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380 Tage Hanau #wir

TW: Rassismus, Rechtsextremismus, Rassistische Gewalt, Tod

Heute vor 380 Tagen wurden neun Menschen bei dem rassistischen und rechtsextremen Anschlag von Hanau ermordet.

Auch heute erinnern wir daran.
Auch heute gedenken wir:

Hamza Kurtović
Gökhan Gültekin
Vili-Viorel Păun
Ferhat Unvar
Mercedes Kierpacz
Fatih Saraçoğlu
Sedat Gürbüz
Said Nesar Hashemi
Kaloyan Velkov

19-02-2020

Es ist der 19. Februar 2020.
Ich bin in meiner Wohnung und gerade aufgewacht als ich davon erfahre.
Ich weiß noch immer, was ich an diesem Tag getan habe.
Was hast du an diesem Tag getan?
Ich weiß noch genau, wie ich auf meinem Sofa saß und versucht habe, mit Tränen in den Augen zu essen.
Ich weiß noch immer, wie ich versucht habe zu funktionieren.
Ich weiß noch immer, was ich gefühlt habe. Ich kann es heute noch immer fühlen.
Was hast du an diesem Tag gefühlt?
Ich weiß noch immer, wie Menschen um mich herum lachten und sich amüsierten als wäre nichts gewesen.
Ich weiß noch immer, wie mein Herz Stück für Stück zu brechen begann.
Wie ging es deinem Herzen?
Dieser Tag, der 380 Tage zurückliegt, fühlt sich gar nicht so weit weg an.
Als wäre es gestern gewesen.
Als wäre kein einziger Tag seitdem vergangen.

Seitdem ist jeder Tag Hanau.
Seitdem ist nichts mehr, wie es war.
Seitdem hat sich Hanau in die Tiefen meiner Seele eingebrannt.

War es ein Tag wie jeder andere für dich?

Es ist der 19. Februar 2020 und die Welt steht still für mich.
Es ist der 19. Februar 2021 und die Welt dreht sich noch immer nicht.

380 Tage

380 Tage ohne euch.
380 Tage Schmerz.
380 Tage Wut.
380 Tage Tränen.
380 Tage Enttäuschung.
380 Tage Kampf.

Wie kann ich all diese Emotionen greifbar machen und zu Wort bringen, was ich fühle?
Wie kann ich beschreiben, wie es meinem Herzen geht?
Ich möchte so viel sagen und kann es nicht. Was gibt es denn noch zu sagen?
Ich möchte schweigen und kann es nicht. Was bringt es schon, zu schweigen?

Worte können nicht rückgängig machen, was geschehen ist. Doch sie können Balsam für die Seele sein.
Worte können dafür sorgen, dass die Namen der ermordeten Menschen nicht in Vergessenheit geraten.

Wir können aber noch viel mehr tun.
Wir können den Angehörigen, den Freund:innen und den Überlebenden zur Seite stehen und ihnen den Rücken stärken.
Immer, wenn ich die Gesichter der ermordeten Menschen vor Augen habe und ihre Namen in meinen Ohren höre, denke ich an die Hinterbliebenen und schäme mich.
Wenn es mir schon so ergeht, wie muss es dann ihnen gehen, frage ich mich.

Und mein Herz bricht ein weiteres Mal.

Mit größtem Respekt und größter Demut verneige ich mich vor den Angehörigen der Opfer, den Freund:innen und den Überlebenden.
Sie sind es, die Tag für Tag unermüdlich kämpfen.
Sie kämpfen für eine lückenlose Aufklärung.
Sie kämpfen für Gerechtigkeit
Sie klagen an und fordern Worte statt Taten.
Sie fordern Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und politische Konsequenzen.

Initiative 19. Februar Hanau

Ich unterstütze diese Forderungen und schließe mich diesem Kampf an.
Was ist mit dir?

Deutschland, schäm‘ dich!

Deutschland, du hast versagt und deine Mitmenschen im Stich gelassen.
Du hast versagt und den Angehörigen, den Freund:innen und den Überlebenden die Möglichkeit genommen, würdevoll Abschied zu nehmen und würdevoll zu trauern.
Deutschland, an deinen Händen klebt das Blut von neun Menschen. Du hast ihre Leben leichtsinnig aufs Spiel gesetzt.
Und jetzt?
Jetzt hättest du die Möglichkeit zu tun, was die Hinterbliebenen und Überlebenden seit dem 19. Februar 2020 tun. Sie tun es, weil du es nicht tust. Sie tun es, weil du versagt hast und weiterhin versagst. Immer wieder, immer wieder.

Deswegen rufe ich alle dazu auf, sich dem Kampf anzuschließen!
Spendet, wenn ihr könnt.
Erinnert an Hanau.
Gedenkt der neun ermordeten Menschen.
#Saytheirnames bei jeder Gelegenheit.

Zu guter Letzt möchte ich auf folgende Petition hinweisen: https://weact.campact.de/p/hanauopferfonds

Unterschreibt diese Petition, damit die Hinterbliebenen und Überlebenden angemessen entschädigt werden.

„Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst“
– Ferhat Unvar

Bildungsinitiative Ferhat Unvar

Wir werden euch nicht vergessen:

Hamza Kurtović · Gökhan Gültekin · Vili-Viorel Păun
Ferhat Unvar · Mercedes Kierpacz · Fatih Saraçoğlu
Sedat Gürbüz · Said Nesar Hashemi · Kaloyan Velkov



Melis verliert sich tagtäglich in ihren Gedanken und verbringt nicht selten Stunden damit, Antworten zu finden, die sie weiterbringen. Musik spielt eine essentielle Rolle in ihrem Leben, denn sie eröffnet ihr neue Welten, in denen sie oftmals auf tänzerische Art und Weise Zuflucht sucht und findet.
Die Auseinandersetzung mit politischen Themen hat in den vergangen Jahren einen hohen Stellenwert in ihrem Leben eingenommen, denn sie hat aufgrund ihrer Biografie früh erkannt, dass politische Verantwortung mehr als ernst genommen werden sollte.

Illustration von Linda.
Linda ist Grafikdesignerin und brennt für gute Gestaltung. Sie arbeitet gerne konzeptionell und legt den Fokus auf aussagekräftige Illustrationen. Neben Kunst und Design, liebt sie die Berge, Kaffee und ihr rotes Fahrrad Michl. Außerdem gibt sie definitiv zu viel Geld für Schreibwaren aus.

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