Monate: April 2022

Die Zwischenstelle und der Frühling #gedankenkarussell

In einem kleinen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart geht es im Folgenden über den Frühling, was er bedeutet, über das Schwelgen in Erinnerungen, das Festhalten an diesen und dem Wunsch endlich anzukommen.  Heute Mit wahrscheinlich mehr Kraft als nötig, schüttelte sie den gefallenen Schnee und die Kälte von sich, sobald sie das Haus betreten hatte. Sofort umhüllte sie die Wärme des Feuers im Ofen und genervt schleuderte sie den Schal, die Mütze und die Handschuhe auf den Boden, wo kurz darauf auch ihr Mantel landete. Sie würde diese aufheben, sobald sie sich wieder aufgewärmt hatte. Immer noch zittrig stellte sie sich vor den Ofen, hielt die Finger so nah wie möglich an die Scheibe und wünschte die Wärme würde schneller auf sie übergehen.  Nein. Was sie sich eigentlich wünschte war, dass der April sich wie ein normaler Frühlingsmonat benahm und ihr statt Schnee wärmende Sonnenstrahlen schenkte.  Mehr als nur etwas nötig hatte sie nicht nur die Wärme, sondern auch das Sonnenlicht, das sich in den letzten dunklen Wintermonaten rar gemacht hatte. Sobald die ersten Anzeichen …

Zwischen den Zeilen

Im Drogeriemarkt meiner Wahl stehe ich vor einem dieser vierseitigen Kartenständer aus Metall, an denen ich schon als Kind immer fasziniert stehen bleiben musste, um alle Seiten ausführlich zu betrachten und um zu beobachten, wie die Farben der Karten beim Drehen des Metallständers verschwimmen. Dieses Exemplar bietet ein breites Spektrum an Karten zu jeglichen Lebensereignissen. Manche davon glitzern, manche sind zum Aufklappen und manche können sogar Musik beim Aufklappen abspielen. Es ist eine bunte Mischung aus Pastellgelb, -grün, -rosa und -blau, verschnörkelten Schriftarten und diversen Motiven. Und da ist wirklich für jeden Anlass was dabei: Die Seite des Drehständers, die ich mir gerade anschaue, bietet eine große Auswahl an Karten mit Glückwünschen zur Geburt. Überall sehe ich Störche, Regenbögen und Babysocken. Klar gibt ́s auch hier die All-Time-Klassiker mit der Aufschrift „Es ist ein Mädchen!“ mit Herzen und Blumen auf einem rosa Hintergrund – und „Es ist ein Junge!“ mit Teddybären und Elefanten auf einem blauen. Geschlechterklischees, lieben wir. Ich drehe weiter und auf der zweiten Seite des Drehständers erwarten mich Karten zur Einschulung, zur …

Trampolin im Becken #unterkörperwelten

Der Beckenboden – ein lebenslanges Thema. Denn nicht nur dann, wenn sich ein kleines Köpfchen mit durchschnittlich 35 cm Umfang durch den Geburtskanal schiebt, spielt er eine große Rolle. Der Beckenboden ist unabdingbar für unser Wohlbefinden, doch warum? Zeit, ihn einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Den Kopf auf die Matte Ich betrete die mit Neonröhren hell erleuchtete Sporthalle und denke: „Oh wow – hier riechts unfassbar eklig“. Dicht gefolgt von motivierten Studierenden, mit denen ich die nächsten acht Stunden sehr engen Körperkontakt haben werde – zweieinhalb Jahre und eine noch immer anhaltende Pandemie später hat dieser Gedanke etwas Beängstigendes an sich. Zum Umzug von der Klein- in die Großstadt hielt ich es noch für sinnvoll, einen Intensivworkshop zum Thema Selbstverteidigung und Deeskalation zu besuchen, sicher ist sicher. Allerdings hat sich in meinem Kopf kein einziger Griff, keine einzige Strategie einen dauerhaften Platz ergattern können. Ganz ohne Souvenir habe ich den Kurs aber nicht verlassen: Ein Student hebelte mich beim Krav Maga so unerwartet aus dem Stand, dass ich erst mit dem Po und dann …

Meine Nachtgedanken und Ich

Es ist Abend, noch nicht sehr spät. Gerade habe ich mein Handy weggelegt, der letzte TikTok-Song schwirrt noch in meinem Kopf herum und wird mich die nächsten Tage in den unpassendsten Situationen begleiten. Ich strecke mich so weit, bis ich vom Fußende meines Bettes den Lichtschalter erreichen kann, damit meine Füße nicht den kalten Boden berühren müssen. Noch einmal kurz das Fenster auf und wieder zu und endlich erlaubt mir mein mir selbst auferlegter Tagesablauf, in mein kuscheliges Bett zu fallen und die Augen zu schließen. „Jetzt muss ich schnell einschlafen, damit ich morgen wieder früh aufstehen kann“, ermahne ich mich und weiß im nächsten Atemzug, dass die Nacht damit für mich schon gelaufen sein könnte.  Ich denke viel, ich denke lang, ich denke lange viel nach. Und das am liebsten abends. Tagsüber bin ich, wie ich mich am liebsten mag: offen, herzlich, meistens ein Grinsen im Gesicht und dieses innere Gefühl der Freude und der Dankbarkeit. Auch mal nachdenklich, aber immer nur zeitweise und in einzelnen Situationen. Doch immer selbstbewusst genug, einen Gedanken in …

