Jahr: 2021

Das Spiel mit der Repräsentation #gibmirwiderworte

Nicht zu sehen, bedeutet nicht gleich blind zu sein.Nicht zu erhören, bedeutet nicht gleich taub zu sein.Aber zu ignorieren, bedeutet zu versagen.Denn nicht zu repräsentieren, bedeutet zu vergessen. Repräsentanten so grau, wie ihre Gesellschaft bunt Den Rücken stärken, anleiten, führen – die Regierung einer parlamentarischen Demokratie muss vieles: für dieBevölkerung da sein, ein Ohr für das Individuum haben und wenn möglich, immer eher präventiv als reaktionär zu handeln. Knietief in der aktuellen Krise wirken diese Ansprüche doch eher fast wie Träumereien; sind die Wehklagen zu vieler Individuen gerade ohrenbetäubend und das Virus scheinbar unkaputtbar. Moderne Demokratien setzen auf das Prinzip der Volkssouveränität und trauen der Bevölkerung eine mündige Wahl ihrer Vertreter zu. Die Zusammensetzung der Repräsentierenden ist somit Sache der Gesellschaft und kann sich im Zyklus der Wahlperioden verändern, somit sind Demokratien und gesellschaftlicher Wandel eng verwoben und bedingen einander. Eine Regierung, als Ebenbild der Gesellschaft, die sie versucht zu erwählt worden ist – eine Kabinettaufstellung, die sich an den Menschen orientiert, die sie dazu berechtigt haben, eine Interessendelegation von unten nach oben. Auf keinen …

Haben oder Sein?

Pausenlos konsumieren Ohne Befriedigung liebenDu gehörst mirIch gehör dirIst es das, was du willstDu hast SehnsuchtIch sehne michDu verstehst den Unterschied nichtEs geht um haben oder seinFühlen tust du nichtsDeine Glieder taub gewordenFür meine StimmeDie dir nicht gehörtDeine Hände greifen Nicht mehr nach mirNach MittagSie greifen mehrIns Leere des Seins Doch bist duDurstig nach WortenDie deinen erkauften Stolz bewundernDich einbalsamieren in geheucheltes InteresseDu hörst mein LachenDenkst nur an deine FehlerDie nur du selbst siehstIch bin hierIch möchte doch nur teilen Was mich erfülltDein Gesicht versteinertZugebaut, verhülltVor den Kopf gestoßenlache ich weiterDenke,Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dichIch will dir nicht gehörenIch will dich nicht habenIch will mein Sein mit dir teilenOb du mich noch hörst?Denn obwohl ich am Sein arbeiteHabe ich AngstUnd obwohl wir es doch SindHabe ich ZweifelHaben oder Sein? Vereinzelte, verlorene Teile des SeinsZuvor gefunden und nicht behaltenDer von hinten auf dich zeigende SpiegelWürde mich erblassen lassenHätte ich gesehen, dass er zeigt,Was ich warIch war okayBin okay für mich selbst Wann kamen AnsprücheDie mich runter stufen Auf die Stufe derSelbstliebe …

Obdachlosen Menschen in der kalten Jahreszeit helfen

„Die Kippe ist schon ganz schön hart gerade.“ Wir sind auf dem Heimweg, es ist drei Uhr nachts im Januar in Berlin. Rauchen fällt jetzt schwer, weil es eigentlich viel zu kalt ist und bei jedem Zug der Zigarette die Finger ein bisschen mehr abzufrieren scheinen. Aber gleich sind wir da, es ist nicht mehr weit, gleich können wir uns wieder aufwärmen.  Meine Gedanken schweifen ab zu den Menschen, die jetzt nicht einfach so ins Warme können. Menschen, die kein Zuhause haben und die eisig-kalten Nächte draußen verbringen müssen. Ich komme mir so doof vor. Beschwere mich über den kurzen Weg nach Hause, wohingegen andere Menschen Nacht für Nacht ums Überleben kämpfen müssen. Was kann ich tun? Wie kann ich wohnungslosen Menschen vor allem jetzt in dieser kalten Jahreszeit helfen?  Achtsam sein Zunächst ist es wichtig, überhaupt erstmal zu erkennen, ob jemand gerade deine Hilfe brauchen könnte. Wenn du siehst, dass ein obdachloser Mensch kaum geschützt im Kalten schläft, kannst du ruhig mal nachschauen, ob alles okay ist und ihn gegebenenfalls wecken, um deine Hilfe …

