Körper & Bewusstsein
Schreibe einen Kommentar

Nach dem Zyklus leben

Jeder Mensch lebt in Zyklen. Es gibt die immer wiederkehrenden Jahreszeiten, den Tag-Nacht-Zyklus, die Gezeiten. Die Natur macht uns es uns mit den Jahreszeiten perfekt vor, denn Menschen mit Menstruationszyklus haben einen ganz besonderen, inneren Rhythmus, der körperliche, emotionale und dadurch auch gedankliche Veränderungen mit sich bringt. Menschen mit Menstruationszyklus bewegen sich dadurch ständig in einem Fluss und durchlaufen jeden Monat einmal einen gesamten inneren Jahreszeitenzyklus

Der Zyklus, mit einer durchschnittlichen Dauer von 23-35 Tagen, ist etwas wiederkehrendes, das in vier Phasen eingeteilt werden kann. Es gibt Zeiten, in denen ich mich super gut fühle, nur lächeln und die Welt umarmen könnte, und dann gibt es Zeiten, in denen ich grundlos niedergeschlagen, genervt oder unmotiviert bin. Tage, die ich nur im Bett verbringen möchte und zu gar nichts zu gebrauchen bin. Auch ein bisschen wie die Jahreszeiten also – Frühling, Sommer, Herbst und Winter, nur im eigenen Körper. 

Doch wie gehe ich damit um, wenn doch immer gleichbleibende Leistung und Produktivität von mir verlangt wird? Unsere Gesellschaft ist ist nicht auf Zyklen aufgebaut, sie verläuft linear und wird von Männern dominiert. Wir sind darauf eingestellt, immer auf dem Sprung zu sein, auf Kommando ständig Leistung zu erbringen – immer nur go, go, go.

Von daher hören wir meist nicht darauf, was uns unser Körper sagt: Wir ignorieren seine Signale und gehen unserem alltäglichen Geschäft nach. Bloß keine Schwäche zeigen. 

Doch die Natur hat diese zyklischen Phasen ganz bestimmt nicht ohne Grund eingerichtet. 

Follikelphase: Der innere Frühling

Nach der Menstruation beginnt alles, neu zu entstehen. Es ist das „Sich-neu-erschaffen“ des Frühlings. Körperlich baut sich die Gebärmutterschleimhaut wieder auf. Physisch wie auch mental-emotional steigen unsere Ausdauer, Geduld sowie Leistungs- und Widerstandsfähigkeit, denn der Körper speichert nun neue Energien. Wenn wir uns während der Menstruation Ruhe gegönnt haben, fühlen wir uns erfrischt und sind bereit das nächste Projekt in unserem Leben zu planen.

Was jetzt gerade besonders gut geht?

-Schwierige Themen anpacken 
-Das, was wir schon so lang vor uns her schieben 
-Vorstellungsgespräche
-Reflektieren und die nächsten Schritte planen & Konzepte schreiben 
-Ein Neues anfangen, ein neues Hobby oder eine Sportart, Stricken, etc

Ovulationsphase: Der innere Sommer

Der Eisprung zur Zyklusmitte repräsentiert das „vollen Erblühen“ des Sommers. Du strotzt nur so vor Energie und dein gesamtes Verhalten ist nach Außen gerichtet. Jetzt bist du sehr aktiv, erschaffst schnell und mit Leichtigkeit viel Neues, triffst Freund*innen und bist spontan. Wir nehmen jetzt nicht nur verstärkt wahr, wie wir auf andere wirken, sondern haben auch einen schärferen Sinn für unsere Außenwelt.

Was jetzt gerade besonders gut geht?

-Ideen umsetzen
-Viel Kontakt zu anderen Menschen & großer Austausch
-Produktiver sein als gewöhnlich 

Lutealphase: Der innere Herbst 

Im Herbst beginnen die Bäume ihre Blätter zu verlieren und die Energien, die in der ersten Jahreshälfte noch die Baumkronen erblühen ließen, ziehen sich nun zurück in die Baumwurzeln. So ist auch für uns in unserem inneren Herbst die Zeit gekommen, unsere mentalen und physischen Energien allmählich auf unsere Wurzeln zu konzentrieren. Es geht darum, Dinge abzuschließen, uns langsam zurückzuziehen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, Ordnung zu schaffen und Veraltetes abzulegen.

