Autor: Gastgedanken

Don’t do drugs – nein ehrlich, ist gefährlich

Ich lebe in Berlin, die Größe der Pupillen zu verändern scheint hier das normalste der Welt zu sein. In der Technoszene sowieso.  Im Club einem mit Schaumbläschen vom Boden lieber erstmal keinen Arzt zur Verfügung zu stellen, um keinen Imageschaden davon zu tragen, normal, verständlich. Ironie. Mal ehrlich, ich habe wirklich Angst, dass mir mal etwas passiert und ich im Club verrecke. Nicht jeder muss sich Chemie durch den Körper jagen, um umzukippen, es geht nicht immer alles glatt und für den einen oder anderen kommt jede Hilfe zu spät. Das kleine Etwas, das viele hypen, das brandgefährlich ist, auf dem jeder, auch beim ersten Konsum, hängen bleiben kann, die abhängig machen, die nicht cool sind. Das Etwas der illegalen Drogen. Für deren Konsum jeder seinen Grund haben mag, Glückwunsch. Und wir, die sich mit den legalen Drogen begnügen, machen alles richtig? Denkste. Absoluter Blödsinn, wir sind kein Stück besser. Dass Alkohol und Nikotin legal sind, macht die beiden nicht weniger ungefährlich. Das Bewusstsein für Alkohol und seine Gefahren ist bei so vielen nach wie vor …

Ich möchte Schauspielerin werden!

Oft wird dieser Wunsch als alberner Mädchentraum abgetan. Und, wenn man älter als 13 Jahre  ist und sich noch immer daran festklammert, trifft man auf Sätze wie: „Du weißt aber schon, dass das kein sicherer Beruf ist!“, „An deiner Stelle würde ich ja lieber was Vernünftiges machen!“ oder sie meinen, dass man sich in diesen Wunsch nicht zu sehr verbeißen sollte, weil einem sonst die Zähne ausfallen. Aber diejenigen verstehen nicht wirklich, was mir die Schauspielerei bedeutet. Dennoch sehe ich es selber, wie gering die Chancen sind, wirklich Schauspielerin zu werden. Die Erfahrungen, die ich bereits sammeln durfte, habe ich mir alle selbst erarbeitet, durch neue Kontakte, Recherche. Die Chance, in einer Agentur aufgenommen zu werden und später SchauspielerIn zu werden, ist deutlich höher, wenn die Eltern ihre Kinder schon früh mit Schauspielunterricht fördern. Ich hatte nie Schauspielunterricht und habe meine anfänglichen Erfahrungen auf der Schulbühne gesammelt. Je weiter man in die Szene einsteigt, desto klarer wird, wie schwierig es ist, eine Hauptrolle zu bekommen und wirklich durchzustarten. Letztens habe ich diesen Traum der Schauspielerei …

Geduld

In einer Welt, die von Zahlen kontrolliert, unabdinglich messbar und konkurrenzfähig bleiben muss, in einem Land, das so hoch angesehen für seinen wirtschaftlichen Erfolg und seine sozialen Strukturen ist, in einer Stadt, in der die Bahnen im drei Minuten Takt die von Menschenmassen überlaufenen Bahnhöfe passieren, bleibt eines meist auf der Strecke. Die Geduld. Von Klein auf haben wir gelernt, den geraden Weg zu gehen. Das Ziel vor Augen, unermüdlich darauf hin arbeitend, das zu erreichen, was wir oder andere uns wünschen. Auf einer großen, breiten Strasse lässt es sich besser laufen als über kleine, enge Pfade oder durch verwinkelte Gassen. Wir warten nicht mehr auf den richtigen Moment. Wir wollen jetzt, was wir wollen und wir wollen es schnell, vergessen dabei allzu oft anzuhalten, mal kurz inne zu halten. Denn durchhalten, durchhalten ist das, was wir müssen. Und oft wird uns erst dann, wenn wir am Ziel zu sein scheinen, klar, wir hätten uns auf dem Weg doch noch etwas mehr umschauen, etwas mehr durchatmen, etwas mehr anhalten sollen. Geduld bedeutet nicht, die Zügel aus der Hand …

Selbstverletzung, Narben, Ritzen, Gastgedanken, Jugendmagazin TIERINDIR, Luka Naujoks, Gesellschaft

