Jahr: 2021

Kreativ auf Kommando #heiterbiswolkig

Für mich ist schon seit vielen Jahren klar, dass ich in einem künstlerischen Beruf arbeiten und meine Liebe zum Zeichnen zum Beruf machen möchte. Mein ganzes Studium arbeitet darauf hin und manchmal werde ich sogar schon dafür bezahlt. Und trotzdem stehe ich immer wieder vor dem Problem, dass es manchmal schwer ist auf Abruf zu kreativ zu arbeiten. Besonders wenn Deadlines näherrücken und die eigenen Erwartungen etwas Großartiges zu schaffen immer größer werden, scheint es unmöglich, wieder zurück in einen Flow zu kommen. Und was mache ich, wenn das passiert? Eines kann ich mit absoluter Sicherheit sagen: Zu warten dass die Inspiration kommt, hat mir noch nie geholfen. „Inspiration exists, but it has to find you working“, hat Picasso ja auch schon gesagt. Und da ist wirklich etwas dran. Außerdem merke ich, dass mir das Schaffen immer dann am schwersten fällt, wenn ich es mir schwer mache. Wenn ich überdenke wo ich nicht weiter komme, mir Stress wegen Deadlines mache und meine Erwartungen an mich zu unrealistisch sind. Und dann hilft es nur einen Schritt …

Wenn spazieren nur noch nervt

Die Tage werden zwar wieder länger und die Sonne kommt ab und zu raus, aber so richtig Bock aufs Spazieren hat doch keiner mehr, oder?Ein Spaziergang ist aber viel mehr als nur das einzig mögliche Hobby aktuell. Warum du nicht aufhören solltest zu spazieren oder spätestens jetzt damit anfangen solltest. Immer häufiger tauchen in der Online-Welt Memes und Tweets, wie dieser hier auf: „Mama, warum weint Opa so laut, ich habe ihn doch nur gefragt, ob wir spazieren gehen wollen?“ – “Weißt du, dein Opa hat 2020 erlebt, damals wurden ganz viele Leute krank und alles was man tun durfte war spazieren gehen, er hat einfach genug davon.” (twitter.com/elhotzo) Seit mehreren Monaten ist Spazieren irgendwie das Einzige, was du so tun kannst. Es ist das Einzige, was nicht vorm Bildschirm stattfindet. Es ist aber besser als vom Bett an den Schreibtisch, über die Couch, zurück ins Bett. Also doch noch einmal aufraffen und eine Runde um den Block. Die Jogginghose darf auch ruhig an bleiben. So richtig Spaß macht esauf Dauer aber nicht, immer an …

Auf einen Tee mit Tim #aufeinentee

Manchmal tut es verdammt gut, über den Tellerrand hinauszuschauen und junge Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten zumindest ein bisschen besser kennenzulernen. Alle zwei Monate fragen wir hier einen jungen Menschen nach seinen Träumen, Zweifeln und Leidenschaften. Heute wollen wir von Tim wissen, wer er ist und wofür er brennt. Wer bist du? Ich heiße Tim, bin 23 Jahre alt und segle seit zweieinhalb Jahren mit meinem besten Kumpel um die Welt. Mein Alltag besteht daraus, neue Orte und Sachen kennenzulernen und mit neuen Situationen und Herausforderungen zurechtzukommen. Wofür brennst du? “Brennen” ist denke ich für meine Leidenschaft der falsche Ausdruck. Aber meinen Serotonin-Höhepunkt habe ich in 20 Meter Tiefe unter der Wasseroberfläche. Dann, wenn alles still ist, man das Gefühl hat, zu schweben und der Herzschlag leise und heruntergefahren ist. Es ist ein Ort, an dem ich mich wohl fühle und ich ein Teil dieser wilden und lebendigen Natur sein kann. Hast du einen Traum? Mein Traum ist es, in 40 Jahren auf meiner Veranda zu sitzen, auf mein Gemüsebeet zu schauen und zu wissen, dass …

Wonderwall kriegt mich wieder

Dieser Winter fühlt sich länger an als die vorherigen. Seit Monaten stehe ich jeden Morgen auf, benutze zwei Make Up Produkte statt zuvor zehn und tausche meinen Schlafanzug symbolisch gegen die Jogginghose für das Homeoffice und Online Uni Veranstaltungen. In meinem Kleiderschrank gibt es mittlerweile einen extra Stapel neben den Pyjamas mit bequemen Klamotten für tagsüber. Die Stapel sehen sich zum verwechseln ähnlich. Das letzte Jahr hat für mich vieles verändert, wie für alle auch. Ich war schon immer ein sehr introvertierter Mensch. Mittlerweile verstehe ich das eher als eine offensichtlichere der vielen Seiten meiner Persönlichkeit, als als Label. Kinderfotos zeigen mich in der Regel komplett vertieft in irgendeine Sache und nicht lachend umgeben von Freunden. „Für dich muss so eine Pandemie doch Glück im Unglück sein!“ „Kommt so Menschen wie dir ein Lockdown nicht ganz gelegen?“ Diese Sätze habe ich in den vergangenen Monaten relativ oft von Familie und Freunden gehört und ähnliche Behauptungen geisterten auch durch die Medien, wenn es um den Umgang mit der Lage ging. Nach dem Motto für Stubenhocker, Nerds …