Mord und kein “Eifersuchtsdrama” #Alltagsaktivismus

Eine von vier Frauen in Deutschland hat schon mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt von ihrem Partner oder einem Expartner erlebt. Allein im Jahr 2019 sind 114. 903 Frauen Opfer partnerschaftlicher Gewalt geworden, wie die Statistik des Bundeskriminalamts zeigt. Zum Vergleich, im selben Jahr sind 26. 889 Männern als Opfer registriert worden. Die Dunkelziffer darf wohl um einiges höher geschätzt werden. Denn, nicht jedes Opfer bringt den Täter auch zur Anzeige. Gerade jetzt während der Coronapandemie, wo Isolation und Social Distancing seit Monaten an der Tagesordnung stehen, schlagen Kinder- und Frauenschutzvereine Alarm. Frustration durch verlorene Jobs und finanzielle Schwierigkeiten, räumliche Enge in der Quarantäne sorgten dafür, dass ein Anstieg in körperlicher, sexueller und emotionaler Gewalt gegenüber Frauen durch ihre Partner verzeichnet werden konnte, wie u.a. eine Studie der TUM herausfand. Außerdem verstärkt die Pandemie finanzielle Abhängigkeiten und zwingt Frauen jetzt noch eher dazu bei gewalttätigen Partnern zu bleiben. Kein Zimmer für sich Die Gewalt innen bleibt außen jetzt oft noch unsichtbarer als sie es eh schon sein konnte. Kontrolle durch Freund*innen und Bekannte ist durch …

Wir beide (nicht) am Meer

Meine Sachen sind alle gepackt. Ich will gerade aus der Tür hinaus, als du anrufst: Es sei etwas dazwischen gekommen, sagst du mir mit kühler Stimme, und auch sonst müssten wir mal reden, gerade ist es irgendwie schwierig zwischen uns.  Ich lasse meinen Rucksack vor mich auf den Boden plumpsen. Meine frisch aufgenähten Patches leuchten noch so neu, doch wirkten trostlos. Nutzlos. Ich spüre, wie der Boden unter mir immer weicher wurde. Ich laufe wie auf Watte. Versuche, zurück in mein Zimmer zu kommen. Mit jedem meiner Schritte fühlte es sich an, als würde ich weiter in den Sand sinken: Jeder Schritt fällt mir schwerer. Der Sand steht mir jetzt bis zur Brust, engt mich ein, ich habe in unserem großen Flur plötzlich keinen Platz mehr. Ich möchte um mich treten, alles von mir wegdrücken. Doch der Sand ist zu stark. Zu fest. Zu schwer. In meinem Zimmer lege ich mich hin. Die Flut kommt jetzt auf in mir. Der Sand wird weggespült. Ich atme einmal tief ein, um mir Platz zu schaffen. Der Sand …

Feminismus in der Retrospektive #Facettenreich

Triggerwarnung: in diesem Text geht es unter anderem um häusliche Gewalt. – Hippies, Hotpants und Hard Rock verbinden viele mit den wilden 70ern. Vor allem für Frauen hat sich in diesem Jahrzehnt vieles verändert. Im Jahr 2021 jähren sich wichtige Ereignisse zum 50. Mal. Wofür wurde damals gekämpft? Eine kleine feministische Zeitreise in das Jahr 1971. Der Blick zurück Große Zeitschriften betreiben Female Empowerment: auf Titelseiten werden die 100 Frauen des Jahres geehrt und Aktionen wie „Ich bin eine Quotenfrau“ machen im Netz die Runde. Es scheint, als hätten Frauen eine feste Stimme in der Öffentlichkeit. Manche von ihnen setzen sich schon seit Jahrzehnten für Gleichberechtigung ein, waren Teil der sogenannten neuen Frauenbewegung vor fünfzig Jahren. Eine Zeit, die bis heute nachwirkt und vielleicht mehr mit der Gegenwart zu tun hat, als wir denken. Was waren die Anliegen der Frauen? Wie wurde protestiert? Was ist von damals übrig geblieben? Unser Verständnis von Feminismus basiert maßgeblich auf den Theorien revolutionärer Denker:innen aus dem letzten Jahrhundert. Moderne feministische Bewegungen eifern einer weiblichen Zukunft entgegen: The Future is …

2021 – Der Rassismus bleibt! #wir

TW: Rassismus, Polizeigewalt, Tod Das Jahr 2020 hatte es in sich. Es ist geschehen, was viele von uns nicht für möglich gehalten hätten. Ereignisse, die uns vor Augen geführt haben, wie privilegiert doch viele von uns sind. Ereignisse, die uns an unsere Sterblichkeit erinnert haben. Ereignisse, die gezeigt haben, dass strukturelle Ungerechtigkeit ein Teil dieses Landes ist.Das Jahr 2020 liegt nun hinter uns. Doch endet mit ihm auch der Rassismus? Endet mit ihm die rassistische Polizeigewalt? Enden mit ihm die Rassismuserfahrungen, die marginalisierte Menschen in diesem Land Tag für Tag erleiden?LAUT UND DEUTLICH: NEIN!Deswegen kann und muss 2021 das Jahr sein, in dem Rassismus weiterhin bekämpft wird. Für eine gleichberechtigte Zukunft aller in diesem Land lebenden Menschen! 2020 – Kein Jahresrückblick Freude, Trauer, Wut, Glück, Ohnmacht. Wer hat sie im letzten Jahr nicht verspürt? All diese Emotionen, die das Jahr 2020 in mir ausgelöst haben.Das Jahr der unvorhersehbaren Ereignisse. Wer hätte damit gerechnet, dass 2020 all diese Momente und Herausforderungen für uns bereit hält? Ich sicherlich nicht. Und noch einmal hat mir das Leben gezeigt, …