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Von der Problematik des Menschseins

1 WAS MAN HALT SO MACHT Es ist 2019 und man lebt so vor sich hin. Man hört Musik, Musik, Musik, man postet Bilder auf Instagram, man geht feiern, man kifft, man tanzt, man arbeitet für kleines Geld, man studiert so nebenbei, man zweifelt – mal heimlich, mal lauter. Man jagt der Liebe hinterher, man regt sich über andere auf, man regt sich über sich selber auf, man sieht die Klimakatastrophe, aber ändert nichts an seinem Konsumverhalten: morgen, morgen, nur nicht heute! Man übernimmt Wörter und spuckt sie in falschen Kontexten wieder aus, man nennt Frauen „Fotzen“, das kann man – Achtung Reim – nämlich so gut auf die Straße rotzen, aber wer wird schon „Pimmel“ genannt? Eigentlich ja ein witziges Wort. Man nennt sehr weibliche, gefühlvolle Dinge/Menschen/Sätze „schwul“ und sanfte Popballaden sind „Mädchenmusik“. Man will alles dafür geben, erwachsen zu sein, aber bekommt nur SPRITE im Ouzoglas und Verantwortung übernimmt man nur ungern. Und Angst hat man auch. Angst, „ich“ zu sagen, anstatt „man“. Angst sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen zu können …

Was wir gerade lesen

Die Meinungen zu den Büchern sind voll & ganz unsere eigenen und stehen nicht in Kooperation. Noch mehr Buchinspirationen gab’s hier! “Walking through Walls” von Marina Abramovic Luka: “Walk through Walls”, die Autobiographie der Performancekünstlerin Marina Abramovic, ist wahrscheinlich eines der Bücher, welches mich am meisten inspiriert hat – sowohl in der Kunst, als auch im alltäglichen Leben. Sie hat die Grenzen der Kunst gesprengt: sich gepeitscht, mit einer Glasscherbe ein Pentagramm in den Bauch geritzt, ein Messer in die Finger gerammt. Sie ist 2500 Kilometer auf der Chinesischen Mauer gegangen, zwölf Jahre in einem umgebauten Citroën-Bus durch die Welt gefahren und hat ein Jahr bei den Aborigines in Australien gelebt. “Call me by your Name” von André Aciman Imina: Von diesem Buch habt ihr sicherlich schon in dem ein oder anderen Kontext gehört & eventuell auch schon den gleichnamigen, Oscar-prämierten Film gesehen. Ich habe das Buch angefangen, nachdem ich den Film schon gesehen hatte weil so viele Menschen es mir ans Herz gelegt haben. Die Liebesgeschichte in einem heißen Sommer in den 80er Jahren …

Was ich zu sagen lerne /7

… und ich weiß es immer noch nicht. Nach außen habe ich scheinbar alles, was man sich wünschen kann – und doch beschwere ich mich. Aber genau der Zustand, nicht zu wissen, was Dich so fühlen lässt, wie Du Dich fühlst, macht es noch viel schlimmer. Ich arbeite jeden Tag hart daran, aus diesem Loch rauszukommen. Mich zu motivieren. Etwas zu machen. Zu lachen. Aber was vor allem hilft, ist, zu erzählen. Ehrlich zu anderen zu sein und zu sagen, dass es mir nicht gut geht. Denn nie habe ich mehr gelernt, als in den Gesprächen mit Leuten, die Dich ganz ehrlich fragen: “Wie geht es Dir?”. Bilder und Texte von Nora. Entstanden im Mai 2019.

An alle, die manchmal verdrängen

Manchmal verdränge ichmeine Verpflichtungen,Dinge, die mir Sorgen bereiten,die anstehende Bewerbungsphase,die Fahrprüfung, durch die ich nicht noch einmal fallen will,dass ich mich wieder bei dieser Person melden müsste, weil alles beim Alten bleiben sollte, obwohl jetzt irgendwie alles anders ist. Verdrängen heißt, Dinge von sich zu schieben. Es ist der Versuch, der Konfrontation mit bestimmten Tatsachen aus dem Weg zu gehen. Indem ich verdränge, schiebe ich all diese Dinge vor mir her, prokrastiniere.  Zumindest sehe ich das oft so und mache mir deswegen Vorwürfe. Doch eigentlich ist das nicht die ganze Wahrheit. Ich bin immer wieder erleichtert, wenn mir das auffällt und traurig, dass mir das immer wieder neu auffallen muss: “Ich sollte nicht so hart zu mir sein”, denke ich in so einem „klaren“ Moment. Denn irgendwie hat das Verdrängen noch einen anderen Zweck, irgendwie ist es auch ein Schutzmechanismus, der mich vor dem Abrutschen in eine sinnlose Gedankenspirale bewahrt, in die ich sonst immer tiefer rutschen würde. Viel zu oft merke ich im Alltag, in irgendeinem beliebigen Moment wie Jetzt, dass ich mich gedanklich …

