Liebe & Triebe
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Konzept des Datings

Manchmal zweifle ich am Konzept des Datings. Ich frage mich, was es eigentlich genau bringen soll, sich mit wildfremden Leuten auf Grundlage des ersten optischen Eindrucks zu treffen. Immer wieder neu von vorne anzufangen. Erzählen zu müssen, wer man ist, was man mag, was einen stört, was man von politisch kontroversen Themen oder Bestseller-Autor:innen hält. Dinge von sich preiszugeben auf Nachfrage, als würde man eine intrinsische Liste abarbeiten, um den anderen möglichst davon zu überzeugen, dass man ein netter Mensch ist. 

Manchmal frage ich mich, ob ich die Einzige bin, die das so sieht. Die es unangenehm findet, Dinge von sich preiszugeben und sich in Situationen einzufinden, die sich verhalten als wären sie Bewerbungsgespräche, obwohl sie es nicht sind. Gleiche Aufregung, gleiches gespieltes Interesse, gleiches Unvermögen den richtigen Moment abzupassen, es zu beenden. 

Und doch tut man es immer wieder. Weil es die einzige Möglichkeit zu sein scheint, Leute kennenzulernen. Und nicht, dass man es falsch versteht, ich kann das. Ich bin mein lockeres Selbst, ich mache Späße, Leute finden mich lässig und lustig, aber einen Mehrwert daraus zieht nur derjenige, der mich trifft. Ich bleibe leer. Und selbst mein Gegenüber bekommt nicht annähernd einen Eindruck davon, mit wem er gerade Zeit verbringt. Was mich wirklich ausmacht, was mich wirklich bewegt, wie ich wirklich bin – scheint mir – wissen selbst die Leute, die mich gut kennen, nicht immer ganz genau. 

Und so spielt man seine Rolle, die Studentin, die auf Dates geht und „Spaß“ hat.

Hat sie aber nicht. Auch wenn die Treffen nett sind, das Wetter sonnig, der Sex gut – letzten Endes gibt mir das alles nichts. Einmal die Woche mit jemandem so lange Rotwein in sich hinein kippen, bis die Lippen fleckig, die Aussprache ungenau und die Hemmungen weniger werden, nur um dann zu einer sich immer wiederholenden Spotify-Playlist mittelmäßig guten Sex zu haben, in jemandes Armen einzuschlafen und sich am nächsten Morgen beim Kaffee im Bett über die immer gleichen Belanglosigkeiten auszutauschen, erscheint mir so banal.

Und irgendwie ist es das doch nicht? Aber warum fühlt es sich immer so an. Mit nahezu jedem. Sind die Zwanziger so? Ist es das? Einfach regelmäßig mit Menschen betrunken werden, dann im Bett landen, das ganze ein zwei Monate lang regelmäßig wiederholen und dann verliebt sich einer, der andere nicht, es tut weh und ist aus, oder keiner verliebt sich, aber einer geht ins Ausland, es tut nicht weh und ist aus oder einer hat keine Lust mehr, den anderen wundert es nicht und es ist aus.

Ich weiß nicht. Ist es das?

Der Text ist von Leoni. Sie ist 23 und schreibt, um Gedanken aus ihrem Kopf zu Papier zu bringen, sodass in ihr wieder Platz für neue Gedanken geschaffen wird und verliert sich dabei zuweilen in fremden Welten. Neben dem Bachelor in Soziologie arbeitet sie als Social Media- und Kommunikationsassistenz, lebt seit Kurzem in Leipzig und wird im Wintersemester ihren Master dort beginnen.

Lisa ist eine junge Illustratorin und Gestalterin aus Berlin. In Ihrer Kunst befasst sie sich mit Beobachtungen des alltäglichen Lebens und zieht Inspiration aus erlebten Situationen und Personen, die sie umgeben. Nebenher beschäftigt sie sich viel mit Musik und schmökert in Zines und guten Büchern. 

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