Die Macht der Pornografie mit Lea Röwer #ZwischenNeugierundBewunderung

Wahrscheinlich hat jeder von uns schonmal pornografische Inhalte konsumiert. Nicht selten auch regelmäßig. Doch was genau schauen wir uns da eigentlich wirklich an? Was hat das mit dem Menschen, unserer Gesellschaft und dem Patriarchat zu tun? Und was ist eigentlich Only Fans? Lea Röwer hat sich im Rahmen künstlerischer Praxis und einer Bachelor-Thesis intensiv mit der Pornografie auseinandergesetzt. Es entstand ein erkenntnisreiches Gespräch das kritisch reflektiert und dennoch nicht verteufeln möchte. Wenn wir über Pornografie sprechen, über was sprechen wir dann? Es gibt nicht die eine Pornografie. Es gibt tausend verschiedene Nischen. Es gibt feministische Pornografie, genauso wie es Fetisch-Pornografie gibt und professionell produzierte Pornografie. In dem Kontext interessiert mich nicht so, was die Hauptcharakteristika von Pornografie sind, das ist nur eine Facette, sondern vielmehr in wie weit sie unsere Gesellschaft prägt. Wie sie medial mit anderen Bereichen verbunden ist oder was sie abgrenzt. Wie sie unsere Realität formt und Einfluss auf unsere Fantasie nimmt. Was mit den Menschen passiert, die im Pornografie-Geschäft arbeiten. Wie sie dargestellt werden und gleichzeitig auch, wie die Konsumenten mit …

(Präsent) Sein

Im Dezember 2019: Einige Tage vor Silvester, stehe ich in einem Buchladen vor dem Regal „Lebensführung“. Ich möchte ausbrechen und aufbrechen in ein letztes Jahr Schule, ein Jahr, das mir das Erwachsenwerden beibringen würde, wie es kein Coming of Age-Film auf Netflix schaffen sollte. Ich stehe da, fahre mit meinem Zeigefinger über sämtliche Schriftzüge. Mein Blick wandert durch die Reihen, als mich eine Frau von der Seite anspricht: „Lies das.“ sagt sie und hält mir ein kleines, orangenes Buch entgegen. „Jetzt!“ von Eckhart Tolle heißt es.  Die Frau fügt hinzu: „Ich bin mir sicher, es wird dein Leben verändern. Wenn auch nur ein kleines Stückchen.“ Ich bin etwas überrascht, nehme das Buch aber entegen und bedanke mich zögerlich. Ich blättere in ihm herum und überfliege die Zeilen und als ich wieder aufblicke, ist die Frau schon verschwunden. Ich kaufe schließlich das Buch und merke mit jeder Seite, die ich in den nächsten Wochen lesen würde: präsent zu sein, darauf kommt es an. Das Leben im Moment zu erkennen, ist die Essenz, die uns mit ihm verbindet. …

Sorry not Sorry #gibmirwiderworte

Über die Unfähigkeit zur aufrichten Entschuldigung. In einem längst vergessen Land, in dem es verboten war, sich zu entschuldigen, wurde gepöbelt, getreten und gekratzt. Es wurde sich nicht umgedreht nach dem hinterlassenen Trümmerfeld, und kein Blick verschwendet für den Scherbenhaufen, den die eigenen Worte der Taten verursacht hatten.  Das vergangene Jahr hat viele gesellschaftliche Veränderungen angestoßen und neue Sensibilitäten geschaffen – für Minderheiten, Ungerechtigkeiten, ein faireres Miteinander. Diese Wendung, hin zu mehr gesellschaftlicher Achtung, würde vermuten lassen, dass sich ein inoffizieller journalistischer/politischer/öffentlicher Kodex entwickelt hat, der sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beruft, möglichst wenig Individuen auf die Füße zu treten. Doch überraschen Medienhäuser, Pressesprecher:innen und Privatpersonen immer wieder aufs Neue mit unüberlegten und fragwürdigen Äußerungen, die in einen tiefen und dunklen gesellschaftlichen Abgrund blicken lassen.  Ist es ein vorschnelles Vergeben und Vergessen, dass Wiederholung solcher Fehltritte nicht verhindern kann? Oder sind wir der öffentlich ausgeschlachteten Skandale und ihrer halbherzigen Konsequenzen einfach überdrüssig und nehmen diese daher einfach als ermüdende Tatsache hin? Erstere Erklärung scheint in Zeiten von Cancel Culture und großflächigen Boykotten unwahrscheinlich. Und …

