Gastgedanken, Selbst & Inszenierung
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Meer der Erkenntnisse 

Welle eins 

Ich will ein Meer zwischen mir und all dem was war.
Zu oft häng ich mich an altem auf.
23:10,
lieg in meinem Bett und starre die leere Teetasse auf meiner Fensterbank an.
Sie erinnern mich an all das, was ich noch machen wollte.
Wie z.B. die Tasse in die Küche zubringen. 
Es stört mich, kann mich nicht beruhigen.
Ca. 23:30,
Schwebe irgendwo in meinen Gedankenkreisen.
Bin schon in meiner Kindheit angelangt.
Störe mich Feli, das Kommentar von Elias gesagt zu haben.
Ich weiß noch wie ich versucht habe das Gras schneller drüber wachsen zu lassen.
Jetzt wühle ich das ganze Beet wieder auf.
Ich weiß: Es ist nicht mehr rückgängig zu machen.
Nach vorne schauen sollte ich, 
auf die nächste Welle aufspringen.
Ich seh aber nur den Sturm hinter mir, den ich zurückgelassen habe.
23:52,
Der Tag ist gleich vorbei und ich habe das Gefühl, nichts erreicht zu haben.
Ich möchte noch was aus ihm rausholen. 
Vielleicht das Jetzt noch spüren, nachdem ich in einer anderen Zeit über meine Fehler nachgedacht habe.
Ich beschließe aufzustehen und in den nächsten Tag zu tanzen.
24:00,
Habe gespürt, getanzt und geschwiegen.
mir war klar was das hier ist. 
Ich musste dazu nichts sagen.
Worte hätten es verändert.
Ich tanze schweigend. 
Es wäre nicht mehr dasselbe gewesen,
es wäre nur von außen gleich.
Innen tanzte ich,
Außen schwieg ich.
Man kann das Außen innen fühlen,
Aber das Innen kann nicht immer nach außen.
Es sind Welten dazwischen.
Und trotzdem sind sie eins in mir.
Ich sehe Tanz,
Und fühle ihn gleichzeitig.
Ich schweige tanzend.

Welle zwei 

Ich will ein Meer zwischen mir und all dem, was mich hindert mein Leben selbst zu leben.
Ich will Distanz. Seit Corona noch viel mehr.
Die Vorstellung alleine zu sein macht mich glücklich. 
Plane gerne Solo-Trips.
Merke wie sie mir gut tun und mir zeigen, das ich auch alleine leben kann.
Zumindestens für diese Zeit.
Anonym und unabhängig. 
Ich reise alleine. 

Vom Losreißen mitreißen 

Ich breite die Arme aus und lasse mich mitreißen.
Ich fühle, spüre, höre, genieße.
Der Beat der Musik lässt uns höher fliegen.
Ich werde mitgerissen, doch ich möchte mich losreißen.
Ich will reisen und zwar weit weg.
Weg von denen, die mich mitreißen, damit ich mich nicht losreißen muss, denn sich loszureißen braucht unheimlich viel Kraft.
Beim Mitreißen sind wir wie betäubt und lassen die Kraft nur auf uns wirken. 
Mit Auswirkungen. 

Welle drei

Ich will ein Meer zwischen dem Dort und dem Da, in dem ich einfach in meiner Bubble sein kann. 

Nicht da und nicht dort 

Ich sehe sein Lachen, 
Ich spüre seinen Atem 
Ich fühle den Wind 
Ich höre die Stadt 
Ich bin da, ich war da und bin es immer noch, immer wieder bin ich dort, doch eigentlich bin ich da! 
Wo bin ich? Bin ich meine Gefühle?
Dann bin ich ganz klar dort und nicht da. Doch bin ich ich, bin ich da und war nur mal dort. 
Ich fühle in die Vergangenheit doch bin im Jetzt. 
Ich bin immer wieder in der Situation und es fühlt sich so real an, es fühlt sich so „jetzt“ an.
Doch es war mal und ist nicht jetzt. 
Irgendwann fühle ich es nicht mehr so stark. Doch ich merke, dass ich auch noch nicht richtig da bin, also bin ich doch dort, obwohl ich da bin! Das Dort rückt nur immer weiter in die Ferne, doch von jetzt aus sehe ich es noch gut. Gut genug, dass ich immer noch dort seinen Artem spüre. 
Gut genug, dass ich mich dort umsehen kann und die Häuser noch sehe.
Ich hoffe irgendwann mehr da zu sein, doch das dort hat auch etwas. Es hat Gefühle, es hat Leben, es hat Platz in meinem Kopf.
Ich werde wahrscheinlich nie ganz von dort weg kommen, doch dort muss ich nur ich sein und einfach nicht mehr da!
Das nicht da sein hat auch etwas. Es hat das was ich mir denke, somit ist dort unreal, obwohl es mal real war.
Ich bin immer wieder dort. Ich mag es dort. 
Wenn du mich suchst und ich nicht da bin, bin ich wohl mal wieder dort.

Welle vier

Ich will ein Meer voller Kommunikation.
Ich hatte und habe teilweise immer noch Angst vor Gesprächen.
Weiß nicht wie ich wirke. Unsicherheit nennt man das vielleicht.
In der Theorie weiß ich aber wie wertvoll Gespräche und Kommunikation sind.
Der Praxis fehlt noch etwas Übung.
Letzten Sonntag war sie da die Übung: 

Wort 

Du hast das Wort. Du hast meine Aufmerksamkeit. Ich bin geduldig. 
Wort für Wort. Gedanke für Gedanke.
Ich danke dir. Du kannst gut mit den Worten umgehen, ohne Tabuthemen zu umgehen. 
Wir gehen hier in eine Richtung, über die wir schon lange nicht mehr gesprochen haben. Spontan tauschen wir Worte aus. 
Diese Worte entwickeln sich zu Sätzen, zu Erklärungen und zu Antworten, die neu für uns sind. Ich lerne dich und deine Wortwelt kennen. Deine Wortwahl löst Gedanken in mir aus, die ich in meine eigenen Worte umwandle und dir mitteile.
Wir sprechen über Orte deren Wirkung wir in Worte fassen. Es sind unsere „Wortorte“.
Die Gedanken die wir mit den Orten verbinden, ähneln sich. Wir kommen uns damit näher. Näher an Gedanken und Worte die uns verbinden.
Es ist das Wort, dass uns zusammenhält.
Das Wort bleibt bei dir.
Ich lausche.
Wort für Wort.
Wir tauschen und lauschen. 
gegenseitig.
Jeder auf seiner Seite.
Mal laut und mal ohne Worte.
Du hast das Wort, fängst langsam an, ich lausche.
Versuche deine Worte in meine zu fassen.
Nicke deutlich.
Gebe dir zu verstehen, dass ich das auch so sehe.
Deine Worte hallen nach. Nach innen lässt sich für mich jedoch keine Bedeutung finden.
Wir denken wir haben uns gefunden.
Ich war aber einfach seit dem nicht mehr auf der Suche.
Ich suche und finde heraus, dass wir uns nicht mehr finden müssen.

Alle Wellen zusammen bilden mein Meer. Es sind die Einflüsse und Erkenntnisse von meinem Leben, die ich zu Wellen umgeformt habe. 

Caro ist 17, will mal Design studieren und liebt es sich in Magazinen zu verlieren, sowie in veganem Kuchen. Am Besten dazu noch Annenmaykantereit im Hintergrund. Ganz vorne ist bei ihr das eigene Gemüse und die Modern/Contemporary Stunde am Donnerstag.

Gestaltung von Mara

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