Alle Artikel in: Allgemein

Großes Mädchen #Facettenreich

Ich gehe die Straße entlang. Die Leute starren mich an. Etwas Ungläubiges liegt in ihrem Blick. Von Kopf bis Fuß mustern sie mich. Manche werden langsamer, bleiben einen kurzen Moment stehen oder drehen sich sogar um und blicken mir mit einem Gesichtsausdruck der Verwirrung hinterher. Wohin ich auch gehe, ich kann mir der Aufmerksamkeit der Leute bewusst sein. Und das nicht, weil ich einen extravaganten Kleidungsstil oder eine außergewöhnliche Frisur habe. Ich habe mich weder aufwendig geschminkt noch sonst irgendwie zurechtgemacht, als dass die Blicke der Leute gerechtfertigt wären. Also warum gucken die Leute so? Wahrscheinlich, weil ich groß bin. Größer als die meisten anderen Mädchen oder jungen Frauen in meinem Alter. Und so sehr es mich auch auf die Palme bringt, dass die Leute mich so anstarren, so überrascht bin ich manchmal selbst darüber, wie groß ich bin. Überrascht, dass ich meine Beine unter dem Tisch kaum übereinanderschlagen kann. Überrascht, dass ich im Theater oder im Kino den Leuten hinter mir die Sicht nehme. Von zu knappen Hosen mal ganz zu schweigen… Ja, manchmal …

Gehorche keinem?! #Alltagsaktivsmus

Es ist November 2019 im Lausitzer Braunkohlerevier. Normalerweise laufen hier jetzt die Kohlegrabungen in vollem Gange. Nicht so heute, hunderte Menschen in weißen Maleranzügen stürmen in Scharen die riesige Kohlegrube hinunter. Sie blockieren die riesigen Bagger mit ihren Körpern, halten sich an den Händen und stellen sich der Polizei entgegen, die etwas überfordert dabei wirkt, die Masse auseinander zu treiben. Die protestierenden Menschen gehören zu dem Aktionsbündnis „Ende Gelände“. Das antikapitalistische Bündnis setzt sich für sozial-ökologische Ziele ein und fordert den sofortigen Kohleausstieg, um die Klimakatastrophe noch so weit wie möglich zu verhindern. Um auf dieses dringliche Ziel aufmerksam zu machen, besetzen sie in Massenaktionen immer wieder Tagebaue wie in der Lausitz oder blockieren Gleise im Hambacher Forst.  Die Streikenden in der Kohlegrube benutzen für ihren politischen Protest die Methode des zivilen Ungehorsams. Angesichts der drohenden Klimakrise reicht ihnen das freitägliche Demonstrieren, das Unterschriftensammeln oder die Aufklärung in den sozialen Medien nicht mehr aus. Sie entscheiden sich dafür, ganz bewusst Regeln zu überschreiten, die ihnen der Staat auferlegt hat. Ganz allgemein versteht man unter zivilem …

Frohe Weihnachten!

Ihr Lieben!Wir wünschen Euch ein wundervolles Weihnachtsfest mit Euren Lieben. Genießt die Zeit mit Plätzchen, Glühwein oder heißer Schokolade und vor allem – genießt es, zusammen zu kommen und Zeit füreinander zu haben. Weihnachten ist die Zeit um Dinge, die uns auf dem Herzen liegen einfach auszusprechen und sich gegenseitig zu sagen, wieviel man sich bedeutet. Dafür kann man diese Zeit nutzen, egal ob man Weihnachten feiert oder nicht! Falls ihr Euch zu diesem Fest einsam fühlt, Dinge anders sind als in den Jahren zuvor oder jemand fehlt: Wir denken, dass Weihnachten genauso ein Fest der Hoffnung ist. Auf bessere Zeiten, auf schönere Tage, auf Wieder-Lachen-Können, auf Aufstehen. Wichtig ist es wahrscheinlich, sich von dem ganzen Familien-Liebes-Trubel nicht runterziehen zu lassen. Denn eine Sache habt ihr immer, und die wird ganz einfach immer unterschätzt: Euch selbst! Natürlich würden wir Euch auch gern etwas schenken, um für die Unterstützung, für das Lesen & Kommentieren der Beiträge, für das Anhören unseres Podcasts zu danken. Im neuen Jahr wird es viele Änderungen geben auf die ihr gespannt sein …

