Alle Artikel in: Gastgedanken

Wie ich bin & wie ich sein will

In meinem Kopf herrscht Chaos. Gefühlschaos. Gedankenchaos. Chaos. Chaos. Wo ich anfangen soll und ob es ein Ende gibt, keine Ahnung. Ich bin überfordert, unterfordert und wohl oder übel nicht gefördert, dieser Hilflosigkeit entgegenzuhalten. Wir sind Individuen, jede Person so wie sie ist, keine wie die andere und doch scheinbar alle gleich. Manche wollen einfach dazugehören, andere sich so weit wie möglich unterscheiden und die breite Masse schwimmt inmitten dessen und versucht, nicht (oder geradezu) unterzugehen. Prinzipiell können wir alle sein, wer, was und wie wir sind – oder werden wer, was und wie wir sein wollen. Aber wer will ich sein, wenn es jeden schon gibt? Letztendlich bin ich wieder ich, so wie ich es schon immer war, bin und sein werde. Und wenn ich die Möglichkeit hätte, zu sein wie ich mich gern wäre, ist dies doch nur bedingt natürlich möglich. Ganz abgesehen von fühlbar Millionen nötigen Zuständen, die gegeben sein müssten, um bestimmte Wünsche und Vorstellungen zu erfüllen, oder nicht? Wenn ich anfangen würde, Dinge aufzuzählen, die ich an mir mag oder eben …

Ich bin (niemals) gut genug.

Niemals gut genug & was Musik mir bedeutet Meistens kann ich, wenn ich unterwegs bin, in der Bahn sitze oder durch die Stadt laufe, keine Musik hören. Es ist mir zu viel, zu laut, es nervt mich. In Geschäften würde ich am liebsten alle Lautsprecher, aus denen Charts dröhnen so lange anschreien, bis jemand sie ausmacht. Ich liebe Musik unglaublich unfassbar unschlagbar. Aber nach 8 Stunden Musik machen, wahrnehmen und hören – jeden Tag, 7 Mal die Woche – genieße ich jede Minute Ruhe. Für dich ist Musik vielleicht ein Ruhepol, ein Ausgleich, es macht Spaß, sie zu hören und ist einfach schön. In meinem Leben gab es viele Momente, da hätte ich meine Geige am liebsten auf den Boden geschmissen und meine Geigenlehrerin angeschrien, warum ich jetzt zum zehnten Mal diese eine Stelle wiederholen soll; wenn sie immer noch nicht gut genug intoniert war, dann kann ich es anscheinend einfach nicht! Einmal habe ich meinen wertvollen Bogen tatsächlich vor Wut auf mich selbst, da ein paar Takte einfach nie so geklungen haben wie in …

Don’t do drugs – nein ehrlich, ist gefährlich

Ich lebe in Berlin, die Größe der Pupillen zu verändern scheint hier das normalste der Welt zu sein. In der Technoszene sowieso.  Im Club einem mit Schaumbläschen vom Boden lieber erstmal keinen Arzt zur Verfügung zu stellen, um keinen Imageschaden davon zu tragen, normal, verständlich. Ironie. Mal ehrlich, ich habe wirklich Angst, dass mir mal etwas passiert und ich im Club verrecke. Nicht jeder muss sich Chemie durch den Körper jagen, um umzukippen, es geht nicht immer alles glatt und für den einen oder anderen kommt jede Hilfe zu spät. Das kleine Etwas, das viele hypen, das brandgefährlich ist, auf dem jeder, auch beim ersten Konsum, hängen bleiben kann, die abhängig machen, die nicht cool sind. Das Etwas der illegalen Drogen. Für deren Konsum jeder seinen Grund haben mag, Glückwunsch. Und wir, die sich mit den legalen Drogen begnügen, machen alles richtig? Denkste. Absoluter Blödsinn, wir sind kein Stück besser. Dass Alkohol und Nikotin legal sind, macht die beiden nicht weniger ungefährlich. Das Bewusstsein für Alkohol und seine Gefahren ist bei so vielen nach wie vor …