Wie bin ich so unfassbar unglücklich geworden?

Ich kann den Hergang meiner jetzigen Gefühlslage gar nicht mal mehr richtig skizzieren. Ich weiß nicht, wann es angefangen hat, ich kann nicht absehen, ob es irgendwann aufhört. Seit einer Weile bin ich nicht mehr der glückliche Mensch, der ich noch vor einer Weile war. Und: Tiefs hatte ich schon viele im Leben. Aber noch keins war so andauernd und so auslaugend, wie dieses hier. Ich mache den Stress dafür verantwortlich. Den Stress von allen Seiten und dem Fakt, dass ich das ganze Jahr noch keinen Urlaub hatte. Immer gibt es etwas, immer mach ich etwas, nie schalte ich ab. Mich stressen Dinge, die ich liebe und Dinge, die ich nicht liebe. Und egal, wie viele To-Do’s ich abarbeite, es werden nicht weniger. Immer folgt darauf etwas. Gleichzeitig kann ich eigentlich Erfolge feiern, mit allem, was ich mache. Alles läuft richtig gut. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass Erfolg nur bis zu einem gewissen Punkt zur Glücklichkeit beisteuert. Es kommt ganz darauf an, was Du eben für diesen Erfolg, vielleicht auch für das Geld, was …

Wenn weniger mehr ist

In einer Gesellschaft wie der heutigen, ist es ein Leichtes, sich in Perfektion zu verlieren. Wie oft verpasste ich eine Party und lernte stattdessen die halbe Nacht panisch durch. Ernährte mich von Kaffee, um noch 20 Seiten mehr in meinem Gedächtnis auf der Abruftaste zu speichern und den Inhalt nach der Klausur sofort wieder zu vergessen. Oder wie oft scrollte ich durch meinen Instagram-Account, auf der Suche nach noch mehr Perfektion. Es müssen unzählige Stunden gewesen sein. Ich habe schon als Kind dazu geneigt, mich mit anderen zu vergleichen. Verspürte diesen bitteren Stich in der Brust, wenn eine meiner Freundinnen Klassenbeste wurde. Nicht, dass ich ihr nicht gegönnt hätte, in gewisser Weise freute ich mich jedes Mal für sie und verspürte dennoch zeitgleich diesen Stich. Als ich älter wurde, waren gute Noten meine Sucht. Denn hatte ich Erfolg in der Schule, war da dieser anerkennende Blick meiner Lehrer, der Stolz meiner Eltern und dieses Gefühl, das mich so voll und ganz ausfüllte. Das Gefühl, das man nur dann verspürt, wenn man unendlich viel Arbeit und …

Wie viel bemutterst du?

Zum gestrigen Muttertag haben wir uns damit beschäftigt, wie sehr das Mutter-sein, bemuttern oder bemuttert werden wollen eigentlich in uns steckt. Wie sieht das bei Euch aus? Stört es euch, oder macht es Euch nichts aus? Habt ihr Euch schon mal damit befasst, wo das eigentlich herkommen könnte? Luka Ich bin sehr darauf bedacht, in Harmonie mit den Menschen zu leben, die ich liebe und die mich lieben. Ich mag es überhaupt nicht, nahestehende Menschen zu verletzen und würde vieles dafür tun, dies zu vermeiden. Deshalb stelle ich meine eigenen Bedürfnisse und Erwartungen oft in den Hintergrund, verstelle mich oder erzähle nicht immer alles und das bloß, um anderen Menschen damit einen Gefallen zu tun. Natürlich ist das nicht wirklich schön, jedoch lässt es mich leichter leben, als immerzu nur an mich zu denken. In einem gewissen Grad ist das vermutlich auch normal, aber irgendwann auch nicht mehr. Und dass ich meinen Mitmenschen damit gar nicht so einen großen Gefallen tue, ist mir erst neulich aufgefallen. Was ich bloß gut meine, kann bei den anderen …

