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Ich verlasse TIERINDIR.

Hätte ich jemals damit gerechnet, dass ich diese Worte einmal aufschreibe, sage?
Nein.
Aber Dinge ändern sich, Projekte nehmen die verschiedensten Formen an und Lebenswege verzweigen sich.

TIERINDIR startete für mich mit dem Wunsch, ein eigenes Magazin zu gründen. Ich liebte meine ganze Jugend lang Magazine, las jedes einzelne von denen, die es für Jugendliche gab. Und auch die für erwachsene Menschen mit einem großen Geldbeutel. Irgendwann entdeckte ich dann die NEON in einem Hausflur und war begeistert. So etwas – in einem jüngeren Format – hätte ich in meiner Jugend gebraucht! Beides sprach ich auf meinem YouTube-Kanal an. Unabhängig voneinander. Es meldeten sich zwei Zuschauerinnen und ich dachte mir: jetzt oder nie! Als ich mich gegen einen tollen Job nach der Schule und FÜR das Studium entschied, schwor ich mir, dass ich das mit dem Magazin durchziehe. Dass das eben mein Projekt neben dem Dasein als YouTuberin wird.

Wir trafen uns also über Skype, hielten zusammen unsere Wünsche fest und schmiedeten einen Plan: Erst Blog für Jugendliche, dann irgendwann ein Printmagazin. Tja und das ist jetzt genau dreieinhalb Jahre her.

TIERINDIR ging am Anfang durch die Decke. Es war eine Marktlücke und die Leute hatten Bock auf den Content. Wir wurden zu Veranstaltungen eingeladen und durften uns wieder und wieder vorstellen, wurden interviewt und bekamen tolle Möglichkeiten. Das Crowdfunding war ein unglaublicher Erfolg und letztes Jahr im März hielten wir dann unser Printmagazin in den Händen – das war unfassbar. Ich kann es bis heute nicht glauben, dass dieser Lebenstraum Wirklichkeit geworden ist. Gleichzeitig zweifelte ich über die Jahre immer und immer mehr.

Ich liebe die Idee hinter TIERINDIR und glaube immer noch so so fest daran, dass es richtig gute Jugendmagazine geben muss, die junge Leute abholen. Und da sind wir auch schon beim Punkt: TIERINDIR hat sich mit der Zeit weg von Jugendlichen entwickelt – bzw. hat diese eigentlich nie wirklich erreicht. Unser Ziel war es, 12- bis 16-Jährige anzusprechen, doch wir haben 18- bis 23-Jährige erreicht. Und auch, wenn die Themen durchaus auch dieser Zielgruppe etwas geben und ich das unglaublich schön finde, so sehe ich dort kein so großes Bedürfnis wie im Magazinregal für Jüngere. Es fühlte sich also an, als würde ich meine Zeit mit einem Projekt verbringen, mit dem ich gar nicht das Ziel und die Menschen erreichen kann, für die es eigentlich gedacht war.

Wir diskutierten das natürlich im Team, kamen aber nicht auf einen Nenner. Als Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Präferenzen, Geschmäckern und Ansichten kommt es selten vor, dass alle dasselbe denken und für die gleiche Entscheidung stimmen. Und so gab es oft jemanden, der mit seinen Wünschen und Ideen einstecken musste – meistens mich. Wenn die Vision von einem Projekt nicht dieselbe ist, wenn die eigene Rolle im Projekt und das Potenzial des Projektes unterschiedlich eingeschätzt wird, dann ist die Zusammenarbeit irgendwann schwer. An diesem Punkt standen wir dann. Ich überlegte dann mehrere Monate, was ich eigentlich wirklich will. Doch egal, wie sehr ich an TIERINDIR festhielt: Es wurde klarer und klarer, dass es so nicht weitergeht für uns und für mich.

Als ich dann die Zusage für meinen Job bekam und klar wurde, dass ich jede freie Minute meiner Selbstständigkeits-Zeit in Arbeit stecken muss, die für mich und meine Ressourcen rentabel ist, wurde mir klar, dass ich mit TIERINDIR und was daraus geworden ist, nicht mehr weiter machen konnte und wollte. Das wäre anders gewesen, hätten wir versucht, zurück zu den Jugendlichen zu rudern.

Ich habe also mehr als alles andere gelernt, wie wichtig es ist, dieselbe Bestimmung in einem Projekt zu sehen. In den Grundsätzen gleich zu denken und alles zu tun, damit die auserwählte Zielgruppe das Produkt bekommt, welches sie verdient. Hat ein Team diese Grundpfeiler, macht das die ganze Zusammenarbeit um einiges leichter. Unterschiedliche Sichtweisen und Herangehensweisen sind natürlich auch hilfreich – aber das vor allem, wenn eben eine stabile Basis gegeben ist. Und die hatten wir nicht.

Und so ist es nun: Ich bin noch bis Juni im Vorstand vom TIERINDIR e. V., werde das zweite Printmagazin noch mit herausgeben, danach aber getrennte Wege gehen.

Ich werde TIERINDIR für immer dankbar dafür sein, dass es mir gezeigt hat, dass Träume wahr werden können. Ich werde dankbar sein für alles, was ich aus der Zeit gelernt habe und wie es mich als Person hat wachsen lassen. Es hat mich gefordert, gefördert und teilweise um den Verstand gebracht. Aber ich würde es nie, nie, nie missen wollen.

Danke vor allem auch an Euch, liebe Leser:innen und Follower:innen, dass ihr uns von Tag Eins an unterstützt habt. Es hat so Spaß gemacht mit Euch und es war toll, einige von Euch auch auf dem Blog oder im Magazin zu sehen. Einige sind mittlerweile zu Freund:innen geworden oder Teil anderer Projekte von mir. Das macht mich stolz und glücklich und vor allem zeigt es mir: Alles, was passiert, hat einen Grund.

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