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Nur noch 5 Minuten

Ich bin zwei Wochen im Urlaub und fühle mich als wäre ich bekifft ins Kino gegangen. Traumbilder ziehen an mir vorbei, ein Gefühl der Angst schwingt mit und jeder Moment brennt sich in meine Erinnerung ein. Bis hier hin liefs noch ganz gut. Nur noch ein paar Minuten Urlaub.

Ein Café in Mailand. Zu meinen Füßen reißen sich 30 weiße Tauben um die Blätterteigkrümel, die wie Strasssteine den Boden schmücken. Nach einer Weile bemerke ich, dass außer meinem Tisch alle von Tauben besetzt sind.

Nur noch 5 Minuten

Der Blick auf den Lago Maggiore. Die Hitze flirrt, hinter den Palmen sehe ich Flugsaurier die Berge umrunden und würde den Moment gerne schmecken.

Nur noch 4 Minuten

Mein Blick schweift von der geöffneten Sektflasche über Paris. Als ich den ersten Schluck nehmen will, fängt es an zu regnen. Ein hutzeliger Mann spielt Chansons von Britney am Klavier. Ich gehe weiter und sehe Menschen an der Seine tanzen, um ein Paar, das einen Tango hinlegt, hat sich ein andächtiger Kreis gebildet – die Zuschauer:innen tragen keine Masken.

Nur noch 3 Minuten

Flächig bemalte Gemälde durchdringen mich, Sinuswellen dröhnen in meinem Kopf, ich schwanke durch die Ausstellung, dabei will ich alle Bilder bis zum Erbrechen genießen.

Bis hierhin liefs noch ganz gut

Polizei steigt in die Metro und kontrolliert etwas, macht Ansagen auf französisch. Noch während ich den Ausgang suche, durchströmt mich die Panik am falschen Ort zu sein.

Nur noch 2 Minuten

Ein Mann redet auf französisch auf mich ein. Sein Redeschwall trifft meine Verwirrung, sein Unverständnis, meine Hilflosigkeit.

Bis hierhin liefs noch ganz gut

Eine Wiese. Ein Dosenbier. 100 joggende Menschen um mich herum. Nachdem ich mein Handy ausgeschaltet habe, schaue ich dem riesigen Flugsaurier hinterher, der sich in die Lüfte erhebt.

Nur noch 1 Minute

Teil 1 von zwei Texten. Der Text ist von Clara. Sie lebt in Berlin und studiert Kunstwissenschaft an der Technischen Universität. Neben der Uni schreibt sie über ihre spöttischen Gedanken, liest alles was sie über zu Unrecht vergessene Künstlerinnen finden kann und legt Tarotkarten. Mit ihrer Arbeit will sie Perspektiven außerhalb des Kunstkanons aufzeigen und Andere zum Handeln animieren.

Gestaltet von Linda. Sie ist Grafikdesignerin und brennt für gute Gestaltung. Sie arbeitet gerne konzeptionell und legt den Fokus auf aussagekräftige Illustrationen. Neben Kunst und Design, liebt sie die Berge, Kaffee und ihr rotes Fahrrad Michl. Außerdem gibt sie definitiv zu viel Geld für Schreibwaren aus.

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