Tabuthema? – Selbstverletzung

Selbstverletzung – Davon haben sicher schon viele gehört, doch kaum jemand traut sich, darüber zu sprechen oder gar danach zu fragen. Oft ist es Unsicherheit oder Hilflosigkeit, die jemand empfindet, wenn die Person meine Narben bemerkt. Und dann ist es fast immer die gleiche Reaktion: Es wird darüber geschwiegen.  Doch genau das hilft nicht – niemandem, weder den Betroffenen, noch ihren Familien. Und genau deshalb möchte ich Dir heute ein wenig darüber erzählen, wie es mir in den letzten Jahren damit so ergangen ist. Als erstes möchte ich dich darauf aufmerksam machen, dass jegliche Form der Selbstverletzung eine sehr ernstzunehmende Erkrankung ist. Dass es allzu oft ein verzweifelter Hilferuf ist, hinter dem sich großes seelisches Leiden verbirgt. Und über den die meisten Betroffenen schweigen. Bei mir war es sehr viele Jahre so – bis es außer Kontrolle geriet. Und ich das Unübersehbare nicht länger verstecken konnte und wollte. Viele Jahre war die Selbstverletzung mein einziger, verzweifelter Lösungsversuch, mit mir und der Gesellschaft zurechtzukommen. Mit meinem Leid und einem alltäglichen Leben, welches zu funktionieren hatte. Und es …

Zu viel oder genau richtig?

„Bei uns gab es diese Möglichkeit ja noch gar nicht!“, „Sei froh, dass du deine Träume  ohne Einschränkungen ausleben kannst!“-das sind Sätze, die wir alle, so oder so ähnlich, bestimmt schon mal von älteren Generationen gehören haben und die auch erst mal so stimmen. Wir haben heutzutage die Möglichkeit, so gut wie alles zu tun, was wir wollen.  Willst du studieren? Mach doch! Willst du eine Ausbildung machen? Nichts wie ran! Willst du reisen? Let’s go! Egal welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche Sexualität: diese Möglichkeiten stehen jedem offen.  Natürlich ist das jetzt sehr lapidar ausgedrückt – es kommen noch viele Faktoren dazu, über die man sich Gedanken machen muss und die unserem Tatendrang entgegengesetzt werden, wie zum Beispiel die Finanzen. Aber auch hier hat unsere Generation die besten Karten: Studienkredite, Bafög, Stipendien – in Bildung wird immer gern investiert.  Trotzdem hatten diese Sätze für mich schon immer einen bitteren Beigeschmack. Wenn man alles machen kann, was will man dann überhaupt? Wenn man alles erreichen kann, wann ist es dann genug? Ist man demotiviert, nicht ambitioniert …

Endometriose: und wieder aufstehen

Endometriose, there’s a devil inside me Eine Krankheit, über die immer noch viel zu wenig Frauen Bescheid wissen. Die Geschichte eines Krankheitsverlaufs, ignoranter Ärzte, dem Gefühl übergangen zu werden und der Suche nach eigenen Lösungen. Paula erzählt.   Endometriose ist eine recht verbreitete Krankheit, die immerhin 10-15% aller Frauen* betrifft. Die Dunkelziffer ist aufgrund dessen, dass es meist erst nach mehreren Jahren zu einer Diagnose kommt, wahrscheinlich sehr hoch. Bei der Krankheit siedelt sich eine der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnliche Schleimhaut im Bauchraum an, was zu Verwachsungen führen kann. Die Gründe dafür sind unbekannt. Betroffene berichten meistens von extremen Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex, Urinieren, Stuhlgang, eingeschränkter Fruchtbarkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit, Verdauungsproblemen oder angeschwollenen Bäuchen. Diese Schleimhaut reagiert genauso hormonell wie die Gebärmutterschleimhaut und macht alles, was die Gebärmutterschleimhaut während des Zyklus auch macht – jedoch möglicherweise im gesamten Bauchraum. Beschwerden, die nicht ernst genommen werden Vor ziemlich genau drei Jahren ging ich das erste Mal wegen meiner mir unerklärlichen Unterleibschmerzen zu meiner damaligen Gynäkologin. Ich teilte ihr mit, dass ich Schmerzen habe, und zwar vor …