Geduld

In einer Welt, die von Zahlen kontrolliert, unabdinglich messbar und konkurrenzfähig bleiben muss, in einem Land, das so hoch angesehen für seinen wirtschaftlichen Erfolg und seine sozialen Strukturen ist, in einer Stadt, in der die Bahnen im drei Minuten Takt die von Menschenmassen überlaufenen Bahnhöfe passieren, bleibt eines meist auf der Strecke. Die Geduld. Von Klein auf haben wir gelernt, den geraden Weg zu gehen. Das Ziel vor Augen, unermüdlich darauf hin arbeitend, das zu erreichen, was wir oder andere uns wünschen. Auf einer großen, breiten Strasse lässt es sich besser laufen als über kleine, enge Pfade oder durch verwinkelte Gassen. Wir warten nicht mehr auf den richtigen Moment. Wir wollen jetzt, was wir wollen und wir wollen es schnell, vergessen dabei allzu oft anzuhalten, mal kurz inne zu halten. Denn durchhalten, durchhalten ist das, was wir müssen. Und oft wird uns erst dann, wenn wir am Ziel zu sein scheinen, klar, wir hätten uns auf dem Weg doch noch etwas mehr umschauen, etwas mehr durchatmen, etwas mehr anhalten sollen. Geduld bedeutet nicht, die Zügel aus der Hand …

Zu viel oder genau richtig?

„Bei uns gab es diese Möglichkeit ja noch gar nicht!“, „Sei froh, dass du deine Träume  ohne Einschränkungen ausleben kannst!“-das sind Sätze, die wir alle, so oder so ähnlich, bestimmt schon mal von älteren Generationen gehören haben und die auch erst mal so stimmen. Wir haben heutzutage die Möglichkeit, so gut wie alles zu tun, was wir wollen.  Willst du studieren? Mach doch! Willst du eine Ausbildung machen? Nichts wie ran! Willst du reisen? Let’s go! Egal welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche Sexualität: diese Möglichkeiten stehen jedem offen.  Natürlich ist das jetzt sehr lapidar ausgedrückt – es kommen noch viele Faktoren dazu, über die man sich Gedanken machen muss und die unserem Tatendrang entgegengesetzt werden, wie zum Beispiel die Finanzen. Aber auch hier hat unsere Generation die besten Karten: Studienkredite, Bafög, Stipendien – in Bildung wird immer gern investiert.  Trotzdem hatten diese Sätze für mich schon immer einen bitteren Beigeschmack. Wenn man alles machen kann, was will man dann überhaupt? Wenn man alles erreichen kann, wann ist es dann genug? Ist man demotiviert, nicht ambitioniert …

curvy girls

Zunächst einmal nutzte ich Instagram, um in täglichen Posts meine Gewichtszunahme nach ANOREXIA II zu dokumentieren und mit anderen Mädchen zu teilen, die sich in etwa am selben Wendepunkt befanden: Wir stellten uns unserem Widerwillen und zelebrierten, erst erzwungen, dann mit Freude, etwas, für das wir uns ein paar Monate zuvor noch bitterlich gehasst hätten: langsam mehr Platz einzunehmen. Und durch diese Scheiße nicht alleine zu müssen, verlieh uns die Stärke, die wir brauchten. „HEALTHY LOOKS GOOD ON YOU“ und „#EDrecovery #fuckana #healthspo“ Es fühlt sich gut an, Platz einzunehmen. Im Leben, im Internet, in unseren erst viel zu weiten Kleidern. Uns steht dieser Platz zu. Klar, ich hätte auch einfach in eine Klink gehen können, wie’s meine Therapeutin gewollt hätte. Aber bevor Instagram eine Werbeplatform wurde und wir unser kollektiv fades Dasein als glamouröses High Life zu inszenieren begannen – und ich bekenne mich selbst der Ich-trinke-Rotwein-und-bin-dekadent-schaut-mich-nur-an-Posts schuldig! – war’s so was wie eine Klinik für mich, ein öffentliches Tagebuch, als Dailybooth gerade down gegangen war und #bodypositivity noch ein Begriff, der nicht von …

