Autor: Luka

Einfach anfangen ist gar nicht so einfach

*Dieser Text teilt meiner Gedanken bezüglich meiner Kreativität und Produktivität im Allgemeinen, aber auch während der Corona-Pandemie. Ich fühle mich oft nicht gut und unproduktiv und versuche in diesem Text zu erklären, wie ich dagegen vorgehen kann. Trotzdem möchte ich auch nochmal erwähnen, dass wir alle gerade rein gar nichts müssen. Wir müssen keine neue Tätigkeit lernen, nicht jeden Tag Yoga machen oder anderweitig produktiv sein. Du bist okay so, wie du gerade bist, auch wenn du die ganze Zeit nur im Pyjama im Bett liegen kannst. Das ist okay. Wir gehen alle gerade durch eine gemeinsame, traumatische Erfahrung. Nicht alle haben gerade überhaupt dieses Privileg, diese Pandemie in etwas Produktives umzuwandeln. Eigentlich ist diese Zeit gerade – künstlerisch gesehen – genau das, was ich mir immer gewünscht habe. So oft habe ich meine Freunde vollgeheult, wie gern ich doch einfach ein paar Wochen frei hätte. Frei von irgendwelchen Pflichten, frei von sozialen Kontakten. Und wie sehr ich diese Zeit dann nutzen würde, um künstlerisch zu arbeiten, um produktiv zu sein und um endlich meine …

Bitte bleibt zu Hause!

Es geht hier nicht um uns, sondern um alle anderen. Um die Älteren, die Immunschwachen, um Menschen mit Asthma. Wir sind jung und uns wird das Virus sehr wahrscheinlich überhaupt nichts ausmachen. Vermutlichen tragen wir es sowieso alle schon in uns, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Einige von euch mögen sich denken, dass so eine leichte Grippe ja überhaupt nicht schlimm sei, das stecken wir ja locker weg. Aber um uns geht es hier nicht. Unsere Generation ist in den meisten Fällen nur der Überträger. Ohne jegliche Symptome zu spüren, können wir dennoch am Corona-Virus erkrankt sein. Uns macht das nichts aus. Wenn wir nicht anfangen, zu Hause zu bleiben, wenn wir uns weiterhin mit unseren Freunden treffen, Bahn fahren, unterwegs sein wollen, verdoppelt sich die Zahl der Neuinfektionen von Tag zu Tag und schon bald kann nicht mehr allen geholfen werden. Wir sind Schuld, wenn unsere Großeltern sterben müssen Wir haben es in der Hand. Unsere Handlungen haben großen Einfluss auf andere. Wir sind dafür verantwortlich, wenn unsere Eltern und Großeltern krank werden, …

Mutprobe? Eine Glatze schneiden

Vor etwa zwei Jahren habe ich es einfach gemacht – von einem Tag auf den anderen habe ich meine Haare komplett abgeschnitten. 4mm waren noch übrig. Nur kurz zuvor hatte sich die Idee in meinem Kopf gefangen und ich bin sie einfach nicht mehr losgeworden. Natürlich hatte ich auch Zweifel. Was ist, wenn es mir überhaupt nicht gefällt? Ist meine Kopfform überhaupt geeignet? Wie wird wohl die lange Übergangsphase? Ich habe mir viele Bilder von Frauen mit abrasierten Haaren angeschaut und fand es einfach wunderschön. Irgendwie anmutend, beeindruckend und stark. Und dann wusste ich – das will ich auch! Ich hatte bei Freunden geschlafen, wir haben morgens gemeinsam gefrühstückt und dann erzählte ich von meiner Idee. Eine Freundin von mir hat dann direkt ihre Haarschneidemaschine geholt. Wir sind ins Bad, Handtuch um den Hals, los. Noch einmal hat sie mich gefragt: “Bist du dir wirklich sicher?” Und ich war mir sicher. Aber trotzdem weiß ich nicht, ob ich es durchgezogen hätte, wäre sie nicht gewesen. Es war gut, dass sie nicht gezögert und einfach darauf …

Fremde Stadt, unbekannte Gesichter

Bald ist Oktober. Ich mag den Oktober nicht mehr so besonders. Früher war er mein Lieblingsmonat. Herbstanfang, bunte Blätter, kühle Luft. Jetzt bedeutet der Oktober für mich schon das zweite Jahr in Folge eine fremde Stadt, viele unbekannte Gesichter und raus aus dem gewohnten Umfeld.  Ich habe Angst vor dem Ungewohnten und vor dem Neuen. Angst davor, allein zu sein. Was wird mich erwarten? Ich habe so viele Fragen in meinem Kopf, die ich immerzu überdenke. Alles habe ich schon tausendmal durchgespielt. Aber diese blöden Gedanken über alles und jeden hören einfach nicht auf.   Ich weiß doch eigentlich, dass ich ganz bestimmt nicht die Einzige sein werde, die am ersten Tag in der Uni aufgeregt sein wird, das weiß ich echt. Und ich weiß auch, dass ich mir eigentlich viel zu viele Gedanken mache und dass alles halb so schlimm sein wird. Ich weiß, dass wir alle in der gleichen Situation sein werden, keiner kennt irgendwen, alles neu, alles fremd, für jeden von uns. Alle sind auch irgendwie auf ihre Art und Weise unsicher. …