Selbstfindung im 21. Jahrhundert

Meine Gedanken wie dreckige Fussel auf einer frischen Linse,Ich höre wie ich leise winsle, damit es niemand hört,Damit es niemanden stört. Es zählt nichts weniger als seine Hülle,Und trotzdem bringt es mich in so einer Fülle,Ab und an runter,Und benetzt mich ganz munter,Mit einem Schleier auf Zweifel,So fies wie ein Teufel. Es passt dies nicht, es passt das nicht,Dieses Bild widerspricht mal wieder meinem Gesicht,Und ich frage mich wann wird es enden,Dieses Verschwenden von negativen Einwänden. Ständiges Vergleichen, Abwertende Aussagen gespeichert als Lesezeichen,Und zum Ausgleichen umschleichen mich Komplimente von Liebsten,Die sich für meines Gleichen anhören wie Sonderzeichen. Sie sehen mich anders und nicht so wie ich,Ich bin einzigartig, so ganz unterm Strich,Habe Fehler und Macken, bin nicht perfekt,Und bemerke verschreckt, Ich bin der Architekt,Meines eigenen Lebens,Und versuche vergebens,Zu lieben wer ich bin,In diesem neuzeitlichen Wahnsinn. – Der Text wurde anonym eingereicht. Das Beitragsbild ist von Linda.Sie ist Grafikdesignerin und brennt für gute Gestaltung. Sie arbeitet gerne konzeptionell und legt den Fokus auf aussagekräftige Illustrationen. Neben Kunst und Design, liebt sie die Berge, Kaffee und ihr rotes Fahrrad …

Mit beiden Beinen auf dem Boden

Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich bodenständig bin. Vor einem halben Jahr bin mit einer Freundin auf das Wort gestoßen. Wir haben eine Woche lang alle möglichen Menschen gefragt, was sie unter Bodenständigkeit verstehen, ob sie bodenständig sind und ob das etwas Positives oder Negatives ist. Mich hat fasziniert, dass es keine eindeutige Definition gibt und Menschen so unterschiedliche Meinungen dazu haben. Für manche, vor allem für Menschen aus meiner Generation, ist sie die Spitze des Spießbürgertums. Bodenständigkeit repräsentiert für sie Unfreiheit und ein Gefangensein in den konservativen Moralvorstellungen ihrer Eltern und Großeltern. Für andere ist sie eine Tugend und Idealvorstellung eines unbesorgten Lebens.  Ist Bodenständigkeit ein Überbleibsel aus alten Zeiten oder ist sie ein Wert, der auch heute noch eine Rolle spielt? Lässt sich diese Frage überhaupt beantworten? Darüber habe ich in den letzten Monaten mit Freund*innen, meinen Eltern und Großeltern geredet. Am Ende habe ich die Soziologin Barbara Thériault interviewt, die dem Konzept Bodenständigkeit eher zufällig begegnete, als sie sich mit dem Alltag von Menschen der Erfurter Mittelklasse beschäftigte und das Buch …

Die Systemrelevanten

Anmerkung: Ich habe in den letzten Wochen an verschiedenster Stelle den Hinweis wahrgenommen, dass die Bezeichnung „Weltfrauentag“ teilweise problematisch ist, da das Lexem „Frau“ nicht umfassend genug für alle Spektren sei und andere Personengruppen, die unter dem Patriarchat leiden, ausschließe. Die Schreibweise des Wortes „Frau“ mit Gender-Sternchen, wie ich sie in meinem Text letztes Jahr auch verwendet habe, da ich diese für spektrumsübergreifend hielt, sei demnach auch falsch. Leider habe ich bisher keine andere, adäquate Schreibweise ermitteln können, die niemanden ausschließt und so im nachfolgenden Text die einfache Schreibweise „Frau“ gewählt, ohne die Absicht, ein Spektrum damit benachteiligen zu wollen. Über Hinweise bezüglich einer passenden Schreibweise wäre ich dankbar. Seit meinem Text zum Weltfrauentag 2020 hat sich die Welt verändert. Neben all den negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie, gibt uns die Krise aber auch Chancen, neue Bewusstseinsperspektiven zu entwickeln – auch für ohnehin schon bestehende Problematiken, deren Dringlichkeit sich durch die Krise verstärkt.  Der Weltfrauentag 2021 ist wichtiger wahrzunehmen als je zuvor, denn ein Jahr in der Pandemie hat gezeigt, dass es Frauen sind, die unsere Gesellschaft …