Alle Artikel in: Gastgedanken

Tanzen auf altem Parkett

Eine Kurzgeschichte Er bückte sich, um etwas in das Regal zu legen.Was es war, konnte sie nicht sehen.Sie vermutete aber ein Buch.Sie strengte ihre Augen ein wenig an, um einen Blick von seinem Gesicht zuerhaschen, während er sich wieder aufrichtete, aber der Winkel war zu schräg, durchden sie das Fenster auf der anderen Seite der Straße sah. Und dazu war dasFenster auch ziemlich klein, da oben im fünften Stock, knapp unter der Dachschräge. Sie hatte sich überhaupt nicht auf die Fensterbank gesetzt, um irgendjemanden zubeobachten, obwohl sie das gerne mal tat. Sie hatte sich eigentlich gesetzt, um einwenig weiter in ihrem Buch zu lesen, das sie letzte Nacht so gefesselt hatte, dass siees kaum hatte weglegen können. Er, drüben, konnte das wohl auch nicht und hattesein Buch gestern bestimmt noch bis mitten in die Nacht gelesen. Sie stellte sich vor,dass er bestimmt eine Freundin hatte. Das war ihr ganz klar. Und die Freundin hattees wahrscheinlich am Anfang der Beziehung noch gestört, dass seineNachttischlampe jedes mal so ewig an war. Er drehte den kleinen, grünen,metallenen Kopf …

Sprache ohne Worte

Triggerwarnung: In diesem Beitrag werden Szenen von häuslicher Gewalt beschrieben. Wenn es Dir damit nicht gut geht, lies den Text lieber nicht oder nur gemeinsam mit einer anderen Person. Wenn Du selbst von häuslicher Gewalt betroffen bist oder eine betroffene Person kennst, findest Du hier Hilfe. Augen können sprechenVor allem die Farben darunterVor allem das Blau und GrünUnd später mal das GelbVor allem halb geschlossene, tränende, fast schon vor dem Überlaufen stehende Augen können sprechen Du schleichst an all den Leuten vorbeiAls wär gestern nichts gewesenFast wünschst du dir, sie würden nicht tun als hätten sie nichts gehörtgesehen odergeahntFast wünschst du dir, sie hätten richtig hingesehen,Ihn auf dich losgehen sehen – Wenn Augen sprechen könntenDann würden die Farben darunter schreienWeil du es nicht durftest, nicht konntest, nicht können wirst Aber das kannst du ja nicht alles sagenUnd auf Fragen oder besorgte BlickeWinkst du nur lächelnd ab und meinstEs wäre alles besser als gedachtDu hättest alles halbwegs unter KontrolleEs könnte alles noch viel schlimmer sein,Du brauchst keine Hilfe, denn du hast es schließlich auch allein bis zu …

Vanille- oder Schokoeis

ich sitz im bus, links von mir geht die sonne unter, das gelbe licht spiegelt sich im fluss und die stadt zieht rechts an mir vorbei. eine nachricht von dir reißt mich aus meinen gedanken und plötzlich vermiss‘ ich dich.ich will vanilleeis. es ist viel zu kalt für eis und eigentlich mag ich vanille gar nicht, ich würde immer schoko wählen, es ist unangefochten das beste eis.aber jetzt ich kenne den grund, warum ich trotzdem manchmal vanilleeis essen muss.ich will zu dir, mich dir nah fühlen, verbunden mit dir sein. ich brauche dich und vanille bringt mich zu dir.  du isst am liebsten vanilleeis.du bist bunt und laut und kreativwild und frei und eigendeshalb passt es einfach nicht zu dir,dass du es am liebsten isst. ich erinner mich an momente mit dirwir zusammen und immer du mit vanilleeis,meine sorten wechseln, hab verschiedene geschmäcker probiert.meistens schoko, aber auch mango oder himbeer.wir sitzen im park, es ist warm, wir verstecken uns im schatten vor der starken sonne.während dein vanilleeis schon wieder aus der waffel läuft, weil du zu …

