Alle Artikel in: Gastgedanken

Nicht länger ein Verzicht

Grade, möchte ich mal alleine sein Mal mit mir sein Bei mir sein Und da mal verweilen, In dem Zustand, mein Herz mit niemandem zu teilen Denn manchmal, Fühlt es sich an als Würde ich sinkenUnd dabei ganz langsam ertrinken, Weil ich da bin und du nicht Und das Vertrauen in mir dann manchmal bricht Ich hab gedacht, Vielleicht änderst du mal deine Sicht Und in meinem Leben gibt es dann mehr Licht, eines Tages wach ich auf und bin dir wichtig, denn das sind Töchter ihren Vätern doch, richtig ? Aber unsere Geschichte sieht anders aus Und deinetwegen versteck ich mich in diesem Haus, In dem niemand an mich rankommen kann Irgendwo da, wo ich auch nicht versagen kann Wärst du da gewesen, Wär’ ich anders drauf Vielleicht ruhiger und bedacht, Aber du hast über mich noch so viel Macht Und ich bin rasend und so Wütend Wütend auf mich selberUnd auf so vieles um mich rum Wütend auf die WeltSo sehr, dass ich ihn ihr verstumm Ich hab gedacht, Ich hätte dich hinter …

Meine größte Angst – die Depressionen

Sie begleiten mich schon seit meiner Kindheit, seit vielen Jahren. Nicht, weil ich selbst unter ihnen leide, sondern weil es Mitglieder meiner Familie tun. Depressionen sind eine meiner größten Ängste – wie bezeichnend, dass ich mich schon als Kind extrem vor den Dementoren aus Harry Potter gegruselt habe. Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass diese tatsächlich Depressionen symbolisieren sollen.  Diese Krankheit jagt mir aus verschiedenen Gründen eine Heidenangst ein. Zum Einen ist da natürlich die Angst um meine Familienmitglieder. Diese Angst ist nicht immer präsent, sondern taucht in bestimmten Situationen auf. Die Krankheit ist auch der Grund dafür, warum ich nie die Möglichkeit hatte eine bestimmte Person überhaupt kennenzulernen. Ich weiß also ganz genau, wie diese Krankheit enden kann. Die Depressionen meiner Familie sind auch der Grund, warum ich schon Angst um mich selbst hatte. Ich erinnere mich da an eine Situation, die schon viele Jahre zurückliegt, eine Autofahrt. Ich weiß noch, dass ich während dieser Autofahrt panische Angst hatte, dass wir das Ziel nie erreichen würden. Wahrscheinlich war diese Angst total unbegründet, denn …

Wieder/ Noch – Zeit/ Geschehen

Im September 2018 schrieb ich den Text über die Vorfälle in Chemnitz mit der Überschrift „Ein Versuch, Worte zu finden“. Gerade mal ein Jahr später stehe ich wieder vor diesem Versuch und es fällt mir schwerer denn je. Mittwoch, 9. Oktober, es ist später Mittag, kurz vor 13:45. Mein Koffer steht gepackt und ich will mich gerade auf den Weg zum Bahnhof machen, um wieder zurück nach Halle zu fahren, wo ich gerade dabei bin, mein Studium anzufangen. Mein Handy vibriert. Eine Nachricht aus einer Gruppe, in die ich erst wenige Tage vorher eingetreten war und in der Leute Mitglied sind, die ebenfalls dieses Semester in Halle anfangen, Kunstgeschichte zu studieren. Jemand schickt einen Screenshot; das erste was ich sehe ist ein roter Leitkegel und darunter das Wort „WARNUNG“. Ich lese weiter: „12:50, Schießerei im Stadtgebiet Halle, Wohnungen und Gebäude nicht verlassen, von Fenstern und Türen fernhalten“. Ich lese die Benachrichtigung mehrere Male durch und denke nur „Was für ein blödes Timing“. Bei dem Wort „Schießerei“ denke ich erst daran, dass es vielleicht einen Raubüberfall …