Bergblumen

„Mein Name ist Rekha. Ich komme aus Nepal, aus Siraha im Terai. Ich bin 32 Jahre alt und habe vier Kinder. Ich bin Bäuerin. Mein Mann ist seit Jahren in den Golfstaaten, in Qatar, und verdient dort 150 US Dollar im Monat – in Siraha gab es keine Arbeit für ihn. Teile des Geldes sendet er jeden Monat an mich, doch es reicht mir kaum, um meine Kinder und mich selbst zu ernähren.“ Rekhas Felder wurden während der Überschwemmungen, die im August 2017 das Terai-Gebiet in Nepal heimsuchten, stark zerstört. Jedes Jahr während der Monsunzeit von Juni bis September sind die Gemeinden im Terai – dem fruchtbaren Flachland an der Grenze zu Indien – einem erhöhten Hochwasserrisiko ausgesetzt, was die bereits bestehenden Probleme in der Region zusätzlich verstärkt. Der Distrikt Siraha zeigt besonders niedrige Indikatoren der menschlichen Entwicklung – nur etwa die Hälfte der Bewohner kann lesen und schreiben und die dortige Gesellschaft ist geprägt von komplexen sozialen und kulturellen Praktiken. Soziale Klassifikationen basieren nach wie vor auf Geschlecht, Kasten und wirtschaftlichem Status in Bezug …

Der Verhaltenskodex für Soziale Medien

Um einen Verhaltenskodex für soziale Medien zu verstehen, müssen wir uns überlegen, welchen Platz soziale Medien überhaupt in unserer Gesellschaft, wohl eher in unserer Generation, haben. Wir nutzen sie schließlich alle (ständig). Wir beobachten, kommentieren, liken und kommunizieren über diese Plattformen. Vielleicht sogar stundenlang pro Tag. Stattdessen wird meist weniger gelesen, es wird weniger heraus gegangen und vor allem weniger miteinander geredet. Soziale Medien sind ein Bestandteil unseres Leben. Und sie sind uns wichtig. Sie sind eine Bühne auf der wir uns präsentieren, zeigen und geben, wie wir gesehen werden möchten. Sie sind unser Aushängeschild, unsere Visitenkarten. Auch Freundschaften und Beziehungen werden mittlerweile über soziale Medien geschlossen. Man lernt sich im Internet kennen (und lieben). Warum also stets leugnen, die sozialen Medien wären uns wichtig? Ist doch nur Facebook, Snapchat, Instagram.. Dieses Verhalten ist falsch. Wir sollten uns bewusst machen, welchen wichtigen Bestandteil diese vermeintlich sozialen Medien in unserem Leben haben. Ob sie nun gut sind, oder schlecht, darauf soll gar nicht an dieser Stelle eingegangen werden. Zunächst soll nur an den Verstand des einzelnen …

Wann bin ich mein?

Tag für Tag Druckt man mich zurück In den dunklen Keller meiner Kindheit Ohne Licht und Zuversicht Für Wochen bleib ich darin Liegen Und weiß nicht wie mich zu biegen Um die Schmerzen zu umgehen, die Worte in Armeen mir bescheren. Steh ich wieder auf beiden Füßen Im Sonnenlicht Fängt der Kreis an sich zu drehen. Tag für Tag Denk ich mir Irgendwann bin ich gefunden Und nicht an das Alte gebunden. – Emma Hecht ist fast 17 Jahre alt, schreibt für ihr Leben gerne Gedichte und lebt in der Nähe von Regensburg. Manchmal veröffentlicht sie auch Gedichte auf den Jugendseiten ihrer Lokalzeitung, der Freistunde.

Unkontrollierbare Kontrolle: und wieder aufstehen

Ich weiß nicht genau, wann oder warum es begonnen hat – keiner weiß es – aber plötzlich waren sie da, Gedanken wie: „Du musst abnehmen!“ oder „Du darfst nicht so viel essen!“ Und bald darauf die Verbote: „Gefrühstückt wird ab jetzt nicht mehr!“ oder „Eis? Auf keinen Fall!“ Nach jeder Mahlzeit fühlte ich mich schlecht und schuldig, weil ich gegessen hatte. Irgendwann habe ich mich gefragt: Bin das wirklich ich? Jeder kann es sehen, wie er will: Ich betrachtete meinen Körper aus der Sicht zweier verschiedener Personen – die eine Person war ich selbst und die andere die Magersucht. Als ich zu Beginn der Sommerferien 2017 bei einer Größe von 1,65 m nur noch 40 kg wog, ging es mir körperlich zwar noch gut, aber psychisch so schlecht, dass ich wusste, ich muss mit jemandem darüber reden. Irgendwann schaffte ich es schließlich, meine Gedanken zwei Musikkolleginnen und Freundinnen anzuvertrauen. Auch ein Gespräch mit meiner Mutter ließ nicht lang auf sich warten, da natürlich auch meine Eltern bemerkt hatten, dass mein Essverhalten so nicht richtig war. …