Alle Artikel in: Gastgedanken

Die Freundschaft zwischen mir und dir

Mein Fuß wippt, deine Lippen formen die Lyrics nach. Um uns herum eine Geräuschkulisse von heiteren Gespräche über das Wetter, Gesprächen zwischen Menschen, die sich gerade das erste Mal treffen, nachdem sie ein Date über Instagram oder Tinder ausgemacht haben. Gespräche zwischen alten Freunden, die sich nur alle paar Wochen sehen und Neuigkeiten austauschen, so vertieft, dass sie das Rundherum nicht wahrnehmen. Das Licht in der Bar ist abgedunkelt, die Gläser halb leer. Wir bestellen noch eine Runde, die geht auf mich. Weil sich bei uns das Zahlen gefühlt immer abwechselt. Weil es sich immer ausgleichen wird, weil es sicher ist, dass wir uns bald wiedersehen. Wir stoßen an, du gibst mir zu verstehen, dass du mich lieb hast und so froh bist, dass wir uns wieder sehen. Und das macht mich glücklich. Ich bin glücklich. Denn trotz deiner Heiterkeit, die dem Alkohol zu verdanken ist, weiß ich, dass du es ernst meinst. Dass es wirklich so ist. Ich verschwende gern Zeit mit dir, gemeinsam vergessen wir für ein paar Stunden unsere Pflichten, die Hürden …

Wegfahren – ins Unbekannte

Das Abi ist in der Tasche. Ich stehe an diesem Bahnhof und warte auf den Zug, der mich an das nächste Ziel bringt. Obwohl ich schon weiß, wohin es geht, habe ich trotzdem das Gefühl, eine falsche Entscheidung zu treffen. Ich stehe am Gleis, Züge fahren an mir vorbei und der Wind zieht mich mit. Ich sehe, was alles sein könnte und was doch nicht ist (und vielleicht niemals sein wird). Alle Züge stehen mir zur Auswahl. Jeder einzelne könnte mich an einen neuen Ort bringen. Direkt mit den Studium anfangen? Nimm’ den ICE nach Oldenburg um dort zu studieren. Einen Freiwilligendienst machen? Fahr’ mit dem RE an den Bodensee runter. Ins Ausland gehen und jobben? Lauf’ aus dem Bahnhof raus und fahr mit dem Shuttle an den Flughafen.  Alles könnte sein und ich muss mich festlegen. Klar kann ich von einem anderem Bahnhof oder Flughafen aus jederzeit wieder zurückkommen oder von dort aus woanders hin. Und ganz tief in mir weiß ich auch, dass das so sein wird. Ich bin kein Mensch der an …

Manchmal wäre ich gerne ich

Ich mag mich, das einmal vorab gesagt. Das war nicht immer so. Ich hatte in der Schule schon immer das Problem, dass ich manchmal angeeckt bin. Ich hatte immer gute Freunde und war nie einsam, aber ich war auch nie cool. Und damals wollten alle cool sein. Und bis zum Schluss gab es Leute, die mich irgendwann dann doch nicht mehr dabeihaben wollten. Manchmal ist das noch heute so. Damals habe ich oft versucht mich zu verstellen, mal habe ich einen auf „Dummchen“ gemacht, weil ich dachte, dass kommt gut an. Dann wiederum habe ich mit meiner besten Freundin die Jungs aus der Klasse geärgert, wobei sie so viel draufgängerischer war als ich. Dann war ich zickig, weil ich dachte, Mädchen müssen das halt manchmal sein. Irgendwann wusste ich überhaupt nicht mehr wer ich bin und hatte Panik, dass ich überhaupt keine eigene Persönlichkeit entwickeln würde. Denn ich hatte im Pädagogikunterricht gelernt, dass die Identitätsentwicklung in der Pubertät passiert. Aber geht das überhaupt, wenn man ständig versucht jemand anderes zu sein, ohne überhaupt zu wissen …

