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Der Verhaltenskodex für Soziale Medien

Um einen Verhaltenskodex für soziale Medien zu verstehen, müssen wir uns überlegen, welchen Platz soziale Medien überhaupt in unserer Gesellschaft, wohl eher in unserer Generation, haben. Wir nutzen sie schließlich alle (ständig). Wir beobachten, kommentieren, liken und kommunizieren über diese Plattformen. Vielleicht sogar stundenlang pro Tag. Stattdessen wird meist weniger gelesen, es wird weniger heraus gegangen und vor allem weniger miteinander geredet. Soziale Medien sind ein Bestandteil unseres Leben. Und sie sind uns wichtig. Sie sind eine Bühne auf der wir uns präsentieren, zeigen und geben, wie wir gesehen werden möchten. Sie sind unser Aushängeschild, unsere Visitenkarten. Auch Freundschaften und Beziehungen werden mittlerweile über soziale Medien geschlossen. Man lernt sich im Internet kennen (und lieben). Warum also stets leugnen, die sozialen Medien wären uns wichtig? Ist doch nur Facebook, Snapchat, Instagram.. Dieses Verhalten ist falsch. Wir sollten uns bewusst machen, welchen wichtigen Bestandteil diese vermeintlich sozialen Medien in unserem Leben haben. Ob sie nun gut sind, oder schlecht, darauf soll gar nicht an dieser Stelle eingegangen werden. Zunächst soll nur an den Verstand des einzelnen …

Wann bin ich mein?

Tag für Tag Druckt man mich zurück In den dunklen Keller meiner Kindheit Ohne Licht und Zuversicht Für Wochen bleib ich darin Liegen Und weiß nicht wie mich zu biegen Um die Schmerzen zu umgehen, die Worte in Armeen mir bescheren. Steh ich wieder auf beiden Füßen Im Sonnenlicht Fängt der Kreis an sich zu drehen. Tag für Tag Denk ich mir Irgendwann bin ich gefunden Und nicht an das Alte gebunden. – Emma Hecht ist fast 17 Jahre alt, schreibt für ihr Leben gerne Gedichte und lebt in der Nähe von Regensburg. Manchmal veröffentlicht sie auch Gedichte auf den Jugendseiten ihrer Lokalzeitung, der Freistunde.

Unkontrollierbare Kontrolle: und wieder aufstehen

Ich weiß nicht genau, wann oder warum es begonnen hat – keiner weiß es – aber plötzlich waren sie da, Gedanken wie: „Du musst abnehmen!“ oder „Du darfst nicht so viel essen!“ Und bald darauf die Verbote: „Gefrühstückt wird ab jetzt nicht mehr!“ oder „Eis? Auf keinen Fall!“ Nach jeder Mahlzeit fühlte ich mich schlecht und schuldig, weil ich gegessen hatte. Irgendwann habe ich mich gefragt: Bin das wirklich ich? Jeder kann es sehen, wie er will: Ich betrachtete meinen Körper aus der Sicht zweier verschiedener Personen – die eine Person war ich selbst und die andere die Magersucht. Als ich zu Beginn der Sommerferien 2017 bei einer Größe von 1,65 m nur noch 40 kg wog, ging es mir körperlich zwar noch gut, aber psychisch so schlecht, dass ich wusste, ich muss mit jemandem darüber reden. Irgendwann schaffte ich es schließlich, meine Gedanken zwei Musikkolleginnen und Freundinnen anzuvertrauen. Auch ein Gespräch mit meiner Mutter ließ nicht lang auf sich warten, da natürlich auch meine Eltern bemerkt hatten, dass mein Essverhalten so nicht richtig war. …

Eure größten Träume

Vor ein paar Tagen haben wir, im Bezug auf den “Zu groß träumen”-Blogpost, auf Instagram nach Euren größten, heimlichsten und sehnlichsten Träumen gefragt. Richtig rumspinnen durftet ihr. Da kam eine ganze Menge zusammen – Und dabei herausgekommen sind diese Bilder, die als Inspiration, Ansporn oder Motivation dienen können. _ Mit Photos von Luka und Bearbeitung & Grafik von Imina. Worte von Euch.

morgens um vier

Mittags am Küchentisch   Manchmal ist mir das Leben zu lebhaft, dann habe ich zu viel gelebt, dann habe ich zu oft ja gesagt zum Leben. Dann macht sich Melancholie breit, die von dem Roten runtergespült wird. Zusammen mit dem grauen, beißenden Rauch, der erst in den Bauch schwebt, dann nach oben in meinen Kopf steigt, die Gedanken verdrängt. Gedanken, Erinnerungen an mein Leben, dass mir gerade zu viel ist. Gedankenerinnerungen, die abwärts das Weite suchen, dann an meinen Schultern vorbei, Fingerspitze, Bauchnabel, Kniescheibe, Fuß. Erinnerungen, die sich an den linken Fuß ketten, auf der anderen Seite mein Herz, das mir grad in die Hose gerutscht ist. Und weiter, weiter bergab zum Knöchel. Ich weiß nicht welche Last mehr an meinem Fuß zieht, mich vom Gehen abhält. Mein Schlurfen kommt zum Stehen. Leben, sagen sie. Sag ja zum Leben. Aber manchmal will man nicht. Manchmal ist das, was ist, das, was man weiß und das, was vor einem liegt schon zu viel. Dann musst du dich hinsetzen. Dann braucht die Melancholie Platz, der Rauch, das …

