Alle Artikel in: Du & Ich

Box und Bier

Wir sind unterwegsMachen die Stadt unsicher Sind selten so selbstsicher In der Hand nur Box und Bier Die Uhr zeigt schon nach vier Wir in den StraßenNichts hält uns aufDenn wir laufenLaufen nachts Sternenhimmel über uns Asphalt unter den Sohlen Wollen unsere versäumte Zeit Nachholen Gemeinsam unbesiegbar Wir, die Box, das Bier Wir laufenKennen die Straßen Kennen die Stadt Es ist dunkel,Wie immer nasskalt Typisch norddeutsch haltDer Bass dröhnt weiter Und das Bier knallt Wir laufenLaufen Richtung Downtown Die NachtIst noch lange nicht vorbei Lachen, laufen, trinken Tanzen, Songtexte schief singen Aber lebenWir genießen das Leben Erobern uns zurück unser Leben Bevor der Tag anbrichtUnd alles wieder zusammenbricht All die LeichtigkeitAll die gemeinsame ZeitAll das nicht mehr einsam sein Wir wollen nämlich nicht Einsam seinWir wollen gemeinsame Zeit Wir wollen diese Leichtigkeit Wir wollen nicht vernünftig sein Nicht immerzu vernünftig sein Wir wollen auf Tischen tanzen Uns nicht drinnen verschanzen Wir wollen die Falschen küssen Nicht zu schnellErwachsen werden müssenWir wollen Musik hören Freundschaftsschwüre schwören Wir wollen raus gehenUnd uns in den Arm nehmen Doch der Tag beginnt Die Musik verstummt Und das Bier ist leer Wir wollen mehr Wollen wieder mehrMehr leben, mehr Leichtigkeit Mehr gemeinsame ZeitMehr Zeit ohne Einsamkeit Mehr lachen, laufen, trinken TanzenSchief die …

Sommerregen

Sie bemerkte den Regen als Erste. Ich konnte den Tropfen noch sehen, wie er langsam an ihrer Wange hinunterlief. In ihren Augen machte sich die Erkenntnis breit, doch bevor diese auch nur die Chance hatte, in ihrem Mund anzukommen, sagte ich leise: „Es regnet.“ Sie schenkte mir ein zustimmendes Lächeln. Das Wasser reflektierte jedoch noch das gleiche Hellblau des Himmels, wie es es schon den ganzen Tag tat. Das war der Sommerregen. Das ist diese Art von Regen, die den Himmel nicht in graue Wolken hüllt und die Sonne mitsamt der blauen Farbe des Himmels dahinter verschwinden lässt. Dieser Regen ist kühlend und rettet uns vor der brennenden Hitze. Er ist wie ein Liebesgedicht; wie die Tränen kurz vor dem Happy End. Die langsam fallenden Tropfen schlugen kleine Wellen auf der Wasseroberfläche. Ich sah nach oben. Die tief stehende Sonne ließ die Regentropfen wie kleine Edelsteine funkeln. Auch meine Wangen waren nun befeuchtet vom Sommerregen. Doch wir fingen nicht an schneller zu gehen, so wie es die anderen Passant*innen um uns herum taten, um nicht …

Wenn du mal wieder in meinem Kopf bist

Halb zwei Uhr nachts. Wenn ich mal wieder nicht schlafen kann, bist du in meinen Kopf.Ich will dich jetzt!In meinen Armen und zwischen meinen Beinen. Ich will Blümchensex und deine Königin sein. Ich will diskutieren und nicht immer recht haben. Ich will die Sonne auf meiner Haut spüren und dich neben mir liegen sehen.Ich will pure Romantik und langweiliger Alltag für dich sein. Ich will alles und wieder nichts.Eine törichte Zeit, darauf zu vertrauen, dass wir zusammenbleiben. Ein lächerlicher Gedanke zu glauben, du meinst es ernst!Jedes Wort von dir, eine Lüge. Wie ein Meister sein Spiel beherrscht, so hast du mich beherrscht. Bei jedem Wort hing ich an deinen Lippen, hab alles in mich aufgesaugt. Jeden Fehltritt und jede Beleidigung unter den Tisch gekehrt. Für deine Freund*innen ein Lächeln aufgesetzt. Ich war betäubt von meinen Gefühlen. Du warst betäubt von Bier, Wodka und allem Möglichen.  Ich bin zu einer Puppe geworden. Einer Puppe mit langen Haaren, säuberlicher Kleidung und einem aufgesetzten Lächeln. Nichts erschien mehr echt. Du warst mein Fels, mein Anker und mein fester Stützpunkt. Ohne …

