Autor: Gastgedanken

Du (bist weg)

Du Du und ich, ich und duSo nah wie noch nieSo intensiv als wärst du ewig weg gewesenDeine Nähe so warm und beruhigendDu tust mir gut und ich hoffe, ich tue dir gutWohlfühlen und intime ZweisamkeitSo fühlt sich bestimmt Zuhause anDeine Arme so kräftig und doch so zartIch möchte es nie wieder missenIch vermisse dichDeinen GeruchDeinen AtemDein LachenIch bin hier, du bist daWir sind mal hier mal daMit dir bin ich immer daImmer da, wo ich mich am wohlsten fühle Sind wir da, bin ich dein und du bist mein Du bist weg Seit du weg bistfühle ich mich verlorenfühle ich mich so leerfühle ich mich so einsamSeit du weg bistbin ich nicht mehr ich selberbin ich nicht mehr glücklich  bin ich nicht mehr ZuhauseSeit du weg bisthört mir keiner mehr zu wie dufasst mich keiner mehr an wie dunimmt mich keiner mehr ernst wie duSeit du weg bistliebt mich keiner mehrwärmt mich keiner mehrschätzt mich keiner mehrSeit du weg bistFuck seit du weg bist, bist du wegDu bist weg und ich bin hierOhne dich, bin ich …

In Honig schwimmen

9:30 Mein Wecker klingelt. Ich stehe auf und starte die Kaffeemaschine, schnappe meine Sportklamotten und laufe eine Runde durch den Park. Wieder daheim, warten nach dem Duschen schon Müsli, Kaffee und Podcasts auf mich. Danach ziehe ich mir ein frisches Outfit an, setze mich mit einem Buch bewaffnet in den Park und erledige dann Dinge für die Uni. Okay das war gelogen. Leider. 9:30 (jetzt wirklich) Der erste Handyalarm klingelt. Ich werde wach, gehe über die kalten Dielen zum Handy und schalte ihn aus. In den nächsten Minuten werden noch weitere klingeln. Ich habe Zeit, warum sollte ich die Wärme meines Bettes auch verlassen? Aber anstatt wieder einzuschlafen, denke ich daran, was ich gerade eigentlich machen sollte oder könnte. Ich merke nicht, wie ich immer tiefer in Laken und Gedanken versinke. 10:00 Der zweite Alarm klingelt. Ich gehe zum Handy, schalte den Flugmodus aus und deaktiviere alle noch kommenden Wecker. Ich bin ja wach. Oder zumindest sowas in der Art. Ich sehe nach, wer mir geschrieben hat und aktualisiere meine sozialen Medien. Dann gehe ich …

Meer der Erkenntnisse 

Welle eins  Ich will ein Meer zwischen mir und all dem was war.Zu oft häng ich mich an altem auf.23:10,lieg in meinem Bett und starre die leere Teetasse auf meiner Fensterbank an.Sie erinnern mich an all das, was ich noch machen wollte.Wie z.B. die Tasse in die Küche zubringen. Es stört mich, kann mich nicht beruhigen.Ca. 23:30,Schwebe irgendwo in meinen Gedankenkreisen.Bin schon in meiner Kindheit angelangt.Störe mich Feli, das Kommentar von Elias gesagt zu haben.Ich weiß noch wie ich versucht habe das Gras schneller drüber wachsen zu lassen.Jetzt wühle ich das ganze Beet wieder auf.Ich weiß: Es ist nicht mehr rückgängig zu machen.Nach vorne schauen sollte ich, auf die nächste Welle aufspringen.Ich seh aber nur den Sturm hinter mir, den ich zurückgelassen habe.23:52,Der Tag ist gleich vorbei und ich habe das Gefühl, nichts erreicht zu haben.Ich möchte noch was aus ihm rausholen. Vielleicht das Jetzt noch spüren, nachdem ich in einer anderen Zeit über meine Fehler nachgedacht habe.Ich beschließe aufzustehen und in den nächsten Tag zu tanzen.24:00,Habe gespürt, getanzt und geschwiegen.mir war klar was das hier ist. Ich musste …