Das Kind in mir

Dieses Jahr werde ich 24 Jahre alt, Mitte 20 also. Der erste Geburtstag, auf den ich mich nicht richtig freuen kann, obwohl ich Geburtstage liebe. Nicht weil ich Angst vor dem Älter werden habe, sondern weil ich einfach noch nicht soweit bin. Ich bin noch nicht Mitte 20. Irgendwie lässt sich diese Zahl nicht mit meinem Selbstbild vereinen. Ich weiß, dass es nur eine Zahl ist. Aber mit dieser Zahl geht noch viel mehr einher, wie zum Beispiel mein Masterabschluss dieses Jahr. Auch dafür bin ich nicht bereit. Irgendwie symbolisiert er für mich einen riesigen Schritt in Richtung Erwachsenenwelt, das Ende meiner Studienzeit. Ein Schritt, der mir im Moment noch viel zu groß erscheint. Meine kleine Schwester ist da ganz anders. Sie hat letztes Jahr kurz vor dem Abi die Schule geschmissen und ist von zu Hause ausgezogen, ein Schritt, den ich erst mit 22 gemacht habe. Sie möchte endlich Geld verdienen, ihr eigenes Leben leben, endlich erwachsen werden. Sie konnte es seit Jahren kaum erwarten endlich erwachsen zu werden. Ich dagegen wollte immer Kind …

Gedichtsammlung

Fühlermädchen – von Fabia zögernd hält sie ihrem Leben die Hand entgegensetzt einen Schritt in die Sonnefühlt, wie die Sonnenstrahlen die Angst besiegenein Windhauch streift ihren Körper, den sie beginnt zu liebenihre nackten Füße beginnen zu der leisen Melodie ihrer Seele zu tanzenund mit jeder Drehung schließt sie ihr neues Leben mehr in ihr neugieriges Herz. Autobahnblume – von Jülide  Eine Autobahnblume, das bin ich,Den Wind im Gesicht, dann wieder im Nacken,Kühl, windig.Bis die Sonne mich rettet.Jeder fährt an mir vorbei und sieht mich nicht an,Nur bei Stau, denkt sich,Wie fühlt sich die Pflanze, oder doch Blume?Nicht einmal meinen Namen wissen diese Menschen.Wie würde es mir gehen, hier so einsam und verlassen Tut ihr das gut?Gefällt es ihr vielleicht sogar?Stellte sich der PKW–Fahrer diese Fragen Und manche wären gerne ichund manche bemitleiden meine Einsamkeit.Aber das ist gut so,vielleicht ist es meine  MissionDich, Ihn, Euch zum Denken  anzustacheln. Loslassen – von Fabia Sommertraumgespinste mit dir in meinem Kopf werden von den Sonnenstrahlen des nächsten Morgenwachgeküsstund während ich das Alleinseinübekitzelt die Sonnemein Gesicht  Blüten in Meereswellen – von Charlotte Die Berührung. Die Berührung seiner Hand …

While in a blizzard

Reading the poems of my mother Getting lost in the lyrics of my son After some months’ timeI find myself being freeLiving in a state, whichdespite all my current longing I would never have imaginedas being reachablefor someonelike meI belongto the angels in front rowGiving it all out there, all they have With their hearts laid openAnd their words freedKnowing, there isno judgement to expectno tension to worry aboutno silence to fear Looking back, I ́m freezing Entangled in icy needles Running up and down my spine Like a blurry blizzard trying to get a hold on me, againAs I ́m dragging myself through shame Shame, shame, shameHow on earthdid I become blindTo what I needTo what I amTo what I lovemore than sadnessmore than coldnessmore than pain Keep running, I ́m telling myself Don ́t you dare to look backGo with herGo with him 22.05.2019 Hanna, 22, studiert Psychologie und steht gern früh auf. Sie verbringt viel Zeit in der Natur und auf Konzerten, schreibt Songs und Gedichte und macht sich (manchmal zu viele) …