Vanille- oder Schokoeis

ich sitz im bus, links von mir geht die sonne unter, das gelbe licht spiegelt sich im fluss und die stadt zieht rechts an mir vorbei. eine nachricht von dir reißt mich aus meinen gedanken und plötzlich vermiss‘ ich dich.ich will vanilleeis. es ist viel zu kalt für eis und eigentlich mag ich vanille gar nicht, ich würde immer schoko wählen, es ist unangefochten das beste eis.aber jetzt ich kenne den grund, warum ich trotzdem manchmal vanilleeis essen muss.ich will zu dir, mich dir nah fühlen, verbunden mit dir sein. ich brauche dich und vanille bringt mich zu dir.  du isst am liebsten vanilleeis.du bist bunt und laut und kreativwild und frei und eigendeshalb passt es einfach nicht zu dir,dass du es am liebsten isst. ich erinner mich an momente mit dirwir zusammen und immer du mit vanilleeis,meine sorten wechseln, hab verschiedene geschmäcker probiert.meistens schoko, aber auch mango oder himbeer.wir sitzen im park, es ist warm, wir verstecken uns im schatten vor der starken sonne.während dein vanilleeis schon wieder aus der waffel läuft, weil du zu …

Abends, wenn der Mond zu sehen ist

Abends, wenn der Mond schon zu sehen ist,mache ich meine Gedanken frei.Von allem, was mich beschäftigt.Aber du bleibst.Auch wenn ich es wirklich versuche,muss ich immer an dich denken.Meine Gedanken drehen sich nur um dich.Am Tag und in der Nacht.Aber vor allemAbends,wenn der Mond schon zu sehen ist. Ich drehe mir eine Zigarette auf meinem Balkon und ziehe meine Jacke enger um meinen Körper. Ich kann einfach nicht anders und schließe die Augen. Ich träume noch viel von dir und von der vergangenen Zeit:Wie wir von den warmen Sonnenstrahlen im Gesicht aufwachen.Wie ich aufstehe, nur in einem zu großen T-Shirt, um Kaffee zu machen, den wir in unserem großen Bett trinken.Die Bettbezüge sind weiß und riechen noch nach Liebe.Es ist noch früh, weshalb wir beschließen zum Flohmarkt zu radeln.Dein Pony weht im Wind und ich grinse dich an.Du grinst zurück.Auf dem Flohmarkt finden wir beide Dinge, die uns glücklich und zufrieden machen.Wir schlendern Hand in Hand über den vollen Platz, bleiben stehen und küssen uns in der Sonne.Dann radeln wir durch den Wald zum Meer. Hier ist es frisch …

Du (bist weg)

Du Du und ich, ich und duSo nah wie noch nieSo intensiv als wärst du ewig weg gewesenDeine Nähe so warm und beruhigendDu tust mir gut und ich hoffe, ich tue dir gutWohlfühlen und intime ZweisamkeitSo fühlt sich bestimmt Zuhause anDeine Arme so kräftig und doch so zartIch möchte es nie wieder missenIch vermisse dichDeinen GeruchDeinen AtemDein LachenIch bin hier, du bist daWir sind mal hier mal daMit dir bin ich immer daImmer da, wo ich mich am wohlsten fühle Sind wir da, bin ich dein und du bist mein Du bist weg Seit du weg bistfühle ich mich verlorenfühle ich mich so leerfühle ich mich so einsamSeit du weg bistbin ich nicht mehr ich selberbin ich nicht mehr glücklich  bin ich nicht mehr ZuhauseSeit du weg bisthört mir keiner mehr zu wie dufasst mich keiner mehr an wie dunimmt mich keiner mehr ernst wie duSeit du weg bistliebt mich keiner mehrwärmt mich keiner mehrschätzt mich keiner mehrSeit du weg bistFuck seit du weg bist, bist du wegDu bist weg und ich bin hierOhne dich, bin ich …

