Autor: Carolin

Let’s talk period #heiterbiswolkig

Disclaimer: Auch nicht-binäre Personen und Trans-Männer menstruieren und nicht alle Frauen menstruieren. In diesem Text wird jeweils ausschließlich auf cis Personen Bezug genommen. Die Periode ist das Natürlichste der Welt und trotzdem ist sie ein hochpolitisches Thema. Das, was jeden Monat wieder aus unzähligen unbefruchteten Gebärmuttern fließt, ist der Saft in dem unser aller Existenz beginnt, also lasst uns drüber reden. Über den Schmerz, die Bedürfnisse und die Ungerechtigkeiten die damit einher gehen. Let`s talk, period. Seit ich das allererste Mal meine Periode bekommen und angefangen habe zu menstruieren, habe ich Schmerzen. Starke schmerzen. Schmerzen, die so viel Energie brauchen, dass der Rest meines Körpers taub wird und ich für ein paar Stunden fast alle Lebenskraft verliere.Ich weiß nicht mehr was ich erwartet hatte bevor ich das erste Mal zu bluten begann, aber nun kenne ich es kaum anders. Es ist jeden Monat aufs neue scheiße – manchmal ist mir so schlecht, dass ich ich mitten in der Nacht aufwache und stundenlang zwischen Klo und Fenster hin und her flitze oder mich sogar übergeben muss. …

Struktur pur #heiterbiswolkig

Im Alltagsgewusel merke ich meist gar nicht, welche Strukturen mich beeinflussen oder im Laufe meines Lebens geprägt haben. Doch besonders seit Beginn der Pandemie ist das Thema (Alltags)-Struktur für mich unausweichlich geworden. Woher kommt meine Struktur? Mein Leben war, wie bei den meisten, schon immer viel von äußeren Strukturen geprägt. Ich lernte von klein auf Regeln des sozialen Miteinanders, bekam Tagesstruktur durch Kindergarten, Schule, Arbeit und Uni und bin unfreiwillig Teil von politischen und wirtschaftlichen Strukturen. Veranstaltungen in der Uni, Schichten im Laden, Treffen meiner Aktivistigruppe und Verabredungen mit Freund:innen und Familie, setzten sich zu einem Mosaik aus Terminen zusammen, bei dem ich hinterher nur noch die Lücken füllen muss. Einiges davon ist notwendig, vieles will ich von mir aus. Am Ende ergibt alles zusammen ein Netz aus Strukturen das mich hält und in dem ich gleichzeitig gefangen bin. Lockdown, Zeit Zuhause und Ungewissheit Als es Ende März ernst wurde mit der Pandemi, war bei mir neben allen Ängsten und Unsicherheiten ein Gefühl besonders präsent: Vorfreude. Als Mensch, der zu schnell und zu viel Ja …

Ein Gefühlsbericht zur Pandemie #heiterbiswolkig

Wir alle hatten und haben Erwartungen an die Pandemie. Zumindest meine haben sich (bis jetzt) nicht erfüllt. Wo stehe ich gerade und wie wird es weitergehen? Tja Corona. Das Leidige Thema der Pandemie begleitet uns nun schon einige Monate und ich muss sagen, irgendwie hatten meine Erwartungen am Anfang anders ausgesehen. Einige Horrorszenarien sind nicht eingetreten, andere Erwartungen wurden enttäuscht. Aber fangen wir mal am Anfang an. Erwartungen an Corona Ende März fing das alles an, nachdem das Coronavirus seinen Weg nach Deutschland gefunden hatte. Die 1-2 Wochen vor dem Lockdown war das alles noch so abstrakt, keiner in meinem Umfeld nahm das Virus wirklich ernst, die Gefahr wurde belächelt. Mir hingegen bereitete die mögliche Gefahr ernsthafte Sorgen und ich ging davon aus, dass Corona auch für uns bald Thema sein würde. Eine Woche verging, bis erst mein Arbeitsplatz und dann die Uni dicht gemacht wurden. Schnell war es normal einen großen Bogen um andere Passant*innen zu schlagen, Maske zu tragen und nur zum Einkaufen oder Spazieren vor die Tür zu gehen. Auf Letzteres hatte …

