Körper & Bewusstsein
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Ich seh’ rot

Das letzte Mal war schon viel zu lange her, das war mir auch sehr  bewusst. Aber ich hatte andere Sorgen und zugegeben war ihre  Abwesenheit auch ganz angenehm. Doch wenn ich ganz ehrlich zu mir  bin, dann hatte ich 4 Jahre lang meine Periode nicht.  Es fällt mir schwer, die Vergangenheit zu rekonstruieren, wann es  genau anfing kann ich nicht benennen. Innerhalb von kurzer Zeit  verlor ich über 1/3 meines vorherigen, gesunden Körpergewichts und  fand mich im Untergewicht wieder. Zu diesem Zeitpunkt war mir noch  nicht klar, dass die damit einhergehenden physischen und psychischen  Schäden mich viele Jahre begleiten werden würden. 

Ursachen für das Ausbleiben der Periode  

Sekundäre Amenorrhö, also dem Ausbleiben der Regelblutung über  mehrere Monate, kann viele verschiedene Ursachen haben. Neben dem  bereits erwähnten Untergewicht zählen auch Leistungssport,  Medikamente (auch nach dem Absetzen der Pille!) und Stoffwechselerkrankungen dazu, aber auch mentale Stresssituationen können diese auslösen. 

Die Menstruation ist ein sehr komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Geschlechtshormone zur Vorbereitung des Körpers auf eine mögliche Befruchtung. Vom Hypothalamus, der die Hormonaktivität koordiniert, müssen viele Prozesse durchlaufen werden, bis die Eierstöcke die Hormone Östrogen und Progesteron produzieren, die  schlussendlich die Menstruation steuern. 

Das bedeutet also, dass die Wiederherstellung eines gesunden  Körpergewichts super essenziell ist (natürlich nicht nur, um die  Menstruation wieder zu bekommen), aber das alleine nicht ausreicht. 

& welche Folgen das mit sich bringt  

Als 16-jährige nahm ich die Abstinenz meiner Periode als total  positiv wahr – ich empfand diese Zeit im Monat immer als sehr stressig, bei vielen Menschen kommen monatlich auch noch immense  Schmerzen dazu. In diesem Alter hatte ich weder Partner:in noch  Kinderwunsch und war wenig besorgt. Doch nach einiger verstrichener  Zeit kann mensch sich nicht einfach hinsetzen und sich die Periode zurückwünschen – das ist mit einem sehr langen Prozess verbunden, der an sich schon sehr belastend ist und dich mit deiner eigenen  Nachlässigkeit konfrontiert. Hinzu kommt außerdem, dass der lange Östrogenmangel mit der Zeit zu Osteoporose, also Knochenschwund, führen kann. 

Die Initiative ergreifen  

Solltest du dich gerade sehr angesprochen fühlen: mach einen  Beratungstermin aus und warte nicht so lange, wie ich das getan  habe! Die Menstruation ist super wichtig für deinen Körper und ein  Indikator dafür, dass sich dein Hormonsystem nicht im Gleichgewicht befindet. Wenn eine der oben genannten Ursachen für das Ausbleiben der Periode auf dich zu trifft, dann ist dies natürlich der Schritt Nummer 1, diese Wurzel deines Periodenverlustes anzugehen.  

Meine Erkenntnisse  

Hier der obligatorische Disclaimer: Ich bin keine Expertin, habe mich lediglich über Jahre hinweg mit Amenorrhö auseinandergesetzt und eine Expertin konsultiert. Zum Periodenverlust gibt es aber auch sehr viele erste (mit Vorsicht zu genießende) Informationen im Internet.

Dinge, die mir geholfen haben: 

Ruhe. Also wirklich ganz konsequent keinen anstrengenden Sport mehr machen. Lange Spaziergänge und Yoga sind auch sehr schön und  ausreichend. Außerdem habe ich hormonelle Tee als sehr wohltuend empfunden. Dein:e Experte:in stellt dir sicherlich gerne einen bunten Mix zusammen, beispielsweise mit Frauenmantel,  Himbeerblättern und Schafgarbe. Auch eine Urtinktur mit Frauenmantel war ein wichtiges Element bei der Wiederherstellung meines  hormonellen Gleichgewichtes. 

Informiere dich aber in jedem Fall gut selber und kaufe keine  Medikamente und Hormonpräparate blind nach. Jeder Körper ist anders! Im Netz wirst du sicherlich noch viel zu Phytoöstrogenen,  Mönchspfeffer und Seed Cycling finden. Wichtig ist aber vor allen Dingen, dass du deinem Körper ganz viel Zeit, Geduld und Liebe zeigst. 

Lara, 20, lebt, liebt & lacht im grünen Freiburg.

Das Beitragsbild ist von Jule Heinrich. Sie ist 21 Jahre alt, lebt in Hamburg und studiert an der HfbK. Es gilt der Versuch Ungreifbares greifbar erscheinen zu lassen, Gefühle und Gedanken sichtbar zu machen und bloß nichts Erlebtes zu vergessen. Das Fotografieren begleiten sie dokumentarisch durch den Alltag.

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