Das kleine Glück ist groß

Am Morgen, wenn der Tag noch neu und unberührt, oder am Abend, wenn der Tag bereits vergangen und verbraucht ist, machen wir uns Gedanken. Gedanken darüber, was noch wird oder was bereits war. Wir schmieden Pläne für den Tag, erstellen To-Do-Listen und schreiben Notizen. Wir wollen nichts vergessen, alles erledigen, jedem gerecht werden und zuletzt einfach einen Haken hinter den Tag setzen. Mit einem fetten Punkt oder einem großen Ausrufezeichen dahinter. Um am Ende des Tages sagen zu können: „Ich habe alles geschafft, was ich mir für den Tag vorgenommen habe“.  Blicken wir auf den Tag zurück, erinnern wir uns an die erledigte Buchhaltung, den kleiner werdenden Papierstapel auf dem Schreibtisch, an die erfolgreich absolvierte Präsentation. Oder an den wieder vollen Kühlschrank, die gemachten Uniaufgaben, den gemähten Rasen. Das sind Pflichten und Prinzipien, Verbindlichkeiten und Selbstverständlichkeiten. Sie gehören zu unserem Leben, unserer Selbst und zum Alltag dazu. Sie füllen den Tag. Aber ist der Tag dadurch erfüllt? Sind wir dadurch erfüllt? Denn blicken wir noch länger auf den Tag zurück, haben wir zwar nichts vergessen, …

Tanzen lässt frei sein – Ich will jetzt wieder tanzen!

Endlich ist es so weit. Zwischen Geimpften und Getesteten ertanze ich mir ein Stück Normalität. Die Tür des Clubs dahinten ist wieder auf. Und wir schlängeln uns durch die Menschen, halten uns fest an den Händen, um uns nicht zu verlieren. Es ist voll hier. Die Leute sehnen sich nach der Normalität. Nach verschwitzen Körpern, die sich im Tanz um eine Mitte aneinanderdrängen. Nach bittersüßen Getränken in kleinen Gläsern und nach Küssen mit Fremden, die einen bittersüßen Nachgeschmack auf der Zunge hinterlassen. Wir stehen hier, in der kalten Nachtluft. Meine Mädels nenne ich euch. Ein bisschen kitschig und ein bisschen so, wie in einem der Liebesromane, die ich mit 12 Jahren gelesen habe. Damals, als man schon dachte man sei erwachsen. Obwohl die Wangen rot von der Kälte sind, friert hier keine und keiner in den knappen schwarzen Oberteilen. Dann und wann blitzt ein Neon Gelb oder Pink durch die Menge. Ich stehe mir die Beine in den Bauch, denke ich. Aber mit euch könnte ich auch noch die ganze Nacht vor Eingängen stehen. So …

Abends, wenn der Mond zu sehen ist

Abends, wenn der Mond schon zu sehen ist,mache ich meine Gedanken frei.Von allem, was mich beschäftigt.Aber du bleibst.Auch wenn ich es wirklich versuche,muss ich immer an dich denken.Meine Gedanken drehen sich nur um dich.Am Tag und in der Nacht.Aber vor allemAbends,wenn der Mond schon zu sehen ist. Ich drehe mir eine Zigarette auf meinem Balkon und ziehe meine Jacke enger um meinen Körper. Ich kann einfach nicht anders und schließe die Augen. Ich träume noch viel von dir und von der vergangenen Zeit:Wie wir von den warmen Sonnenstrahlen im Gesicht aufwachen.Wie ich aufstehe, nur in einem zu großen T-Shirt, um Kaffee zu machen, den wir in unserem großen Bett trinken.Die Bettbezüge sind weiß und riechen noch nach Liebe.Es ist noch früh, weshalb wir beschließen zum Flohmarkt zu radeln.Dein Pony weht im Wind und ich grinse dich an.Du grinst zurück.Auf dem Flohmarkt finden wir beide Dinge, die uns glücklich und zufrieden machen.Wir schlendern Hand in Hand über den vollen Platz, bleiben stehen und küssen uns in der Sonne.Dann radeln wir durch den Wald zum Meer. Hier ist es frisch …

Woher ich komme

Ich will dir nicht in meiner ersten Nachricht beantworten, woher ich komme. Ich bin 24Jahre alt, swipe hin und wieder auf Tinder herum und das nicht, um erst mal ausgedehntüber meine Herkunft zu sprechen. Aber Priya sei doch ein indischer Name. Ja, ist indisch.„Spannend!“, meinst du. Wäre das hier eine echte Unterhaltung, könntest du jetzt sehen,wie ich augenrollend mein Handy in die Ecke werfe.Wer denn von meinen Eltern indisch sei, steht da, als ich ein paar Stunden später wiederauf mein Handy blicke. Zu meiner anfänglichen Genervtheit tritt Ungeduld. Soll ich es nochweiter versuchen oder lieber gleich aufgeben? Ich antworte nicht mehr. Schnell noch einenScreenshot von dem Chat an eine Freundin senden, die sich darauf prompt mit “Nicht seinErnst, oder?” meldet. Sie hat vermutlich schon eine ganze Sammlung ähnlicherScreenshots. Sie versteht das Problem, ohne das wir es explizit benennen. Zwei Tage belasse ich es dabei, dann frage ich „Was ist denn daran spannend?“.Einerseits ärgere ich mich darüber, dass es dir als fremde Person gelingt, so einUnbehagen in mir auszulösen. Andererseits lässt es mich nicht so recht …

