Autor: Imina

Ich bleib’ übrig

Übrigbleiben klingt erstmal ziemlich scheiße. Ich bleib’ übrig. Ich bin das, was nirgendwo reinpasst, verlassen oder aussortiert wurde. Ich bin das, was noch da ist, wenn alles anderen geht. Bin ich mein eigener Fels in der Brandung? Bin ich die Person, an der ich mich festhalten sollte, wenn die Dinge den Bach hinuntergehen – geht das überhaupt? Und ist das egoistisch? Ein kleines Donnerstagabend-Gedankenwirrwarr. Am Dienstag habe ich fast drei Stunden in einem Wartezimmer verbracht. Es war spät und mein Fuß hat gepocht. Aber ich habe mich entschieden, hierher zu kommen. Neben mir sitzt ein Paar, die Frau hat sich am Rücken verletzt, der Mann gießt Wasser in einen Plastikbecher und reicht ihn ihr. Gegenüber von mir sitzen zwei Freunde, der eine am Arm verletzt, der andere kümmert sich um Krankenkarte und Unterschriften. Auf einmal fällt mir auf: Nur du bist hier ganz allein. Da ist niemand, der dir gerade hilft. Irgendwie kommen mir sofort die Tränen, wahrscheinlich weil mich dieser Gedanke so plötzlich erwischt und weil ich vorher überhaupt nicht daran gedacht habe. Denn …

Das, was ich nicht sagen kann /8

In den letzten Wochen war ziemlich viel los – in mir und um mich. Vieles davon ist in meinem Notizbuch gelandet, vieles davon ist sehr persönlich, aber ein paar Gedanken und Skizzen wollte ich trotzdem mit euch teilen.Teil 1, Teil 2, Teil 3,Teil 4, Teil 5, Teil 6 + Teil 7 _ Bilder, Texte und Illustrationen von Imina.

Durchschnittlich sein

Wenn ich morgens aufstehe, bin ich meist ausgeschlafen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich, wie der*die Durchschnittsbürger*in ➚, 8,29 Stunden Schlaf bekomme. Ich putze mir dann durchschnittlich lang die Zähne (3-4 Minuten), frühstücke eine durchschnittliche Portion Haferflocken mit Obst. In der Uni bin ich eine durchschnittliche Studentin mit durchschnittlichen Leistungen. Ich denke, ich bin wahrscheinlich ‘ne ganz Nette mit der man mal ein Pläuschchen hält, aber keine sonderlich Beliebte – Durchschnitt eben. Wenn ich von der Uni komme, kaufe ich eine durchschnittliche Menge Obst & Gemüse, koche irgendwas zu Abend, was durchschnittlich gut schmeckt und gehe zu einer durchschnittlichen Zeit ins Bett. Ist das schlecht?Und was sagt das über mich? Der Duden erklärt das Wort „Durchschnitt“ als „aus mehreren vergleichbaren Größen errechneter Mittelwert in Bezug auf Quantität oder Qualität“, als Mittelmaß oder Querschnitt ➚. Und während ich das lese, habe ich schon das Gefühl, dass mein Mopf diese Begriffe irgendwie negativ konnotiert. Mittelmaß: Nichts besonderes, aber auch nichts schlechtes. Irgendwie ganz okay, aber irgendwie auch nicht befriedigend. In der Menge mitschwimmen, aber nicht herausstechen. In …

30 Tage Zeichnen!

Ganz oft fragen mich Leute, wie ich das mache: Woher kommt es, dass du „so gut“ zeichnen kannst? Wie geht es, dass du Dinge „so schnell“ zu Papier bringen kannst? Meine Antwort ist dann meist – Übung, Übung, Übung. Denn Zeichnen hat weniger mit Talent als mit Übung zutun. Es geht viel darum, das eigene Auge zu schulen, weg von den glatten, perfekten Bildern, die unser Gehirn zusammenbaut (Welche Person hat denn zwei exakt symmetrische Augen?) hin zu einer vielleicht krumpeligen, aber echten Darstellung einer Sache zu kommen, die im besten Falle noch einen persönlichen Touch hat. Und dieser hat sich auch nur entwickelt, weil ich jeden Tag irgendwas kritzele. Aus diesem Grund ist mir die Idee gekommen, eine kleine 30-Day-Challenge zu machen. Ich habe euch für 30 Tage Motiv- oder Schreibideen aufgeschrieben, für jeden Tag eine. Natürlich mach ich auch mit und mich würde es freuen, wenn ihr euch mir anschließen würdet! Es geht eigentlich darum, Dinge wahrzunehmen, die um uns herum sind. Anders zu sehen. Neue Blickwinkel für die Dinge zu entwickeln, die …

