Alle Artikel in: Gastgedanken

Lächelnde Augen

In dieser Zeit, in der Nachrichten von einem Virus, dessen Name zum Teil eine Zahl ist, uns bis in den Schlaf begleiten, in dieser Zeit, in der Zahlen von Neuinfektionen, angsteinflößenden Zukunftsvisionen, Bilder von Menschen mit Masken in elendig langen Supermarktschlangen, oder gefangen in ihren eigenen vier Wänden, tagtägliche Beobachtungen und Eindrücke sind, vergesse ich schon mal, dass gerade eigentlich die Zeit im Jahr ist, in der nicht nur Blumen, sondern auch mein Herz zu blühen beginnt.  Es ist die Zeit, in der mein ganzer Körper bis in die Fingerspitzen kribbelt, wenn ich morgens ganz früh aus der Haustür trete, den Blick gen Baumkronen gerichtet, wo die Vögel ihre Lieder singen, die Luft noch kühl und klar, wie das Mittelmeer, als ich vergangenen Herbst dort war, die vollkommene Stille, der Geruch von morgentaufeuchtem Gras und Sonnencreme vom Vortag, das Vertrauen in den Tag und dass gut wird, was gerade ist, dass alles ganz und gar gut wird.  Es ist die Zeit, in der mein Lächeln ein ständiger Begleiter von mir und meinem Ausdruck wird, in der …

In einer Welt, in der ich alles sein kann, bin ich mutig.

Als Kind habe ich Geschichten geliebt. Mit meinem Bruder zusammen habe ich Szenarien aus selbst kreierten Geschichten nachgespielt, die immer eins gemeinsam hatten: Sie handelten von Abenteuern, Mut, von einem Mädchen, das mutiger war, als alle anderen um sie herum. So mutig, dass sie es immer wieder aufs Neue schaffte, die ganze Menschheit zu retten. Dieses Mädchen wollte ich sein. Kann man auch mutig sein, ohne zu wissen wie man mit Pfeil und Bogen umgeht oder gegen Drachen kämpft? Meine Pubertät war geprägt von Zurückziehen, Flucht in Traumwelten und Introspektion. Die Zeit in der man beginnt sich seine Identität zu konstruieren, oft mit den Bausteinen anderer, denn sie haben einem oft genug gesagt oder gezeigt wer man ist. Ein Gefühl begleitete mich die ganzen Jahre lang, das Gefühl, mein früheres Ich mit meiner Entwicklung enttäuscht zu haben. Den ganzen Tag in seinem Zimmer rumhängen, ist das denn mutig? Sich im Unterricht nicht trauen etwas zu sagen, wenn man unaufgefordert drangenommen wird, ist das mutig? Nein, oder? So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Das dachte …

Über letzte Male und warum es gut ist, nicht zu wissen, dass sie es sind

Vergangenes Jahr habe ich es zum ersten Mal gemacht.  Ein Letztes Mal erlebt. Ganz bewusst. Okay, zugegeben, es war nur das letzte Mal für genanntes Jahr. Ich habe mich vom Sommer verabschiedet. An einem Samstag, Anfang September, saß ich im Garten meiner Eltern, habe die Augen geschlossen und ganz bewusst das Kitzeln der September Sonne auf meinen nackten Beinen gespürt. Habe den letzten Schluck Eiskaffee genauso genossen, wie den ersten ein paar Monate davor. Habe versucht die Sommererinnerungen abzuspeichern und mich innerlich auf Tee, Lebkuchen und Stiefel vorzubereiten. Danach gab es zwar noch zwei, drei Tage an denen es warm war, aber für mich war dieser Tag das Ende dieser Jahreszeit. Ein letztes Mal. Und wie verrückt ist es, dass ich zum ersten Mal einen Tag benennen kann, der für mich im vergangenen Jahr den Sommer beendete? Normalerweise geschieht das fließend und bis wir uns versehen, hat sich die Jahreszeit verändert. Und das ist auch nicht weiter schlimm, denn letzte Male sind auch immer mit Abschiedsschmerz verbunden. Was war ich glücklich und traurig zugleich an …

Woher weiß ich, was das Richtige ist? #Mut(Ich)