Bitte wirf deine Kippe nicht auf den Boden – LG die Umwelt

Dass Rauchen schädlich für unsere Gesundheit ist, ist uns allen wohl bekannt. Trotzdem sind wir jung und dumm und es gibt diese Momente im Leben, an denen uns das einfach scheißegal ist. Sei es auf der Party, auf der du gefragt wirst, ob du dir auch eine Kippe drehen willst und du einfach nicht Nein sagen kannst. Oder weil du an einer Kunsthochschule studierst. Oder weil du in Berlin lebst.  Du musst für dich selbst entscheiden, ob du rauchen möchtest, oder nicht. Die Entscheidung kann dir keiner abnehmen. Wenn du dich jedoch dazu entscheidest, dass dir die gesundheitlichen Auswirkungen total egal sind und du nicht widerstehen zu kannst, dir beim nächsten Kiosk dein neues Drehzeug zu kaufen, dann sei bitte so lieb und achte trotzdem weiterhin auf die Umwelt.  Die kann nämlich nicht für sich selbst entscheiden und würde vermutlich alles dafür tun, nicht weiterhin so zu verdrecken. Und wenn sie das könnte, würde sie dich anflehen und darum bitten, nicht weiter deine Kippenstummel unbeachtet auf die Erde zu schmeißen.  Nach dem Anzünden, mit dem …

Wir wählten die Gemeinsamkeit

Liebe Luka, am Morgen, ohne Luft zu holen, habe ich diese Worte für dich aufgeschrieben und dir in diesem Brief zugesandt. Ohne Zusätze, ohne Abstriche, ohne Korrektur. Hallo, ich bin Karin, eine ältere Frau. Wenn ihr mögt, lest ein paar Zeilen von mir über mein Leben. Genau gesagt, bin ich 80 Jahre alt. Vor ein paar Wochen feierten mein Mann und ich die Diamantene Hochzeit – so bezeichnet man den 60. Hochzeitstag. Gleich zu Beginn unseres gemeinsamen Lebens wurden unsere Kinder geboren, und von ersten Zähnen, über ihre Rebellionen gegen uns in der Pubertät, von ihrem Liebeskummer und bis zu ihrer Heirat hatten wir eine lebendige Zeit. Mein Mann und ich waren nicht immer einer Meinung, sie unterschied sich sogar ziemlich oft von einander – er war streng, ich eher nachgiebig. Doch uns einte unsere gemeinsame Aufgabe, die wir sehr verantwortungsbewusst wahrnahmen – den Kindern ein Zuhause und damit Halt zu geben. Das gab auch uns Halt. Und doch gab es Zeiten großer Entfremdungen. Als die Söhne erwachsen waren, stand die Frage im Raum, wie …

Die Lücke im Lebenslauf

Ich hatte immer dieses eine Bild in meinem Kopf. Diese Vorstellung davon, wie mein Leben einmal sein wird. Schulabschluss, Studium, Beruf. Eine perfekte Laufbahn, keine Lücke im Lebenslauf. Doch dass das Ganze auch anders laufen kann, hatte ich nicht erwarten. Als sich meine Schulzeit dem Ende zu geneigt hat, gab es kaum einen Tag, an dem nicht darüber gesprochen wurde, was man denn nach der Schule so vor hat. Wir haben uns ewig über das Studienangebot an der Universität in unserer Stadt unterhalten, gingen auf Messen voll mit Ständen unbezahlbarer Privatschulen und wurden über mögliche Ausbildungen informiert. Ab und zu wurde auch mal eine Organisation erwähnt, mit der man ins Ausland gehen konnte, um dort armen Kindern zu helfen. “Kommt gut im Lebenslauf.” Alles klar. Alles wird bis ins kleinste Detail geplant und es sollen möglichst keine Lücken entstehen. Wenn man sich erstmal eine Auszeit nehmen möchte oder noch gar keine Vorstellung davon hat, wie man den Rest seines Lebens verbringen will, wird man schräg angeguckt. Und so brannte sich dieses perfekte Bild von der …

Irgendwie dazwischen

Irgendwie ist genau jetzt diese Zeit dazwischen. Das Weihnachtsfest ist gerade vorbei und wir warten sehnsüchtig auf das neue Jahr. Die Zeit zwischen den Jahren, wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht da ist. Manchmal hat man so eine Zeit nicht nur zwischen Weihnachten und Silvester, sondern auch in anderen Lebensphasen. Es ist ein Gefühl, das keiner gerne hat. Irgendwie dazwischen. Irgendetwas in unserem Leben stimmt nicht mehr. Da ist diese innere Leere und das Gefühl, dass unser Leben unrund läuft. Vielleicht meinen wir, es hinge mit dem schlechten Wetter zusammen, mit dem/der Freund/in, mit dem/der man erst neulich einen Streit hatte oder mit uns, die vermeintlich nie zufrieden sein können. Vielleicht wissen wir aber auch ganz genau woran es liegt. Vielleicht steht man unmittelbar vor dem Schulabschluss und weiß nicht so recht, wie es weiter gehen soll. Oder man hat das Studium abgebrochen, sich gerade von dem Freund oder der Freundin getrennt oder vielleicht hat sogar ein lieber Mensch ganz unser Leben verlassen. Es ist diese Schwellenzeit. Zwischenzeit. Jene Zeit, …