Das Bellen des Hundes

Mein Name ist Lilli und ich bin seit mehr als anderthalb Jahren Muslima. Mich bezeichne ich oft selbstironisch als Muselmanin. Das klingt so deutsch und irgendwie unbeholfen. Letzteres ist wohl auch das treffendste Wort, um zu beschreiben, wie Menschen mit mir bei der ersten Begegnung umgehen. Es dauert immer eine gewisse Zeit, bis ich ganz verlegen gefragt werde, ob es denn in Ordnung sei (mir wolle ja niemand zu nahe treten und es sei ja auch gar nicht schlimm, aber es wäre halt schon irgendwie interessant, aber ja nur, wenn ich kein Problem damit hätte, weil ich ja sicher ganz, ganz oft damit genervt werde) mich zu fragen wie und warum ich konvertiert sei. Mich stört die  Frage überhaupt nicht. Allerdings weiß ich nach anderthalb Jahren immer noch nicht, wie ich darauf antworten kann. Ich könnte erzählen, wie ich den Islam kennengelernt habe. Ich könnte von Sarah erzählen. Oder von Danyal. Von all den Personen, die ich getroffen habe, den zahllosen Gesprächen oder davon, wie ich das erste Mal islamische Texte gelesen habe. Oder einfach …

curvy girls

Zunächst einmal nutzte ich Instagram, um in täglichen Posts meine Gewichtszunahme nach ANOREXIA II zu dokumentieren und mit anderen Mädchen zu teilen, die sich in etwa am selben Wendepunkt befanden: Wir stellten uns unserem Widerwillen und zelebrierten, erst erzwungen, dann mit Freude, etwas, für das wir uns ein paar Monate zuvor noch bitterlich gehasst hätten: langsam mehr Platz einzunehmen. Und durch diese Scheiße nicht alleine zu müssen, verlieh uns die Stärke, die wir brauchten. „HEALTHY LOOKS GOOD ON YOU“ und „#EDrecovery #fuckana #healthspo“ Es fühlt sich gut an, Platz einzunehmen. Im Leben, im Internet, in unseren erst viel zu weiten Kleidern. Uns steht dieser Platz zu. Klar, ich hätte auch einfach in eine Klink gehen können, wie’s meine Therapeutin gewollt hätte. Aber bevor Instagram eine Werbeplatform wurde und wir unser kollektiv fades Dasein als glamouröses High Life zu inszenieren begannen – und ich bekenne mich selbst der Ich-trinke-Rotwein-und-bin-dekadent-schaut-mich-nur-an-Posts schuldig! – war’s so was wie eine Klinik für mich, ein öffentliches Tagebuch, als Dailybooth gerade down gegangen war und #bodypositivity noch ein Begriff, der nicht von …

Bergblumen

„Mein Name ist Rekha. Ich komme aus Nepal, aus Siraha im Terai. Ich bin 32 Jahre alt und habe vier Kinder. Ich bin Bäuerin. Mein Mann ist seit Jahren in den Golfstaaten, in Qatar, und verdient dort 150 US Dollar im Monat – in Siraha gab es keine Arbeit für ihn. Teile des Geldes sendet er jeden Monat an mich, doch es reicht mir kaum, um meine Kinder und mich selbst zu ernähren.“ Rekhas Felder wurden während der Überschwemmungen, die im August 2017 das Terai-Gebiet in Nepal heimsuchten, stark zerstört. Jedes Jahr während der Monsunzeit von Juni bis September sind die Gemeinden im Terai – dem fruchtbaren Flachland an der Grenze zu Indien – einem erhöhten Hochwasserrisiko ausgesetzt, was die bereits bestehenden Probleme in der Region zusätzlich verstärkt. Der Distrikt Siraha zeigt besonders niedrige Indikatoren der menschlichen Entwicklung – nur etwa die Hälfte der Bewohner kann lesen und schreiben und die dortige Gesellschaft ist geprägt von komplexen sozialen und kulturellen Praktiken. Soziale Klassifikationen basieren nach wie vor auf Geschlecht, Kasten und wirtschaftlichem Status in Bezug …

Wann bin ich mein?

Tag für Tag Druckt man mich zurück In den dunklen Keller meiner Kindheit Ohne Licht und Zuversicht Für Wochen bleib ich darin Liegen Und weiß nicht wie mich zu biegen Um die Schmerzen zu umgehen, die Worte in Armeen mir bescheren. Steh ich wieder auf beiden Füßen Im Sonnenlicht Fängt der Kreis an sich zu drehen. Tag für Tag Denk ich mir Irgendwann bin ich gefunden Und nicht an das Alte gebunden. – Emma Hecht ist fast 17 Jahre alt, schreibt für ihr Leben gerne Gedichte und lebt in der Nähe von Regensburg. Manchmal veröffentlicht sie auch Gedichte auf den Jugendseiten ihrer Lokalzeitung, der Freistunde.