Alle Artikel in: Du & Ich

Schön hier, oder?

Mir tropft der Regen auf die Haut und ich bleib’ sitzen, weil’s so schön ist, hier mit dir und weil du alles bist, was ich brauch’. Du bist das, das Beste, das Schönste, das Wertvollste. Das, in meinem Leben. Still schweigend  neben dir, lachend und weinend, nur mit dir, immer wieder und für immer. Du. Ich will dich nicht suchen, ich will dich einfach finden, ich will mich nicht alleine fühlen, weil ich ohne dich nicht ich bin. Bald sind wir alt, also lass’ uns jetzt, nur für diese zeit, einfach so bleiben wie wir sind, damit wir später wissen, dass wir waren, wie wir immer wollten. Es gibt keinen Ort an den du gehst, ohne dass ich bei dir bin. – Mira liebt Sonnenuntergänge, Tee, das Meer, tolle Konzerte und Sommerabende. Sie macht gerne Fotos von allem und jedem und schreibt ihre Gedanken in kleinen Gedichten und Texten nieder.

Mutprobe des Lebens

Wir sind zu schwach, um Schwäche zu zeigen. Wir wollen jeden Schritt außerhalb der Norm vermeiden, mit dem Risiko zu leiden. Wieso nicht einfach mal aufstehen und losbrüllen? Den Raum mit Mut und Ehrlichkeit füllen. Mal versuchen man selbst zu sein – echt zu sein. Stark wie ein Löwe – und manchmal auch klein. Die Mutprobe des Lebens. Doch wenn’s jeder probiert, bringen wir die Erde gemeinsam zum Beben. Trau’ dich – verwirr mich. Du hast tausend Facetten – ich will alle seh’n – nicht nur die Netten.  Leg’ los – das Leben ist deine Bühne. Jetzt ist dein Moment – seh’ dich selbst als Monument. Was willst du hinterlassen?  Ehrliche Gefühle oder nur auswendig gelernte Phrasen? Seh’ dich im Spiegel an – und denk’ daran: Du bist hier, um was zu bewegen. Und vergiss’ nicht darüber zu reden. Denn du kannst ein Vorbild sein – für viele, die gern würden, sicher aber nicht trauen – die vieles haben, außer Vertrauen. Sie denken, sie wären allein’ damit,  doch wir alle wissen – der Mist stimmt …

Samstagabend-Einsamkeit

Es ist 19.00 Uhr an einem Samstagabend. Ein durchgeplanter Self-Care-Day. Ich habe mein Handy ausgeschaltet. Zum Einen, weil der Akku wie immer leer ist, zum Anderen um so wenig toxische Einflüsse über Social Media zu bekommen und Zeit für mich selbst zu haben. Dieser Abend soll nämlich perfekt werden. Ich mache ein wenig Yoga, tanze zu „Cool“ von Ilgen Nur und koche mir die leckerste vegane Bowl, die es gibt. Ich bin richtig glücklich und ich merke, wie meine Energie, die ich über die Woche verloren hatte, wieder aufkeimt. Es gibt schon einen Grund, weshalb man sich um sich selbst kümmern muss. Weshalb wir alle, wie kleine Blumen hin und wieder auch mal gegossen und gedüngert werden müssen.  Doch, wie das kleine nervige Preisschild an einer neuen Bluse, kratzt und pikt mich etwas. Ein unangenehmes, beunruhigendes Gefühl, das mit Verlauf des Abends immer mehr von mir einnimmt. Es pocht und verfolgt mich, bis ich es nicht mehr ignorieren kann.  Einsamkeit Dann ist es auf einmal 0:30 Uhr. Doch das Handy angeschaltet. Man könnte ja was …

