibt da natürlich Raum für Spekulationen. Wie kam es dazu? Klimawandel oder einfach nur reiner Zufall? Da ich Sommer in seinen Extremformen nun so gar nicht leiden kann, waren viele Wochen dieses Jahres eine reinste Qual für mich. Am meisten hat mich jedoch über diese ganze Periode hinweg vor allem eines stark aufgeregt und noch mehr belastet als die Hitze: die …

Zu viel oder genau richtig?

„Bei uns gab es diese Möglichkeit ja noch gar nicht!“, „Sei froh, dass du deine Träume  ohne Einschränkungen ausleben kannst!“-das sind Sätze, die wir alle, so oder so ähnlich, bestimmt schon mal von älteren Generationen gehören haben und die auch erst mal so stimmen. Wir haben heutzutage die Möglichkeit, so gut wie alles zu tun, was wir wollen.  Willst du studieren? Mach doch! Willst du eine Ausbildung machen? Nichts wie ran! Willst du reisen? Let’s go! Egal welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche Sexualität: diese Möglichkeiten stehen jedem offen.  Natürlich ist das jetzt sehr lapidar ausgedrückt – es kommen noch viele Faktoren dazu, über die man sich Gedanken machen muss und die unserem Tatendrang entgegengesetzt werden, wie zum Beispiel die Finanzen. Aber auch hier hat unsere Generation die besten Karten: Studienkredite, Bafög, Stipendien – in Bildung wird immer gern investiert.  Trotzdem hatten diese Sätze für mich schon immer einen bitteren Beigeschmack. Wenn man alles machen kann, was will man dann überhaupt? Wenn man alles erreichen kann, wann ist es dann genug? Ist man demotiviert, nicht ambitioniert …

Das Bellen des Hundes

Mein Name ist Lilli und ich bin seit mehr als anderthalb Jahren Muslima. Mich bezeichne ich oft selbstironisch als Muselmanin. Das klingt so deutsch und irgendwie unbeholfen. Letzteres ist wohl auch das treffendste Wort, um zu beschreiben, wie Menschen mit mir bei der ersten Begegnung umgehen. Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis ich ganz verlegen gefragt werde, ob es denn in Ordnung sei (mir wolle ja niemand zu nahe treten und es sei ja auch gar nicht schlimm, aber es wäre halt schon irgendwie interessant, aber ja nur, wenn ich kein Problem damit hätte, weil ich ja sicher ganz, ganz oft damit genervt werde) mich zu fragen wie und warum ich konvertiert sei. Mich stört die  Frage überhaupt nicht. Allerdings weiß ich nach anderthalb Jahren immer noch nicht, wie ich darauf antworten kann. Ich könnte erzählen, wie ich den Islam kennengelernt habe. Ich könnte von Sarah erzählen. Oder von Danyal. Von all den Personen, die ich getroffen habe, den zahllosen Gesprächen oder davon, wie ich das erste Mal islamische Texte gelesen habe. Oder einfach …