Autor: Gastgedanken

Du und ich in Wir

Wieso vermisse ich dieses wir wenn du und ich nie wir waren Ich und du waren wir Ich und du waren du und ich Wir selbst Auf einmal wir selbst Aber es gab nie ein wir Du und ich Zusammen wir Aber nie das wir was ich mir gewünscht habe Ich wollte für alle wir sein Nicht nur für uns zwei wir Sondern für alle Wir für uns war nicht genug Auch wenn es nicht ausgesprochen warFür uns waren wir wir Nur für alle anderen waren du und ich du und ich Alle sagten du und ich sollen wir werden Doch da war diese AngstDiese Angst heißt wir Du und ich hatten Angst du und ich in wir zu verlieren Dass du und ich uns ein anderes wir klauen Weil du und ich uns nicht sicher waren Weil du und ich als wir nicht genug waren Jetzt träume ich von dir Und von dem wir was du und ich hätten sein können Was wir hätten sein können Wenn da nicht dieses wir über uns gewesen …

Und wir lachen zusammen

selten, viel seltener als früher sitzt du still vor mir und lächelst. häufiger, viel häufiger als früher bewegte sich dein Lächeln zu einem  lauten  glücklichen  Lachen. und wir lachen zusammen. — und immer bist du da heute noch viel mehr  als noch im letztes Jahr. — unsicher darf man sein  denkst du  aber das sollte niemals abschrecken. und vielleicht ist es genau das, um was es eigentlich geht. — ich war verletzt und dann war ich enttäuscht, aber du enttäuschst mich nie. — ich denke immer alles muss gut sein aber ich muss lernen, gut muss nicht perfekt sein. — du machst mich glücklich.  wollt ich dir nur mal eben sagen. ganz kurz. – Das Schreiben von Gedichten und kleinen Texten bedeutet für Mira, Momente und Gefühle zu verarbeiten und festzuhalten. Sonst hört sie viel Musik, tanzt und trinkt Tee. In Zukunft möchte sie mehr von der Welt sehen und mutiger werden.  Das Beitragsbild ist von Luka.

Raum geben, Raum nehmen

Im Seminarraum ist es stickig. Julian lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Während er redet, bewegt er die Hände, um seine wichtigen Aussagen zu unterstreichen. Fast alles, was er sagt, sieht er als wichtig an. Nachdem er am Anfang verkündet hat, er wolle sich kurzfassen und würde sich eh nur den anderen Beiträgen anschließen, redet er 6 Minuten durch. Nach dem dritten Satz verliert er sich bereits in seiner Argumentation.  Ich schweife ab. Seine Stimme nervt mich nur noch. Ich will, dass er aufhört zu reden. Nachdem er mit seinem Zeigefinder noch einmal bedeutungsvoll auf den Tisch getippt hat, schweigt er. Ich atme auf. Habe ich die ganze Zeit die Luft angehalten?  Während ich überlege, was ich auf seinen inhaltslosen Beitrag antworten könnte, heben Max und Sebastian schon engagiert den Arm. Die Diskussion, die eher einer Selbstdarstellung mit möglichst vielen Fachwörtern in einem Satz gleicht, geht weiter.  Sophie schweigt. Kathie malt auf ihrem Collegeblock das Datum nach. In mir staut sich etwas auf. Ist es Wut?  Würde ich für jeden männlichen Beitrag in diesem Seminar …

Das ganze Universum auf meiner Haut

Auf meiner Stirn kreisen Planeten, Konstellationen zieren meine Wangen und Sterne verteilen sich bis auf meine Brust. Das rote Universum auf meiner Haut trage ich schon so lange mit mir, dass ich nicht mehr weiß, wie es sich ohne anfühlt. Vor genau einem Jahr fand ich die ersten Anzeichen auf meiner Stirn. Erst links, dann rechts, bis es sich innerhalb von einigen Monaten auf meinem gesamten Gesicht ausbreitete. Heute hat es sich bis auf meine Brust ausgeweitet und damit jeden Tag aufzuwachen, ist nicht immer schön. 90% der Menschen haben in ihrer Pubertät mit Akne zu kämpfen. Bei mir fing es mit 20 Jahren an. Zuerst schob ich es auf Stress, meine Ernährung oder sonstige Einflüsse. Als es dann immer schlimmer wurde und kein Mittel dagegen half, begann ich in ein Loch zu fallen. Ich fühlte mich so unwohl in meiner Haut, dass ich an manchen Tagen das Haus nicht verlassen wollte. Die Blicke der Menschen um mich, schienen nur auf deinem Gesicht zu ruhen. Ich hatte Probleme beim Zähneputzen in den Spiegel zu sehen …