Eine Sache der Sichtweise

Im November 2017 erzählte Pia ihre Geschichte im Gastgedanken-Beitrag „Trotz Krankheit glücklich sein.“ Damals sprach sie über ihre chronische Darmerkrankung “Colitis Ulcerosa” und schrieb darüber, wie sie es schaffte, ihr eigenes Glück zu finden und sich und ihren Körper zu lieben und zu akzeptieren, so wie er ist. Samt Krankheit. Leider folgte auf diesen Eintrag eine schwere Zeit, von der sie hier erzählt. Eine unerwartete Nachricht Der Sommer 2018 hatte es in sich. Er begann mit einer wunderschönen, aber auch unerwarteten Nachricht: Nach 10 Jahren voller Medikamente, Rückschlägen und ständigem Wechsel von so vielen Sachen sah mein Dickdarm so gut aus wie noch nie zuvor. Die Entzündungswerte waren wie die eines gesunden Menschen. Stabil. Meine Ärztin und ich beschlossen daraufhin, einen Versuch zu starten und setzten meine Medikamente vollständig ab. Ein gewagter Versuch, aber einer, der zeigen sollte, wie stabil mein Darm tatsächlich ist. Ich schaffte es letztendlich ganze vier Monate medikamenten- und beschwerdefrei zu leben. Dann begannen die Hautprobleme. Höchstwahrscheinlich als Folge der Absetzung meines Medikaments in Zusammenhang mit der Sonne und dem heißen …

Du warst nur dort, wenn du ein Foto hast

Ich stehe vor dem Casa Batlló in Barcelona. Die Sonne scheint, lässt mein Haar golden glänzen und alles warm erscheinen, dabei ist es Mitte Oktober. Click, click. „Perfect.“ Das Haus ist wunderschön denke ich, so rund, bunt und detailreich. Ja, das ist wirklich ein Kunstwerk. Eine Stimme reißt mich aus meinem Staunen. „Oh yes, that‘s a good position!“ Click, click. „Perfect.“ Die zwei Mädchen aus England sind fertig. Sie haben die perfekten Fotos für ihren Instagram-Feed. Die Haare wehen ein wenig auf dem Foto und natürlich sieht man fast nur das Mädchen mit ihren langen Beinen und den braunen Longbob, aber das Bild wird gepostet mit den Hashtags #Barcelona #Gaudí #Travel. Auf einmal bestürzt mich das Gefühl, ich bräuchte auch so ein Bild. Damit man sehen kann wo ich gerade bin, was ich alles erlebe und wie glücklich ich doch bin. Also drücke ich meinem Freund mein Handy in die Hand stelle mich vor das Haus, ziehe den Bauch ein, lächle, Arme etwas nach hinten und schwupp, fertig. Ich schaue die Bilder an und dann …

Eine Ode an das Uncoolsein

Der beste Satz, den ich diese Woche gehört habe, war: „Mittlerweile finde ich es auch cool, wenn Leute einfach nicht cool sein wollen, nicht auf alle Partys gehen oder saufen oder Drogen nehmen.“ Seit Jahren habe ich damit zu kämpfen, nicht so richtig dazu zu gehören. Ich gehe nicht gern abends weg, ich trinke nicht, ich nehme weiß Gott keine Drogen. Ich bin da einfach nie reingewachsen, hatte nie das Gefühl, mich groß ausprobieren zu müssen und wenn ich’s mal versucht habe, dann waren das immer blöde Erfahrungen, die ich mir hätte sparen sollen.Das alles wäre für mich an sich kein Ding gewesen, denn auch die meisten meiner Freund*innen stehen auf all das nicht. Ich habe mich nie allein und „außenseiterisch“ gefühlt, auch gestärkt durch die ganzen Stay-at-home-tumblr-Memes. Der Spiegel Doch dann kamen meine Beziehungen. Ich habe leider den Hang dazu, mich in Menschen zu verlieben, die in vielen Dingen, aber vor allem in diesem, das komplette Gegenteil von mir sind. Und so bekomme ich immer den Spiegel vorgehalten. Sehe alles, was ich nicht bin, …