Vergeben können

Denn ich bin wer ich war. Lange Zeit war ich auf der Suche nach Irgendetwas, was mir aus meiner Misere heraushilft. Als ich erkannte, dass mich alles und jeder um mich herum im Stich gelassen hatte oder erst das der eigentliche Grund für meine verzweifelte Lage war, wurde mir klar, dass nur ich mir selbst helfen können würde. Mit dieser Erkenntnis veränderte sich der Fokus meiner Lösungssuche. Da ich alleinig für mein zukünftiges Wohlergehen verantwortlich bin, muss auch ich allein mit meiner Vergangenheit abrechnen. Denn dort war mein Kummer zuhause. All die vielen Jahre, in denen mir solch Unrecht angetan wurde. In denen ich noch als völlig unbeholfener, unerfahrener Mensch in zahlreiche unzumutbare Situationen und Beziehungen gebracht wurde. Alles in meinem Leben, alles was mich als Person betraf, bezog sich auf diese unschönen Ereignisse. Sie machten mich zu dem, als das ich mich sah. Zunächst ein Opfer, ein Überlebender, dann zu einem Rebell mit dem dringenden Vorhaben Rache zu üben. Das änderte sich. Es fiel mir auf, dass ich allem, nicht nur dem Schlechten, zusprach, …

An euren Scheinen klebt unser Blut!

Wir dealen es wie Koks. Heimlich, still und leise. Hinter vorgehaltener Hand getuschelt: „Haste mal nen Tampon?“. Nun fühlen wir uns dabei unwohl, ja gar peinlich berührt. Hier und da entdeckt man rot werdende Wangen und in der Geschwindigkeit eines Strahlflugzeuges, verschwindet das komprimierte, gebleichte Stückchen Watte in unseren Hosentaschen. Monatsblutung, Periode, Tage, Erdbeerwoche, Haiangriff, Zyklusblutung. Ganz egal wie man es nennt, es bleibt Monat für Monat die gleiche Qual für jede gebärfähige Frau. Für manche mehr, für manche weniger, das kommt immer ganz individuell auf den Körper der Frau an. Es betrifft uns, wie manche das Problem hohler Zähne und abgebrochener Fingernägel. Nein, eigentlich beeinflusst es unser Leben maßgeblich. Nun könnten Sie sich unwohl fühlen, wenn ich über dieses Thema spreche. Aber es ist eine normale, gewöhnliche und vollkommen natürliche Sache, über die diskutiert werden muss. Leider realisieren und akzeptieren die Wenigsten die Normalität der Menstruation. Kritische Aspekte häufen sich: Unzureichende Bildung in Schulen, fehlende Unterstützung der Eltern, Scham und Verheimlichung. Doch sollte jedem, der denkt über das Thema Menstruation diskutieren oder urteilen zu …

Ich wär’ so gern …

Ich wäre so gern so eine junge Frau, die ganz viel Wärme, Ruhe, Sicherheit und Liebe ausstrahlt. Eine junge Frau, mit der man sich gern umgeben mag und sich sicher fühlt, seine Gedanken laut auszusprechen.  Eine junge Frau, die politisch gebildet ist und sich intelligent unterhalten kann, sich engagiert. Eine junge Frau, die gut kochen und backen kann, die ein ganz bisschen unordentlich ist, aber immer pünktlich.  Eine junge Frau, mit der man laut sein kann und Spaß hat, mit der man aber genauso gut leise sein kann, sich in Ruhe und ehrlich unterhält. Die selber auch gerne etwas unternimmt und spontan ist. Mit einem sanften Wesen, dass nicht verurteilt und die trotzdem ehrlich ist und sagt, was sie fühlt und will.  Eine, die um ihren eigenen Wert weiß und sich akzeptiert, ohne dabei andere Niedermachen zu müssen.  Jemand, den man von Grund auf sympathisch findet. Ich habe so eine ganz bestimmte Version von mir in meinem Kopf, die ich als perfekt empfinde.  Stattdessen wird mir manchmal gesagt, dass ich am Anfang eher einschüchternd wirke, …

Endlich ankommen

Und nun, sitzen wir hier und genießen, genießen uns und die Welt scheint so entfernt, so weit entfernt. Sitzen hier, als gäbe es kein morgen mehr, kein morgen, das uns wieder in die Welt zurückholt. Sitzen hier, so sorgenfrei, so gelassen, so erleichtert. Und dann brechen wir wieder auf, doch es bleibt, dieses neue Gefühl der Zufriedenheit, welches wir mehr brauchten denn je. Und nun sind wir glücklich, glücklicher denn je und haben das Gefühl, endlich angekommen zu sein. – Die schönen Worte sind von Bianka. Sie ist 18 und geht noch zur Schule, verbringt ihre Freizeit sehr gern mit Freunden, aber auch mal allein mit einem guten Buch.