Ein neuer Platz für ein neues Jahr

Silvester 2018 – Ich kann mich an die Heizung erinnern, auf der ich saß und das Glas, was ich in der Hand hielt. Auch an Freunde und Lachen und eine kleine beengte Wohnung. Split. Kroatien. An der Wand hing der Lichtvorhang, den sein Mitbewohner da hingehängt hatte – vor 3 Wochen. Ein paar Cracker auf der Fensterbank, das weiß ich noch. Und alle hier, die hier sein sollen. Dass alte Partymusik lief und alles ein bisschen kribbelig war, wie wenn man als Kind abends ins Bett gegangen ist und wusste, dass am nächsten Tag etwas Besonderes passieren würde. Wie eine Mineralwasserflasche, die zu lange in der Hitze gelegen hat. Aber draußen war es klirrend kalt und als jemand das Fenster aufgemacht hat, strich mir ein eiskalter Windzug über den Arm. Das weiß ich noch. Nur eine Woche nach Weihnachten und Weihnachten fühlte sich wie viel länger her an. Momentaufnahme. An den Jahreswechsel kann ich mich gar nicht mehr richtig erinnern. Komisch. Dann 2019 – Das Jahr, in dem sich alles verändert hat und ich mich …

Eine Sache der Sichtweise

Im November 2017 erzählte Pia ihre Geschichte im Gastgedanken-Beitrag „Trotz Krankheit glücklich sein.“ Damals sprach sie über ihre chronische Darmerkrankung “Colitis Ulcerosa” und schrieb darüber, wie sie es schaffte, ihr eigenes Glück zu finden und sich und ihren Körper zu lieben und zu akzeptieren, so wie er ist. Samt Krankheit. Leider folgte auf diesen Eintrag eine schwere Zeit, von der sie hier erzählt. Eine unerwartete Nachricht Der Sommer 2018 hatte es in sich. Er begann mit einer wunderschönen, aber auch unerwarteten Nachricht: Nach 10 Jahren voller Medikamente, Rückschlägen und ständigem Wechsel von so vielen Sachen sah mein Dickdarm so gut aus wie noch nie zuvor. Die Entzündungswerte waren wie die eines gesunden Menschen. Stabil. Meine Ärztin und ich beschlossen daraufhin, einen Versuch zu starten und setzten meine Medikamente vollständig ab. Ein gewagter Versuch, aber einer, der zeigen sollte, wie stabil mein Darm tatsächlich ist. Ich schaffte es letztendlich ganze vier Monate medikamenten- und beschwerdefrei zu leben. Dann begannen die Hautprobleme. Höchstwahrscheinlich als Folge der Absetzung meines Medikaments in Zusammenhang mit der Sonne und dem heißen …

Ein bisschen weniger Ich

Ich frage mich: Wäre ich so schön wie sie – wärst du auch ohne Worte verschwunden,hättest mich am Tiefpunkt meiner Gedanken gefunden und dann irgendwann einfach fallengelassen?Hättest du dich dann vielleicht überwunden, mir zu sagen, was du fühlst? Sag mir, wäre ich hübscher, nochmal 20kg leichter, 5cm größer und meine Haare 30cm länger, sag mir, wärst du geblieben?Hättest du vielleicht genau dann angefangen, mich zu lieben, hättest mir vielleicht einmal mehr geschrieben und mich beschützt vor diesen dreisten Dieben? Diebe, die mir mein eigentliches Ich entreißen,die meine Gedanken immer und immer wieder durcheinander schmeißen, wodurch meine wahre Identität droht zu entgleisen.Die und auch Du, ihr versucht mir etwas zu nehmen, was ich, wenn ich ehrlich bin, niemals besessen habe.Versteckt hinter einer hohen Fassade steht ein Mädchen, dass nach außen so unglaublich stark und nach innen so verletzt ist. Sag mir, wäre ich anders oder normal, wärst du dann noch hier?Wäre ich ein bisschen weniger Ich und ein bisschen mehr wie ihr, würde ein bisschen weniger laut lachen und wäre etwas weniger frech zu Dir?Wärst du …