Hierbei können dich auch plötzlich Tränen, Frustration, Wut, und Traurigkeit überwältigen und kurzzeitig verwirren. Es kommen auch gerne mal all diejenigen Dinge hoch, die dich über deinen ganzen Monatszyklus schon genervt haben. Da jetzt deine innere Kritikerin am größten ist, hast du kein Problem damit, Dinge ungeschönt beim Namen zu nennen und schonungslos auszusprechen. Daher ist dies auch die Phase in unserem Zyklus, in der wir am ehesten mal eine kleine Streiterei anzetteln können.

Was jetzt gerade besonders gut geht?

-Aufgaben abschließen, Dinge zu Ende bringen & Ballast ablegen 
-Aufräumen 
-Keine neuen Themen beginnen 
-Zur Ruhe kommen
-Neue Themen auf den nächsten inneren Frühling legen 
-Fokus darauf lenken, was schon alles geschafft ist 
-Aufmerksamkeit nach innen kehren 
-Zeit allein verbringen 

Menstruationsphase: Der innere Winter 

All das Veraltete können wir mit Beginn unserer Blutung nun endlich loslassen. Die Menstruation ist somit ein körperlicher und mental-emotionaler Detoxprozess. Die gesamte Körperenergie ist auf Abwärtsfluss gepolt. Unsere körperliche Kraft hängt buchstäblich am Boden und auch unser Gemüt ist introvertierter und stiller als sonst. Wir ziehen uns noch mehr zurück, damit wir uns vollkommen diesem innerlichen Arbeitsprozess widmen können, der durchaus anstrengend sein kann. In dieser Phase haben wir einen intensiveren Zugang zu unserer Intuition. Gleichzeitig sind all unsere Sinne verschärft, denn jegliche Körperkanäle sind jetzt offen. Das ist auch der Grund, warum wir noch ein Stück sensibler als sonst auf jegliche Einflüsse von der Außenwelt reagieren, die uns dann schnell zu viel werden und aus der emotionalen Balance bringen können.

Die Menstruationsphase ist unser ganz persönlicher monatlicher kleiner Retreat von der lauten Welt dort draußen, ideal für neue Einsichten und Eingebungen. Wir lassen die Geschehnisse des Monats nochmals Revue passieren. Und dann ─ ganz unerwartet – übernimmt der Autopilot Intuition das Ruder, und wir bekommen neue Antworten auf ungelöste berufliche oder private Themen, zu denen wir uns den ganzen Monat vergeblich den Kopf zerbrochen hatten.

Was jetzt gerade besonders gut geht?

-Nur das Nötigste machen
-Kleine kurze Pausen zum Durchatmen einplanen 
-Sich zurückziehen
-Zeit mit vertrauten Menschen verbringen

Und so hat jede Phase ihre Vorteile, die uns das Leben ein klein wenig erleichtern, wenn wir auf sie hören. Im Zentrum steht unser eigener Körper. Wenn wir wissen, wer wir sind, können wir für und nicht gegen uns arbeiten. Zyklusachtsamkeit gibt uns den Raum, verschiedene Bedürfnisse oder Persönlichkeiten zu haben. Denn ist ok und sogar normal, dass wir uns an verschiedenen Tagen unterschiedlich fühlen. Im Einklang mit sich selbst zu leben, öffnet ungeahnte Möglichkeiten und bringt das wirkliche Potential ans Tageslicht. Denn der natürliche Wandel unserer Energie im Laufe des Menstruationszyklus ist kein Nachteil, sondern vielmehr eine große Bereicherung. Genau wie die Jahreszeiten. Jede Zeit bringt ihren ganz eigenen Charme und ihre Besonderheiten mit sich – so auch unser Menstruationszyklus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.