Nachdem ich die letzten Jahre den Großteil meiner Zeit genutzt habe, einen Umgang mit meinen Gedanken und der Vergangenheit zu erlernen, wollte ich dieses Jahr endlich auf eigenen Beinen stehen. Endlich anfangen, wieder eigenes Geld zu verdienen, um mehr Selbstständigkeit zu erlangen und endlich nicht mehr abhängig von jemand anderem zu sein. Bin von Praktikum zu Praktikum gehangelt, um einen Beruf zu finden, der mich erfüllt und sich nicht nur wie ein Mittel zum Zweck anfühlt. Ursprünglich hatte ich den Plan, zurück nach Hannover zu ziehen, wo ich schon 2 Jahre wirklich gern gewohnt habe und wo meine beste Freundin lebt. Deshalb habe ich angefangen mich zu bewerben, schon ein Jahr im Voraus. Damit ich machen kann, was ich mir vorstelle und endlich etwas habe, auf das ich mich freuen kann. Auf das ich hoffentlich stolz bin und wofür sich die Überwindung, die solch eine Veränderung mich kostet, lohnt. Egal wie oft mir im Voraus geraten wurde Ablehnungen nicht persönlich zu nehmen, ist es mir doch nicht lang gelungen. Ganz zur Freude meiner destruktiven Gedanken, …

Was will die Liebe von mir?

Ich war der Überzeugung, dass Beziehungen nur funktionieren, wenn ich von meinem Partner geliebt werde.Ich hatte bis jetzt zwei Beziehungen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, jedoch im Kern total gleich waren.Dass die Liebe eine Bindung an eine bestimmte Person ist. Ich glaube, viele Menschen haben ein Problem mit der Liebe, weil sie denken, dass es darum geht, geliebt zu werden.Aber ich glaube nicht, dass Sie glücklich werden, wenn Sie geliebt werden. Es gab Augenblicke, in denen ich mich fragte, ob ich meine Exfreunde geliebt habe. Ich meine, wirklich geliebt. Warum lieben wir jemanden? Sind es die tollen Haare, die Art wie dich jemand anschaut oder etwa der Musikgeschmack? Ich war süchtig nach den Worten des anderen. Die Wörter, die ich mir selbst nicht sagen konnte. Diejenigen, die meine Seele berührten, konnten meinen Körper nicht erreichen. Und die, die meinen Körper erreichten, konnten meine Seele nicht berühren. Ich konnte nie gut mit Komplimenten umgehen, bis heute nicht. Jedoch bin ich mutiger geworden.Jetzt weiß ich, dass ich kein Körper mit einer Seele bin sondern eine Seele die …

Verbannter Schimmer

Augen halb geöffnetliegend im Grasschimmerndes Lichttaucht die Welt in Wärmeleichtes Zitternleises Zwitschernlautes Gerede mein Körper sehnend nach Lebenmein Nachbar ruftmein Körper bewegt sich langsamzur Musik deiner Welt meine Haut sehnend nach Berührungstrahlendes Lächelndu spiegelst dich in meinen AugenAugen halb geschlossendrehen sich nach obenleichtes zittern alles ist tonlosdas Tor geschlossenwie meine Augentaucht die Welt in Schwärzewas soll ich uns schreiben?Tinte verschmiertunter deinen Augendüstere Wärme tropft langsam auf die Erde meine Seele suchend nach Dirdein Schimmer wärmenddeine Worte ermüdendmein Nachbar ruftdie Wärme verfliegtmeine Handfläche wischt deinen Schimmer von meinen Augenmein Bauch hebt und senkt sichauch ohne dich zitternd drehe ich umgeh rein in das Bekanntenur ein Gedanke das Verbannte Katha ist mit ihren 18 Jahren eine ruhige Seele in der Menge der Menschheit. Sie tanzt und singt überaus gerne und versucht vergeblich herauszufinden, wieso wir Menschen so auf Kosten anderer leben müssen.Natürlich ist sie trotzdem immer optimistisch und mit einem Lächeln auf den Lippen anzutreffen. Collage von Imina.

Die Leichtigkeit des Fremdseins

Der Wein macht sich bemerkbar und hüllt mich langsam ein in eine dumpfe, dunkle Decke. All deine Geschichten sind mir neu. Als würdest du mir ein gänzlich leeres Blatt hinhalten, ohne Raster, nicht liniert und nicht kariert, und es nach und nach füllen mit mir unbekannten Mustern. Auch ich male mein Leben für dich neu. Skizziere mich so, wie ich mich sehe, und auch ein bisschen so, wie ich mich gerne sehen würde. Wir sitzen in der Küche, in der Hand das Bild des jeweils anderen haltend, frei zur Interpretation. Ich bin im Hier und Jetzt und ganz bei dir, der Kopf ist still. Du zeigst mir Ausschnitte der Welt aus deiner Perspektive. Hast den Steppenwolf auch gelesen, aber zwischen deinen Zeilen schienen ganz andere Bedeutungen zu stehen. Warst ebenfalls in Lissabon und sahst dieselben Plätze, doch nahmst ganz andere Eindrücke mit heim. Ich frage mich, wie dein Lissabon wohl aussieht, riecht und schmeckt und was eine Stadt eigentlich ist, wenn zwei Menschen sie so unterschiedlich fühlen. Irgendwann nimmt unser Lachen Überhand, es füllt den …