Hannah – Wer wir sind

Die Tatsache, dass Hannah krank ist, kenne ich länger als Hannah selbst. Doch über den Verlauf dieses Leids und überhaupt irgendwelche Details, wusste ich nichts – bis heute. Erinnerungen, wann irgendetwas anfing, sind schwierig. Es fing um 2013 an – ich wollte perfekt sein. Wenn ich andere Menschen gesehen habe, die glücklich wirkten und auch in ihrer Familie glücklich waren, dann dachte ich: dieses Glück muss man irgendwie erreichen können. Und ich habe begonnen, mich in vieles rein zu zwängen und alles zu machen, was man von mir verlangt hat – ob ich wollte oder nicht. Meine Vorsätze für das Jahr 2014 waren dann Dinge wie „Keine dummen Fragen stellen“, „Nur sprechen, wenn man dazu aufgefordert wird“ und „Nein ist keine Antwort“. Ich wollte einfach zufriedener werden; ich wollte abends ins Bett gehen und mir sagen können: „Heute war es gut.“ Doch „gut“ hat mir schnell nicht mehr gereicht. Ich habe eine Stoffwechselstörung, wegen der ich sehr auf meine Ernährung achten muss. Lief da einmal was falsch, war das für mich gleich wieder eine Verunsicherung. …

Wenn die Eltern altern

Nora Meine Eltern sind schon über 25 Jahre verheiratet. Sie haben alles miteinander er- und durchlebt. Sind durch Dick und Dünn gegangen. Meine Eltern haben die Hälfte ihres Lebens bereits hinter sich. Sie werden nicht mehr genau so viele Jahre leben, wie sie es schon getan haben. Das erfüllt mich mit einem Gefühl, was ich gar nicht richtig beschreiben kann, aber es ist kein schönes Gefühl. Kann es überhaupt ein Leben ohne meine Eltern geben? Oder zuerst: ein Leben, in dem meine Eltern nicht mehr den Garten pflegen können? Sich Essen kochen können? Allein aufs Klo gehen können? Ich möchte nicht daran denken, dass es ihnen irgendwann nicht mehr so gut gehen könnte – vor allem gesundheitlich – wie jetzt. Ich habe sie immer für den Fels in der Brandung angesehen. Für die Menschen, die da immer im Hintergrund sein werden. Aber ich merke mehr und mehr: darauf kann ich mich nicht mehr ausruhen. Und sie – ich darf sie nicht so an mir vorbeileben lassen. Sollte mehr in sie investieren, mehr tun. Aber vor …

Wir wählten die Gemeinsamkeit

Liebe Luka, am Morgen, ohne Luft zu holen, habe ich diese Worte für dich aufgeschrieben und dir in diesem Brief zugesandt. Ohne Zusätze, ohne Abstriche, ohne Korrektur. Hallo, ich bin Karin, eine ältere Frau. Wenn ihr mögt, lest ein paar Zeilen von mir über mein Leben. Genau gesagt, bin ich 80 Jahre alt. Vor ein paar Wochen feierten mein Mann und ich die Diamantene Hochzeit – so bezeichnet man den 60. Hochzeitstag. Gleich zu Beginn unseres gemeinsamen Lebens wurden unsere Kinder geboren, und von ersten Zähnen, über ihre Rebellionen gegen uns in der Pubertät, von ihrem Liebeskummer und bis zu ihrer Heirat hatten wir eine lebendige Zeit. Mein Mann und ich waren nicht immer einer Meinung, sie unterschied sich sogar ziemlich oft von einander – er war streng, ich eher nachgiebig. Doch uns einte unsere gemeinsame Aufgabe, die wir sehr verantwortungsbewusst wahrnahmen – den Kindern ein Zuhause und damit Halt zu geben. Das gab auch uns Halt. Und doch gab es Zeiten großer Entfremdungen. Als die Söhne erwachsen waren, stand die Frage im Raum, wie …

Mit Trauernden umgehen

Mit dem Tod kann jede Person auf einmal unerwartet konfrontiert werden. Was tun, wenn es jemanden trifft, der dir sehr nahe steht= Wie geht man am besten damit um, wenn ein*e Freund*in von einem solchen Schicksalsschlag getroffen wird? Was sagt man – was nicht? Was tut der*dem Betroffenen gut? Wie kann man in einer Situation helfen, an der man selbst nichts ändern kann?Chelsea und Imina, die beide eine sehr nahestehende Person verloren haben, unterhalten sich darüber, was sie sich gewünscht hätten und worüber sie sich bei ihren Freunden in dieser Zeit besonders gefreut haben. In Kontakt treten & in Kontakt bleiben I.: Ich habe das Gefühl, dass sich viele Leute nur dafür interessiert haben, wie es mir ging, als es gerade passiert war. Da bekam ich von ungefähr allen Leuten, die ich kenne, eine Nachricht, in der so ziemlich jede Person schrieb „Wenn irgendwas ist, wenn du irgendwas brauchst, kannst du dich immer melden“ – und dann habe ich von vielen nie wieder was gehört.C.: Das Schlimmste in so einer Situation ist es, isoliert zu …

Alle Jahre wieder – und wenn nicht?