Bleiben

(Triggerwarnung: Essstörungen) Meine Gefühle gehen manchmal so tief, dass ich Angst habe, auf der anderen Seite der Erde herauszukommen. Oder mich selbst wie ein schwarzes Loch zu verschlucken. Lustiger Gedanke, aber lange wollte ich genau das. Verschwinden ohne jede Spur. Schön nachhaltig, keine Rückstände. Am liebsten wäre es mir gewesen, wenn ich dafür nichts zu tun gehabt hätte. Der Boden öffnet sich, saugt mich auf und that’s it. Niemand fragt nach, niemand vermisst etwas. Dachte ich. Doch die Welt hat diese Option nicht auf Wunsch im Angebot, also anders. „An dir ist ja gar nichts mehr dran“ meint meine Oma, als wir uns zur Begrüßung umarmen, gefolgt von „nimm doch mal wieder ein paar Kilo zu“. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Mittlerweile sind diese Begrüßungssätze bei meinen Besuchen zu Floskeln geworden. Sie mache sich doch nur Sorgen, sagt sie dann. Früher hatte ich immer das Gefühl, dass da eine Art Barriere zwischen meiner Umwelt und mir ist, eine unsichtbare Membran, die beidseitig nur tröpfchenweise Dinge durchlässt. Diese Schutzhülle wurde über die letzten Jahre …

Zwischen Mandarinenschalen und zu starkem Kakao  

Ich weiß noch, dass sie damals an die Sojamilch gedacht hatte.   Und an eine Decke, die so groß war, dass wir beide, Beine und Arme von uns gestreckt, auf ihr liegen konnten, ohne uns zu berühren. Ich weiß auch, dass der Wind aus ihrer Richtung kam und ihren Geruch auf der Lichtung verteilte. Sie hatte ein blaues und weites Kleid an, ihre Haare waren zusammengebunden. Ihre Augen spiegelten meine Euphorie wider, meine Euphorie, wieder neben ihr liegen zu können. Ich erinnere mich, dass ich am Anfang versuchte sie nicht ständig anzuschauen, jedoch bald aufgab es zu versuchen. Wir tranken Kakao und schälten Mandarinen. Als Kinder haben wir mal Mandarinen in der Badewanne gegessen. Dann haben unsere langen Haare eine Woche lang nach Mandarinen gerochen und alle in der Schule wollten wissen, was das für ein Shampoo sei. Da mussten wir grinsen und gaben uns einen Blick, der für alle anderen nichtssagend war, für uns aber ein ganzes Buch bedeutete. Als wir älter wurden, hörten wir irgendwann auf miteinander zu baden. Ich habe vergessen warum. Wir hörten auf, nur sonntags zu baden …

Ein Wort Gefühl

Mir wird heiß, meine Ohren rauschen und mir wird leicht schwindelig. Ich spüre meinen Puls gegen die Schläfen pochen. Ich will etwas erwidern, aber ich schaff‘ es nicht. Ich sehe in Zeitlupe wie deine Lippen sich weiterbewegen, Worte formen und daraus Sätze bilden. Aber ich kann dich nicht mehr hören, geschweige denn verstehen. Mein Körper war schneller als mein Verstand. Er hat mich unter Wasser gezogen. Jeder Versuch klare Gedanken zu fassen, fühlt sich an als würde ich ein bisschen von dem Wasser schlucken, das mich umgibt. Ich halte die Luft an, während sich alles, um mich herum, dreht und rauscht. Deine Worte haben mich verletzt und ausgelaugt. Das letzte bisschen Luft in meinen Lungen reicht nur noch für einen Bruchteil dessen, was deine Worte in mir ausgelöst haben.                autsch. Nur ein Wort Gefühl und doch verstummst du, suchst wieder den Blickkontakt zu mir, den du kurz zuvor unterbrochen hattest. Also nehme ich einen tiefen Atemzug. Als ich wieder ausatme, stolpern die ersten Worte mit hinaus. Sie formen sich zu einem ersten Satz, zu …

Nachtgespenster

Wie heißen die Gedanken, die uns Nacht nichts schlafen lassen? Die uns uns von einer Seite auf die andere wälzen lassen? Oder zumindest mich. Manchmal. Manchmal öfter. Tagsüber lächle ich, denke die Welt ist gut in der ich mich bewege, in der ich lebe. Und dann wird es dunkel. Ich ziehe die Vorhänge zu und kuschle mich in meine Bettdecke. Licht aus. Augen zu. Vorhang auf. Gedanken an. Ich wälze mich stundenlang von einer Seite auf die Andere. Mein Gehirn spinnt Kreise. Zieht Fäden von denen ich noch nicht einmal wusste, dass es sie gab. Wühlt lange in Erinnerungen. Aber nicht in den Schönen. Nachts werden die Dunklen ausgepackt. Die, die am Tag durch die Sonne verdrängt werden. Oder durch Lachen. Durch Alltag.   Doch im Dunkeln bin ich alleine. Bin dem ausgeliefert, was ich tagsüber nicht denken will. Nicht denken kann. Das, was tief in unserem Unterbewusstsein gräbt und weilt, wird dann herausgeholt und von allen Seiten betrachtet.  Ich kann nicht schlafen. Wieder nicht. Wenn ich als Kind nicht schlafen konnte und dann leise weinend …