Das Erste, was du machst, wenn die Krise vorbei ist

Probably nothing else than now, but without being scared and getting panicky.Laying down on a blanket in the park with my friends.Work. Es ist ja nicht so, dass ich sonst meine Zeit großartig anders verbringen würde. Ich bin zuhause, mit meinem Freund, und wir kochen, und wir schauen Filme, und wir gehen manchmal einkaufen. Mach’ genauso die Wäsche wie immer und sauge Staub in der Wohnung. Ich lese bloß mehr und versuche, mehr Kreatives zu machen. Erledige einige Punkte von meiner To-Do-Liste – Klamotten aussortieren, Bewerbungen schreiben, Zimmerpflanzen umtopfen. Es wird wieder kälter, nachts sind es Minusgrade. Wenigstens verpasse ich nicht warme Sommertage bisher. Auf die warte ich schon so lange. Das Gefühl, die Arbeit, der Rhythmus Das einzige, was anders ist, ist das Gefühl. Und das nicht arbeiten gehen. Der Rhythmus fehlt, aber das ist nicht so dramatisch – ich wollte dieses Jahr sowieso lernen, ein bisschen weniger erwachsen und vernünftig zu sein, weil ich das sonst immer bin. Aber das Gefühl nicht rauszugehen ist schlimmer als nicht zu arbeiten. Ich kriege den Koller …

Wie ich das Abitur überlebte

Es wird immer einen Morgen und einen Abend geben. Ich möchte dir mit diesem Brief ein wenig Hoffnung schenken, ganz egal in was für einer Lebenslage du im Moment bist. Vielleicht stehst du auch gerade kurz vor dem Abitur, wie ich damals, oder einem anderen Schulabschluss. Vielleicht bist du aber auch in einer ganz anderen verzweifelten Lage, in der dir mein Brief hoffentlich trotzdem hilft. Und für alle, die diesen langen Brief nicht lesen wollen und trotzdem einen Hoffnungsschimmer brauchen: Verlasst euch auf den natürlichen Lauf der Dinge! Verlasst euch auf den Sonnenschein nach dem Nebel, auf den Tag nach der Nacht und ganz besonders darauf, dass es nach einem Morgen und einem schlechten Tag, immer auch einen Abend geben wird. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, wie wichtig es in schwierigen Zeiten ist, auch sich selbst nette Worte zu schenken und verständnisvoll mit sich umzugehen. Diesen Brief schrieb ich mir, während der verzweifelten Lernphase fürs Abitur. Ich schrieb ihn mit den Worten, die ich an eine andere Person richten würde, welche in meiner …

Wenn wir schon über Machtstrukturen sprechen, dann bitte richtig!

Es ist mir jetzt schon das zweite mal passiert, dass ich von mittelalten, weißen Männern wegen irgendetwas auf sehr unangenehme Art angepflaumt wurde. Und das oftmals im Beisein von anderen Theatermitarbeiter*innen. Diese Personen waren in beiden Situation in einer übergeordneten Position und haben mich damit bloßgestellt. Dummerweise sind diese Vorkommnisse beide in einem Rahmen geschehen, wo sich auf künstlerischer Ebene mit Macht und Hierarchie auseinandergesetzt wurde und dies auf der Bühne verhandelt werden sollte. Es passierte immer in einem Rahmen, in dem die Personen sehr klar über mir standen. Ich möchte mit diesem Text auf eine Problematik des Theaters aufmerksam machen, die sich auf Menschen in Machtpositionen bezieht und deren Umgang mit Menschen in niedrigeren Positionen. Kein(en) Raum für absolute Gleichheit Es gibt keinen Raum, der absolute Gleichheit schaffen kann. Die Stadt- und Staatstheater stellen sich dennoch gern als einen Ort da, welcher diese Strukturen weitestgehend auflösen will. Die Gleichberechtigung ist ein viel verwendeter Begriff, mit denen sich Theater brüsten und gemeinsam mit dem Publikum ins Gespräch kommen wollen. Wieder einmal konnte ich damit beobachten, …