Zwischen Mandarinenschalen und zu starkem Kakao  

Ich weiß noch, dass sie damals an die Sojamilch gedacht hatte.   Und an eine Decke, die so groß war, dass wir beide, Beine und Arme von uns gestreckt, auf ihr liegen konnten, ohne uns zu berühren. Ich weiß auch, dass der Wind aus ihrer Richtung kam und ihren Geruch auf der Lichtung verteilte. Sie hatte ein blaues und weites Kleid an, ihre Haare waren zusammengebunden. Ihre Augen spiegelten meine Euphorie wider, meine Euphorie, wieder neben ihr liegen zu können. Ich erinnere mich, dass ich am Anfang versuchte sie nicht ständig anzuschauen, jedoch bald aufgab es zu versuchen. Wir tranken Kakao und schälten Mandarinen. Als Kinder haben wir mal Mandarinen in der Badewanne gegessen. Dann haben unsere langen Haare eine Woche lang nach Mandarinen gerochen und alle in der Schule wollten wissen, was das für ein Shampoo sei. Da mussten wir grinsen und gaben uns einen Blick, der für alle anderen nichtssagend war, für uns aber ein ganzes Buch bedeutete. Als wir älter wurden, hörten wir irgendwann auf miteinander zu baden. Ich habe vergessen warum. Wir hörten auf, nur sonntags zu baden …

Trans*, Gesellschaft & Outing mit Paul Ninus Naujoks #ZwischenNeugierundBewunderung

Vor einiger Zeit habe ich mich mit Paul Ninus Naujoks unterhalten. Paul ist Schriftsteller, Musiker, Künstler und Aktivist aus Kiel. Unter anderem hat er mir erklärt, was man beachten sollte, wenn sich eine Person als trans* outet und wie individuell Wege zur geschlechtlichen Transition aussehen können. Aber auch wie wichtig Sprache in diesem Zusammenhang ist. Was bedeuten die Worte Transgender, Transsexualität, Transidentität, Trans* und Transgeschlechtlichkeit eigentlich? Und wie unterscheiden sie sich voneinander? Was ich generell zu allen Begrifflichkeiten in der Trans*-Community und zum Thema Trans* sagen kann: Es gibt Fremdbezeichnungen und Selbstbezeichnungen. Transsexualität ist zum Beispiel eine Fremdbezeichung, die aus dem medizinisches Bereich kommt. Und hat mehrere Hürden in der Begrifflichkeit. Es gibt aber Trans*personen, die es als Selbstbezeichnung benutzen. Da ist wichtig zu sehen, dass wir unterschiedliche Zugänge haben, unterschiedliche Möglichkeiten, uns damit auseinanderzusetzen. Im medizinischen Bereich wird halt oft Transsexualität oder Transsexualismus verwendet. Das ist eine Fremddiagnose, die zwischen „gesunden“ und „nicht gesunden“ Menschen unterscheidet. Es ist eine starke Pathologisierung, die damit einhergeht. Die Problematik, die ich persönlich dabei sehe, ist, dass wir Sexualität …

Sonntag ist Heimspiel

Der Geruch von Nagellackentferner hängt im Raum und wabert selbst in die letzte Ecke. Es ist Sonntag, das Zugticket ist reserviert und mein einziges Basic Outfit liegt auf dem Schreibtischstuhl. Es wird nur bei Heimreisen getragen. Ich streune jedes Mal aufs Neue durch die Wohnung, während meine Gedanken sich wiederkäuen. Es wird bestimmt ganz nett, du triffst alte Bekannte, die bunten Socken legst du lieber wieder in die Schublade, brauchst du den Nagellack wirklich, beim letzten Mal waren es doch nur zwei doofe Sprüche, da stehst du doch drüber. Das Gedankenkarussell dreht seine Runden.   Bei der Ankunft am Bahnhof treffe ich schon den ersten Bekannten und muss über meinen Studiengang ausholen, da alles was nicht Jura oder Lehramt ist, eine Erklärung braucht. Ich gehe meinen alten Schulweg entlang, bin direkt wieder 16 und versuche so undercover wie möglich nach Hause zu kommen. Dort werde ich überschwänglich empfangen von meiner Familie und meiner Katze. Natürlich gibt es mein Lieblingsessen. Wenn ich frage, was es Neues gibt, kommt ein Achselzucken.   Nach dem Abi wurde auf die Stopptaste gedrückt und die Einzigen, die …