wie du nur so schön sein kannst

wie du klingstund wie du riechstund wie du michals ganzes siehst wie du sie hältstund zu ihr sagstmit deiner handnur du vermagst zu helfen ihrem atem schwerund ihr verstandsehnt sich so sehrnach dir. ihr bauch,er lernt es sich zu hebenendlich wiedersich zu regenspürt sie ihr herzdie welt bewegen und wie sie anfängt das zu fühlenwill sie nichts – sich nie mehr rührennicht zurück zu all den qualenvon den‘ sie singendie sie malen viel zu groß für ihn und sichsie kann das nicht nicht so, lasst losihr sie – ihr alleängste, los – ihr süchtigengedanken gehthinfort, wo immer ihr nur weit, weit weg – so weitvon hier dass eure rufesie nicht kriegennichts finden mehrsie zu verbiegen sie zu fesselndas ihr wisst – ihr könntzu gut.doch lasst, lasst los. sowie sie weintihr haltet festihr kleines lebenzu vergebenzu verschenkenzu vergessennichts im anblickzu ermessen das seid ihr sowie sie weintgreift deine handist da aberzu dünn die wandum schutz zu währenvor den tiefgedankenleeren sie wünscht sich doch nur eins so sehrein leben das ertragbar wär die einsamkeitsolch eine wie hiersie bringt …

Schminke? Nicht auf mir!

Mit durchschnittlich 11,8 Jahren fangen Mädchen an, sich zu schminken und über 80% der Menschen benutzen täglich Beauty-Produkte. Im Alter von 10-14 Jahren schminken sich lediglich 27% der Menschen, doch bei 15-20 Jährigen nutzen nur 21% selten bis nie Make-up. Also: etwa vier von fünf der heranwachsenden Frauen schminken sich beinahe täglich, was sehr erschreckend ist. Denn es gibt unfassbar viele Gründe, welche für die Natürlichkeit sprechen, finde ich! Wer ist das? Ich gehöre nicht seit jeher zu den 21% der ungeschminkten jungen Frauen. Ich habe mich ab der 6. Klasse täglich vor der Schule geschminkt und erinnere mich noch ganz genau an eine Situation, über die ich im Nachhinein nur lächeln kann. Als ich eines Morgens in der Schule ankam, bekam ich zu meinem Erschrecken mit, dass ich den Fototermin für das Jahrbuch vergessen hatte, welcher alle zwei Jahre anstand. Dazu war es mein erstes Jahrbuch-Shooting auf dem Gymnasium und natürlich sollte dieses als Erinnerungsstück besonders schön werden. Als meine Freundinnen die Situation bemerkten, wollten sie mir aushelfen und baten mir all ihre Schminke …

Der Weg im eigenen Kopf

Täglich haben wir sie. Sie sind, wenn sie sich erfüllen, immer mit einer gewissen Portion Genugtuung verbunden, wenn sie es nicht tun, mit Enttäuschung oder Frustration. Erwartungen sind ganz normal. Sie gehören dazu. Sie sind ein Versuch, das was kommt oder nicht kommt abzuschätzen, das tun wir Menschen, denn es gibt uns Sicherheit, im Voraus zumindest. Das ist aber nicht immer so. Immer alles vorraussehen zu wollen, gibt uns auch Unsicherheit. Es schränkt uns ein, lässt uns zweifeln. Wir fixieren uns zu sehr auf das, was wir geschehen sehen wollen. Wir sehen nur den einen Weg anstelle all der verschiedenen Möglichkeiten die sich uns bieten. Und die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Weg, gerade dieser eine, den wir in unserem Kopf gebaut haben, der richtige ist, ist vielleicht doch nicht so wahrscheinlich. Nichts, das mehr mit Sicherheit zu tun hat. Manchmal muss man von diesem Weg im eigenen Kopf abweichen, ihn hinter sich lassen und anderen Wegweisern als nur den eigenen folgen, oder vielleicht auch mal gar keinen.  Sich einfach von den eigenen Füßen tragen lassen, schauen …

Eine Ode an die Heimat

Das mit meiner Heimat, das war mir nie so klar. Also schon: In meinem Dorf bin ich groß geworden, hab auf den Straßen gespielt, Banden gegründet, auf den Feldern gezeltet und dabei den Sternenhimmel bewundert. Hab im Sommer in dem kleinen Bach gebadet, bin in meiner Jugend etwas angetrunken durch die Straßen getorkelt, habe mit meiner Oma Pudding gekocht und mit meinem Opa Mühle gespielt. Doch das alles war für mich schon immer selbstverständlich. Jeden Tag Freunde treffen, Geschwister sehen, mich mit meiner Familie umgeben. Das schien zwar alles perfekt, doch nach dem Abi wollte ich einfach nur raus – in die Ferne, weite Welt, neue Leute kennen lernen, meinen Horizont erweitern – das Übliche eben. Was mich schließlich davon abhielt war die Angst, dass sich in meinem Dorf, in dem ich halt schon 18 Jahre gelebt hatte, irgendwas verändern könnte und es dann nicht mehr so war wie vorher. So vertraut, geliebt, gewohnt. Und doch so unterschätzt.  Als ich dann aber ein Jahr später gezwungenermaßen wegziehen musste – zwar nur in die nächste Universitätsstadt, …

Darf ich das?