Wenn sich dein Leben um 90 Grad dreht

Stellt euch vor, ihr seid Mitte 20, kommt gerade von einer Wanderung mit einer Freundin nach Hause und fangt an auf eure Prüfungen für die Uni zu lernen. Ihr werdet bald gegen Covid geimpft, bald fallen die Einschränkungen und ihr könnt wieder mehrere Freunde treffen, ins Restaurant gehen oder ins Kino. Ihr habt eine tolle Familie, habt erst gestern erfahren, dass ihr Tante/Onkel werdet und ihr freut euch, eure Freunde bald wieder zu sehen. Ihr setzt euch an den Tisch um Abend zu essen, auf eurem Fitnessarmband seht ihr, dass euer Ruhepuls bei 52 liegt. Ziemlich cool, da sieht man wohl doch den Effekt von Sport. Watte im Kopf Eine Woche später steht ihr auf und fühlt euch komisch. So, als ob man Watte im Kopf hätte oder einen heftigen Kater, aber ihr habt gar nichts getrunken. Zu Mittag bekommt ihr Kopfschmerzen. Drückende, ein bisschen als ob sich ein Elefant auf den eigenen Kopf gesetzt hätte. Ihr denkt euch nichts dabei, schließlich ist das Wetter heute auch total eigenartig, wechselt ständig zwischen Regen und Sonnenschein. …

Urlaub nach Corona

Endlich wieder Urlaub! Endlich wieder neue Eindrücke, andere Menschen, zu teure Drinks in schäbigen Bars, baden in fremden Seen, die Suche nach einem Kaffee an einem winzigen Bahnhof. Endlich wieder open minded sein. Wer sagt dass Vorfreude die schönste Freude ist, war noch nicht nach einer Pandemie im Urlaub – I can recommend! Als ich mich völlig hyped daran mache meine Tasche zu packen, fest entschlossen die richtigen Outfits zu wählen, die mich jede Sekunde meines Urlaubs genießen lassen, fällt mir auf, dass ich verlernt habe wie das geht. Scheiße, ich habe neun Monate literally in meinem Zimmer verbracht – die einzige Tasche, die ich dabei hatte war die Ikea-Tüte um Pfand wegzubringen oder der Beutel mit Glühwein im Winter. Naja, Zahnbürste, Schlüpfer, alles andere kann man kaufen -Hauptsache weg aus Berlin.  Der nächste Stutzer folgt am Tag der Abreise –  ein flaues Gefühl macht sich in meiner Zwerchfellgegend breit. Zu viel Deutsche-Bahn-Filterkaffee? Sodbrennen? Anxiety? Ich bin aufgeregt, obwohl ich seit meinem neunten Lebensjahr regelmäßig alleine Zug fahre, fliege, verreise. Was wenn hier ein Mißverständnis …

Nur noch 5 Minuten

Ich bin zwei Wochen im Urlaub und fühle mich als wäre ich bekifft ins Kino gegangen. Traumbilder ziehen an mir vorbei, ein Gefühl der Angst schwingt mit und jeder Moment brennt sich in meine Erinnerung ein. Bis hier hin liefs noch ganz gut. Nur noch ein paar Minuten Urlaub. Ein Café in Mailand. Zu meinen Füßen reißen sich 30 weiße Tauben um die Blätterteigkrümel, die wie Strasssteine den Boden schmücken. Nach einer Weile bemerke ich, dass außer meinem Tisch alle von Tauben besetzt sind. Nur noch 5 Minuten Der Blick auf den Lago Maggiore. Die Hitze flirrt, hinter den Palmen sehe ich Flugsaurier die Berge umrunden und würde den Moment gerne schmecken. Nur noch 4 Minuten Mein Blick schweift von der geöffneten Sektflasche über Paris. Als ich den ersten Schluck nehmen will, fängt es an zu regnen. Ein hutzeliger Mann spielt Chansons von Britney am Klavier. Ich gehe weiter und sehe Menschen an der Seine tanzen, um ein Paar, das einen Tango hinlegt, hat sich ein andächtiger Kreis gebildet – die Zuschauer:innen tragen keine Masken. …