Zeit, erwachsen zu werden #heiterbiswolkig

Meine ganze Kindheit und die meiste Zeit meiner Teeniejahre, hatte ich eine sehr genaue Vorstellung davon, was es bedeuten würde, erwachsen zu sein und vor allem, wie ich mein Leben gestalten würde wenn ich endlich erwachsen wäre. Erwachsene sind die, die bestimmen, die Regeln vorgeben, das letzte Wort haben und für sich selbst entscheiden können. Ich konnte es kaum erwarten, das auch endlich zu dürfen. Frei von Pflichten wie Schulaufgaben oder Helfen im Haushalt, Sperrstunde und Internetverbot, endlich machen können was, wann und wie ich es will, klang ziemlich gut. Und zuerst war es das auch. Ich erinnere mich gut an die erste Zeit nachdem ich von Zuhause ausgezogen war. Mein neues, selbstbestimmtes Leben fing gerade an und ich fühlte mich großartig. Allein in meiner eigenen Wohnung die gefüllt war mit Dingen die nur mir gehörten, fühlte ich mich frei und unabhängig. Ich konnte endlich nachts spazieren gehen ohne dass irgendjemand sich Sorgen machte und es war aufregend die völlige Freiheit zu haben, wie ich meine Tage und meinen Lebensraum gestalten will.  Tatsächlich führte ich …

Zeit mit dir braucht Zeit mit mir #heiterbiswolkig

Ich muss dahin, ich hab doch zugesagt – sagt mir mein Kopf. Aber ich will lieber im Bett liegen und lesen, sage ich.  Aber du wolltest doch aktiver sein, mehr unter Leute gehen, mehr leben! – sagt mein Kopf. Ja, aber heute will ich eben nicht mehr, sage ich. Es ist Donnerstag, und eigentlich fängt in einer Stunde die Geburtstagsfeier an, zu der ich letzte Woche schon zugesagt hatte. Da sind viele Leute. Und ich muss dazu rausgehen – mich aus meinem Zuhause, meinem geschützten Raum lösen. Eigentlich habe ich keine Lust dazu. Viele Menschen heißt viele Gespräche und die eigenen Gedanken teilen. Aber wie, wenn ich keinen Raum habe meine Gedanken zu denken? Trotzdem trödele ich herum, mache Last Minute das Geschenk fertig und suche die Bahn raus. Der innere Konflikt ist stark, aber eigentlich weiß ich schon worauf es hinausläuft, weil es oft auf das Gleiche hinausläuft – nachträglich abzusagen. Als ich zugesagt habe, hatte ich mich über die Einladung gefreut. Ich hatte Lust gehabt hinzugehen, Kontakte zu pflegen, Spaß zu haben. Aber die Woche war voll, ich …

Nur du #heiterbiswolkig

Nur du. Wieso brauchst du Bestätigung? Und wieso glaubst du, sie von anderen bekommen zu müssen? Wofür willst du dich bestätigt fühlen? Vielleicht dafür, dass du eine tolle Freund*in bist, oder dafür, dass du großartig kochen kannst?Dass du dich immer ein bisschen mehr anstrengst, als von dir erwartet wird, oder dass du viel über Musik weißt und dein Wissen gern teilst? Ich finde es faszinierend, dass die meisten von uns danach streben, Bestätigung von anderen zu erfahren, wo doch viel naheliegender ist, diese in uns selbst zu finden. Du selbst bist der einzige Mensch, der dich in und auswendig kennt.Der von allen versteckten Leidenschaften, nervösen Angewohnheiten, nie abgeschickten Liebesbriefen und heimlichen Gedanken weiß. Du bist der einzige Mensch, der dich in all deinen Facetten kennt und somit auch der einzige, der dich vollkommen, so wie du bist, annehmen kann. Wieso also erwartest du Bestätigung anderer, um dich gut oder ganz zu fühlen? Natürlich ist es schön, von anderen angenommen und dafür gemocht zu werden, wie man ist und was man kann. Aber das, was du …

Ich wünschte ich hätte Talent #heiterbiswolkig

Wenn ich sagen sollte, wie oft ich mir schon anhören musste: ‘’Du kannst so toll zeichnen’’, ‘’Ich würde das auch gerne können’’, ‘’Ich wäre gern so talentiert’’, ich könnte es nicht sagen. Unzählige Male. Ich habe nie verstanden, wieso so viele Menschen erwarten, dass man das einfach kann. Als wäre man begabt vom Himmel gefallen.  Früher hat es mich oft verwirrt, aber mir auch ein bisschen geschmeichelt. Ich habe dann so etwas gesagt wie: ‘’Du musst einfach nur viel üben’’ oder ‘’Jeder kann zeichnen’’, aber mich auch ein bisschen stolz gefühlt, dass ich das so besonders gut kann. Aber ich bin natürlich nicht begabt vom Himmel gefallen. Und ich würde mich keineswegs als talentiert bezeichnen. Ich habe mein Leben lang einfach gerne gezeichnet. Es ist das, was meine Hand macht, wenn ihr langweilig ist, das Natürlichste der Welt. Ich habe nie erwartet, Künstlerin zu sein oder irgendetwas daraus zu machen. Ich habe es einfach gemacht. Es war wie Atmen. Und trotzdem, rückblickend gesehen habe ich krass viel Zeit damit verbracht, diese Fähigkeit auszubauen und mich …