Vom Pferd fallen: und wieder aufstehen

1 Gerade erst mit der Ausbildung begonnen hatte ich nach drei Monaten den ersten Unfall. Ich wurde vom Pferd getreten – das war mir bisher nur einmal zuvor passiert. Doch diesmal war es mehr als nur ein kurzer Schock und ein blauer Fleck. Ich bin fast ohnmächtig geworden vor Schmerz. Mein Bein schwoll sofort auf den doppelten Umfang an. Ich konnte kaum noch gehen. Jeder einzelne Schritt war eine Qual und kostete mich unglaublich viel Kraft. Die halbe Stunde bis Feierabend arbeitete ich noch zu Ende, humpelte dann 16.30 Uhr vom Stall aus ins Wohnheim und kühlte mein Bein unter dem kalten Wasser der Dusche. Und da sah ich es erst richtig: mein rechter Oberschenkel war zur Hälfte blau und auch der linke Oberschenkel hatte etwas abbekommen- ebenfalls geschwollen und blau, jedoch weitaus nicht so schlimm wie das andere Bein. Für mich gab es jetzt nur eine Option: so schnell wie möglich nach Hause zu fahren. Zwei Stunden Autofahrt standen mir bevor, den Krankenwagen hatte ich abgelehnt – panische Angst in einem fremden Krankenhaus zwei …

Rückfall

Zwei Wochen lang läuft es problemlos, täglich besser. Natürlich denke ich an Dich. Aber es ist leicht und schön. Ich kann ohne Dich leben. Wir werden uns schon wieder sehen. Vielleicht gratuliere ich Dir zum Geburtstag (von wegen vielleicht – die Nachricht an Dich habe ich schon längt entworfen). Aber so lange, lebe ich mein schönes Leben. Genieße Berlin, treffe Freunde, höre Musik, lese Bücher, bin draußen, mache einen Tango-Kurs, flirte und verliebe mich. Dabei kann ich dich ja im Stillen weiter lieben, aber eben glücklich sein ohne Dich. Dann schleicht es sich wieder an. Es beginnt damit, dass ich von Dir träume. Wie treffen uns zufällig wieder, Du bist distanziert. Ich wachse also morgens auf mit dem dumpfen Schmerz dieses Traums von Dir. Nun bist du wieder ganz in meinem Kopf, in meinem Körper. Kontrollverlust. Und es schmerzt. Ich bin total unter Druck, komme da nicht raus. Schaue zwanghaft auf deine Nummer in meinem Handy, male mir alle möglichen Gespräche aus. Ich vermisse Dich so sehr. Ich will Dir schreiben, dich sprechen, dich sehen, …

getrennt – oder was minimalismus mit uns macht

Minimalismus ist grad’ Trend, der letzte Schrei im Internet, klingt wie der neueste Lifestyle, denke ich und kletter’ müde aus dem Bett. „Declutter your home“ oder „simplify your life“, die Insta-Hashtags ekeln mich an, bin doch für sowas viel zu reif. Getrennt von dem Schrott, getrennt von dem Kram, getrennt von dem Müll, getrennt von der Scham. Und dann schaue ich durch mein Zimmer und der Schrecken wird nur schlimmer, das Bett ist leer, dort lagen wir doch immer. meine Wände weiss, meine Hände auch, der Schreibtisch kahl und erst gestern Abend warst du hier das letzte Mal. Dein Duft hängt noch in der Luft, genau wie meine Worte: „Verdammt, ich will nicht deinen Trost, weil es mir danach nicht besser geht.“ …außer ich lieg’ in deinem Schoß und falls dein Trost aus Küssen besteht, dann lauf ich vielleicht los. Klamotten verkaufen und nachhaltig leben, das sagen die Gurus und so mach’ ich es eben. Getrennt von dem Schrott, getrennt von dem Kram, ich bin schon voll öko, vielleicht bald vegan? Jeder braucht Ordnung, jeder …

Die Unwissenden – Zeit/Geschehen

Gerade und angestrengt sitzt er da. Wie ein Schuljunge, der gerade von einem Direktor verhört wird. Vor ihm ein Schild: Mr. Mark Zuckerberg. Behutsam trinkt er aus einem Glas Wasser, nimmt nur einen winzigen Schluck. Wie der erste Mensch wirkt er, der gerade von etwas wie Wasser gekostet hätte. Doch die banale und quälende Wirklichkeit ist, dass er weitmehr ist als der erste Mensch. Er ist weitmehr als ein Schuljunge, weitmehr als wir alle. Er ist einer der mächtigsten Menschen der Welt. Was seine Macht betrifft, steht er über uns. Wir sind alle Schafe in seinen Herden – Facebook, Twitter, Instagram und Co. Und wie ein Hirte mit der Wolle seiner Herden handelt, so hat unser Hirte mit unseren Daten gehandelt. Er hat seine Macht und unser Vertrauen in die Sicherheit dieses Herden-Daseins missbraucht. Nun sitzt er vorm US-Senat und wird wegen dieses Vergehens verhört. Wenn ich ihn so beobachte sieht er fast banal aus, wenig wie ein Machtmensch. Wie ein Bub, würde meine Oma wahrscheinlich jetzt sagen. Kurz muss ich schmunzeln, wenn ich mir …