Frühstück ohne Oma

Dieser Gastgedanken-Text ist als Antwort auf das Interview “Frühstück mit Oma” entstanden. Der Tee in der Tasse vor mir dampft. Die Tasse hat ein Rosenmuster, wie so vieles im Besitz meiner Oma. Es ist nur eine Tasse Tee, nicht zwei, denn ich bin alleine in meiner WG.  Auf TIERINDIR ist vor Kurzem ein Text von Imina erschienen, ein Interview mit ihrer Großmutter. Beim Lesen bedauerte ich sehr, diese Möglichkeit eines guten und differenzierten Gesprächs mit meiner Oma nicht zu haben. Die hatte ich leider auch schon nur bedingt, als meine Oma noch lebte.  Der Text machte mich traurig: So oft denke ich an meine Oma und wünsche mir, ihr etwas erzählen oder mich mit ihr austauschen zu können. Das sind meistens kleine Dinge: Ich male Blumen an die Wand in meinem Zimmer und würde sie ihr gern zeigen; ich sehe ein Café, das ich gern mit ihr besuchen würde; ich lese ein Buch das ihr gefallen könnte … Manchmal sind es auch Momente, in denen ich erwarte, sie müsse gleich um die Ecke biegen und einen …

Du warst nur dort, wenn du ein Foto hast

Ich stehe vor dem Casa Batlló in Barcelona. Die Sonne scheint, lässt mein Haar golden glänzen und alles warm erscheinen, dabei ist es Mitte Oktober. Click, click. „Perfect.“ Das Haus ist wunderschön denke ich, so rund, bunt und detailreich. Ja, das ist wirklich ein Kunstwerk. Eine Stimme reißt mich aus meinem Staunen. „Oh yes, that‘s a good position!“ Click, click. „Perfect.“ Die zwei Mädchen aus England sind fertig. Sie haben die perfekten Fotos für ihren Instagram-Feed. Die Haare wehen ein wenig auf dem Foto und natürlich sieht man fast nur das Mädchen mit ihren langen Beinen und den braunen Longbob, aber das Bild wird gepostet mit den Hashtags #Barcelona #Gaudí #Travel. Auf einmal bestürzt mich das Gefühl, ich bräuchte auch so ein Bild. Damit man sehen kann wo ich gerade bin, was ich alles erlebe und wie glücklich ich doch bin. Also drücke ich meinem Freund mein Handy in die Hand stelle mich vor das Haus, ziehe den Bauch ein, lächle, Arme etwas nach hinten und schwupp, fertig. Ich schaue die Bilder an und dann …

Nach Dir suchen

Manchmal denke ich, ich finde Dich nie, als wärst Du bloß ein Traumbild, das ich erschaffen habe, um mein Leben lang nach Dir zu suchen. Überall schaue ich nach Dir, in der ganzen Stadt suche ich nur nach Dir. In jedem unbekannten Gesicht meine ich Dich zu erkennen, in jedem Lächeln fühle ich deine Nähe. Ich sitze in der Bahn. Häuser und Menschen, Geschichten und Schicksale ziehen an mir vorbei. Das Mädchen neben mir hört so laut Musik, dass ich mitsingen könnte, wenn ich wollte und der Mann mir schräg gegenüber wirft ihr einen genervten Blick zu, bevor er wieder in sein Buch schaut. Ich flüchte mich in meine Gedanken, denke an Dich. Wo bist Du nur? Wo soll ich Dich finden? Suche ich Dich vielleicht am komplett falschen Ort? Als ich nach draußen schaue und in der Fensterscheibe meine Reflexion sehe, glaube ich Dich zu erkennen. Doch dann bin ich mir nicht mehr sicher, vielleicht habe ich mich getäuscht. Die Bahn hält, ich muss aussteigen und stehe inmitten von Lärm und Leben. Diese Suche erscheint …