Du (bist weg)

Du Du und ich, ich und duSo nah wie noch nieSo intensiv als wärst du ewig weg gewesenDeine Nähe so warm und beruhigendDu tust mir gut und ich hoffe, ich tue dir gutWohlfühlen und intime ZweisamkeitSo fühlt sich bestimmt Zuhause anDeine Arme so kräftig und doch so zartIch möchte es nie wieder missenIch vermisse dichDeinen GeruchDeinen AtemDein LachenIch bin hier, du bist daWir sind mal hier mal daMit dir bin ich immer daImmer da, wo ich mich am wohlsten fühle Sind wir da, bin ich dein und du bist mein Du bist weg Seit du weg bistfühle ich mich verlorenfühle ich mich so leerfühle ich mich so einsamSeit du weg bistbin ich nicht mehr ich selberbin ich nicht mehr glücklich  bin ich nicht mehr ZuhauseSeit du weg bisthört mir keiner mehr zu wie dufasst mich keiner mehr an wie dunimmt mich keiner mehr ernst wie duSeit du weg bistliebt mich keiner mehrwärmt mich keiner mehrschätzt mich keiner mehrSeit du weg bistFuck seit du weg bist, bist du wegDu bist weg und ich bin hierOhne dich, bin ich …

In Honig schwimmen

9:30 Mein Wecker klingelt. Ich stehe auf und starte die Kaffeemaschine, schnappe meine Sportklamotten und laufe eine Runde durch den Park. Wieder daheim, warten nach dem Duschen schon Müsli, Kaffee und Podcasts auf mich. Danach ziehe ich mir ein frisches Outfit an, setze mich mit einem Buch bewaffnet in den Park und erledige dann Dinge für die Uni. Okay das war gelogen. Leider. 9:30 (jetzt wirklich) Der erste Handyalarm klingelt. Ich werde wach, gehe über die kalten Dielen zum Handy und schalte ihn aus. In den nächsten Minuten werden noch weitere klingeln. Ich habe Zeit, warum sollte ich die Wärme meines Bettes auch verlassen? Aber anstatt wieder einzuschlafen, denke ich daran, was ich gerade eigentlich machen sollte oder könnte. Ich merke nicht, wie ich immer tiefer in Laken und Gedanken versinke. 10:00 Der zweite Alarm klingelt. Ich gehe zum Handy, schalte den Flugmodus aus und deaktiviere alle noch kommenden Wecker. Ich bin ja wach. Oder zumindest sowas in der Art. Ich sehe nach, wer mir geschrieben hat und aktualisiere meine sozialen Medien. Dann gehe ich …

Meer der Erkenntnisse 

Welle eins  Ich will ein Meer zwischen mir und all dem was war.Zu oft häng ich mich an altem auf.23:10,lieg in meinem Bett und starre die leere Teetasse auf meiner Fensterbank an.Sie erinnern mich an all das, was ich noch machen wollte.Wie z.B. die Tasse in die Küche zubringen. Es stört mich, kann mich nicht beruhigen.Ca. 23:30,Schwebe irgendwo in meinen Gedankenkreisen.Bin schon in meiner Kindheit angelangt.Störe mich Feli, das Kommentar von Elias gesagt zu haben.Ich weiß noch wie ich versucht habe das Gras schneller drüber wachsen zu lassen.Jetzt wühle ich das ganze Beet wieder auf.Ich weiß: Es ist nicht mehr rückgängig zu machen.Nach vorne schauen sollte ich, auf die nächste Welle aufspringen.Ich seh aber nur den Sturm hinter mir, den ich zurückgelassen habe.23:52,Der Tag ist gleich vorbei und ich habe das Gefühl, nichts erreicht zu haben.Ich möchte noch was aus ihm rausholen. Vielleicht das Jetzt noch spüren, nachdem ich in einer anderen Zeit über meine Fehler nachgedacht habe.Ich beschließe aufzustehen und in den nächsten Tag zu tanzen.24:00,Habe gespürt, getanzt und geschwiegen.mir war klar was das hier ist. Ich musste …