Sex: Fantasie und Realität

Unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben machen Sex immer wieder zu einem spannenden und vor allem ganz eigenen Erlebnis. Es ist nie gleich, aber immer irgendwie besonders und intim. Und das ist toll! Trotzdem haben wir alle dieses eine Bild von dem perfektem Liebesakt im Kopf. Kerzen, schöne Unterwäsche, elegante Bewegungen, keine Pannen.  Worüber jedoch kaum jemand spricht, ist, dass dieses Klischeebild kaum erfüllt wird. Die eigene Phantasie vom Geschlechtsverkehr sieht nunmal ganz anders aus als die Realität. Und das ist auch gar nicht schlimm. Wie langweilig wäre es denn, wenn jeder Sex immerzu gleich verlaufen würde?  Schuld an diesem Bild in unseren Köpfen unter anderem ist die Pornoindustrie. Wo vor ein paar Jahren der Fantasie keine Grenzen gesetzt worden sind, kann man sich heute unzählige kleine Filmchen im Internet anschauen, in denen es immer wieder gleich (und gleich schnell) abläuft. Heterosexueller Mann, eine Frau, die all seine Bedürfnisse befriedigt, immer alles super gut kann, lautes Stöhnen, keine Fehler, kein Schweiß, immerzu die gleichen Stellungen. Doch ein Glück gibt es da noch so viel mehr, was …

TIERINDIR GOES PRINT

Wir haben endlich den Schritt gewagt und eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um endlich die erste Printausgabe von TIERINDIR zu finanzieren! Bis zum 29. Mai 2019 könnt ihr uns unterstützen und unser großes Ziel, das wir von Anfang an hatten, ins Leben rufen! Wie läuft das Ganze? Vom 29. April bis zum 29. Mai könnt ihr hier für die Umsetzung des Printmagazins spenden. Doch nur das wäre ja zu langweilig – deshalb haben wir uns noch ein paar andere Merchandise-Artikel überlegt, die ihr auf der Seite erwerben könnt! Die Merchandise-Artikel sind streng limitiert. Das heißt – schnell sein! Es besteht aber auch die Möglichkeit, einfach einen beliebigen Beitrag – ohne Gegenleistung – zu spenden. Wie kommen die Preise zustande? Da du nicht nur den Artikel erwirbst, sondern auch für’s Gesamtprojekt spendest, wird das Merchandise eher als ‘Dankeschön’ an dich verschickt + eine Spende ist sozusagen gleich im Preis mit inbegriffen. Je mehr Leute spenden, desto besser! Egal, wieviel! Wir sind gleichzeitig Teil des UNIKAT Crowdfunding Contest. Das heißt: Wenn wir die meisten Leute erreichen, können wir noch …

§219a

Abtreibung. Wie oft andere Mädchen und Frauen daran denken weiß ich nicht, aber jedes mal wenn meine Periode ein bisschen zu spät kommt schießen mir tausende Fragen dazu in den Kopf. Was, wenn ich diesmal wirklich schwanger geworden bin und was, wenn ich mich dazu entscheide nicht Mutter zu werden? Wohin kann ich gehen und wer macht das dann? Wird es weh tun? Und darf ich das überhaupt? Ich war immer fest davon überzeugt, dass Abtreibungen in Deutschland einfach und legal seien. Aber damit lag ich falsch. Während Frauen in Frankreich und Italien beispielsweise legal abtreiben dürfen wenn sie ungewollt schwanger geworden sind, ist bei uns die Rechtslage nach wie vor kritisch. Es ist straffrei aber nicht eindeutig erlaubt, doch das schlimmste ist, dass Ärzt*innen die Abtreibungen durchführen das Leben schwer gemacht wird. Unter den Anschuldigungen der ,,Bewerbung” von Schwangerschaftsabbrüchen fanden sich etwa die beiden Ärztinnen Natascha Niklaus und Nora Szas im August 2018 vor Gericht. Und das für diesen Satz: “Schwangerschaftsabbruch, operativ oder medikamentös”, der sich ganz unten auf der Liste von ambulanten Operationen …