weiterbalancieren

05.01.2019 Ich sitze im Auto, bin auf dem Weg zu meiner Oma. Besuche zuhause fallen mir schwer, weil ich mich mit diesem leeren Platz am Abendbrot-Tisch oder auf der Couch beim Tatort gucken konfrontiert sehe. Weil an jeder Ecke Erinnerungen warten, mit denen ich nicht immer umgehen kann.  Das Radio läuft und auf einmal kommt „I’m Goin’ Down“ von Bruce Springsteen. Sofort ist da der Kloß im Hals, den ich so oft zu vermeiden versuche. Sofort füllen sich meine Augen mit Tränen und ich muss rechts ranfahren. Ich erinnere mich schlagartig an die Sonntagnachmittage im Sommer, an denen mein Vater mich gefragt hat: „Hast du Lust, ein bisschen wegzufahren? Ich kenne einen Ort, den ich dir zeigen will.“ Dann hatte er meistens schon seine Kamera unter dem Arm, ich habe mir mein Notizbuch und ein paar Stifte geschnappt, und wir sind losgefahren. Mit offenen Fenstern und einer Zusammenstellung seiner Lieblingssongs auf einer SD-Karte sind wir über die Landstraßen gefahren. Ich habe laut mitgesungen und er hat den Beat auf das Lenkrad getrommelt. Wenn ich gesagt …

Lieblinge im Februar

Den Februar habe ich, nach meiner Reise nach Las Vegas Ende Januar, etwas entspannter angehen lassen. Ich hatte in der Uni und mit TIERINDIR zutun aber habe auch versucht, einen Gang runterzuschalten und mal auf mein Inneres zu hören. Diese Dinge habe ich geliebt. 1 Im Februar habe ich viel Zeit in der Uni verbracht. Ein großer Favorit waren deshalb die vielen Nachmittage, die ich dort verbracht habe um meiner Arbeit nachzugehen, Kaffee zu trinken oder einfach so kreativ zu sein. Vor allem zwanglos kreativ sein kommt bei mir leider oft zu kurz und ist etwas, das ich gern viel häufiger tun würde. 2 Eine riesengroße Entdeckung war Sex Education auf Netflix. Die Serie hat mir meine Mitbewohnerin ans Herz gelegt und ich habe mich ziemlich schnell verliebt. Sie handelt von Jugendlichen, die erste sexuelle Erfahrungen machen. Die Hauptperson ist u.a. Otis, dessen Mutter Sextherapeutin ist, der zusammen mit Maeve eine Art „Sextherapie“ in der Schule anbietet und Paare berät, die Probleme haben. Klingt super weird und ist eigentlich auch vom Inhalt nicht das, was …

Vorbilder und Trugbilder

Wir alle haben sie. Wir alle haben verschiedene Vorbilder. Manchmal wollen wir uns vielleicht gar nicht so recht eingestehen, dass wir eine bestimmte Person bewundern. Wir kleistern unsere Wände voll und können gerade anhand des Internets fast jeden Schritt einer bestimmten Person verfolgen. Wir versetzen uns in die hinein, die wir bewundern, und wollen zumindest ein bisschen so sein wie sie.  Gibt es gute und schlechte Vorbilder? Wie hat sich dieses Phänomen in den letzten Jahren verändert? Wie sehr brauchen wir Vorbilder, um uns selbst zu finden?In dieser mehrteiligen Reihe setzen wir uns mit genau diesem Thema auseinander. Denn Vorbilder sind das, was wir daraus machen. Ein bisschen so sein wie sie … In meinen Augen sind Vorbilder Menschen, die ich aufgrund dessen, was sie erreichen oder was sie sagen, bewundere. Menschen, die mich anspornen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und das zu ändern, was mir nicht gefällt. Die mir das Gefühl geben, dass sowas überhaupt möglich ist. Oft ist es auch so, dass uns selbst gar nicht so bewusst ist, wie …

Hinter der glitzernden Weihnachtsfassade

Weihnachten – das Fest der Liebe, der Erleuchtung, der Gemütlichkeit. Und was man sonst noch so kennt.  Obwohl so viele Menschen gern Last Christmas hören, Plätzchen backen und Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt schlürfen, gibt es mindestens genauso viele, denen dieses Fest herzlich egal ist: Menschen, die trauern, Menschen, die es aus religiösen Gründen oder aus Prinzip nicht feiern, und denen trotzdem jedes Jahr ab Mitte November mit der Weihnachtskeule ins Gesicht geschlagen wird. Ich habe mich eigentlich jedes Jahr riesig auf Weihnachten gefreut und auf jeden Fall zur Fraktion Lebkuchen-und-Weihnachtsmusik-ab-September gehört. Nur, weil sich dieses Jahr alles für mich geändert hat, beginne ich dieses Fest erstmalig zu hinterfragen und mir auch die andere Seite anzuschauen. „Also meine Familie und ich sind jüdisch. Feiern deswegen kein Weihnachten, sondern Hannukah, aber das auch nicht wirklich, außer dass wir Kerzen anzünden. Die Tage vom 24.-26. Dezember sind immer stinknormal bei uns, was ich manchmal ein bisschen schade finde weil ich auch mal Lust hätte auf so ein riesiges Essen mit der ganzen Familie und Klößen, Bescherung und so …