Als ich vor ein paar Wochen durch die licht- und dekorationsüberflutete Stadt lief, vorrüber an Weihnachtsbuden, Eisbahn und durchgestylten Schaufenstern, kam mir eine Frage: Was hat Weihnachten überhaupt noch für eine Bedeutung für uns? Warum jedes Jahr aufs neue ein Zeitabschnitt, in dem eine Fassade aus dem Nichts auftaucht und für ein paar Wochen so tut, als ob? Was gibt uns diese Zeit eigentlich? Dass nicht jeder Weihnachten feiert, dürfte klar sein; egal ob aus religiösen oder anderen persönlichen Gründen. Jedoch können wir uns alle, egal ob wir Weihnachten feiern oder nicht, schlecht gegen die Flut von vorweihnachtlichen Konsumgütern, übertriebener Dekoration und Gedudel im Radio wehren. Die Weihnachtszeit ist in meinen Augen nur noch die Zeit von Konsum und Profit. Uns allen ist klar, warum Weihnachten eigentlich gefeiert wird. Aber was sich daraus entwickelt hat, ist irgendwie seltsam. Ich frage mich immer, warum es gerade die Weihnachtszeit ist, die so von der Allgemeinheit zelebriert und kommerzialisiert wird. Warum ist es beispielsweise nicht Ostern? So viele Fragen, auf die ich keine Antwort weiß. Unser schon angesprochenes …

Ich bin mir selbst genug

Vor kurzem habe ich mit einer Freundin über das „Wir selbst sein“ gesprochen – und inwiefern wir in letzter Zeit gelernt haben, wir selbst zu sein – ohne sich abhängig von einer anderen Person, ob freundschaftlich oder darüber hinaus, zu fühlen. Und wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es genau das. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich die Sätze „Meine beste Freundin kennt mich besser als ich selbst“ oder „Jede Blondine braucht eine Brünette“ gehört habe. Ich weiß nur, dass sie mir dauernd eingebläut wurden – und immer, wenn ich aus der Schule kam und allein zuhause saß, bin ich fast verrückt geworden, weil ich nicht allein sein wollte. Gerade in der Mittelstufe war das besonders schlimm: Meine Freundinnen und ich konnten kaum eine Minute ohne einander verbringen, haben zusammen gekichert, uns Zettelchen geschrieben, im Unterricht nicht aufgepasst sondern getuschelt. Es gab nichts wichtigeres als unsere Freundschaft. Und immer, wenn zwei Freundinnen etwas ohne mich, unternommen haben, bin ich fast ausgerastet vor Eifersucht. Aber warum eigentlich? Aus Angst, etwas …

Richtige, echte Freunde

Seit Wochen sehe ich diesen Tag in meinem Kalender: 1. Oktober. Ein rotes Kreuz habe ich gemalt mit einem dicken Filzstift, den, den ich schon seit der Grundschule besitze, der, der eigentlich nicht mehr richtig schreibt, den ich trotzdem nie weggeschmissen habe. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, denke ich, jetzt, wo ich ausziehe, wo ich alles hinter mir lassen kann. Raus aus der Kleinstadt, rein ins – ja – wohin eigentlich. Ich ziehe um, zum Studieren. Eigentlich nicht so furchtbar weit weg, rede ich mir ein, in den Momenten, wo mir alles zu viel wird. Ich weiß ja, dass das jedes Jahr tausende von jungen Menschen machen, doch dieses Datum, das mir jeden Tag aus dem Kalender über meinem Bett entgegen springt, ist irgendwie angsteinflößend. Die größte Angst macht mir bei der ganzen Sache ja gar nicht das Studieren, nicht mal die Wohnungssuche, obwohl ich immer noch keine WG im Wirr-war des völlig überlasteten Wohnungsmarktes zu Semesterbeginn gefunden habe. Was mir die größten Sorgen bereitet, ist, ob ich Freunde finden werde. So richtige, echte …