Fühl‘ mal, mein Fomo-Herz #gutunddir

Akronym Fomo – Fear of missing out. Eine Generation scheinbar gratwandernd zwischen „Was wäre wenn…?“ und „Wenn… dann…„. Da, wo „Ich hab Fomo!“ vor allem ehrliches Zugeständnis statt bloßes Symptom einer digitalisierten Social-Media Gesellschaft ist. Da, wo sie sich nicht erst mit dem bevorstehenden Wochenende am Freitagabend, sondern direkt Montagmorgen vor dem ersten Kaffee zu Dir an den Tisch setzt. Eine Suche nach all den Gründen für die Gefühle der Angst, etwas zu verpassen. All die Fragen des Verpassens Der Begriff Fomo – „Fear of Missing Out“, die Angst etwas zu verpassen – taucht erstmals 2004 in einem Magazin der Harvard Business School des Autor Patrick James McGinnis auf und wird definiert als „gesellschaftliche Beklemmung, Angst oder Besorgnis, die das zwanghafte Verlangen nach einer sozialen Interaktion beschreibt, um eine besondere Erfahrung, ein aktuelles Ereignis nicht zu verpassen„. Soziale Interaktion erscheint auf den ersten Blick so urmenschlich wie das Verlangen nach Nahrung, wie das Verlangen nach einem Zufluchtsort. So fundamental, so natürlich, so menschlich. Aber, was ist, wenn dieses Bedürfnis nach sozialer Interaktion zu einem unterbewussten …

Box und Bier

Wir sind unterwegsMachen die Stadt unsicher Sind selten so selbstsicher In der Hand nur Box und Bier Die Uhr zeigt schon nach vier Wir in den StraßenNichts hält uns aufDenn wir laufenLaufen nachts Sternenhimmel über uns Asphalt unter den Sohlen Wollen unsere versäumte Zeit Nachholen Gemeinsam unbesiegbar Wir, die Box, das Bier Wir laufenKennen die Straßen Kennen die Stadt Es ist dunkel,Wie immer nasskalt Typisch norddeutsch haltDer Bass dröhnt weiter Und das Bier knallt Wir laufenLaufen Richtung Downtown Die NachtIst noch lange nicht vorbei Lachen, laufen, trinken Tanzen, Songtexte schief singen Aber lebenWir genießen das Leben Erobern uns zurück unser Leben Bevor der Tag anbrichtUnd alles wieder zusammenbricht All die LeichtigkeitAll die gemeinsame ZeitAll das nicht mehr einsam sein Wir wollen nämlich nicht Einsam seinWir wollen gemeinsame Zeit Wir wollen diese Leichtigkeit Wir wollen nicht vernünftig sein Nicht immerzu vernünftig sein Wir wollen auf Tischen tanzen Uns nicht drinnen verschanzen Wir wollen die Falschen küssen Nicht zu schnellErwachsen werden müssenWir wollen Musik hören Freundschaftsschwüre schwören Wir wollen raus gehenUnd uns in den Arm nehmen Doch der Tag beginnt Die Musik verstummt Und das Bier ist leer Wir wollen mehr Wollen wieder mehrMehr leben, mehr Leichtigkeit Mehr gemeinsame ZeitMehr Zeit ohne Einsamkeit Mehr lachen, laufen, trinken TanzenSchief die …

Wollknäuel

Wenn ich meinen Blick durch die Gegend schweifen lasse, wird mir bewusst, wie weit ich entfernt bin. Die Nähe zu anderen Personen, Gegenständen oder Ereignissen ist greifbar – so als würde ich mich direkt mit meinem Gesicht gegen das Fenster bei einer Autofahrt drücken. Ich kann alles sehen: die Regentropfen zum Beispiel. Sie fallen immer schneller auf die Autoscheibe und ich kann jeden einzelnen davon erkennen. Der rechte Tropfen fällt sacht auf die Scheibe und bahnt sich seinen Weg nach unten. Da – der andere Tropfen – ist viel langsamer und findet seinen Weg nicht ohne Ausschweifungen nach unten zum Türgriff. Dieser ist anders. Er kommt erst nach rechts, nach links, dann weiter nach links und weiß nicht genau, wie er seine Route fortführt.  Dieser Regentropfen steht als Symbol meines momentan Gefühlschaos. Ich blicke umher, finde keinen Halt und keinen Anker, sondern schwebe von einem Moment in den anderen. Ich renne von Standort zu Standort, überquere Brücken, Hügel und Bahnhöfe. Finde mein Zuhause, erkenne meine Vorlieben – aber doch finde ich mich nicht. „Du machst …