Immer wieder lande ich bei dieser Frage. Sie zermürbt mich, obwohl ich eigentlich weiß, wie die Antwort lautet.  Ich darf. Ich darf glücklich sein.  Ich darf Dinge nur für mich tun. Ich darf für meine Meinung einstehen. Ich darf mein selbst verdientes Geld für mich ausgeben. Ich darf Entscheidungen treffen, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen. Ich darf meinen eigenen Weg gehen. Das alles weiß ich. Eigentlich. Und doch fällt es mir fast immer schwer, mir das zuzugestehen. Ich spreche in der Innenstadt mit einem Obdachlosen, kaufe ihm eine Mahlzeit, gebe ihm Geld für eine Zweite. Ich verabschiede mich, gehe weg und weine ein bisschen, denn seine Lebensweise geht mir nah. Nicht nur seine.  Und in diesem Moment, als ich wieder daran denke, dass ich hier in der Innenstadt bin, weil ich für mich etwas Schönes kaufen wollte – dass ich gerade eben noch traurig war und mich arm gefühlt habe, weil ich mir einen Pulli nicht leisten konnte – dass ich quasi sinnlos mein Geld ausgeben wollte, um mir ein Glücksgefühl zu verschaffen – …

Der kleine Fisch im großen Teich

Zuhause. Aber wo? Aber wie? Aber aber! Ab heute, drei Monate, dann ist Weihnachten, dann kann ich nach Hause. Hunderte Kilometer gen Norden. Und bis dahin: Berlin. Mein zweites Zuhause? Mein zweites Zuhause. Zuhause, da du hier bist, da wir hier sind. Zuhause kann kein Mensch sein? Mein Zuhause bist du. Denn du hast mir geholfen anzukommen. Meinen Platz in dieser großen Stadt zu finden. Du hast mich an die Hand genommen und mich mit zu Partys geschleppt. Du hast deine Freunde mit mir geteilt, deine liebsten Orte, deine letzte Mio Mio Cola. Freundschaft. Ohne diese Freundschaft wäre ich der kleine Fisch im großen Teich, der sich nichts sehnlicher herbeiwünscht, als zurückzukehren in den kleinen Teich, aus dem er kommt. Ohne dich würde ich in meinem Goldfischglas stets im Kreis schwimmen. Runde für Runde. Und die immer gleichen Menschen sehen. Doch hier und heute bin ich in Berlin. Eine Stadt in der die buntesten Fische leben. Schwarze Fische die vor den Clubs stehen und ihre Flossen zu Techno bewegen. Fische die Fische lieben. Fische die …

Die Freundschaft zwischen mir und dir

Mein Fuß wippt, deine Lippen formen die Lyrics nach. Um uns herum eine Geräuschkulisse von heiteren Gespräche über das Wetter, Gesprächen zwischen Menschen, die sich gerade das erste Mal treffen, nachdem sie ein Date über Instagram oder Tinder ausgemacht haben. Gespräche zwischen alten Freunden, die sich nur alle paar Wochen sehen und Neuigkeiten austauschen, so vertieft, dass sie das Rundherum nicht wahrnehmen. Das Licht in der Bar ist abgedunkelt, die Gläser halb leer. Wir bestellen noch eine Runde, die geht auf mich. Weil sich bei uns das Zahlen gefühlt immer abwechselt. Weil es sich immer ausgleichen wird, weil es sicher ist, dass wir uns bald wiedersehen. Wir stoßen an, du gibst mir zu verstehen, dass du mich lieb hast und so froh bist, dass wir uns wieder sehen. Und das macht mich glücklich. Ich bin glücklich. Denn trotz deiner Heiterkeit, die dem Alkohol zu verdanken ist, weiß ich, dass du es ernst meinst. Dass es wirklich so ist. Ich verschwende gern Zeit mit dir, gemeinsam vergessen wir für ein paar Stunden unsere Pflichten, die Hürden …