Zwei Jahre TIERINDIR

Heute vor zwei Jahren ist unser erster Post online gegangen.Seitdem hat sich einiges getan. Ich bin sicher, so in etwa hat auch der Jubiläums-Post vom letzten Jahr begonnen.Seit unserer Gründung passiert einfach so unglaublich viel. Wie verrückt das eigentlich alles ist? Ziemlich! Und immer wieder sind es neue Dinge, Neues, wofür wir Verantwortung tragen, neue Ideen, neue Hindernisse. Dieses Jahr haben wir unseren Verein gegründet, haben erfolgreich (dank Euch!) ein Crowdfunding auf die Beine gestellt, Sticker und Postkarten gestaltet und gedruckt, waren auf Messen unterwegs (und haben gemerkt, dass das nichts für uns ist), haben Vorträge gehalten, uns gegenseitig besucht, das Print-Magazin besprochen, einen weiteren Podcast ins Leben gerufen und mehr als 100 Beiträge veröffentlicht. Das alles hätte ohne Euch als Lesende, Beitragende und Unterstützende natürlich nie funktioniert. Also Danke! Danke, dass ihr an unsere Vision glaubt! Da wir langsam, aber stetig wachsen, hart an unserem Print-Magazin arbeiten und noch viele andere Ideen haben, ist es Zeit, auf TIERINDIR.de neue Wege zu gehen.  Von Anfang an waren wir von der Qualität unserer Zusendungen begeistert! Warum …

Von der Problematik des Menschseins

1 WAS MAN HALT SO MACHT Es ist 2019 und man lebt so vor sich hin. Man hört Musik, Musik, Musik, man postet Bilder auf Instagram, man geht feiern, man kifft, man tanzt, man arbeitet für kleines Geld, man studiert so nebenbei, man zweifelt – mal heimlich, mal lauter. Man jagt der Liebe hinterher, man regt sich über andere auf, man regt sich über sich selber auf, man sieht die Klimakatastrophe, aber ändert nichts an seinem Konsumverhalten: morgen, morgen, nur nicht heute! Man übernimmt Wörter und spuckt sie in falschen Kontexten wieder aus, man nennt Frauen „Fotzen“, das kann man – Achtung Reim – nämlich so gut auf die Straße rotzen, aber wer wird schon „Pimmel“ genannt? Eigentlich ja ein witziges Wort. Man nennt sehr weibliche, gefühlvolle Dinge/Menschen/Sätze „schwul“ und sanfte Popballaden sind „Mädchenmusik“. Man will alles dafür geben, erwachsen zu sein, aber bekommt nur SPRITE im Ouzoglas und Verantwortung übernimmt man nur ungern. Und Angst hat man auch. Angst, „ich“ zu sagen, anstatt „man“. Angst sich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen zu können …

Was ich zu sagen lerne /7

… und ich weiß es immer noch nicht. Nach außen habe ich scheinbar alles, was man sich wünschen kann – und doch beschwere ich mich. Aber genau der Zustand, nicht zu wissen, was Dich so fühlen lässt, wie Du Dich fühlst, macht es noch viel schlimmer. Ich arbeite jeden Tag hart daran, aus diesem Loch rauszukommen. Mich zu motivieren. Etwas zu machen. Zu lachen. Aber was vor allem hilft, ist, zu erzählen. Ehrlich zu anderen zu sein und zu sagen, dass es mir nicht gut geht. Denn nie habe ich mehr gelernt, als in den Gesprächen mit Leuten, die Dich ganz ehrlich fragen: “Wie geht es Dir?”. Bilder und Texte von Nora. Entstanden im Mai 2019.

Wie viel bemutterst du?

Zum gestrigen Muttertag haben wir uns damit beschäftigt, wie sehr das Mutter-sein, bemuttern oder bemuttert werden wollen eigentlich in uns steckt. Wie sieht das bei Euch aus? Stört es euch, oder macht es Euch nichts aus? Habt ihr Euch schon mal damit befasst, wo das eigentlich herkommen könnte? Luka Ich bin sehr darauf bedacht, in Harmonie mit den Menschen zu leben, die ich liebe und die mich lieben. Ich mag es überhaupt nicht, nahestehende Menschen zu verletzen und würde vieles dafür tun, dies zu vermeiden. Deshalb stelle ich meine eigenen Bedürfnisse und Erwartungen oft in den Hintergrund, verstelle mich oder erzähle nicht immer alles und das bloß, um anderen Menschen damit einen Gefallen zu tun. Natürlich ist das nicht wirklich schön, jedoch lässt es mich leichter leben, als immerzu nur an mich zu denken. In einem gewissen Grad ist das vermutlich auch normal, aber irgendwann auch nicht mehr. Und dass ich meinen Mitmenschen damit gar nicht so einen großen Gefallen tue, ist mir erst neulich aufgefallen. Was ich bloß gut meine, kann bei den anderen …