Monate: Mai 2021

Deep in der Quarterlife Crisis

Ich bin jetzt 24 Jahre alt. Wenn ich so steinalt werde wie mein Opa – 99, oh Gott bloß nicht – dann habe ich ein Viertel meines Lebens hinter mich gebracht, und es ist höchste Zeit einzusehen: die Quarterlife Crisis ist kein Trend, der um die Jahrtausendwende geborenen snowflakes, sondern fucking real! Sie kommt früher oder später, typischerweise gegen Ende der ersten Ausbildung, wenn sich die Frage stellt: Was. zur. Hölle. mach ich mit den wenigen Jahren Jugend, die mir bleiben (denn jenseits der 30 gibt es nur Ärger und Arbeit)? Wie mache ich das Beste aus der besten Zeit des Lebens, bis ich Falten und Kinder kriege (und Kinder kriegen wollen wir irgendwie doch alle, um es besser als unsere Eltern zu machen)? Die Quarterlife Crisis ist der Kater nach der Coming of Age Party – es ist vom siebten Himmel des self empowerments zurück auf den Boden klatschen und merken, die Antworten auf grundlegende Fragen wie, und was willst du später mal damit machen?, die Antwort auf diese Fragen hab ich immer noch nicht gefunden. Die Quarterlife Crisis ist, wenn …

Du lächelst, während wir sterben #wir

TW: Rassismus, Tod Du hältst ein Schild in der Hand und lächelst.Das weiße Privileg auf deinen Lippen, das weiße Privileg in deinem Gesicht.Du hältst ein Schild hoch und lächelst.Das weiße Privileg umgibt dich voll und ganz.Du hebst ein Schild in die Höhe auf dem geschrieben steht: “RASSISMUS IST DAS PROBLEM!”. Das weiße Privileg, es ist hier und ich kann es sehen.Das weiße Privileg, es ist hier und ich kann es fühlen.Es schmerzt. Während ich lese, was auf all den Schildern geschrieben steht, in großen und kleinen Buchstaben, in bunten und nicht so bunten Farben, geht mein Herz auf.Ich bin voller Hoffnung.Während ich in eure Augen, in eure Gesichter blicke, fühle ich mein Herz immer mehr brechen.Ich bin voller Verzweiflung. Du hältst ein Schild hoch und denkst damit wäre es getan.Während viele von uns weinen.Kein Lächeln auf unseren Gesichtern, während wir schreien: “NIE WIEDER!”.Kein Lächeln auf unseren Lippen, während wir schreien: “ES WAR KEIN EINZELFALL!”. Du hältst ein Schild hoch und denkst es wäre genug.Du hältst ein Schild hoch und fühlst dich gut dabei.Während viele von …

Was ist, wenn das Schöne an der Geschichte nicht er ist, sondern du?

Seit Stunden höre ich dir zu. Wir laufen nebeneinander her und du erzählst mir von ihm. Davon wie du nicht verstehst. Wie kann so schnell vorbei sein, was nicht mal richtig anfangen durfte? Es war doch so gut, denkst du. Und mit allem was du erzählst, malst du das schönste Bild. Du findest nur Worte, die sich übertreffen. Alles stimmte, an ihm. Deine Augen funkeln traurig.  Seit Stunden laufen wir nebeneinander her und ich höre dir zu. Wie du von ihm erzählst. Du redest und redest und dann guckst du auf mich, deine traurigen Blicke suchen in meinen Augen nur eines: Bestätigung. Sie suchen nach etwas, was dir sagt: Alles stimmte, an ihm.  ,,Aber vielleicht”, sage ich vorsichtig. ,,Vielleicht ist er gar nicht so schön.” Es ist der erste Satz von mir. Die ganze Zeit hast du auf meine Antwort gewartet, aber an deiner Reaktion merke ich, dass das sicher nicht war, was du hören wolltest. Du bleibst stehen. ,,Ich meine nur”, sage ich. ,,Was ist, wenn das Schöne an der Geschichte nicht er ist, …

Radikal zärtlich handeln – Interview mit Şeyda Kurt

Die Liebe wird seit jeher als ein geheimnisvoller, undurchdringlicher Mythos beschrieben, den wir niemals ganz verstehen können. Şeyda Kurt hat in ihrem Buch „Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist“ die Normen und Rituale rund um die romantische Liebe erforscht und untersucht, wie sie mit Patriarchat, Rassismus und Kapitalismus zusammenhängen. Über ihr Buch, Beziehungen und ein gerechteres Miteinander durch radikale Zärtlichkeit hat Emma mit ihr gesprochen. Warum ist die Liebe politisch? In meinem Buch betrachte ich da unterschiedliche Herangehensweisen. Zunächst geht es darum, wie gewisse Konzepte von romantischer Liebe und Familie über die letzten Jahrhunderte mithilfe der Gesetzgebung, der Institutionen und des Steuerrechts normiert wurden, was als normal und was als Abweichung dargestellt wurde. Dazu kommt die Frage, wer sich überhaupt in unserer Gesellschaft ungefährdet bewegen kann und wer sich fürchten muss, in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten mit Partner*innen auszutauschen. Das betrifft vor allem queere Menschen, aber Menschen in interracial Beziehungen, zum Beispiel zwischen einem Schwarzen Mann und einer weißen Frau. Da spielen koloniale Vorurteile und Bilder eine Rolle, bei denen der Schwarze Mann als die …